Die Zukunft gehört …?

Auch wenn es millionenfach aus den Schlagzeilen quillt, wenn noch so viele Regierungsmitglieder wahrsagen: „Die Zukunft gehört der Elektromobilität“, es gibt keinerlei Indizien, die diesen Fluch einer bösen Fee bestätigen würden.

Zunächst  einmal ist die Redewendung: „Die Zukunft gehört …“, wenn auch häufig benutzt, an inhaltlichem Schwachsinn nicht zu überbieten. Erstens ist die Zukunft nichts, dass irgendjemand oder irgendetwas gehören kann. Es gibt weder Besitz-, noch Eigentumsrechte  an der Zukunft. Nehmen wir es mit dem „Gehören“ nichts so genau, weil man das halt so sagt, dann bleibt immer noch die Unbestimmtheit der Zukunft übrig. Die Zukunft beginnt nämlich spätestens morgen und verliert sich dann irgendwo in der Unendlichkeit.

Legt man nun eine „Ära“ der E-Mobilität auf die Zeitschiene, dann stellt man fest, dass die Stromer noch lange nicht als dominanten Fortbewegungsmittel auf den Straßen unterwegs sind, sondern dass ein gutes Stück der einigermaßen überschaubaren Zukunft noch der Ära der Verbrennermotoren zugerechnet werden muss. Die erste Frage, die man den Gläubigen und den fragwürdigen Propheten stellen muss, lautet also: „Wann soll diese Zukunft denn beginnen?“

Da werden sie im Brustton der Überzeugung erklären, diese Zukunft beginne in genau zehn Jahren, nämlich 2035. 

Wenn man dann weiterfragt, wie sie darauf kommen und warum das so sein wird, wird als Antwort nur übrig bleiben: „Weil wir das so wollen.“

Das klingt schon einigermaßen dünn. Noch dünner wird es allerdings, wenn man fragt, worauf die Gewissheit denn beruhe, dass das, was sie wollen, auch so eintreten wird.

„Weil wir an der Macht sind.“

Was ist das für ein lächerlicher Beweis? Die längste Machtperiode der Bundesrepublik dauerte 16 Jahre, die zweitlängste 14 Jahre, die zuletzt zu Ende gegangene keine vier Jahre und die aktuelle siecht nach noch nicht einmal einem Jahr in größter Zerissenheit vor sich hin.

Selbst wenn man davon ausgehen wollte, dass die Demokratie von diesem Siechtum längst infiziert ist, dass also die Hoffnung darauf, Wahlen könnten etwas ändern, weitgehend unbegründet ist, kann man sich doch andererseits darauf verlassen, dass eine Regierung, die dauerhaft und spürbar gegen die Interessen des eigenen Landes agiert, auf andere Weise abgelöst werden wird. Wenn es dem Kapital und der Wirtschaft schlecht geht, wird die Opposition von dort Unterstützung erfahren, während die Zuwendungen für die Regierungsparteien dahinschmelzen, wie die Gewerbesteuereinnahmen von Stuttgart, Ingolstadt, Rüsselsheim und Wolfsburg. Wenn es den Menschen schlecht geht, werden sie sich von denen abwenden, deren Credo das „Weiter so!“ ist und sich jenen zuwenden, die Vorschläge für einen Kurswechsel unterbreiten. Nicht zu vergessen, wenn die Zustimmungswerte für die Regierungsparteien sinken, werden sie beginnen, sich gegeneinander zu profilieren. Das hat ja schon begonnen. Und wenn die Angst, von den Wählern abgestraft zu werden, groß genug ist, wird einer die Reißleine ziehen, die Koaltion platzen lassen und mit neuem Programm in den Wahlkampf starten.

Nein. An der Macht zu sein, ist wohl die dümmste Beweisführung für die Richtigkeit einer Prognose, die wiederum nur auf dem Willen aufbaut, einen bestimmten Zustand herbeizuführen, dessen Realisierung jedoch vom Fortbestand der Macht abhängig ist.

Von daher mache ich hier einen ersten Punkt und prognostiziere: Das Verbrenner-Aus wird für Deutschland vollständig fallen, noch bevor die viel beschworene Zukunft überhaupt begonnen haben wird.

Die jetzt beschlossene Mogelpackung, den Flottenverbrauch an Kohlenwasserstoffen bis 2035 um „nur“ 90 Prozent, statt um 100 Prozent zu senken, wird nicht halten. Automobile sind Massenartikel, die lediglich durch Massenfertigung überhaupt zu erschwinglichen Preisen auf den Markt gebracht werden können, weil sowohl der Entwicklungsaufwand als auch die Investitionen in die technischen Produktionseinrichtungen im Endpreis auf Hundertausende, besser auf Millionen, vom Kern her gleichartige Produkte verteilt werden können. Fertigungen aufzuziehen, die zu 90 Prozent auf E-Mobilität und zu 10 Prozent auf Verbrenner ausgerichtet sind, wird sich allenfalls im Premiumsegment wirtschaftlich vertreten lassen. Im Massenmarkt der Klein- und Mittelklasse-Automobile nicht. Und glauben Sie bitte nicht, man könnte einfach im gleichen Gehäuse ohne großen Aufwand wahlweise sowohl einen Elektromotor als auch einen Benziner oder Diesel einbauen. Die Unterschiede gehen viel, viel weiter. Das beginnt schon beim – im Vergleich zum gefüllten Tank – ungleich höheren Gewicht des Fahrzeugs. Das hat Auswirkungen auf das gesamte Fahrwerk, von Radaufhängung und Federung bis zur Lenkgeometrie und zum Bremsverhalten. Auch alle Elemente der passiven Sicherheit müssen wegen der höheren Gesamtmasse anders ausgelegt werden. Da ist nicht nur – mal einfach so – ein anderer Motor drin.

So lange also noch Verbrenner nachgefragt werden, wofür es viele Gründe gibt, und diese Nachfrage von der Produktion zu vernünftigen Preise befriedigt werden soll, müssen Stückzahlen verkauft werden können, die sich mit dem 10-Prozent-Rest, den die EU nun zugestehen will, bei den meisten Herstellern nicht erreichen lassen. 

Von daher mache ich hier den zweiten Punkt und prognostiziere: Das Verbrenner-Aus wird für Deutschland vollständig fallen, noch bevor die viel beschworene Zukunft überhaupt begonnen haben wird, weil die frisch erfundene 10%-Nische eine Mogelpackung ist.

Das gewichtigste Argument liegt aber außerhalb der links-grünen Allmachtsgefühle und des Regulierungswahns Brüsseler Kommissare. Das gewichtigste Element bleibt die normative Kraft des Faktischen, die sich gleich in einer Vielzahl von Kriterien bemerkbar macht.

  1. Elektrische Energie ist hochveredelte, in der Anwendung verlustarme, an jeder Steckdose jederzeit verfügbare Energie, die, wenn man alle Subventionen einerseits und andererseits alle künstlichen Belastungen durch Steuern und Abgaben herausrechnet, auch und gerade, wenn sie aus Windrädern und Solaranlagen gewonnen wird, die teuerste verfügbare Energieform darstellt.
  2. Elektrische Energie ist in Deutschland aufgrund politischer Entscheidungen zu einem knappen Gut geworden. Eine Veränderung dieser Situation, zum Beispiel durch den Bau neuer Kernkraftwerke, braucht einen Vorlauf von mindestens 15, eher aber 20 Jahren. Auch ein noch so gewaltiger Ausbau der Kapazitäten der so genannten Erneuerbaren kann daran nichts verändern. Speichermedien, welche die Überproduktion guter Tage aufnehmen könnten, um sie an windarmen Tagen bei bedecktem Himmel wieder abgeben zu können, existieren nicht und werden auch bis 2035 oder 2050 nicht zur Verfügung stehen.
  3. Die Netzstruktur, sowohl auf der Hochspannungs- als auch auf der Niederspannungsseite ist nicht ausreichend bemessen, um die durch die E-Mobilität ansteigende Last zu transportieren. Hinzu kommt, dass gerade in den Städten mit dichter Wohnbesiedelung ausreichende Ladepunkte aus Platzgründen kaum zu installieren sind. Die erforderlichen Investitionen in den Ausbau der Netze zur befriedigenden Ladepunkt-Dichte, dürften im hohen dreistelligen Milliardenbereich liegen, wobei die Kapazitäten für die notwendigen Arbeiten im Bau- und Elektro-Installationsgewerbe fehlen.
  4. Das absolute K.O.-Kriterium ist jedoch die unzureichende Stromerzeugung. Wir sind bereits heute massiv abhängig von Stromimporten aus dem Ausland, und das, obwohl im Zuge der längst eingesetzten Deindustrialisierung viele Großverbraucher (Stahl, Aluminium, Chemie, Papier, Glas) und unzählige kleinere Verbraucher des verarbeitenden Gewerbes bereits vom Netz gegangen sind, der Gesamtstromverbrauch Deutschlands also stark gesunken ist. Die ehedem vorhandenen Erzeugungskapazitäten wurden jedoch im Zuge des Kernkraft- und Kohleausstiegs vernichtet und können so schnell nicht wieder hergestellt werden.

Damit mache ich den dritten Punkt.

Deutschland wird noch für einige Jahre tiefer in die Krise rutschen. Der Punkt, an dem die Notbremse gezogen und die Abkehr von der Energiewende beschlossen wird, ist gar nicht mehr weit entfernt. Ich erwarte das noch vor dem Jahr 2030. Je nach Gesamtlage könnte dies  zugleich mit dem Ausstieg aus der EU verbunden sein. Es wird dies ein Befreiungsschlag, in dem sämtliche  aus der Klimapanik erwachsenen Regulierungen, die ja weit über das Verbrenner-Aus hinausgehen, in die Tonne getreten werden, weil anders ein Restart der Volkswirtschaft gar nicht mehr möglich ist.

Die Zukunft, das ist für mich garantiert nicht die Elektromobilität. Die Zukunft sehe ich erst einmal nur als ein Licht am Ende des Tunnels, das anzeigt, dass die Lufthoheit der links-grünen Fantasten bald zu Ende gehen wird, weil ihre Luftschlösser mangels Substanz in sich zusammenfallen.