Wenn AfD-Kandidaten kurz vor der Wahl sterben wie die Fliegen, kann das doch nicht mit rechten Dingen zugehen.
Nun ja, wenn nicht mit rechten Dingen, dann halt mit linken. Politischer Meuchelmord in vier Fällen, oder sogar in sechs Fällen, wie inzwischen gemeldet wird.
„Äußerste Unwahrscheinlichkeit“, lassen sich Kommentatoren von künstlichen Intelligenzen ausrechen, als handle es sich um ein Abenteuer aus „Per Anhalter durch die Galaxis“, und plädieren für Obduktionen.
Hat etwa der Russe mit Nowitschok zugeschlagen, um Märtyrer zu schaffen und damit der AfD neue Sympathisanten zuzutreiben?
Oder – und hier breitet sich ein beredtes Schweigen aus – sind die Altparteien vielleicht doch irgendwie …? Nein. Die Frage wird nicht gestellt, aber mit dem Beharren auf Wahrscheinlichkeitsberechnungen doch auf eine Weise nahegelegt, die sich in den Köpfen der Leute von alleine breit macht.
Mit Wahrscheinlichkeiten wird viel Schindluder betrieben. Meistens, um Gefahren kleinzurechnen.
So hieß es zum Beispiel in einer Risikostudio zur friedlichen Nutzung der Kernenergie aus dem Jahr 1989, das Risiko für einen Super GAU, also einen von den Sicherheitssystemen eines AKW nicht mehr beherrschbaren Störfalls, liege bei 0,003 Prozent pro Jahr für ein westdeutsches AKW.
Was umgekehrt bedeutet: Es käme höchstens alle 33.000 Jahre zu einem solchen Störfall in einem Atomkraftwerk. Von den 37 Reaktoren, die Deutschland gebaut hat, waren maximal 20 gleichzeitig in Betrieb. Das Risiko, dass einer dieser 20 Meiler hochgehen würde, wuchs also auf einen Störfall im Laufe von 1.650 Jahren an.
Atomkraftgegner errechneten später ein Risiko von 14 Prozent innerhalb von 40 Jahren für einen Super GAU innerhalb der EU, also einen solchen Unfall innerhalb von knapp 300 Jahren. Berücksichtigt man die deutlich größere Zahl von Reaktoren die in der EU am Netz waren, schwindet der Unterschied zwischen den 1650 Jahren für Deutschland und den 300 Jahren für die EU schon wieder vollständig dahin.
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Aber die Wahrscheinlichkeit sagt halt nichts darüber aus, wann die Risiken eintreten. Hier spielt der Zufall die entscheidende Rolle.
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Es ist wie beim Würfelspiel. Jeder sechste Wurf ist eine Sechs, sagt die Wahrscheinlichkeit. Jeder, der schon einmal gewürfelt hat, weiß, dass man sich darauf nicht verlassen kann. Man kann zwanzig Mal würfeln, und keine einzige Sechs bekommen, dafür danach dann aber gleich drei Sechsen nacheinander. Wahrscheinlich ist nur, dass nach 600 Würfen zwischen 98 und 102 Mal die Sechs dabei gewesen sein sollte, und auch das muss so nicht eintreten.
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Das Prinzip des Zufalls ist die Häufung. Eine kontinuierliche Gleichverteilung hat mit dem Zufall nichts mehr zu tun. Erst wenn die Gleichverteilung gestört ist, ist entweder der Zufall im Spiel, oder es muss – beim Würfeln – davon ausgegangen werden, dass der Würfel manipuliert ist.
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Spielen wir das Spiel also einmal, diesmal nicht mit Wahrscheinlichkeiten, sondern mit Fakten. Wie viele AfD-Kandidaten in NRW sollten denn innerhalb eines Zeitraums von einem Monat normalerweise sterben?
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NRW hat 18 Millionen Einwohner und in 2024 220.000 Sterbefälle zu verzeichnen. Das sind nur 1,2 Prozent der Bevölkerung. Pro Monat 18.300 Tote über alle Altersgruppen hinweg.
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Die AfD hat in NRW rund 10.000 Mitglieder. Die AfD bemüht sich, bei allen Wahlen anzutreten, dürfte also gezwungen gewesen sein, mindestens jedes 10. Mitglied irgendwo zur Wahl zu stellen. Die Kandidaten dürften im Wesentlichen aus den Altersgruppen von 30 bis 75 Jahren stammen, was nach der amtlichen Statistik von NRW unter tausend Personen – bei etwas stärkerer Gewichtung der Älteren innerhalb der Altersgruppen – auf 70 bis 100 Todesfälle pro Jahr hinauslaufen dürfte. Pro Monat also 6 – 8 Todesfälle.
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Nun sind die 1.000 Kandidaten eine Schätzung, abgeleitet von einer anderen Schätzung, die davon ausgeht, dass auf den Wahlzetteln aller Parteien insgesamt zwischen 35.000 und 80.000 Kandidaten aufgeführt sein dürften.
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Fragen wir uns also wieder anders herum, wieviele Kandidaten die AfD hätte stellen dürfen, um zu einer unerklärlichen Abweichung zu gelangen.
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Bei geschätzten 1.000 liegt die tatsächliche Sterblichkeit von 6 Kandidaten noch knapp unterhalb von des Erwartungswertes von 6 bis 8 Kandidaten.
Wären es tatsächlich nur 500 Kandidaten, liegt die tatsächliche Sterblichkeit von 6 Kandidaten etwas oberhalb des Erwarungswertes von 3 bis 4 Kandidaten, aber noch innerhalb einer angemessenen Schwankungsbreite.
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Wer davon ausgeht, dass innerhalb von vier Wochen vor den Wahlen allenfalls 1 Kandidat sterben dürfe, muss auch davon ausgehen, dass die AfD insgesamt nur wenig mehr als 100 Kandidaten ins Rennen geschickt hat. Bei Wahlen zu 427 kommunalen Parlamenten, bei denen die Parteien ja mehrere Kandidaten auf den Listen zur Wahl stellen, wären nur 100 AfD Kandidaten jedoch eine Zahl, die viel zu klein erscheint, um wahr zu sein.
Bleibt noch die Frage, warum die anderen Parteien vom Todesengel verschont wurden. Da lohnt sich ein Blick auf die Mitgliederzahlen. Die SPD zählt in NRW 85.000 Mitglieder, die CDU gar 110.000, die Grünen immerhin noch 39.000 und die FDP verschweigt ihre Mitgliederzahl.
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Dämmert’s?.
SPD, CDU und Grüne haben eine weitaus größere Personalauswahl als die AfD zur Verfügung. Dort ist die Zahl der Jüngeren und Gesünderen, die sich um einen Listenplatz bemühen, zwangsläufig höher, während es den Älteren und Kranken leichter fällt, sich auf’s Altenteil zurückzuziehen und keinen Sitz im Stadt-, Gemeinde- oder Kreisrat mehr anzustreben.
Bei der AfD hingegen muss praktisch ran, wer noch laufen kann, will man die Wähler nicht enttäuschen, wenn von 10 gewonnenen Sitzen nur drei besetzt werden können.
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Der verbleibende Rest ist Zufall, die Sechs, die einfach noch nicht kommen will.
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