
PaD 34 /2026 – Hier auch als PDF verfügbar: Pad342026 Die Taucher
Schiller, Friedrich, der Revoluzzer, gab seinem Taucher nur eine Chance.
Abgesehen davon, dass der Knappe vollkommen verrückt gewesen sein muss, überhaupt den ersten Versuch zu wagen, dessen rettendes Ende nur der Laune einer zufälligen, aufwärts gerichteten Strömung zu verdanken war, gilt in Lyrik wie in Prosa gleichermaßen: Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.
Nun hat es auch den zweiten Taucher – Vladimir Z. – erwischt.
Der erste – Serhii K. – sitzt schon länger in deutscher Untersuchungshaft. Dass die Ermittler inzwischen zu Erkenntnissen gekommen seien, ist nicht bekannt. Ist wohl geheim, von wegen „laufendes Verfahren“ und so. Nun wird man die beiden bei einer Gegenüberstellung aufs Schärfste beobachten, ob sich nicht doch bei Serhii K. oder Vladimir Z. oder bei beiden die Tränen der Rührung ob des unerwarteten Wiedersehens zeigen, um sie dann, so wie einst bei Carells Herzblatt, getrennt voneinander befragen.
Was dabei herauskommen soll, weiß man beim Generalbundesanwalt wahrscheinlich auch nicht, also ganz genau.
Denn eines ist klar. Der Verteidiger des Westens, der westlichen Werte, der EU, der NATO sowie der Demokratie, Volodimir Selenski, wird nicht umhin können, zu bestätigen, dass es sich bei den Tauchern 1 und 2 um ukrainische Staatsbürger handelt, aber ansonsten bei allen bereits erhaltenen Patriot-Systemen schwören, die Ukraine, also er, habe mit dem Anschlag auf die North-Stream-Pipelines nichts, aber auch gar nichts zu tun.
Nun ist die Ostsee vermutlich eines der am besten überwachten Seegebiete der Welt, weil sich hier Ost und West gemeinsam in der gleichen Badewanne tummeln und mit allen verfügbaren Mitteln ausspionieren. Wer eine Pipeline sprengen will, ohne zu den Verdächtigen zu zählen, muss also sehr, sehr sorgfältig und geplant vorgehen.
Ich setze hier einfach einmal den 7. Februar 2022 als den Termin, ab dem die Sprengung der Pipeline unwiderruflich für den Fall beschlossen war, dass Russland die Ukraine angreifen würde. Der 7. Februar 2022 war der Tag, an dem Olaf Scholz während einer Pressekonferenz im Weißen Haus von Joe Biden darüber informiert wurde, dass die USA die Pipeline ggfs. stillegen würden und durchaus über Mittel und Wege verfügen („I promise you, we will be able to do it.“), die Pipeline stillzulegen.
Mit der Zunahme der Spannungen an der russisch-ukrainischen Grenze wurde die Realisierung dieses Vorhabens immer dringlicher. Sehen wir uns noch einmal an, was sich da so alles in der Ostsee tummelte:
- Vom 5. bis zum 17. Juni 2022 fand in der Ostsee das jährliche Großmanöver BALTOPS 22 (Baltic Operations) statt. 14 NATO-Staaten + Schweden und Finnland, waren mit fast 50 Schiffen, 75 Flugzeugen und rund 7.000 Soldaten hauptsächlich im Seegebiet um Bornholm unterwegs. Teilgenommen haben unter anderem die USS Kearsarge (LHD-3) , ein 257 Meter langes Amphibisches Angriffsschiff mit einem flutbaren Welldeck im Heck. Von dort aus können Landungsboote, Luftkissenfahrzeuge (LCACs) und Spezialkräfte der Navy SEALs samt Ausrüstung unbemerkt ins Wasser gelassen werden. An Bord befand sich die 22nd Marine Expeditionary Unit. Außerdem nahm die USS Gunston Hall (LSD-44) mit ähnlichen Fähigkeiten am Manöver teil.
Geübt wurde bei diesem Manöver der Einsatz neuer, unbemannter Unterwassertechnologien, spezielle Minenräumverfahren und der Einsatz von Marinetauchern.
Ohne jede Frage wäre das Manöver BALTOPS 22 die allerbeste Tarnung gewesen, um mit der perfekten Ausrüstung und den besten Marinetauchern unbemerkt die Sprengung der Pipelines vorzubereiten, so dass zum richtigen Zeitpunkt nur noch das Signal zur Zündung gesendet werden brauchte.
- Vom 5. bis zum 13. September 2022 befand sich der 250 Meter lange griechische Rohöltanker „Minerva Julie“ im fraglichen Seegebiet bei Bornholm und fuhr dort auffällige Schleifen. Der Eigner gab später an, das Schiff habe dort lediglich auf neue Frachtanweisungen gewartet. Experten hielten es dennoch für möglich, dass der riesige Tanker unabsichtlich (oder absichtlich) als „Sichtschutz“ oder logistischer Ankerpunkt für kleinere Boote gedient haben könnte.
- Vom 19. bis zum 24. September 2022 (die Andromeda hatte die Gegend um Bornholm schon wieder verlassen) – operierte ein russischer Marineverband nahe der Pipeline-Trassen. Zu diesem Verband gehörten die SS-750, ein russisches Spezialschiff, das für Unterwasserrettungen ausgerüstet ist und ein Mini-U-Boot (Typ AS-26) an Bord hat, sowie die SB-123, ein Schlepp- und Hebeschiff, das ebenfalls für Tiefseeoperationen genutzt werden kann.
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