Es soll in diesem Artikel nicht um Quantität gehen, sondern um Qualitäten, und damit um die Ursachen von Arbeitslosigkeit und den individuellen Umgang damit.
Es ist mir nämlich wieder viel zu viel davon die Rede, dass genug Arbeit da wäre, sich die Arbeitslosen aber lieber ins Bürgergeld flüchten, statt noch einmal einen Job anzunehmen.
Wie gesagt, ich will dabei weitgehend ohne Quantitäten auskommen, nicht Hunderttausende da und Hunderttausende dort einordnen, das mag wer will, für sich selbst tun. ich will auch nicht damit argumentieren, dass, hätten wir einen Arbeitsmarkt, jeder der arbeiten wollte, einen Job fände. Hier sind leider der Arbeitsmarkt und die Sozialsysteme so ineinander verkeilt, dass sich das so schnell nicht reparieren ließe, und wenn, dann um einen Preis, den kein Politiker in Deutschland oder Frankreich zu zahlen bereit wäre.
Lassen Sie mich also mit einer detaillierten Betrachtung der unterschiedlichen Arten der Arbeitslosigkeit beginnen. Ich skizziere dazu eine Übersicht in Form einer Matrix:

Diese Matrix, so grob die Einteilung auch ist, lässt bereits typische Karrierewege erkennen, aus denen wiederum abzulesen ist, welche persönlichen Anstrengungen erforderlich sind, um die Preisklasse zu wechseln, und wie der Berufsweg jener verläuft, die sich dieser Anstrengung nicht unterziehen.
Einige typische Karrierewege habe ich nun in der Matrix skizziert und möchte sie am Beispiel des von Beginn an arbeitslosen Schulabgängers erläutern.

Schulabgänger, von Beginn arbeitslos
Ein Zeichen für eine zu geringe Qualifikation, um auf dem heutigen Arbeitsmarkt einen Job oder eine Ausbildungsstelle zu erhalten. Nicht selten kommt ein geringes Engagement dazu, Luftblasen wie „work-life-balance“ spuken oft genug zusätzlich in solchen Köpfen herum. Welche Aussichten bestehen?
In der eigenen Altersklasse vom arbeitslosen Schulabgänger zum gut qualifizierten Berufsanfänger aufzusteigen, ist kaum möglich, es sei denn hier wird mit großem Engagement gelernt, geübt, weitergebildet. Neben diesen Ausnahmen, die es durchaus auch gibt, kann mit eigenem Bemühen noch der Status des mäßig qualifizierten Mitarbeiters erreicht werden, in dem diese Person dann aber bis zur Rente gefangen bleibt. Ohne eigenes Bemühen um Qualifikation führt der Weg ins Alter über den Gelegenheitsjob und am Ende, wenn auch die körperliche Leistungsfähigkeit nachlässt, bleibt nur noch ein kümmerliches Durchschlagen.
Ein Start, bei dem ein Absturz kaum möglich ist, das „Untenbleiben“ aber fast schon garantiert.
Die Durchlässigkeit der Berufswelt ist relativ gering. Dabei ist das Fenster für den Aufstieg immer nur kurzzeitig offen, und schließt sich bald nach dem 30. Lebensjahr wieder.
Wie sieht es nun aber mit den weiteren Chancen im Erwerbsleben aus, wenn die Arbeitslosigkeit zuschlägt?
Ich werde auch diese Frage relativ schematisch beantworten, und dabei jeweils zuerst auf die wahrscheinlichsten Ursachen für die Arbeitslosigkeit eingehen, dann das zu erwartende Angebot offener Stellen beleuchten und schließlich die Chancen für die Aufnahme einer neuen Beschäftigung abschätzen.
| Schulabgänger | 15 bis 30 Jahre | 0 bis 1000 Euro |
| Wahrscheinlichste Ursache für die Arbeitslosigkeit | zu erwartendes Angebot offener Stellen | Chancen für die Aufnahme einer neuen Beschäftigung |
| Schlechter Schulabschluss, unzureichendes Engagement bei der Stellensuche, unzureichende Mobilität | im Wunschberuf nahezu aussichtslos, schlecht bezahlte,einfache Helfer- und Anlerntätigkeiten sind in geringer Zahl verfügbar | relativ schlecht, weil keinerlei Berufserfahrung und unzureichende schulische Kenntnisse |
| Schulabgänger, gut qualifiziert | 15 bis 30 Jahre | 1001 bis 3000 Euro |
| Wahrscheinlichste Ursache für die Arbeitslosigkeit | zu erwartendes Angebot offener Stellen | Chancen für die Aufnahme einer neuen Beschäftigung |
| Probezeit nicht bestanden, Stellenabbau wg. wirtschaftlicher Probleme | kann auf relativ viele Stellenangebote in unterschiedlichen Branchen und unterschiedlichen Funktionen zugreifen, die der Qualifikation gem. Abgangszeugnis entsprechen. | relativ gut, weil noch jung und vergleichsweise „billig“ |
| Spezialist, hochqualifiziert | 15 bis 30 Jahre | 3001 bis 5000 Euro |
| Wahrscheinlichste Ursache für die Arbeitslosigkeit | zu erwartendes Angebot offener Stellen | Chancen für die Aufnahme einer neuen Beschäftigung |
| Teilweise oder vollständige Einstellung oder Verlagerung des Betriebs, ggfs. Zusammenlegung mit Konkurrenz-Unternehmen, Insolvenz | Überregional, ggfs. international dürften Stellenangebote vorliegen | Bei entsprechender Mobilität gute Chancen, relativ schnell einen neuen Job zu finden |
| Ausnahmetalent (z.B. Fußballprofi) | 15 bis 30 Jahre | 5001 und mehr Euro |
| Wahrscheinlichste Ursache für die Arbeitslosigkeit | zu erwartendes Angebot offener Stellen | Chancen für die Aufnahme einer neuen Beschäftigung |
| Zerwürfnis mit dem Arbeitgeber, Einstellung oder Auslagerung des Betriebs, Insolvenz | Hier wird dringend ein Headhunter benötigt. Stellen für solche Ausnahmetalente werden in der Regel nicht ausgeschrieben. | Mit einer Wartezeit von 6 bis 12 Monaten relativ gut, auch hier ist hohe Mobilität Voraussetzung |
| Praktikant / Gelegenheitsjobber | 31 bis 45 Jahre | 0 bis 1000 Euro |
| Wahrscheinlichste Ursache für die Arbeitslosigkeit | zu erwartendes Angebot offener Stellen | Chancen für die Aufnahme einer neuen Beschäftigung |
| Befristetes Arbeitsverhältnis endet, Auftragsmangel | schlecht bezahlte Helfer- und Anlernjobs sind in geringer Zahl im Angebot | muss nehmen, was als nächstes kommt, wenn schnell eine neue Beschäftigung gesucht wird. Keine realistische Chancen auf einen Wunschberuf |
| Arbeiter / Helfer mäßig qualifiziert | 31 bis 45 Jahre | 1001 bis 3000 Euro |
| Wahrscheinlichste Ursache für die Arbeitslosigkeit | zu erwartendes Angebot offener Stellen | Chancen für die Aufnahme einer neuen Beschäftigung |
| Teilweise oder vollständige Einstellung oder Verlagerung des Betriebs, ggfs. Zusammenlegung mit Konkurrenz-Unternehmen, Rationalisierungsmaßnahme, Insolvenz | Vergleichbare Stellen ohne besondere Anforderungen an die Qualifikation dürften in der Region noch zu finden sein | Nicht mehr so einfach, da für viele Arbeitgeber bereits zu alt für einen solchen Job |
| Facharbeiter /Angestellter gut qualifiziert | 31 bis 45 Jahre | 3001 bis 5000 Euro |
| Wahrscheinlichste Ursache für die Arbeitslosigkeit | zu erwartendes Angebot offener Stellen | Chancen für die Aufnahme einer neuen Beschäftigung |
| Teilweise oder vollständige Einstellung oder Verlagerung des Betriebs, ggfs. Zusammenlegung mit Konkurrenz-Unternehmen, Rationalisierungsmaßnahme, Insolvenz | Vergleichbare Stellen mit passenden Anforderungen an die Qualifikation dürften in der Region, mindestens national noch zu finden sein | Relativ hoch, wenn Qualifikation und Anforderungen weitgehend übereinstimmen, weil viele Arbeitgeber die bisher erworbene Berufserfahrung schätzten |
| Spezialist, hochqualifiziert und erfahren | 31 bis 45 Jahre | 5001 und mehr Euro |
| Wahrscheinlichste Ursache für die Arbeitslosigkeit | zu erwartendes Angebot offener Stellen | Chancen für die Aufnahme einer neuen Beschäftigung |
| Teilweise oder vollständige Einstellung oder Verlagerung des Betriebs, ggfs. Zusammenlegung mit Konkurrenz-Unternehmen, Rationalisierungsmaßnahme, Insolvenz, aber auch Technologie-Sprung, der die Qualifikation entwertet | Vergleichbare Stellen sind eher rar gesät und werden selten angeboten. Ein Fall für den Headhunter | Wenn es nicht an der überholten Spezialisierung liegt, innerhalb von 6 bis 12 Monaten |
| Hilfskraft, unqualifiziert (ggfs. behindert) | 46 bis 67 Jahre | 0 bis 1000 Euro |
| Wahrscheinlichste Ursache für die Arbeitslosigkeit | zu erwartendes Angebot offener Stellen | Chancen für die Aufnahme einer neuen Beschäftigung |
| Unzuverlässig, Fehlzeiten, Sparmaßnahmen, Outsourcing | Vergleichbare Stellen ohne besondere Anforderungen an die Qualifikation dürften in der Region noch zu finden sein | Schwierig, da für viele Arbeitgeber bereits zu alt für einen solchen Job |
| Facharbeiter /Angestellter mäßig qualifiziert | 46 bis 67 Jahre | 1001 bis 3000 Euro |
| Wahrscheinlichste Ursache für die Arbeitslosigkeit | zu erwartendes Angebot offener Stellen | Chancen für die Aufnahme einer neuen Beschäftigung |
| Teilweise oder vollständige Einstellung oder Verlagerung des Betriebs, ggfs. Zusammenlegung mit Konkurrenz-Unternehmen, Rationalisierungsmaßnahme, Insolvenz | Vergleichbare Stellen mit passenden Anforderungen an die Qualifikation dürften in der Region noch zu finden sein | Nicht mehr so einfach, da für viele Arbeitgeber bereits zu alt und zu teuer für einen solchen Job. |
| Facharbeiter /Angestellter gut qualifiziert | 46 bis 67 Jahre | 3001 bis 5000 Euro |
| Wahrscheinlichste Ursache für die Arbeitslosigkeit | zu erwartendes Angebot offener Stellen | Chancen für die Aufnahme einer neuen Beschäftigung |
| Teilweise oder vollständige Einstellung oder Verlagerung des Betriebs, ggfs. Zusammenlegung mit Konkurrenz-Unternehmen, Rationalisierungsmaßnahme, Insolvenz | Vergleichbare Stellen mit passenden Anforderungen an die Qualifikation dürften in der Region, mindestens national noch zu finden sein | Nicht mehr so einfach, da für viele Arbeitgeber bereits zu alt für einen solchen Job, es müssen zumindest Abstriche beim Einkommen und der innerbetrieblichen Stellung hingenommen werden. |
| Spezialist, erfahren | 46 bis 67 Jahre | 5001 und mehr Euro |
| Wahrscheinlichste Ursache für die Arbeitslosigkeit | zu erwartendes Angebot offener Stellen | Chancen für die Aufnahme einer neuen Beschäftigung |
| Zusammenlegung mit Konkurrenz-Unternehmen, Aufgabe von Produktlinien, Insolvenz | Offene Stellen sind eher dünn gesät, Spezialisierung ist oft zu weit fortgeschritten, ein Headhunter kann ggfs. helfen | Schwierig, insbesondere im höheren Alter, Einkommen kann nicht in jedem Fall gehalten werden. |
Sollten Sie sich die Mühe gemacht haben, Fall für Fall durchzugehen, dann wissen Sie es bereits, falls nicht, dann fasse ich das Ergebnis hier noch einmal zusammen.
Gute Chancen, aus der Arbeitslosigkeit heraus im Berufsleben wieder Fuß zu fassen, haben Menschen mit mäßiger bis guter Qualifikatin bis etwa zum 45. Lebensjahr.
Menschen ohne Qualifikation tun sich über alle Altersgruppen schwer. Hochqualifizierte haben damit zu kämpfen, dass für sie geeignete Stellen rar gesät sind.
Nun zu den wohlfeilen Sprüchen der Politik
In der Diskussion um die Kosten des Bürgergeldes, die irgendwo um die 50 Milliarden Euro pro Jahr ausmachen sollen, sind wieder einmal die „Erwerbsfähigen“ ins Blickfeld der Politiker geraten. Der alte Müntefering-Spruch: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!“, wird zwar nicht im Original wiederholt, aber, dass, wer arbeiten kann auch arbeiten muss, das hört man aus allen Ecken.
Über den dicken Daumen ist etwa die Hälfte der Menschen im Bürgergeldbezug erwerbsfähig.
Über den gleichen dicken Daumen gepeilt, hat ebenfalls eine Hälfte der Menschen im Bürgergeldbezug keinen deutschen Pass.
Inwieweit es Überschneidungen zwischen diesen beiden Hälften gibt, weiß ich nicht. Dass allerdings eine runde Million Ukrainer mit Grenzübertritt direkt ins Bürgergeld gekommen ist (jemand behauptet, weil es unmöglich gewesen wäre, einen solchen Massenansturm von Asylanträgen zu bearbeiten), das steht fest, und damit ist ein erheblicher Teil dieser Überschneidung gefunden.
Ist aber auch egal.
Worauf es ankommt, das ist die Antwort auf die Frage, ob für die rund drei Millionen erwerbsfähigen Bürgergeldbezieher auf dem deutschen Arbeitsmarkt überhaupt ein Job angeboten wird.
Das ist nicht der Fall.
631.000 offene Stellen weist der Monatsbericht der BA per Ende August 2025 aus, das sind nicht nur viel weniger, als erwerbsfähige Bürgergeldbezieher in Arbeit gebracht werden sollen, sondern auch noch 68.000 weniger als vor einem Jahr. Genau genommen gibt es schon lange nicht mehr genügend offene Stellen, um alle, die arbeiten können, auch in Arbeit zu bringen.
Die nächste Frage, die sich stellt, lautet: Welche Branchen suchen Mitarbeiter in welchen Berufen, und inwieweit passen die registrierten Erwerbsfähigen auf diese Anforderungsprofile. Die BA versteckt dies sehr geschickt in einer interaktiven Tabelle, in der man immer nur gerade einen Berufszweig und innerhalb des Berufszweig die geforderte Qualifikation auswählen kann, um dann zu erfahren wie da – bundesweit, oder wahlweise nach Regionen – die Arbeitsmarktsituation in Bezug auf Angebot und Nachfrage gerade aussieht.
Glücklicherweise unternimmt es das Institut der Deutschen Wirtschaft immer wieder einmal, diese Zahlen zu aggregieren und die Ergebnisse zu veröffentlichen. Das lässt zumindest erahnen, wo tatsächlich der Schuh drückt. Aus der IW-Veröffentlichung Kurzbericht Nr. 81 vom 17. Oktober 2024 leite ich zum Beispiel ab, dass der Mangel an echten „Fachkräften“ nur etwa 250.000 bis 300.000 offene Stellen betreffen kann.
Der Rest ist schlicht „Kräftemangel“ und dürfte in der oben gezeigten Matrix die beiden unteren Zeilen abdecken, also Stellen betreffen, deren Entlohnung über weite Strecken durchaus in der Konkurrenz zum Einkommen aus dem Bürgergeld auf der Verliererseite stehen dürfte.
560 Euro für den Single, das erscheint nicht viel. Bürgergeld für zwei Erwachsene und ein Kind bringen schon rund 1.400 Euro netto. Dazu kostenloses Wohnen und Heizen, was durchaus noch einmal einen Tausender wert ist. Diverse Vergünstigungen, die hinzu kommen, lasse ich mal weg.
Wer heute von 3.000 Euro brutto Frau und Kind ernähren will, bekommt netto schon nur noch 2.300 Euro raus (rd. 650 € Sozialversicherung, rd. 50 € Lohnsteuer), erst mit dem Kindergeld stellt er sich wieder etwas besser als die Familie im Bürgergeldbezug. Geht man von einer Vierzig-Stunden-Woche aus, dann bringt jede Stunde Arbeit gerade einen Euro, und die Zeit, die es für den Arbeitsweg gibt, wird nicht vergütet.
So, wie das jetzt gesetzlich gestaltet ist, kann ich jeden verstehen, der einen weiten Bogen um die Arbeit macht, ganz abgesehen davon, dass sowieso nur für jeden Vierten erwerbsfähigen Bürgergeldbezieher überhaupt eine offene Stelle am Markt ist.
Die echten Fachkräfte, von denen lt. IW-Kurzbericht über 80.000 auf soziale Berufe entfallen, von Kinderbetreuung bis Altenpflege und Physiotherapie, sind aus dem Bestand der Arbeitslosen/Bürgergeldbezieher nicht zu decken. Denn das IW hat die Lücke aus der Differenz zwischen Stellenangeboten und Arbeitssuchenden mit entsprechender Qualifikation ermittelt.
Das heißt: Diejenigen, die nicht nur arbeiten könnten, sondern auch über das erforderliche Können verfügen, um die Lücke zu schließen, gibt es nicht. Daher dürften Fälle von Arbeitslosigkeit in diesem Bereich immer auch nur relativ kurzzeitig, bis zum Eintritt in einen neuen Job auftreten.
Dies trifft ebenso auf alle anderen Berufsbilder mit Fachkräftemangel zu, die vom IW insbesondere in der Bauelektrik, in der Kraftfahrzeugtechnik, im Maschinenbau, aber auch im Handel mit besonders hohen Zahlen identifiziert worden sind.
Es hilft also überhaupt nichts, sich in populistischer Manier in der Forderung zu übertreffen, dass, wer arbeiten kann auch arbeiten muss.
Das ist Kokolores.
Für die definitiv fehlenden qualifizierten Fachkräfte braucht es ein Programm der Aus- und Weiterbildung, an dem sich selbstverständlich jene Unternehmen durch praktische Mitarbeit oder eben finanziell zu beteiligen haben, die Fachkräfte einstellen wollen, damit aus dem vorhandenen Reservoir tatsächlich das geschöpft werden kann, was mit vertretbarem Aufwand möglich ist.
Dazu braucht es selbstverständlich eine Reform des Schulwesens, die einerseits wieder die aktive und engagierte Mitwirkung der Schüler fordert und dies auch in stark differenzierenden Noten zum Ausdruck bringt, andererseits die Weiterentwicklung der Lehrpläne, die sowohl der Vermittlung einer breiten Allgemeinbildung, der Hinführung zum eigenständigen Denken und Arbeiten, sowie eines aktuellen, lebens- und berufsnahen Wissens dienen sollen. Zum Teil liegt hier von Grund auf so vieles im Argen, dass der Fachkräftemangel sich fast schon alleine daraus erklären ließe.
Für die Aktivierung der im Bürgergeld gefangenen Erwerbsfähigen ist eine andere Strategie erforderlich. Es darf nicht länger darüber geschwiegen werden, dass der Vorteil im Bürgergeldbezug gegenüber einer eher gering entlohnten Arbeit in einem sehr hohen Maß frei verfügbarer Zeit besteht. Von daher ginge bereits ein erheblicher Anreiz zur Arbeitsaufnahme davon aus, für Bürgergeldempfänger eine Präsenzpflicht zu verordnen, die der Präsenzpflicht des Fabrikarbeiters an seinem Arbeitsplatz entspricht.
Wie sich das schnell und ohne erhebliche Kosten umsetzen ließe, habe ich in meinem Masterplan für Deutschland („Wie der Phönix aus der Ampel – Modell Deutschland 2029“) beschrieben. Herr Merz und Herr Klingbeil scheinen sich daran nicht orientiert zu haben. Hier ein kurzer Auszug:
Diejenigen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind, genießen inzwischen in etwa den gleichen „Wohlstand“, wie jene, die sich ihr (relativ niedriges) Einkommen durch Arbeit erwerben: Gerechtigkeit hergestellt?
Doch wer arbeitet, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, verliert damit in ganz erheblichem Maße freie, selbstbestimmt nutzbare Zeit und finanziert die „Freizeit“ der anderen durch seine Steuern mit: Ungerechtigkeit perfekt?
Der dümmliche Spruch, in den unteren Einkommensklassen würden ja, wegen der hohen Freibeträge, sowieso keine Steuern bezahlt, täuscht nur darüber hinweg, dass der höchste Anteil des Steueraufkommens über Verbrauchssteuern generiert wird – und daran zahlen alle mit.
Weil es nicht möglich ist, den Berufstätigen zusätzliche Freizeit zu gewähren, der Tag hat nun mal nur 24 Stunden, und die Arbeitsmenge pro Person nicht beliebig verringert werden kann, es sei denn, die Zahl der Berufstätigen könnte im erforderlichen Umfang erhöht werden, ist „Gerechtigkeit“ nur auf einem Weg wieder herzustellen, nämlich mit der Verringerung der Freizeit der ohne triftigen Grund nicht berufstätigen Erwerbsfähigen.
Betroffen ist die gleiche Bevölkerungsgruppe, die auch mit dem Programm Fachkräfte-Qualifizierung angesprochen wird.
Allerdings ergibt sich aus den Erwägungen zum Sozialleistungsbezug die zusätzliche Notwendigkeit, auch jenen Personen, die nicht in Qualifizierungsmaßnahmen gelangen oder trotz Qualifizierung keinen Job finden, eine Präsenzpflicht im Umfang einer Vollzeitbeschäftigung aufzuerlegen.
Die Präsenzpflicht umfasst sowohl die Teilnahme an Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen als auch (temporäre) Arbeitsangebote in etwa in dem Tätigkeits-Spektrum, das vom ehemaligen Zivildienst abgedeckt wurde. Die Teilnahme an Weiterbildungsangeboten ist verpflichtend, die Annahme der Arbeitsangebote ist freiwillig, vergütet wird die Differenz zwischen dem regulären Stundenverdienst in diesen Tätigkeiten und dem fiktiven Stundenlohn, der sich aus den bezogenen Sozialleistungen bei einer 40-Stunden-Woche ergibt.
Für die Maßnahmen aus den neuen Regelungen für den Sozialleistungsbezug und die Maßnahmen aus dem Fachkräftequalifizierungsprogramm wird ein gemeinsamer Realisierungsplan erarbeitet. Hierzu ist die erforderliche regionale Organisationsstruktur aufzubauen, es sind die notwendigen materiellen Voraussetzungen für die Präsenzpflicht (vor allem die erforderlichen Räumlichkeiten) zu schaffen und die dort anzubietenden Arbeitsmöglichkeiten auszuweisen.
Zum Aufbau der Organisation und zur Herstellung der materiellen Voraussetzungen sollen nach Möglichkeit bereits Arbeitsangebote für Präsenzpflichtige genutzt werden.
Die Details, viele weitere Konzepte des Gesamtplans, sowie Antworten auf die zu erwartenden Einwände finden sich im Buch.
Es ist noch nicht zu spät.