
PaD 3 /2026 – Hier auch als PDF verfügbar: Pad32026 Große Politik aufregend oder ermüdend
Nimmt man die Showeffekte weg, bleibt von der großen Politik nichts Spektakuläres mehr übrig.
Nehmen wir die gestrige Rede von Donald Trump beim WEF.
Angekündigt als DAS spektakuläre Ereignis des Treffens, war die künstlich in den Zirkus gesetzte Spannung mit Händen zu greifen. Was wird er sagen? Wen wird er beleidigen, wen bloß demütigen, was macht er nun mit Putin, mit Gaza, mit Venezuela, mit Grönland, mit der NATO?
Dann konnte man sehen, wie der Pilot des Präsidentenhubschraubers, statt einfach ratz-fatz zu landen, wie in den Vietnam-Kriegsfilmen aus Hollywood-Produktion hunderfach gezeigt, sich bedächtig langsam, einer in den Schnee gemalten, blutroten Spur folgend, seinem Landeplatz annähert. Jeder Supermarkt-Mitarbeiter, der die rohesten aller rohen Eier so bedächtig aus dem Lager ins Regal transportieren würde, wäre am nächsten Tag nicht mehr an Bord. Show. Fernsehbilder. Zeitschinden. Aufmerksamkeit binden. Spannung steigern. Wegen nichts.
Dann schritt der Präsident schnellen Schrittes über den roten Teppich zur Wagenkolonne.
Da war überhaupt nichts. Ist es interessant, wie der Hauptredner einer Veranstaltung den Weg zum Pult zurücklegt? Nein. Da ist nichts dran. Nichts. Zeitverschwendung, dem zuzusehen. Warum ich es gesehen habe? Weil ich den Start der Rede nicht verpassen wollte und keinesfalls klar war, wann Trump beginnen würde.
Dann hat er geredet. Die Simultandolmetscherin hat ihr Bestes gegeben, um dem monotonen Präsidenten-Singsang zu folgen, die sprunghaften Themenwechsel im pausenlosen, wenig aktzentuierten Redefluss getreulich auf Deutsch nachzuvollziehen, was ihr nicht immer gelingen konnte.
Die wichtigsten Statements aus dieser Rede sind inzwischen von den Medien breitgetreten worden, müssten gar nicht mehr wiederholt werden, hätte Trump nicht noch am gleichen Tag, nur eben nicht während dieser Rede, verkündet, dass es einen wunderbaren Deal bezüglich Grönland gebe, dass er alles bekommen habe, was er wollte, dass nur noch an den Details gearbeitet wird, und dass Marc Rutte in diesen Verhandlungen gute Arbeit geleistet habe.
Damit hat er das ganze Kartenhaus der spektakulären Show einstürzen lassen und vom Tisch geräumt. Es könnte gut sein, dass er damit nur noch einmal seine Verachtung für die ganze Show und die Zeitverschwendung zum Ausdruck gebracht hat. Es könnte sein, dass er lieber auf einem seiner Golfplätze eine Runde gedreht hätte, statt den tausend von ihm Abhängigen in der kalten Schweiz zu erklären, wie sehr er sie alle liebt, bis auf einige, die sich dumm verhalten, und dass er ja nur ein Stückchen Eis haben will, mit dem diejenigen, die es jetzt haben, ja sowieso nichts anzufangen wissen, ein Stückchen Eis, dass sie nicht einmal selbst verteidigen könnten. „Sagt einfach ja. Dann ist alles gut. Solltet ihr aber nein sagen, dann werden wir das nicht vergessen.“
War das Rhetorik? Ging es darum, mit diesen Worten zu überzeugen? Nein. Es ging darum eine Show abzuziehen, und es war die Show des WEF, des Larry Fink, der Trump exakt für diese Show eingeladen hat, um den Leuten im Saal etwas zu demonstrieren, nämlich die Macht, der sie sich anschließen sollten, wenn sie nicht untergehen wollten.
Brechen wir das Theater auf seinen eigentlichen Kern herunter, dann sehen wir, dass Donald Trump im Interesse der Mächtigen der USA auftritt und die Dänen auffordert, ihm Grönland zu überlassen. Wir sehen die übrigen, in der NATO versammelten Vasallenstaaten, die weder einzeln, noch gemeinsam, den Dänen auch nur mit dem Hauch eines Schimmers der Hoffnung auf Erfolg zur Seite stehen könnten. Es ist von vorneherein klar: Die USA bekommen Grönland. Dass der Wunsch schon seit hundert Jahren immer wieder vorgetragen wurde, hat nichts geholfen. Nun aber ist mit Trump einer im Oval Office angekommen, der sich nicht scheut, sich vom bloßen Wunschdenken zu trennen und stattdessen einen klaren Willen zu artikulieren. Damit war jegliche Empörung schon im Keim erstickt, bevor sich die Redenschreiber überhaupt an die Formulierungen machen konnten. Es darf auch nicht übersehen werden, dass Trump dafür nichts hergeben wird, außer dem in den USA wie verrückt nachwachsenden Rohstoff mit der Bezeichnung „Dollar“. Schon gar nicht die NATO. Natürlich brauchen die USA die NATO nicht, um militärisch gegen Russland oder China bestehen zu können. Sie brauchen die NATO, damit sich die Europäer nicht mit Russland verbünden können, sondern in der Sorge gehalten werden, Russland könnte sie überfallen. Außerdem braucht die US-Rüstungsindustrie die NATO als Abnehmer. So einen Verein löst man doch nicht auf, wegen der lächerlichen Vorstellung, europäische NATO-Länder könnten es auf einen bewaffneten Konflikt mit den USA ankommen lassen, bloß um ein Stück Eis zu behalten.
Der ganze Deal, der im Grunde keiner ist, sondern eine einseitige Willenserklärung, hätte ohne jegliche mediale Begleitung über die Bühne gehen können. Eines Tages hätte in der Zeitung gestanden, Dänemark und die USA haben einen langfristigen Vertrag unterzeichnet, in dem den USA die ausschließlichen Nutzungsrechte an Grönland übertragen wurden. Über die Gegenleistung wurde Stillschweigen vereinbart.
Da hätten die klügeren Köpfe kurz innegehalten, und „aha“, und „so, so“ gesagt, und sich die Information gemerkt, weil das Wissen darum sich ja noch als nützlich erweisen könnte. Die weniger klugen Köpfe hätten es gar nicht mitbekommen.
Warum also das Spektakel?
Für wen werden Spektakel inszeniert? Panem et circenses! Für das Volk, die Öffentlichkeit.
Der europäischen Öffentlichkeit wurde die Überlegenheit der USA gezeigt, und zwar nicht in abstrakten Zahlen aus Statistiken, sondern in Gestalt des omnipotenten Donald Trump, und zugleich wurde die Ohnmacht der eigenen Anführer vor Augen geführt, deren Nachgeben ja nur als „Vernunft“ verkauft werden kann.
Das wird dazu führen, dass die amerikakritischen Stimmen weniger Gehör finden, weil die Masse der friedliebenden Bürger in Einsicht in die eigene Ohnmacht, eher nicht zum Aufbegehren neigt. Parteien, die mit einer Annäherung an Russland Stimmen gewinnen wollen, werden ebenso wie Parteien, die eine stärkere, souveräne Politik gegen die USA befürworten, an Zustimmung verlieren. Selbst die Pläne für eine eigene EU-Armee werden skeptischer gesehen werden als noch letzte Woche.
Ich rechne damit, dass auch die Anti-Trump Stimmung in den Medien, einschließlich ARD und ZDF, umschwenken wird in eine eher Trump-freundliche, mindestens neutrale Berichterstattung.
Es ist nicht zu übersehen: Am Ende des ersten Jahres der zweiten Amtszeit sitzt Trump fest im Sattel. Wenn er auch nur noch die westliche Hemisphäre reitet, die ist jetzt handzahm und schussfest.
Und der Rest – hat Respekt.