Deutschland am Tropf

Es ist kein schöner Anblick. Das einst so vitale Land wird von Tag zu Tag weniger. Jeder rasselnde Atemzug erinnert an die Vergänglichkeit.

Ohne die intravenös verabreichten Opioide der ARD & ZDF Pharma AG würde der Patient – unterbrochen von kurzen Phasen der Bewusstlosigkeit – brüllen vor Schmerzen, so aber, im Halbdämmerzustand, nimmt er schon nicht mehr wahr, was die Stunde geschlagen hat.

Trotz der Magensonde, über die Monetum MAXX in Gigacoin-Dosierung zugeführt wird, hört der Körper nicht auf, sich selbst zu verzehren. Die Mittelstandsmuskelmasse schwindet. Noch tragen die Beine das kurze Stück vom Bett zur Toilette und zurück, noch halten die zitternden Hände die Schnabeltasse mit dem Cannabis-Sud, doch gibt es keinen Zweifel: Es ist vorbei, auch wenn es noch ein paar Wochen dauern wird.

Da hilft nun auch die schönste Mixtur aus Zuckersteuer, Tabaksteuer, Alkohol- und Plastiksteuer nichts mehr.

Das erinnert nur an mittelalterliche Quacksalber, deren Geschäftsmodell darin bestand, dem schon geschwächten Körper per Aderlass noch mehr Kraft zu rauben, um dann zu diagnostizieren, dass der Patient immer noch zu viel schlechtes Blut in sich habe, was nur durch erneuten Aderlass noch zu heilen wäre.

Woher soll es der Finanzminister auch wissen? Sein Erfahrungshorizont reicht halt nur soweit, um am Rand der Staatskasse ablesen zu können, dass Steuererhöhungen der Staatskasse guttun. Der Blick auf die Welt hinter dem Finanzamt ist getrübt. Es erinnert an Rainer Maria Rilke und das Gedicht vom Panther im Jardin des Plantes, Paris:


Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

 

Da ist nichts mehr. Der Panther ist nur noch seelenlose Hülle, tapert im Kreis. Ein Sinnbild.

Hier ist auch nichts mehr. Noch nicht einmal jenes verschwörerisch-verlogene „Wir schaffen das“. Was noch zu hören ist, ist die jämmerliche, schuldzuweisende Erkenntnis der Koalitionäre: Wenn wir uns jetzt nicht einigen, worauf auch immer, wird’s noch schlimmer.

Das Kabinettchen, ängstlich auf das Parlament fixiert, das nach dem Willen von Bas, Klingbeil, Merz und Söder den mit Mühe gefassten Plan noch einmal verwässern soll, sei immerhin noch dabei, den Niedergang zu verwalten, meint Jens Spahn.

Wo sieht der Spahn da noch irgendetwas, das auch nur entfernt an Verwaltung erinnert? Verwaltung, das wäre ordnendes Eingreifen mit dem Ziel Zeit zu gewinnen, letzte Ressourcen optimal einzusetzen, Verschwendung einzudämmen, Leistung zu fördern.

Dieser Niedergang wird ja noch nicht einmal ordnungsgemäß erfasst und dokumentiert. Im Gegenteil: Man schließt die Augen vor den Ursachen und setzt die falsche Therapie unbeirrt fort, weil der Aderlass schließlich irgendwann wirken muss.

Das Dilemma erinnert noch einmal an Rilkes Panther.

Soll man ihn in seinem erbärmlichen Zustand im Käfig weiter dahinvegetieren lassen, bis er stirbt?
Soll man ihn mit tierärztlicher Hilfe einschläfern, um ihn von seinen Qualen zu erlösen?
Soll man den Käfig öffnen und ihn – mitten in Paris – in die Freiheit entlassen?

Ach, hätte man ihn doch nie gefangen.

 

1 Kommentar

  1. Danke, Herr Kreutzer, es ist ein toller Artikel. Was hilft? Ich weiß es nicht. Man geht in die Diaspora, um seine innere Kraft zu erhalten. Spricht mit anderen, die genau so denken, wie man selbst, um sich gegenseitig Kraft zu spenden. Mehr geht nicht mehr. Sie wollen uns erdrücken. Es hilft auch, auf YT auf sogenannte „extremistische“ Songs zu schalten, um zu wissen, dass man nicht allein ist.

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