Die Friedensangst geistert durch die europäischen Werte-Lande. Rheinmetall-Aktien im Sturzflug. Die geplante Kompensation der Deindustrialisierung der alten Autoblech-Industrie durch ein forciertes Wachstum der neuen Panzerplatten-Industrie ist in höchster Gefahr. Trump dealt wieder mit Putin, aber die EU muss vor der Tür bleiben.
Verrückte Welt!
Dann machen wir uns einmal an einen Erklärungsversuch. Der ist nicht ganz ernst gemeint, aber eben auch nicht völlig daneben.
Über Jahrzehnte war es Teil des Geschäftsmodells der USA, die eigenen Streitkräfte und jene der Verbündeten mit Waffen „Made in USA“ zu versorgen, die dann in einer ununterbrochenen Abfolge von Kriegen verbraucht wurden, während nicht genutzte Restbestände als Gebrauchtwaren an Entwicklungsländer weiterverkauft wurden. So waren die Auftragsbücher der US-Rüstungsindustrie stets gut gefüllt, und weil man – wo es um Leben und Tod geht – nicht auf den Preis schaut, konnten damit auch ordentliche Gewinne für das investierte Kapital generiert werden.
Der Nebeneffekt bestand darin, dass von den frühen NATO-Tagen bis heute, vom Starfighter bis zur F35, alles in Dollar fakturiert wurde. Die NATO-Partner der USA musten sich also Dollar beschaffen, und sie taten das durch Exporte nützlicher Güter und Waren in den Dollar-Raum, und dies wiederum zu Preisen, bei denen die Amis nicht nein sagen wollten. Preiswerte Importe – teure Exporte, alles über den Dollar und die transatlantische Freundschaft gedeichselt, wobei die Sache mit den Waffen noch einen weiteren kleinen Haken hatte, an dem die Europäer zappelten, nämlich den sogenannten „Skaleneffekt“. Wer Panzer, Flugzeuge, Raketen und den ganzen Sums für einen großen Markt baut, der kann seine Kosten pro Stück weitaus geringer und seine Gewinne weitaus höher halten als derjenige, der nur einen kleinen heimischen Markt bedient.
Nur mit der Ukraine hat das nicht mehr so richtig funktioniert.
Ohne eigene Truppen an der Front blieb der Verschleiß an Rüstungsgütern auf das beschränkt, was die ukrainische Armee in der Lage war, zu verschrotten, außerdem konnte man der Ukraine nicht alles geben, was sie gerne gehabt hätte, denn dann wäre mit unberechenbaren Reaktionen Russlands zu rechnen gewesen, und das konnte man nun gar nicht brauchen. Hinzu kam, dass die Ukraine sich – selbst wenn man den Schwund durch Korruption gar nicht beachten wollte – immer mehr der Zahlungsunfähigkeit annäherte, was nur durch Kredite der Waffen exportierenden Staaten (WES) überbrückt werden konnte, sich aber mehr und mehr zum schlechten Geschäft zu entwickeln drohte, weil nicht mehr absehbar war, ob die Ukraine diese Kredite jemals würde tilgen können.
Hier machte Donald Trump den ersten, folgenschweren Fehler. Statt einfach einen neuen, lukrativeren Krieg anzufangen, übte er sich in vornehmer Zurückhaltung, indem er erklärte: „Liebe Europäer, das ist euer Krieg. Ihr wollt die Ukraine haben, also kümmert euch auch darum. Wenn ihr Waffen braucht, liefere ich die gerne, aber nur gegen Barzahlung in harten Dollar. Ihr könnt die dann ja an die Ukraine verschenken, wenn ihr das wollt. Ich jedenfalls bin da raus.“
Der Schock in Brüssel, Paris, London und Berlin war groß, aber nur von kurzer Dauer. Clevere Think-Tank-Insassen witterten Morgenluft. Endlich die Chance, die europäische Rüstungsindustrie zur ernsthaften Konkurrenz für die Amis aufzubauen. Ein langer Krieg gegen Russland, geführt von der Ukraine, der lässt die Auftragsbücher anschwellen. Wir wären ja blöd, das Material weiterhin aus den USA zu beziehen. Jetzt, wo die Stückzahlen stimmen, schaffen wir das auch alleine. Also wurde um die europäische Rüstungsindustrie in Ringwall aus Billionen Euro errichtet, natürlich wieder Deutschland mit fast einer Billion als Hauptzahlmeister vorneweg – und fleißig akquiriert. Größter Happen darin vorläufig ein Auftrag über 100 Rafaele Kampfflugzeuge aus Frankreich, aber auch sonst war ein ansteigender und auf lange Frist prognostizierbarer Bedarf für alles zu erkennen, was rummst und kracht. Storm Shadows, Leoparden und Marder, Haubitzen, Drohnen, Taurusse wahrscheinlich irgendwann auch, Millionen Artilleriegranaten. Heissa! Wir sind wieder wer.
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Geheimtip: |
Da rutschte den Beobachtern des Militärisch-Industriellen Komplexes in den USA das Herz in die Hose. Wo soll das hinführen? Die Konkurrenz wächst und mästet sich an unserem Krieg – und wir haben nichts zu tun? So kann das nicht weitergehen. Eine geheim tagende Taskforce entwickelte daraufhin den neuen Geheimplan unter dem Tarnnamen „The Tolstoi-Attack“ (TTA).
Im Kern wurde ein zweigleisiges Vorgehen entwickelt.
Krieg, aber wieder einen richtigen amerikanischen Krieg, bei dem vielleicht sogar etwas zu gewinnen ist. Öl, zum Beispiel. Wie wäre es mit Venezuela? Liegt vor der Haustür, Putin wird sich nicht einmischen, und die Europäer schon gar nicht. Können die gar nicht.
Frieden, Frieden in der Ukraine. Sofort! Nur so ist die europäische Rüstungsindustrie erneut zu verzwergen, bevor sie überhaupt richtig aufgewachsen ist. Zudem ein Signal an Putin, dass wir ihn wieder liebhaben und gerne mit ihm spielen wollen. Vielleicht legt er ja ein gutes Wort für uns ein bei den Chinesen, wegen der seltenen Erden, und hört auch selbst nicht auf, uns das Uran für unsere Atomkraftwerke zu liefern.
Krieg und Frieden! Das ist überhaupt genial. Ein neues Geschäftsmodell. Das lässt sich noch ausbauen …
