Der Reiz, sich am Unmöglichen zu versuchen

Es gibt Genies.

Einigen davon ist gelungen, was bis dahin für unmöglich gehalten wurde.

Aber: Nicht jeder, der nicht nachlässt, zu behaupten, er werde das Unmögliche möglich machen, ist ein Genie.

Sprechen wir von der bahnbrechendsten Entdeckung der grünen Menschheit seit der Erfindung der Dampfmaschine: Sprechen wir von der Wärmepumpe. Die Wärmepumpe saugt kalte Luft an und bläst noch kältere Luft wieder hinaus.

(Bei der Erdwärmepumpe ist das ähnlich.
Kaltes Erdreich wird von der Wärmepumpe noch etwas kälter gemacht.)

Da pro Kubikmeter der von der Wärmepumpe abgekühlten Luft nur wenig Wärme im Haus ankommt allenfalls 2,5 Wattstunden, müssen in einer Winternacht mit nur 10 Grad minus schon 18.000 Kubikmeter Luft pro Stunde, und  zwischen 19 und 7 Uhr über 200.000 Kubikmeter Luft gekühlt werden, um in einem gut isolierten Neubau den Wärmebedarf mit einer Heizleistung von etwa 6 Kilowatt zu decken. Bei älteren, schlechter isolierten Gebäuden muss der Luftdurchsatz deutlich höher angesetzt werden.

Da kalte Winternächte sehr oft mit weitgehender Windstille einhergehen, baut sich um das mit der Wärmepumpe beheizte Haus ein Kaltluftsee aus 200.000 Kubikmetern Luft mit einer Resttemperatur von minus 17 Grad auf. Das ist beim alleinstehenden Haus mit der einzigen Wärmepumpe vor Ort kein Problem weil die kalte Luft schwerer ist und sich daher von alleine, am Boden entlangkriechend vom Haus entfernt und so den Nachschub wärmerer Luft ermöglicht.

Anders sieht das aus bei einer Neubausiedlung mit hunderten von Wärmepumpen und Grundstücksgrößen von 500 bis 750 m². Günstigstenfalls liegt diese Siedlung auf einem Hügel und die Kaltluft kann zügig ins Tal abfließen, wo hoffentlich keine Wohnhäuser stehen.

Schon in der Ebene wird die Situation prekär – und sollte sich diese Siedlung in einer Senke befinden, sorgen die Wärmepumpen dafür, dass die Außentemperatur deutlich absinkt, was mit einer höheren Leistung der Wärmepumpen ausgeglichen werden muss, was die Lufttemperatur noch weiter senkt und den Wärmefluss aus dem Inneren der Häuser nach außen beschleunigt. Steigt nämlich die Temperaturdifferenz zwischen innen und außen, wächst auch der Wärmeverlust – das gilt für alle Arten von Wärmedämmung.

Die Wärmepumpe erzeugt im Normalbetrieb keine Wärme, abgesehen von der Abwärme der elektrischen Antriebe und Steuerungen. Die Wärmepumpe verteilt Wärme um, und zwar auf eine für ihren Betrieb äußerst ungünstige Weise, indem sie ihre direkte Umgebung kühlt, was sich allerdings erst praktisch als Problem herausstellen wird, wenn die angepeilte Wärmepumpendichte hier und da, insbesondere in Neubaugebieten, erreicht sein wird.

Es ist ein Effekt, der jenem Effekt ähnelt, der entsteht, wenn in einem Gebiet die Windraddichte zu hoch wird, so dass die erste vom Wind angeströmte Turbine zwar die erwaretet Leistung abgeben kann, alle im Windstrom dahinter liegenden Windräder jedoch Leistungsverluste aufweisen, weil die Energie des Windes ja bereits zu einem gewissen Teil entnommen ist, bevor er – verwirbelt noch dazu – beim nächsten und übernächsten Windrad ankommt.

Bei der Wärmepumpe sieht es so aus, dass die Wärme aus der Luft schon weg ist, wenn sie von der zweiten, dritten, fünften, zehnten Wärmepumpe augesaugt wird.

Nun wird jeder einigermaßen bibelfeste Grüne sofort entgegnen, dies spiele ja alles keine Rolle, weil sich alles über den Stromverbrauch der Wärmepumpen so regeln lässt, dass es innen immer schön wohlig warm ist, und auch der Stromverbrauch spiele keine Rolle, weil der Strom ja von Wind und Sonne kommt, die keine Rechnung stellen.

Realistisch betrachtet ist die Heizperiode jener Zeitraum zwischen Oktober und April, in dem die Erträge der Fotovoltaik-Anlagen massiv einbrechen, und – abgesehen von Winterstürmen – auch die Windräder langsamer drehen, wenn sie nicht ganz stehenbleiben. Ein stehendes Windrad ist übrigens ein Netto-Stromverbraucher, was vor allem dann schwer  ins Gewicht fällt, wenn die Flügel wegen Vereisungsgefahr beheizt werden müssen.

Auch das ist kein Problem, meint der Grüne, dafür hätten wir uns ja eigens die H2-ready Gaskraftwerke von der EU genehmigen lassen, nicht zu vergessen, die vielen großen Batteriespeicher, die ja letztlich alle mit kostenlosem Strom aus Wind und Solar gespeist, bzw. H2-ready, betrieben würden, der im Sommer geerntet und für den Winter zurückgelegt werden wird.

Bevor Sie jetzt entnervt widersprechen: Ich gebe ja zu, dass das alles funktionieren könnte. Wenn Deutschland so mit Solarpanelen bedeckt ist, dass das Land an die Schildkrötenformation der römischen Legionen erinnert und aus diesem Panzer alle 1,5 Kilometer ein 250-Meter-Windrad herausragt, wenn zudem pro 100 Quadratkilometer ein  100 MWh Batteriespeicher in die Landschaft ragt und viele, viele kleine und große Elektrolyse-Anlagen den Wasserstoff erzeugen, der in einem nagelneuen Wasserstoff-Rohrnetz zu den Abnehmern transportiert wird, wenn die kleinen und die großen Bundesländer ihre Gaskraftwerke besitzen, deren Kapazität ausreicht, 90 Prozent des Strombedarfs zu befriedigen, dann ist das alles kein Problem. Technisch machbar.

Wir hatten so was schon in Deutschland. Hydrierwerke. Die machten Benzin aus Kohle. War egal, was das kostete. Hauptsacher die Panzer und die Flugzeuge hatten Sprit. War ja schließlich Krieg, da zählt der Sieg und sonst nichts.

Unglücklicherweise hat menschliches Handeln im 21. Jahrhundert neben der Dimension des technisch Machbaren aber auch noch eine wirtschaftliche Dimension. Wer für die Stromversorgung die Erzeugungskapazitäten doppelt vorhält, darf sich nicht wundern, wenn die Kilowattstunde dann im Vergleich zu den Nachbarn auch das Doppelte (wenn’s reicht…) kostet.

Das, erklärt der Grüne dann moralisierend, müsse uns das CO2-freie Netto-Null-Deutschland schließlich wert sein. Reiches Land, und so. Im Zweifelsfall die Reichen stärker zur Kasse bitten oder gleich enteignen.

Wer seinen Lieblingsgrünen so weit gebracht hat, sollte jetzt einlenken und friedlich nach Hause gehen. Der Grüne steht nämlich kurz vor seinem Rumpelstilzchen-Moment. Noch ist er mit stolz geschwellter Brust voller Siegesgewissheit, aufgeblasen wie ein Luftballon, so dass eine winzige Nadelspitze genügen würde, ihn zum Platzen zu bringen. Mit etwas Pech könnten Staatsanwalt und Richter darin einen Mordversuch erkennen, habe der Angeklagte doch gewusst, wie Grüne reagieren, zieht man ihnen den Boden unter den Füßen weg und habe diese Reaktion gezielt, hinterhältig und aus niedrigen Beweggründen geradezu provoziert.  

Also lenken Sie ein und gehen Sie friedlich nach Hause.

Denken Sie nicht einmal ansatzweise das Wort „Primärenergiebedarf“.
Pfeifen oder summen Sie stattdessen den Ritt der Walküren oder  versuchen Sie gleich, die Kurzfassung (Crashkurs) von Wagners Oper nachzuerzählen.