Der Hallodri und sein Weib

Wikipedia:

Auch und vor allem hinsichtlich zwischenmenschlicher (Liebes-)Beziehungen wird Hallodri als Synonym für einen Tunichtgut, Taugenichts oder windigen Hund verwendet, der moralische Vorschriften nicht allzu genau beachtet. Eher wohlwollend kann das Wort auch einen Lebenskünstler, Spitzbuben oder Narren bezeichnen. 

Der Hallodri ist selten geworden, in unseren Tagen. Denn auch, wenn der Hallodri der Erwerbstätigkeit nicht gerade zugeneigt ist, braucht er doch eine gewisse Menge Geldes, um es aus dem Fenster werfen zu können. Früher, ja, früher war alles besser und der Hallodri hatte immer wieder seine Chance, als Spieler oder Charmeur, mal hoch- mal tiefstapelnd, sich den Beutel mit ein paar Gulden oder Talern, Gold- und Silberstücken zu füllen, und sei es, dass er sich mit geliehenem Geld ein Pferd und eine schmucke Uniform verschaffte, um sich für ein Gemetzel bei den Husaren oder Ulanen einzureihen, Feinde totzuschlagen und deren Habe für sich zu requirieren.

Heute sind diese Chancen rar. Aus dem Bürgergeldbezug ist noch kein echter Hallodri erstanden. Auch den braven Bürgern, die tags ihrer Arbeit nachgehen, um ihren Unterhalt zu verdienen, bleibt kein Raum mehr, für Eskapaden. Moderne Verhütungsmethoden haben ebenfalls dazu beigetragen, dass der Trick, die hübsche Jungfer zu schwängern und sich auf dem Wege der moralisch gebotenen Eheschließung ihrer Mitgift zu versichern, nicht mehr funktioniert. Als er noch funktionierte, war es leicht, Geld und Gut der Angeheirateten zu verjubeln und die Arme dann mit drei Gören – und schon wieder schwanger – sitzen zu lassen, um aufs Neue das Herrenleben zu genießen.

Einem solchen Hallodri hättet ihr mal kommen sollen, mit Moral und mit sozialen Verpflichtungen. „Soll sie doch sehen, wie sie zurechtkommt. Ich lass mir doch nicht die Haare vom Kopf fressen. Wer hat die Plagen denn ausgetragen? Ich nicht!“

Der Typus scheint ausgestorben.

Und wenn einmal das Gespräch darauf kommt, dann atmen die Bewohnerinnen der Frauenhäuser dankbar auf, während die Häscher der Sozialämter sich auf die Spur der letzten Hallodris setzen, um sie mit Pfändungen zu überziehen. Es macht keinen Spaß mehr. Darüber sind sie ausgestorben, die alten Hallodris.

Irrtum.

Es hat nur einen Wandel gegeben, oder eine Wende, eine Transformation, wie auch immer man es nennen will. Sie sind noch da.

Nichts Vernünftiges gelernt, vom wahren Leben keine Ahnung, aber immer eine große Klappe, drehen sie heute am ganz großen Rad. Eine Frau der Mitgift zu berauben und sie mit den sieben Plagen sitzen zu lassen, das war etwas für Anfänger, für Kleingeister.

Die wahre Größe zeigt sich doch da, wo es gelingt, die Arbeitsleistung eines ganzen Volkes auf Generationen hinaus zu verpfänden, um Schulden zu machen, die den sprichwörtlich bis über die Halskrause verschuldeten Stabsoffizier vor Neid erblassen lassen, und das so verfügbare Geld mit vollen Händen aus allen Fenstern zu werfen, sich mit großzügigen Geschenken lieb Kind zu machen bei den Potentaten in aller Welt, als Mäzen die Magier der Winde  und anderer brotloser Künste zu protegieren, jedem Fremden, der ins Land kommt, großzügigste Gastfreundschaft auf Lebenszeit zu erweisen, zugleich ein Heer aufzustellen, zu rüsten und durchzufüttern, vor dem die ganze Welt erzittern soll, aber dreist erklären, von dem, was man dem Volke abgepresst, könne man nicht auch noch Sorge für die Alten, die Armen, die Kranken und unverschuldet in Not Geratenen tragen, das sei nun beim besten Willen nicht mehr zu finanzieren. Der Kredit, zu Lasten des Volkes aufgenommen, sei nun  einmal zweckbestimmt und könne nicht auch noch für Sozialgedöns in Anspruch genommen werden. Die sollen sich nicht so haben, den Gürtel enger schnallen, mehr und länger arbeiten, dann geht das schon.

Der brave Mann sorgt für die Seinen zuerst.

Nicht, weil er es im Amtseid geschworen hätte, sondern weil seine Werte es verlangen und sein Charakter nichts anderes zulässt.