Ich habe großen Respekt vor der Antifa. Schließlich tut sie, was sie ankündigt. Eine Zuverlässigkeit, die im übrigen Kreis der wahren Demokraten kaum mehr erwartet werden sollte, will man sich Enttäuschungen ersparen.
Ich habe großen Respekt vor der Antifa. Schließlich bekennt sie sich stets zu ihren Taten. Ob Hauswände besprüht, Autos angezündet, Feinde halbtot geprügelt werden – immer findet sich auf der offiziellen Website der Antifa ein stolzer Hinweis auf Urheber- und Täterschaft. So viel Ehrlichkeit und Offenheit darf vom übrigen Kreis der wahren Demokraten ebenfalls nicht erwartet werden.
Ich habe großen Respekt vor der Antifa. Schließlich ist sie wie Schrödingers Katze, je nachdem, wer nachschaut, ist sie entweder nicht nur tot, sondern überhaupt nicht existent, oder sie steht in Saft und Kraft wie der Preisboxer auf dem Jahrmarkt.
Ich habe großen Respekt vor der Antifa, denn ich kann sie, kraftstrotzend wie sie ist, sehr wohl erkennen, und ich bin alt genug, um zu wissen, dass es sich um eine international agierende Organisation handelt, auch wenn es aus gewissen anarchistischen Motiven heraus versäumt wurde, die Antifa als Dachverband von Ortsvereinen beim Vereinsregister anzumelden. Vergleichbare Organisationen ohne jeden offiziellen Status gibt es durchaus, die meisten davon sind jedoch mit dem Makel behaftet, als „organisierte Kriminalität“ verfolgt zu werden.
Weil ich die Antifa bei ihren Ankündigungen für absolut zuverlässig in der Umsetzung halte, ist in mir nicht die Spur des Hauchs eines Zweifels daran zu finden, dass die Antifa beim AfD-Parteitag in Erfurt am 4. und 5. Juli mit den angekündigten 50.000 m/w/d vertreten sein wird, um den Delegierten den Weg zum Veranstaltungsort gewaltsam zu verwehren, und dass sie, wie angekündigt, bei dieser Gelegenheit auch auf den Dächern am Rande der Zufahrtswege mit Steinwerfen, Zwillenschützen und Feuerwerkern vertreten sein wird. Es gibt nicht den geringsten Anlass, dies in Frage zu stellen. Der Aufmarsch der Antifa zur Büchermesse in Halle und der Auftritt der Antifa beim Gründungsparteitag der Jugendorganisation der AfD in Gießen haben schließlich auch wie angekündigt stattgefunden. Der vollständige Erfolg, nämlich die Gründung, bzw. die Messe, vollständig zu verhindern, ist zwar ausgeblieben, doch gehe ich davon aus, dass die Antifa jedes Mal etwas dazulernt, was ihr Standing bei künftigen Aktionen verbessert.
Ich will mich aber nicht lange mit Erfurt aufhalten. Das wird ein Ereignis, das sich nahtlos in die Reihe des Bekannten einfügt, und selbst wenn es diesmal gelingen sollte, den Parteitag tatsächlich zu verhindern, es ist in seiner Vorhersehbarkeit schon eher langweilig und rückt im Aufmerksamkeitsranking zwischen die zweitausendeinhundereinudfünfzigste und die zweitausendeinhundertzweiundfünfzigste Messerstecherei, wie sie alljährlich gegen Ende Januar in der frisch eröffneten Jahresstatistik zu erwarten ist.
Die innovative Antifa hat dem deutschen Volk ein neues Versprechen gegeben.
Der Landtag in Magdeburg wird von der Antifa gestürmt.
Dabei gibt es nur eine winzige Einschränkung: Sollte die AfD bei der Wahl am 6. September von den Auszählenden weniger Stimmen zugebilligt bekommen als für die Regierungsübernahme erforderlich wären, dann bleibt der Landtag ungestürmt.
Wenn die Antifa nicht genau wüsste, dass die AfD die Wahl in Sachsen-Anhalt gewinnen wird, hätte sie sich diese Ankündigung gespart. Schon wegen der Aufmerksamkeitsökonomie. Nein, das wird klappen. Ankündigen – und dann nichts, das ist nicht Sache der Antifa.
Dass der Sturm auf den Landtag gelingen wird, halte ich für höchstwahrscheinlich. Sehen Sie sich das Luftbild an: Zwischen Hundertwasserhaus links und Kloster rechts macht sich der Landtag im wahrsten Sinne des Wortes breit. Viele, viele Eingänge im Erdgeschoss, viele, viele niedrige Erdgeschossfenster – das lernt man im Häuserkampflehrgang bei der Bundeswehr, wie so etwas gegen darinnen verschanzte, bewaffnete Gegner eingenommen werden kann. Weil sich darinnen aber keine Bewaffneten befinden werden, ist es ein Klacks.
Wann das stattfinden soll, hat die Antifa nach meiner Kenntnis noch nicht bekanntgegeben. Ob noch am Wahlabend, also am 6. September, oder erst zur ersten Sitzung des Landtags nach der Wahl, ist unklar.
Ist aber auch gar nicht so wichtig.
Wichtig ist einzig die Vorstellung der Situation, dass die Antifa mit einigen hundert, vielleicht sogar mehr als tausend gewaltbereiten Kämpfern in den Landtag eingedrungen ist und ihn besetzt hält.
Man hat dann einige hundert Verwaltungsbeamte und Angestellte aus den Landesministerien, dazu die Abgeordneten aller Fraktionen, Saaldiener, Journalisten, Besucher, etc., quasi als Geiseln genommen. Lässt man alle die hinaus, die nicht der AfD angehören oder mit ihr sympathisieren? Oder werden alle, die im Gebäude vorgefunden wurden mit Kabelbindern gefesselt und an geeigneten Strukturen festgebunden?
Beides hat Vor- und Nachteile, je nachdem, was weiter beabsichtig ist.
Da aber wächst mein Respekt vor der Antifa noch einmal gewaltig. Ich kann mir nämlich überhaupt nicht vorstellen, was nach der gelungenen Erstürmung des Landtags geschehen soll, während ich zutiefst überzeugt bin, die Antifa weiß genau, was getan werden muss, um doch noch zu verhindern, dass die gewählte AfD-Mehrheit die Regierung bildet.
Was getan werden muss, hängt natürlich auch maßgeblich davon ab, welche Stimmung sich außerhalb des Landtags breitmachen und die Entscheidungen der noch amtierenden Regierung beeinflussen wird. Ich halte es für nicht ausgeschlossen, dass die Antifa bereits über diesbezügliche Zusagen verfügt.
Die erste Frage wird natürlich sein, wie die Vertreter unserer Demokratie die Erstürmung des Landtags weltanschaulich einordnen, um dann ggfs. Maßnahmen zu ergreifen. Es könnte sich eine maßgebliche Mehrheit finden, die nicht mehr als eine Protestaktion von Aktivisten im Kampf gegen rechts sehen, und, weil keine weitere Gefahr im Verzug zu erkennen ist, einfach abwarten, wie sich die Szenerie auflösen wird.
Dass es sich, ähnlich wie bei einem Bankraub, um einen Überfall mit Geiselnahme handelt, weshalb ein SEK anrücken muss, um die Geiseln zu befreien und des Geiselnehmers habhaft zu werden, halte ich hingegen eher für unwahrscheinlich.
Natürlich könnte auch Angela Merkel auftauchen, etwas von „unverzeihlich“ und „rückgängig“ erzählen.
Irgendetwas in der Mitte dürfte es sein. Ein Kriseninterventionsteam, das mit der Antifa telefonisch Kontakt aufnimmt und nach deren Forderungen fragt, könnte ich mir gut vorstellen.
Sollte es so kommen, was würde die Antifa dann fordern? 100 Millionen Euro und 25 hochmotorisierte Fluchtbusse? Das wohl eher nicht.
Wahlwiederholung? Auch nicht. Es käme wieder nur das Gleiche heraus.
Verhaftung der AfD-Abgeordneten, Verurteilung zu 25 Jahren Zwangsarbeit in Sibirien, Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte …? Das kann man natürlich fordern, aber wer garantiert, dass dies so auch erfüllt wird, dass die Abgeordneten nicht sofort wieder freigelassen werden, sobald die Antifa den Landtag friedlich geräumt hat? Geht nicht. Zu unsicher.
Es wird deutlich, dass Forderungen an die Verantwortlichen draußen rein gar nichts bringen. Nichts, was die AfD-Regierung noch verhindern könnte.
Also muss die Antifa das Notwendige im Inneren des Landtags selbst vollbringen.
Ich weiß nicht, was die Antifa da für das Notwendige halten könnte.
Es darf am Ende halt keine AfD-Mehrheit mehr geben.
Wie wäre es mit der Briefwahl??? Hat doch schon paar Mal geklappt.