Das Licht geht vor dem Letzten aus

PaD 31 /2026  – Hier auch als PDF verfügbar: Pad312026 Das Licht geht vor dem Letzten aus

Das neue Flaggschiff der Demokratie, „Apollo News“, hat bisher unter der Decke gehaltene Pläne der Bundesnetzagentur ausgegraben und öffentlich gemacht,  die an die vermeintliche Unlösbarkeit früherer Denksportaufgaben erinnern. Da gibt es eine, bei der mehrere Punkte durchgehend verbunden werden müssen. Das gelingt, aber nur wenn Begrenzungslinien überschritten werden.

Daran scheitert, meiner Ansicht nach gewollt, die Bundesnetzagentur, die als Begrenzungen für ihr Handeln den unumkehrbaren Ausstieg aus der Kernenergie und die Einhaltung der geplanten Abschaltetermine für die restlichen Kohlekraftwerke ansieht und offenbar mühsam erkannt hat, dass der Tag/Nacht-Zyklus ebenso wie die Großwetterlage weitere Begrenzungslinien darstellen.

Die Aufgabe, die Stromversorgung aller Teile der Republik aufrecht zu erhalten, ist innerhalb dieser Grenzen des  Denkens nicht möglich. Importe aus dem Ausland sind alleine durch die Kapazität der Netzübergangspunkte begrenzt, jene 20 +X Gigawatt Leistung, die aus Gaskraftwerken erhofft werden, sind noch nicht verfügbar und werden auch noch lange nicht verfügbar sein, denn bis heute liegen nach meinem Kenntnisstand noch nicht einmal die Bauanträge vor, und was vielleich noch wichtiger ist, die Auftragsbücher der wenigen, weltweit existierenden Hersteller von Gasturbinen sind proppevoll – und dass es unbedingt (Denkbegrenzungslinie!) solche sein müssen, die auch mit Wasserstoff betrieben werden können, macht die Sache noch einmal komplizierter.

In dieser Sackgasse müht sich die Bundesnetzagentur unter der bewährten Leitung jenes schon von Robert Habeck zur deren Präsidenten ernannten Herrn Müller, ihre Aufgabe wenigstens im Sinne einer Teilerfüllung wahrzunehmen. Die Netze sollen nicht zusammenbrechen. Dafür wird es notwendig, bei zu erwartenden länger anhaltenden Strommangellagen, Großverbraucher vom Netz zu nehmen. 24 Stunden Vorwarnzeit sind vorgesehen, und um die Stromkosten nicht noch zusätzlich zu erhöhen, soll es für den zwangsläufig entstehenden Produktionsausfall keine Entschädigung geben.

Detailliert und mit Folgenabschätzungen hat Apollo News berichtet – und es wäre schön, wenn sie dem Link folgen, denn es gilt, wie überall im Netz, auch für Apollo: Jeder Klick zählt.

Ich möchte Sie mit diesem Paukenschlag ein Stück weit zurück in die Vergangenheit führen, denn die drohende Strommangellage, die der Bundesnetzagentur jetzt Kopfzerbrechen bereitet, ein Kopfzerbrechen, das aber nicht ergiebiger ist, als das Zertrümmern eines leeren Sparschweins, ist ja schon seit langem abzusehen.

Bereits 2019 habe ich erstmals auf die drohende Deindustrialisierung Deutschlands hingewiesen. Ein Begriff, der es erst 2023 in die breitere Öffentlichkeit geschafft hat.

Im Oktober 2019 wurde erkennbar, dass die deutsche Automobilindustrie mit der Umstellung auf E-Mobilität nicht nur das Alleinstellungsmerkmal der Technologie-Führerschaft, sondern auch Kunden, und damit Umsatz und Gewinn verlieren wird, weil der technisch relativ einfach gestrickte Elektromotor von jedem Konkurrenzunternehmen zu beherrschen ist.

Am 6. August 2020 schrieb ich – wahrhaft visionär – davon, dass es die „Unumkehrbarkeit“ der Klimarettung erfordern würde, sämtliche Gas- und Öl-Pipelines in die Luft zu jagen.

Mit der Glosse „Merkels Erleuchtung“ habe ich im Juni 2021 satirisch zugespitzt prognostiziert, der Strom für die energieintensive Industrie Deutschlands wird mit frisch gedrucktem Geld, also mit neuen Staatsschulden finanziert werden müssen.

So ging es Schritt für Schritt voran. Der Übergang von Merkel zu Scholz, von der GroKo zur Ampel, verlief dabei so reibungslos, dass er nur dadurch spürbar wurde, dass sich das Tempo der Schussfahrt ins Chaos immer weiter steigerte. Irgendwann im Laufe der Jahre von 2019 bis 2023 kam ich zu der Aussage:

„Die Ampel wird weit mehr offene Wunden hervorbringen, als die Union Finger hat, um sie hineinzulegen. Da wird unter Umständen sogar die AfD noch mithelfen müssen.“

Wenn ich heute noch einmal lese, was ich am 6. Juni 2019 veröffentlicht habe, dann dämmert mir, dass das ungefähr der Stand ist, auf dem die Bundesnetzagentur heute angekommen ist. Auf welchem Stand sich Bundeskanzler und Fachminister befinden, möchte ich gar nicht wissen. Aber lesen Sie selbst:

Kreutzer, im Sommer 2019

Wo steht Deutschland in der weltweiten Rangreihe?

Kriterien absolute Größe Rang
Landfläche 357.000 km² 63
Bevölkerung 80 bis 82 Millionen 19
BIP 3,7 Billionen $ 4
Export 1,75 Billionen $ 3
Handelsbilanzüberschuss 275 Milliarden $ 2
HB-Überschuss pro Ew. 1) 3.350 $ 1

1) Rangreihe Industriestaaten, ohne Öl- und Gaslieferanten

Für diese Wirtschaftsleistung verbraucht das Land alleine an elektrischer Energie jährlich 555 Terawattstunden. Der Gesamtprimärenergieverbrauch liegt bei 12.900 Petajoule, entsprechend knapp 3.600 Terawattstunden. Und damit liegen wir sicherlich im Verhältnis zu Bevölkerungszahl oder Landfläche auch auf einem der vorderen Plätze in der Weltrangliste.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die „schöne“ Relation zwischen BIP und  Energieverbrauch, die nicht nur eine wichtige volkswirtschaftliche Kennzahl, sondern überdies einfach zu merken ist:

1 Milliarde $ BIP       erfordert 1 Terawattstunde Energie
1 Million $ BIP          erfordert 1 Gigawattstunde
1.000 $ BIP              erfordert 1 Megawattstunde
1 $ BIP                     erfordert 1 Kilowattstunde.

Selbstverständlich darf die Kilowattstunde bei einer Kostenbetrachtung nicht mit dem Preis für Haushaltsstrom angesetzt werden. Erstens, weil der Großindustrie Strompreise von deutlich unter 10 Cent pro Kilowattstunde berechnet werden, und zweitens, weil es sich hier nicht nur um den hochveredelten Energieträger Strom handelt, sondern um den Primärenergieverbrauch, in dem eben auch die fossilen Energieträger (Uran, Kohle, Gas und Öl), auch wenn sie nicht in Strom umgewandelt, sondern in Heizungen oder Automotoren verbrannt werden, berücksichtigt sind.

Allerdings dürfte ich mit meiner Schätzung von derzeit etwa 5 Euro-Cent pro KWh Primärenergie-Einsatz nicht sehr weit daneben liegen. Hochgerechnet auf die gesamte Volkswirtschaft und ein Jahr bedeutet das, dass die Kosten für den Primär-Energie-Einsatz Deutschlands bei knapp 200 Milliarden Euro liegen und damit etwa 5 Prozent des BIP ausmachen.

Die Pläne der Bundesregierung, den Primär-Energie-Einsatz drastisch zu reduzieren:

um 20 Prozent bis 2020
(was wohl nicht gelingen wird)
um 50 Prozent bis 2050
(was weiterhin angestrebt wird)

sind, gelinde gesagt, verwegen, selbst dann, wenn kein Wirtschaftswachstum angestrebt würde.

Wirkungsgrade von Maschinen lassen sich zwar nahe an 100% heranbringen, den dafür erforderlichen, exponentiell steigenden Aufwand einmal ausgeklammert, aber sie lassen sich eben nicht über 100% steigern, denn dann hätten wir das Perpetuum mobile, das nach dem heutigen Stand der Ingenieurswissenschaften hinter der unüberwindlichen Grenze zwischen der Endlichkeit des Möglichen und der Unendlichkeit des Unmöglichen angesiedelt ist.

Aber es herrscht doch Klimanotstand!

Der Ausweg ist weder in der Heizungstechnik, noch in der Gebäudedämmung zu finden und auch nicht im Verkehr. Hier sind die Möglichkeiten weitgehend ausgereizt. Selbst ein Kaminofen mit Holzbefeuerung erreicht heute einen Wirkungsgrad von annähernd 90  Prozent und gibt nur 10 Prozent der im Holz gespeicherten Energie über den Schornstein nach außen ab. Ganz ohne (Ab-) Zug ist eine Verbrennung aber unmöglich, so dass die Grenze des Möglichen schon erreicht scheint.

Verbrennungsmotoren schneiden da deutlich schlechter ab. Rund 2/3 der Energie gehen durch den Auspuff und als Abwärme vom Motorblock verloren. Die Elektromobilität scheint hier mit besseren Ergebnissen aufzuwarten. Doch vor dem Antrieb mit Strom steht die Erzeugung von Strom, und die kommt bei den modernsten Kraftwerken, die mit fossiler Energie arbeiten auf 50, bei modernen Gaskraftwerken vielleicht auf 60 Prozent Wirkungsgrad, was ein bisschen auch von der Last abhängig ist. Am Motor des E-Autos kommen also schon nur noch 50 Prozent der ursprünglich eingesetzten Energie an. Mit einem Wirkungsgrad von annähernd 90 Prozent ist der Unterschied zum Diesel oder Benziner schon fast dahingeschmolzen – und wenn man die Fahrzeug-Heizung in die Rechnung einbezieht, die beim Verbrenner mit Abwärme umsonst“  betrieben wird, beim E-Auto allerdings zusätzlichen Strom schluckt, ist faktisch Gleichstand hergestellt.

Dass Strom aus erneuerbaren Energiequellen aus dem Primärenergiebedarf herausgerechnet werden könne, weil die Sonne umsonst scheint und dieser Strom also preiswerter wäre, ist bis heute nicht nachgewiesen. Zwar sinken an den Strommärkten die Preise immer dann, wenn bei Sonnenschein ein frischer Wind weht, bis hin zu negativen Preisen, wenn also ausländische Abnehmer noch Geld dafür bekommen, den Strom abzunehmen. Doch die Preisbildung ist eine Frage von Angebot und Nachfrage und lässt einen Rückschluss auf die Erzeugungskosten nicht zu. Die Kosten der Energie aus erneuerbaren Quellen sind eine Frage des Stromertrags während der Nutzungsdauer, im Verhältnis zum Investitionsaufwand, zu den Betriebskosten, sowie dem Aufwand für die Bereitstellung der zusätzlichen Netzinfrastruktur, die auch nicht kostenlos vom Himmel fällt. Dass die notwendigen Kapazitäten für die angestrebte, 100%ige E-Mobilität noch nicht existieren, noch nicht einmal auf dem Reißbrett, sei nur am Rande erwähnt.

Die Dämmung von Gebäuden ist weit fortgeschritten. Von den rund 16 Millionen Einfamilienhäusern in Deutschland wurden seit 2000 rund 5 Millionen energetisch saniert, Neubauten seit 2000 dürfte schon beim Bau gedämmt worden sein, viele ältere Häuser in Ziegel-Massivbauweise, aber auch Fertighäuser erfüllen auch ohne nachträgliche Dämmung die Wärmeschutzkriterien – und die großen Wohnungsbau-Unternehmen dämmen wo immer es geht, weil dies eine legale Form der Mieterhöhung ermöglicht, die auch nach der Amortisation der Maßnahme nicht wieder rückgängig gemacht wird.

Heißt: Die Mieter zahlen die Dämmung nicht einmal, sondern zwei, drei und viermal – zur Freude der Wohnungseigentümer.

Modernere Windräder sind auf eine Leistung von durchschnittlich 5 Megawatt ausgelegt – Offshore-Anlagen eher etwas mehr, im Binnenland eher etwas weniger. Die angesagte Dekarbonisierung müsste also, um die derzeit 3.600 Terrawattstunden durch Windräder hervorzubringen, grob gerechnet täglich 10 Terrawattstunden erzeugen und unter Berücksichtigung der wechselnden Lastverhältnisse und der wechselnden Windverhältnisse mindestens 1,2 Terrawatt Kapazität vorhalten, um bei mäßigem Wind und Spitzenlast im Netz ausreichend Strom produzieren zu können. Dafür wären rund 250.000 große Windräder erforderlich, also im Prinzip alle 1,5 Quadratkilometer ein großes Windrad – auch mitten in den Großstädten und Ballungsräumen, sonst wird es auf dem flachen Land noch enger.

Mit der 10-H-Regelung, die besagt, dass der Abstand von einem Windrad zur nächsten Siedlung mindestens die 10-fache Höhe betragen muss, ist das schon nicht mehr zu schaffen, denn so ein Windrad ragt (Turm + Rotorblatt) um die 200 Meter in die Höhe. Zwei Kilometer Abstand ringsum ergeben schon gut 12 Quadratkilometer – und wo ist in Deutschland schon die eine Siedlung von der nächsten mehr als 4 Kilometer entfernt? Jede Wanderkarte liefert den schlagenden Beweis, dass dies eher eine sehr seltene Situation ist.

Wieder ein Punkt, an dem der Hinweis angebracht erscheint, dass der Holzweg der unendlichen erneuerbaren Energiegewinnung schnell und unbarmherzig hinter die Grenze zwischen der Endlichkeit des Möglichen und der Unendlichkeit des Unmöglichen führt.

Aber es herrscht doch Klimanotstand!

Die  hilfreiche Anmerkung, es gäbe ja neben der Windenergie auch noch die Photovoltaik-Anlagen, hat gleich zwei markante Mängel, die auf den gleichen Holzweg zustreben. Der erste liegt darin, dass die Photovoltaik  nachts gar keinen Strom erzeugt, der zweite ergibt sich hier ebenfalls aus dem Flächenbedarf. Ein Quadratmeter Solarpaneel liefert bei durchschnittlicher Besonnung übers Jahr gesehen etwa 20 Watt ab. Ein Quadratkilometer kommt auf 20 Megawatt. Ein Sechstel der Landesfläche, 60.000 Quadratkilometer,  würde gerade ausreichen, um bei durchschnittlichem Sonnenschein – tagsüber im Sommer zwischen etwa 7 und 19 Uhr, im Winter zwischen 10 und 15 Uhr – den Energiehunger Deutschlands zu decken. Allerdings müssten dafür Berlin, Hamburg, Bremen, das Saarland, Schleswig Holstein, Thüringen und Sachsen vollständig und lückenlos unter Solar-Paneelen versteckt werden.

Kurz zusammengefasst:

Die Endlichkeit Deutschlands verhindert zuverlässig den für den jetzigen Energieverbrauch erforderlichen Ausbau der erneuerbaren Energien. Maßnahmen zur Effizienzsteigerung der Verbraucher sind bereits weitgehend ausgereizt. Die Absichten zur Senkung des Energiebedarfs können nicht durch Einsparungen aufgrund verbesserter Technik erreicht werden. Die einzige Chance dafür liegt im (erzwungenen) Verzicht auf die Nutzung von Energie.

Heute entfallen etwa je 30% des Endenergiebedarfs auf Industrie und Verkehr, etwa 25% auf die Haushalte und 15% auf Gewerbe, Handel und Dienstleistungen. Um das Einsparziel für 2050 zu erreichen, dürften entweder die privaten Haushalte, sowie Gewerbe, Handel und Dienstleister überhaupt keine Energie mehr verbrauchen, oder Deutschland müsste vollkommen deindustrialisiert werden, was auch einen ausreichenden Wegfall an Verkehr nach sich ziehen würde.

Selbstverständlich kann man den Verzicht auch gleichmäßig auf alle Sektoren verteilen. Doch auch das funktioniert nicht. Alleine der Gedanke, die Leistung der Industrie durch Energieentzug um nur 40 Prozent zu drosseln, würde vollständig auf das BIP durchschlagen, weil davon eben auch das zuliefernde und dienstleistende Gewerbe betroffen wäre, weil Millionen zusätzlicher Arbeitsloser mit stark reduzierter Kaufkraft den Binnenmarkt so belasten würden, dass auch der Einzelhandel von einer Insolvenzwelle überrollt und natürlich auch der Verkehr stark abnehmen würde.

40 Prozent weniger Energie für die Industrie würde automatisch dazu führen, dass insgesamt 40 Prozent weniger Energie verbraucht würde. 50-Prozent-Ziel fast erreicht.

Das hieße allerdings auch: Rückgang der Steuereinnahmen um  40 Prozent und mehr, Rückgang der Beitragseinnahmen der Sozialkassen um 40 Prozent und mehr, und dem folgend massive Rentenkürzungen, massive Einschnitte ins Gesundheitswesen, Rückbau aller staatlichen Leistungen, usw.

Auch die Möglichkeiten des Verzichts und des Rückbaus sind nicht unendlich, sondern schlicht und einfach durch den Nullpunkt begrenzt, wobei schon weit oberhalb dieses Nullpunkts ganz erhebliche Probleme auftreten.

Aber es herrscht doch Klimanotstand.

Panik! Lieber zurück in die Steinzeit als gar keine Zukunft! Panik!

Ja, und weltweit sind 1.400 neue Kohlekraftwerke im Bau oder in Planung. Die werden das bisschen CO2, das vom unendlich großen Deutschland emittiert wird, locker mehrfach überkompensieren.

(…)Von Seiten der Weltwirtschaft haben wir für die nächsten Jahre nicht mit einem nennenswerten Wachstumsschub zu rechnen, so dass die Wirtschaftsleistung nur ganz gering steigen, wenn nicht gar sinken wird. Die abenteuerliche Energiepolitik, so sie denn tatsächlich realisiert und bis zum bitteren Ende durchgezogen werden sollte, lässt bis zum Jahr 2050 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um bis zu 40 Prozent befürchten. Bis dahin dürften sich aufgrund der Alterspyramide und der niedrigen Geburtenzahlen die Zahl der Einwohner um rund 7,5 Prozent (6 Millionen) reduziert haben. Diese 74 Millionen sind aber im Verhältnis zur dann reduzierten Wirtschaftsleistung immer noch viel zu viel.

(…)

Deutschland ist kein Video-Spiel, bei dem man immer wieder „neue Kräfte“, „neue Waffen“ und „neue Energiequellen“ erschließen, bzw. dazukaufen kann. Deutschland ist ein kleiner Fleck auf dem Globus, aber wieder einmal entsteht der Eindruck, die Meinungsführer wüssten das nicht.

Die einzige Chance liegt im (erzwungenen) Verzicht auf die Nutzung von Energie.

Sieben Jahre hat es gedauert, bis diese einfache, unter Anwendung der Grundrechenarten zu erschließende Erkenntnis da angekommen ist, wo über die Energiesicherheit des Landes gewacht werden soll. Sieben verlorene Jahre für Deutschland, die vielleicht mit größten Anstrengungen wieder eingeholt werden könnten, aber dann müsste man andere Pläne fassen, als der Industrie den Strom zu sperren. Wie viele Jahre bis zu dieser Erkenntnis noch vergehen mögen, wage ich nicht abzuschätzen.

Das Buch, dass ich über die energiepolitische Irrfahrt der Jahre 2019 bis 2023 geschrieben habe, ist fünf Zentimeter dick und umfasst 651 Seiten. Titel und Untertitel lauten: „KIPPPUNKT ENERGIEWENDE – Vom Heilsversprechen zur Deindustrialisierung“. Obwohl es inzwischen drei Jahre alt ist, hat sich an den grundlegenden Erkenntnisse und Argumenten gegen den Wahn vom menschengemachten Klima und gegen den Irrsinn der Energiewende nichts verändert. Was Sie darin finden ist dem offiziellen Narrativ und der Regierungspolitik immer noch um Jahre voraus. Auf dem Weg der Realitätsverweigerung ins Reich der reinen Fantasie sind zum offiziellen Narrativ lediglich noch einige Narreteien hinzugekommen.

Anlass, dieses Buch überhaupt zusammenszustellen und zu veröffentlichen, war mein Zorn über die Verabschiedung des Habeck’schen „Heizungsgesetzes“ (Gebäudeenergiegesetz, GEG). Es trifft sich gut, dass dieses Gesetz von der Regierung Merz nun in überarbeiteter Form neu verabschiedet wird. Die neuen Regelungen sind genauso unsinnig und übergriffig wie die alten, denn der Zwang zur Wärmepumpe wird nur mit anderen Folterwerkzeugen ausgeübt.

Waren wir nicht gerade bei der Strommangellage? Gut. Was sollte man bei Strommangel nicht anstreben? Klar: Zusätzliche Verbraucher ans Netz zu bringen. Gegenüber einer Heizung für fossile Energieträger ist so eine Wärmepumpe jedoch ein nennenswerter zusätzlicher Verbraucher. Nicht im Sommer, wenn die Sonne scheint und die Chancen für eine ausreichende Stromernte einigermaßen gut stehen. Aber  im Herbst, im Winter, im zeitigen Frühjahr, wenn Wärme gebraucht wird, steigt der Stromverbrauch der Wärmepumpen mit jedem Grad, um das das Thermometer fällt, deutlich an. Massive Werbung für Wärmepumpen, die Förderung von Wärmepumpen sind nichts anderes als Maßnahmen zur Erhöhung der Wahrscheinlichkeit einer Strommangellage!

Und warum das Ganze?

Ich schenke Ihnen noch 5 1/2 Seiten aus KIPPPUNKT ENERGIEWENDE

Mai 2021 

Giga-Klima-Gaga – 2 –

Vor einer Woche startete die erste Folge der Giga-Klima-Gaga-Serie mit Prof. Bömmel und der Dampfmaschin aus der Feuerzangenbowle, um bei der Klima-Entwicklung der letzten 2.000 Jahre zu landen, die ab etwa 100 n.Chr., als es in Europa wärmer war als heute,  bis 1880 n.Chr. , dem Ende der „Kleinen Eiszeit“ einen Abkühlungstrend aufwies, der eben nicht mit Vulkan-Ausbrüchen erklärt werden konnte.

Weit weniger bekannt als Prof. Bömmel aus der Feuerzangenbowle ist der Kinderarzt Dr. John Christian Gall (1925-2014), der sich neben seiner Tätigkeit als Arzt geradezu inbrünstig mit dem Funktionieren und dem Versagen von Systemen beschäftigte und es dabei zu einer Meisterschaft brachte, mit der es ihm gelang, Murphys Law  und Peters Principle mühelos in ein gedankliches System der Unausweichlichkeit des Systemversagens einzubetten. Hier ein paar Sätze aus seinem 1977 erschienenen Werk „Systemantics – How Systems work and especially how they fail“, 1979 bei ECON auf Deutsch erschienen, unter dem Titel „List und Tücke der Systeme“.

Wir können nicht alle Wahrheit wissen und leben deshalb notwendigerweise in einer verstümmelten und zensurierten Welt. (Viele) akzeptieren, was ihnen gesagt wird. Alles andere muss daher notwendig reine Hypothese sein.

Der Glaube an die Richtigkeit der offiziellen Information ist bei rechten Bürokraten daher echt und unerschütterlich.
Logisch schließen wir daher weiter: Mangelhafter und unvollständiger Informationsfluss, wie er in großen Organisationen gelegentlich üblich ist, führt zum teilweisen oder vollständigen Realitätsverlust der Mitarbeiter.

Gall entwickelte dann aus dem Unterschied zwischen dem Informationsstand des jeweils zuständigen Sachbearbeiters und dem Umfang der dem Unternehmen insgesamt zur Verfügung stehenden Information einen so genannten Fiktionskoeffizienten. Bei einem Wert von 100% sei vollständiger Realitätsverlust eingetreten. Gall tröstet:

Werte von über 99 Prozent sind selten. Solche Spitzenwerte treten eigentlich nur in diktatorisch regierten Staaten, etwas konfusen Religionsgemeinschaften und bei den meisten Großbetrieben auf.

Selbstverständlich ergibt sich aus den Gedankengängen Galls wieder eine alles entscheidende Frage:

Welcher Anteil der relevanten Fakten wird vom „System“ Klimaschutz beachtet?

Es muss vielleicht erst noch einmal darauf hingewiesen werden, dass der Glaube „an die offizielle Information“, es ginge um Klimaschutz, bzw. um die Abwehr einer Klimakatastrophe, so felsenfest in vielen Köpfen verankert ist, dass die Tatsache,

dass dieses System ein gänzlich anderes Ziel verfolgt, nämlich ausschließlich nichts anderes als die so genannte „Dekarbonisierung“,

dem vollständigen Realitätsverlust der Gläubigen zum Opfer fällt. Von daher ist der Anteil der relevanten Fakten, die überhaupt beachtet werden, einerseits ausgesprochen gering, andererseits ist die Reihe der irrelevanten Fakten  in den Köpfen derart dominant, dass die Situation, in der wir uns befinden, für einen Außenstehenden absolut surreal erscheinen muss.

Dominante, aber irrelevante Fakten – es gibt nur zwei:

  • jährliche „menschliche“ CO2-Emissionen in Gigatonnen
  • CO2-Gehalt der Atmosphäre in ppm

Die Gigatonnen lassen sich nicht messen. Sie werden aus statistischen Daten für Vergangenheit und Gegenwart approximativ hochgerechnet und für die Zukunft „prognostiziert“.

Die Parts per Million lassen sich heute einigermaßen zuverlässig messen, Vergangenheitswerte – je vergangener, desto schwieriger – werden aus Artefakten abgeleitet. Für die Zukunft werden die ppm, ausgehend von den Prognosen für die Gigatonnen, wiederum prognostiziert.

Der Wert der Parts per Million soll „kleiner“ werden, indem die Gigatonnen gedeckelt werden. Dazu werden von Menschen ausgelöste CO2-Emissionen einerseits direkt verboten, andererseits durch Steuern und Abgaben so verteuert, dass sich die Menschen den Einsatz fossiler Energieträger schlicht nicht mehr leisten können, ohne den Hungertod zu sterben.

Tatsächlich besteht, soweit sich dies aus den Artefakten schließen lässt, eine Korrelation zwischen den Eis- und Warmzeiten der Vergangenheit und dem CO2-Gehalt der Atmosphäre. Das lässt sich mit einem einfachen Experiment in jeder Küche nachvollziehen.

Stellen Sie zwei identische Flaschen Mineralwasser  – klassisch –  also mit hohem Kohlensäuregehalt (falls nicht verfügbar, darf es auch Champagner sein) in den Kühlschrank und warten Sie, bis diese gut heruntergekühlt sind. Nach ca. 2 Stunden öffnen Sie beide Flaschen, belassen eine davon aber im Kühlschrank, während Sie die andere auf dem Herd auf kleinster Stufe erwärmen. Nach einer halben Stunde füllen Sie aus jeder Flasche ca. 200 ml in je ein Glas ein. Das Mineralwasser aus dem Kühlschrank wird noch ordentlich sprudeln, das erwärmte Mineralwasser hingegen wird sich verhalten wie normales Leitungswasser ohne Kohlensäure, denn durch die Erwärmung wurde das im Mineralwasser gelöste CO2 beschleunigt ausgegast und gelangte so in die Atmosphäre.

Von diesem kleinen Experiment in der heimischen Küche kann man kühn darauf schließen, dass es sich mit dem im Wasser der Ozeane gelösten CO2 ebenso verhält.
Wird das Wasser wärmer, warum auch immer, tritt das CO2 vermehrt aus dem Wasser aus und befindet sich dann in der Atmosphäre, so dass sich der Anteil des CO2 in der Atmosphäre erhöht.

Noch im Jahre 1997 hat es die WELT (Springer) gewagt, den gleichen Effekt: „Erst Erwärmung, dann CO2-Anstieg in der Atmosphäre“, ernsthaft zu thematisieren, wobei die auf der Hand liegende Schlussfolgerung allerdings noch in Frageform präsentiert wurde. Zitat:

Neuere Messungen haben gezeigt, daß nicht nur die Atmosphäre, sondern ebenso das Meerwasser wärmer geworden ist. Die Temperaturzunahme muß zu einer Freisetzung beträchtlicher CO2-Mengen geführt haben, die die Emissionen aus Industrie und Verkehr erheblich übersteigen. Zeigen die Fakten nicht längst, daß die Katastrophen-Propheten Ursache und Wirkung vertauscht haben und der CO2-Anstieg erst eine Folge der Klimaerwärmung ist? 

Eine von der Datenlage her einigermaßen zuverlässige Betrachtung des Zeitraums von 1860, dem Ende der Kleinen Eiszeit, bis heute, bestätigt jedoch die Gültigkeit des Mineralwasser-Experiments auch bei der Übertragung auf den globalen Maßstab. Die Veränderungen der Sonnenaktivität treiben die Temperaturen, die Temperaturen den CO2-Gehalt der Atmosphäre. Andere Dokumente weisen jedoch noch ein gutes Stück über diesen kurzen Zeitraum, aus dem die Dekarbonisierungs-Kampagne ihre Argumente bezieht, einerseits zeitlich, andererseits räumlich, weit hinaus.

  • Zeitlich gibt es eine Darstellung der aus Eisbohrkernen aus der Antarktis gewonnen Erkenntnisse, sowohl über den Temperaturverlauf als auch über die CO2-Konzentration in der Atmosphäre über die letzten 400 Millionen Jahre Klimageschichte. Stets folgte der CO2-Anstieg der vorausgehenden Erwärmung.
  • Räumlich, und das ist jetzt kein Witz, wird darauf hingewiesen, dass auf dem Mars, der nur über eine sehr dünne Atmosphäre verfügt, die zudem bislang nicht durch von Menschen verursachte CO2-Emissionen kontaminiert wurde, seit 1970 ein Temperaturanstieg von 0,65 Grad Celsius zu verzeichnen ist. Das passt recht gut mit jenem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 0,5 Grad Celsius zusammen, den die in Bezug auf die drohende Klimakatastrophe vollkommen unverdächtige Wikipedia für den Zeitraum von 1970 bis 2008 ausweist.

Wenn also die WELT 1997 die Erkenntnis verbreitete, dass die Ausgasung der Ozeane in Folge eines Temperaturanstiegs die Masse der menschengemachten Gigatonnen bei weitem überschreitet, wenn die Langzeit-Reihen von CO2-Gehalt und Temperaturverlauf den Anstieg des CO2-Gehalts stets als Folge steigender Temperaturen erkennen lassen, und sich die Durchschnittstemperatur des Mars in den letzten Jahren quasi im Gleichschritt mit der globalen irdischen Durchschnittstemperatur erhöht hat, dann muss am Schluss der zweiten Folge dieser kleinen Serie die gleiche Frage stehen, wie am Ende der ersten Folge:

Sollte also doch die Sonne ausschlaggebend sein?

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1 Kommentar

  1. Apollo macht immer wieder gute Arbeit, aber Flaggschiff der Demokratie ?!
    Eher Ein Zeuge Zionas, wie TE, Kontrafunk oder auch achgut.
    Manhard, der Chefredakteur, hatte wenig Probleme mit der Inhaftierung von Arsange (nur mit der Art und weise) und nutzt auch gern die dümmliche Propagandaformulierung „Mullaregime“.Ihre journalistische Qualität, lieber Herr Kreutzer, ist deutlich besser.

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