Das ganze Land ist rechts

Noch nicht ganz. Da haben Sie recht. Aber lange wird es nicht mehr dauern.

Wer dabei nur die von den Demoskopen gemessene Zustimmung für die AfD betrachtet, und glaubt, soweit sei es noch lange nicht, übersieht eine ganz andere Entwicklung auf der linken Seite.

Da findet so eine Art „Reise nach Jerusalem“ statt. Die Musik spielt. Links kreist um die Stühle. Die Musik bricht ab – und wieder fehlt ein Stuhl und wer etwas zu langsam reagiert, ist nicht mehr links.

Ausgeschieden.

Links dampft sich selbst ein. Mit immer rigideren Ausschlusskriterien fällt eine einst linke Position nach der anderen. Die Verbliebenen freuen sich diebisch, ihr „Links“ noch reiner, noch klarer gestaltet zu haben. Und schon spielt wieder die Musik, und schon ist wieder ein Stuhl weg …

Was war da gerade eben?

Bodo Ramelow hat einen Stuhl weggenommen. Wer nicht gegen die Bundesflagge – schwarz-rot-gold – ist, und wer nicht gegen die Nationalhymne – Einigkeit und Recht und Freiheit – ist, ist raus. Natürlich hat er das nicht so gesagt, aber das ist die Innenwirkung, hinein ins linke Lager. Man könnte das auch als „zunehmende Radikalisierung“ bezeichnen. Klar: Wer so richtig links ist, der ist sowieso längst dafür, dass die Regenbogenflagge als Bundesflagge gezeigt wird. Geübt wird das ja schon lange beim Beflaggen öffentlicher Gebäude, selbst gegen ausdrückliche Verbote des Dienstherren, aber nun wird auch noch der kleine Rest ausgesiebt, der noch irgendwie eine Bindung an Deutschland, die Nationalhymne und die Bundesflagge verspürt. 

War da gerade eben nicht noch etwas?

Richtig. Die Berliner Wiesn. Eine Art Oktoberfest auf preussisch. Die „Spreewiesn“. Der bisherige Festplatz wird Baustelle. Die Spreewiesn muss umziehen.  Es wurde ein neues Grundstück in Friedrichshain (in Friedrichshain!) gefunden, wo man die Bierzelte aufbauen wollte.

Ein solches „skrupellos kommerzielles Massenbesäufnis mit völkischen Stereotypen“, so schallt es aus dem Zentralrat der Linken in Berlin, wird nicht geduldet. Man werde sich mit Protesten vor Ort und deutlichen Ansagen an Besucher und Veranstalter zur Wehr setzen. Selbst die Berliner Polizei sieht darin eine offene Gewaltandrohung und warnt den Veranstalter, die Spreewiesn auf dem neuen Gelände stattfinden zu lassen.

Stuhl weg. Musik aus. Und raus bist du!

Links geht nichts ins Bierzelt. 2019, als noch viel mehr Stühle für die Reise nach Jerusalem vorhanden waren, fand sich immerhin neben Eva Schreiber (MdB), dem Landessprecherpaar Eva Bulling-Schröter und Ates Gürpinar, auch noch Bodo Ramelow beim Gillamoss in Abensberg ein, wo alljährlich deutsche Politprominenz in getrennten Zelten auftritt, um zum Auftakt des Massenbesäufnisses kämpferische Reden zu halten. 

Und, siehe da, im Programm für den Gillamoos 2025 sind am 8. September als Redner zu finden:

  • Dr. Markus Söder, CSU
  • Felix Banaszak, Bündnis 90/Die Grünen
  • Hubert Aiwanger, Freie Wähler
  • Andreas Bovenschulte, SPD
  • Christian Dürr, FDP
  • Agnes Becker, ÖDP
  • Robert Böhnlein, Bayernpartei
  • Tino Chrupalla, AfD

Die Linke jedoch, glänzt durch Abwesenheit.

Wie eine Sekte, deren Anführer sich immer neue Schikanen für ihre Mitglieder ausdenken, mit denen die ihre Glaubensstärke unter Beweis zu stellen haben, schafft ein harter linker Kern immer neue Ausgrenzungssachverhalte, ziehen die Roten immer engere rote Linien um ihr Allerheiligstes und trennen so die Böcke von den Schafen.

Alte weiße Männer finden schon lange keinen Stuhl mehr. Wann ist ihnen zum Beispiel Gregor Gysi zuletzt über den Weg gelaufen?

Attraktive weiße Frauen – ausgegrenzt, auch auf die Gefahr hin, dass die sich mit einer eigenen Partei als Konkurrenz in den Ring stellen,.

Vermieter? Die waren wohl die Allerersten, die, noch bevor Karl Marx mit dem Kapital fertig war, nicht mehr unter den Linken zu finden waren.

Eigenheimbesitzer? Pfui und Schande!

Fleischesser? Ja wie kann man nur. Die armen Tiere – und der Flächenfraß und die Methanwolken der Kühe!

Heterosexuelle sind auch schon lange weg vom Fenster, wie auch Harry-Potter-Fans. Wer liest, was so eine geschrieben hat, kann doch nicht ganz links sein!

Auch einfach nur Schwulen geht es schon an den Kragen, wenn sie eine Abneigung äußern, sich mit selbsternannten Transsexuellen in einen Topf werfen zu lassen.

Autofahrer? Weg damit!

Produktiv Tätige? Gefügige Sklaven des Konsumterrors!

Kein Platz in den Reihen der Linken.

Und so geht es weiter. Jeden Tag eine neue, ausgrenzende Idee. Weil die Mietpreisbremse nicht funktioniert und die Enteignung noch nicht greift, wird bald auch in Deutschland eine Sondersteuer fällig, wenn in einer Wohnung weniger Personen wohnen als die Wohnung Zimmer hat.

Auch das härtet das Zusammengehörigkeitsgefühl der letzten von Linken immer noch als links gelesenen Linken.

Es sind nicht mehr viele.

Mit jeder neuen linken Idee werden es weniger.

Und wer nicht links ist, ist rechts.

Da können sich die vom ehemaligen Arbeitnehmerflügel in der CDU noch so anstrengen, für die steht längst kein Stuhl mehr bereit. Die SPDler, lächerlich. Nichts ist weniger links als die SPD. Bei den Grünen bestand lange Zeit Hoffnung, sie könnten einmal richtige Linke werden, doch die haben letzlich nur enttäuscht. Keine Prinzipientreue, keine Lust am Leiden. Rääächts!

 

Sag ich doch.

Die ganze Republik ist rechts.