Das Experiment von Mulfingen

Vielleicht haben Sie es schon gelesen, z.B. auf der Seite „Jungefreiheit.de“ , vielleicht aber auch nicht:

Mulfingen ist eine kleine Gemeinde, gerade einmal 263 m über Normal Null, im Nordosten von „the Länd“, wo am Sonntag, 8. März, Wahlen stattfinden sollen.

Mulfingen ist von 3.604 Menschen bevölkert und lädt allmonatlich zum Monatsmarkt, der nächste hätte am 6. März stattfinden sollen.

Hätte, hätte, Fahrradkette …

Nun hat die AfD diesen Markt verhindert. Dutzende Fieranten gucken in die Röhre und die Menschen aus Mulfingen werden um die Chance gebracht, ihr mit ihrer Hände Arbeit sauer verdientes Geld vor Ort auszugeben. Angesichts dieser bürgerfeindlichen Aktion wird der Wunsch, eine Alternative zu schwarz-grün oder grün-schwarz zu wählen, zumindest bei den Mulfingern stark nachlassen.

Warum aber lässt sich die AfD zu einem solchen selbstzerstörerischen Akt hinreißen?

Man weiß es nicht genau.

Fest steht, dass der Ortsvorsteher keinen Zweifel daran gelassen hat, dass der „Markt“ ausschließlich stehe, und zwar für „Mulfingen mehr Miteinander“ (MmM) und nichts sonst.

„Mulfingen mehr Miteinander“ scheint so etwas zu sein, wie die Mulfinger zivilgesellschaftliche Ausprägung von Unseredemokratie, was unter Vielfaltsgesichtspunkten zweifellos eine gewichtige Berechtigung haben sollte.

Nun muss aber unterschieden werden, zwischen „dem Monatsmarkt“ als Veranstaltung und „dem Markt“ als dem Ort des Geschehens. Mag der Monatsmarkt so ausschließlich wie nur irgend möglich einzig für „Mulfingen mehr Miteinander“ stehen, der Marktplatz, als öffentliche gemeindliche Fläche steht jedoch grundsätzlich auch den von der Ausschließlichkeit Ausgeschlossenen zur Verfügung, und hier hakte die AfD ein und meldete mit der von ihr gewohnten Dreistigkeit einen Stand an.

Nicht überliefert ist, wie lange der Ortsvorsteher und sein mehr oder weniger großes Miteinander sich durch Recht und Gesetz, Erlasse und Verordnungen wühlten, um zu dem Schluss zu gelangen, es gäbe keine Handhabe, den AfD-Stand zu verbieten. Ebenfalls nicht überliefert ist, ob der AfD Verhandlungen angeboten wurden, mit dem Ziel, den Monatsmarkt und den AfD-Stand zeitlich zu entflechten. Bekannt ist nur, dass es zu keiner Einigung kam, egal ob nun tatsächlich danach getrachtet wurde oder nicht.

Ein Herr Anton Baron, von der AfD als Direktkandidat im Wahlkreis Hohenlohe aufgestellt, wollte nun einmal am angemeldeten Infostand mit Passanten ins Gespräch kommen und auch nicht locker lassen.

Nun scheint es so zu sein, dass der Ortsvorsteher seine Mulfinger kennt und die Gefahr witterte, es könne unter diesen seinen Schäfchen durchaus auch den einen oder anderen dieser fragwürdigen „Passanten“ geben, und dass dann das passiert, was Herr Baron mit den Passanten vorhat, dass diese Passanten mit dem Herrn Baron ins Gespräch kommen, ohne zu ahnen, auf wes Geistes Kind sie sich da eigentlich einlassen. Da galt es, Schaden vom Volke abzuwenden.

Dem Ortsvorsteher blieb nichts anderes übrig. Unter dem massiven Druck der AfD hat er den für den 6. März angesetzten Monatsmarkt vollständig absagen müssen.

Das ist nun die Ausgangsbasis für das Experiment von Mulfingen, dessen Ausgang noch vollkommen ungewiss ist.

Aufgrund der bereits angesprochenen und nach wie vor bestehenden Trennung zwischen Markt und Markt hat die AfD nämlich bekanntgegeben, ihre Standanmeldung für den öffentlichen gemeindeeigenen Platz habe mit dem Monatsmarkt so viel zu tun, wie die Stuttgarter Tiefbahnhofsbaustelle mit 1860 München, sei folglich von der Absage nicht betroffen, weshalb der Stand am 6. März ebenso ausschließlich stehen werde, wie der Monatsmarkt für „Mulfingen mehr Miteinander“.

Wie die Grünen darauf reagieren werden, die ebenfalls einen Stand errichten wollten, muss abgewartet werden. Sollten sie sich für den Monatsmarkt MmM entschieden haben, wäre eine grundsolidarische Absage geboten, womit die AfD mit ihrem Stand mutterseelenalleine im Regen stünde, sollte es denn regnen. Sollte es den Grünen jedoch auch nur um den Standplatz gegangen sein, dürften sie sich von der Konkurrenz nicht schrecken lassen und auch ihren Stand am Markt aufbauen.

Weil das Experiment von Mulfingen nicht nur spannend ist – und das wäre schon Grund genug – sondern darüberhinaus auch weit über the Länd hinaus richtungsweisende Wirkung entfalten wird, erlaube ich mir, einige Spekulationen über den Ausgang anzustellen.

Fest steht schließlich, dass der AfD-Stand am 6. März stehen wird, ganz unabhängig davon, ob es auch einen Stand der Grünen geben wird.

Fest steht ebenfalls, dass es – falls es nicht ganztags in Strömen regnen sollte – auch dazu kommen kann, dass Passanten auch ganz ohne das Monatsmarktgetümmel in die Nähe dieses Standes gelangen könnten, wo Herr Baron nur darauf lauert, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, was ohne die vielfältigen Ablenkungen des Monatsmarktes vielleicht noch eher gelingen könnte als mit dem üblichen Marktgeschrei.

Der Ortsvorsteher wird sich also noch etwas einfallen lassen müssen. Was käme in Frage, um den Markt passantenfrei zu halten?

  • Freibier und je eine reich belegte Pizza im Sportheim zu Mulfingen, Bachgasse 94, von 9 bis 19 Uhr für alle Mulfinger?
  • Sperre aller Zugänge zum Markt durch Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Polizei und Sanitäter wegen schwefligen Geruchs und möglicher Explosionsgefahr?
  • Entleihen des „Adenauer„, dem Krawallbus des Zentrums für politische Schönheit, zum Zwecker der Betäubung aller Mulfinger Ohren?

Lösung 1 scheitert aus Kostengründen. 25 bis 30.000 Euro, die das kosten würde, dürften im Gemeindesäckel nicht mehr zu finden sein.

Lösung 2 verursacht ebenfalls Kosten, erfordert sehr viele Einsatzkräfte und wäre geeignet,  Teile der Mulfinger Bevölkerung zu verunsichern, was kurz vor der Wahl dem mühsam aufgebauten Friede-Freude-Eierkuchen-Feeling von Grün-Schwarz schweren Abbruch tun könnte.

Lösung 3 geht nicht, weil der Adenauer noch nicht wieder vollständig einsatzfähig ist.

Bleibt eigentlich nur noch ein Ausweg:

Verhängung einer totalen Ausgangssperre vom 5. März 23.00 Uhr bis 7. März 01.00 Uhr.

Begründung?

Da wird man sich doch etwas einfallen lassen können. Sonnensturm, Vogelgrippe, Terrordrohung, Corona, Banküberfall mit Geiselnahme, Warnung vor erwartbaren Straftaten der Majestätsbeleidigung …

Jedenfalls können die sich das schon heute in Stein meißeln lassen, die AfDler:

Wanderer kommst du nach Mulfingen,
verkündige dorten,
du habest uns hier stehen gesehn,
wie sich’s geziemt vor der Wahl.

 

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen