Chaosfreitag in Elsendorf wg. gmx und Funkmaus

Vermutlich können sich die wenigsten Besucher dieser Website vorstellen, welche Kopfstände bisweilen erforderlich sind, um ihnen die bereits in digitaler Form vorliegenden Informationen zugänglich zu machen. Ich weiß, die meisten denken jetzt: „Das will ich lieber auch gar nicht erst wissen“, doch es war gestern Abend schon fast kriminell, einfach nur das, was bis letzte Woche noch klaglos funktionierte, auf Umwegen nach Irrungen und Wirrungen wieder zum Laufen zu bringen.

Konkret ging es um den Update von Julies Woche. Diese (ausufernde) Linksammlung geht jeden Samstag in der Früh‘ online. Damit das klappt, müssen Julies Daten möglichst schon am Freitagabend den langen und mühsamen Weg (3 Meter Luftlinie) von ihrerm Rechner in ihrem Büro auf meinen Rechner in meinem Büro zurücklegen.

Hier endet die Langfassung, die ich in den Papierkorb getreten habe.

Weiter gehts mit der Kurzfassung.

Was soll ich Sie mit allen Details langweilen. Nicht einmal die Tatsache, dass ich derzeit mit zwei Rechnern parallel arbeite, was gerade bei Problemen, Fehlersuchen und Testinstallationen seine Vorteile hat, würde ich erwähnen, hätte nicht die Funkmaus des einen Rechners mitten im größten Trubel den Geist aufgegen, so dass ich im Zwei-Rechner-Betrieb immer wieder die USB-Maus des anderen Rechners habe nutzen müssen. Ist ja nicht schlimm, einen USB-Stecker umstecken – aber spätestens beim zehnten Mal schon ziemlich nervig.

Los ging alles damit, dass Julie meinte: „Schau dir das mal an. GMX baut wieder irgendwelchen Scheiß um die Links in der Liste – und wenn man die dann aufruft, kommt der Warnhinweis:

„Achtung – ungeprüfter Link – Sie verlassen unser Angebot.
Sie verlassen gerade unser Angebot und öffnen eine Internetseite
mit unbekanntem Inhalt.
Daher werden Sie nicht automatisch weitergeleitet.“

Diesen Mist können wir den Lesern von Julies Woche nicht zumuten. Also haben wir beide – getrennt voneinander – versucht, eine Möglichkeit  zu finden, diese Links wieder zu bereinigen. Julie, indem sie die Linkliste über andere Anwendungen hat laufen lassen (das hat früher mal funktioniert mit Word). Immer wenn sie einen neuen Versuch zu Ende gebracht hatte, hat sie mir die gesamte Liste wieder gemailt. Allerdings kamen diese Mails bald nicht mehr bei mir an – und Julie erhielt die Fehlermeldung „unzustellbar“.

Ich bin der derweil mit der Google-KI der Frage nachgegangen, was GMX da eigentlich macht und ob es Wege gäbe, dies automatisch zu korrigieren.

„Ja, das geht“, meinte die KI und empfahl in WordPress das Plugin „Code Snippets“ zu installieren, dort ein Snippet einzurichten und dahinein den Code zu kopieren, den sie mir mitgesendet hat. Danach kämen die Links sauber auf die Website.

Ich habe das getan.

An den Links hat sich nichts getan.

„Ach so“, meinte die KI als ich ihr einen von GMX versauten Link gezeigt habe (diesen hier, in rot die GMX Hinzufügungen: https://www.ui-deref.de/r/?to=https://apollo-news.net/staatssicherheit-fuehrte-sven-hueber-als-im-paul-schnelle/ 7qaqamVkZAAY AtJE68vRYS0 NKRbLG8o und so weiter und so weiter zQaYCcv), „da haben die schon wieder etwas geändert. Ich habe ein neues Snippet vorbereitet. Bitte einfügen und noch einmal probieren.“

Ich habe eingefügt – zwischenzeitlich dreimal die Maus umgesteckt – und getestet. Tatächlich, der vordere Teil war weg, aber der ganze hintere Rattenschwanz hing noch dran.

Dann wollte sie wissen, welche Art von Mail-Konto ich benutze und wie ich die Mails überhaupt in WordPress einfüge und noch ein paar Sächelchen, und dass ich die Classic Version von WordPress nutze und nicht den Guttenberg Block-Manager habe ich mitgeteilt. Die KI meinte dann frohgemut, sie habe das Snippet noch einmal bearbeitet. Das müsste nun garantiert funktionieren. Umsteck, umsteck, umsteck …

Traurig, erschöpft und einigermaßen frustriert meldete ich nach einer Zwei-Zigaretten-Entspannungspause zurück, dass sich leider immer noch nichts geändert hat.

Da war sie dann schon vom Sprachstil her richtig kampfeslustig. Klang wie: Denen werde ich es zeigen. Die werden schon sehen.

Dass Julie zwischendurch alle Viertelstunde vorbeikam, um mitzuteilen, dass, und warum, und wie genau bei ihr auch nichts weitergeht, erwähne ich hier nur um darauf hinzuweisen, dass dies weiterhin die Kurzfassung ist, während in der Langfassung schon fast drei Stunden verstrichen waren.

Mir war nicht so, dass ich die Kampfeslust der KI hätte teilen können. Es schlich sich eher der Verdacht ein, dass die zwar möchte, aber eben auch nicht kann.

Es gab das nächste Snippet, es mag das fünfte oder sechste gewesen sein. Die Tagesschau, die ich sonst nicht auslasse,weil ich schließlich wissen will, was ich denken soll, war da schon vorbei. Ich habe das neue Snippet installiert. Habe eine neue Testseite mit neuen Testlinks eröffnet, habe dies als Entwurf gespeichert und mir in der Vorschau-Version anzeigen lassen – und, Erlösung!,  die Links waren jungfräulich schön, es gab keinen GMX-Warnhinweis, sie führten direkt auf die Zielseite.

Bei der KI habe ich mich höflich bedankt. Sie hat mir erklärt, wenn ich wieder mal ein Problem hätte, würde sie mir wieder gerne helfen.

Mir war in dem Augenblick gar nicht klar, dass das Problem ja schon eingetreten war. Ich hatte Julies vollständige Mail mit den kompletten Daten ja noch gar nicht erhalten – und sie konnte auf „Senden“ drücken, so oft sie wollte. Die Mail konnte nicht gesendet werden.

„Ja“, sagte mir die KI in der nächsten Sitzung, „wenn eine Mail viele Links und wenig Text enthält, dann werden die Server skeptisch, auch wenn ein Link auf eine URL zeige, die irgendwo auf einer Blacklist steht, werden sie skeptisch – und dann fliegt die Mail in den SPAM-Ordner, und wenn sich das wiederholt, wird sie ganz blockiert. Wird nicht gesendet.“ Dann folgte der tröstliche Hinweis, ich könnte natürlich in meinem Mail-Programm eine White-List anlegen, das könne helfen …

Nein. Anlegen wollte ich jetzt nichts mehr.

Stattdessen habe ich einen alten USB-Stick aus der Schreibtischschublade gezogen, bin damit an Julies Rechner, habe die Datei darauf gespeichert und sie die drei Meter durch die Verbindungstür spazieren getragen. Es war alles drauf  – komplett mit GMX-verschandelten Links. Würde das Snippet am Samstag damit fertig werden?

Heute Morgen hat das KI-Snippet das alles sauber weggeputzt – und Sie konnten sich, ab ungefähr 7.30 Uhr, in die neue Ausgabe von Julies Woche vertiefen, als ob gar nichts gewesen wäre.

Ganz wichtig noch:

Was hat GMX von dem ganzen Theater? Nun – abgesehen davon, dass GMX-Nutzer von der Welt möglichst nichts anderes sehen sollen, als von GMX zur Verfügung gestellte Inhalte, hat mir die KI auch noch verraten, dass ein Teil des an den Link angehängten Rattenschwanzes zu einem Tracking-Tool gehört. 

Das heißt: GMX erhält Informationen darüber, wer diesen Link angeklickt hat. Wer weiß, was die dann damit anstellen.

2 Kommentare

Kommentar hinterlassen