CDU? Achter ohne Steuermann!

Schenkt man den an Gerüchte grenzenden Berichten Glauben, in denen versichert wird, die Ergebenheitsadresse der acht CDU Ministerpräsidenten habe zunächst den Namen „Friedrich Merz“ enthalten, bevor dieser neutralisiert und in „Bundeskanzler“ umgeschrieben wurde, dann drängt sich das Bild vom Achter ohne Steuermann geradezu auf.

Dass der Achter ohne Steuermann nicht funktioniert – dafür gibt es ein starkes Indiz: Im offiziellen Rudersport kommt er nicht vor.

Natürlich hätten die acht Landesfürsten statt Bundeskanzler auch gleich „NN“ schreiben können, um anzudeuten, dass derjenige, mit dem gemeinsam sie künftig Schaden vom deutschen Volke abwenden wollen, im Augenblick noch nicht nominiert sei, zumindest nicht offiziell. Aber dafür fehlten wohl der Mut und die rebellische Energie.

Wobei sich natürlich die Frage stellt, wieviel Mut wohl noch erforderlich sein mag, den schon schwer angeschlagenen Kanzler vollends zu stürzen. Dies bedacht, wird klar, dass die Zurückhaltung längst nichts mehr mit Merz zu tun hat. Den haben sie wohl abgeschrieben. Stattdessen finden sich zwei mögliche andere Begründungen, die durchaus gleichzeitig zutreffen können.

  1. Der Brief der Acht sollte den Wahlberechtigten in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern signalisieren, dass die CDU noch lebt und keineswegs schon in Kürze auseinanderfallen wird. Dies in der Absicht, auch noch die letzte Stimmer zögerlicher und verunsicherter Wähler für die CDU zu retten und den Brief damit zu einer selbsterfüllenden Prophezeihung zu machen. Da, wo es tatsächlich auf zehn oder fünfzehn Stimmen ankommen kann, wo im Extremfall ein einziges Stimmlein entscheidet, ob die CDU im Landtag vertreten sein wird oder nicht, könnte sich dieser Brief als die wirksamste Wahlwerbemaßnahme überhaupt herausstellen – und das nahezu kostenlos.
  2. Es wäre die größte Blamage und das schönste Eigentor, würde der Kanzler gestürzt und es fände sich niemand in der Union, der bereit wäre, dessen Nachfolge – direkt als Kanzler, oder im Falle von Neuwahlen als Unions-Kandidat – anzutreten. Exakt dieses Problem scheint zu bestehen. Wobei es auch dafür zwei Ursachen geben könnte. Entweder es ist tatsächlich niemand da, der will, oder die Parteispitzen sind sich uneins, wer es werden soll.

Es war ja Friedrich Merz selbst, der für den Wahlabend eingeladen hat, mit dem Versprechen, er werde zurücktreten, vorausgesetzt es stünde AB SOFORT der Nachfolger zur Verfügung. Das war, das muss man anerkennen, ein kluger Schachzug. Friedrich Merz hat damit massiv Druck gemacht, darauf spekulierend, dass die notwendige Einigung auf den Nachfolger bis zum Abend des 20. September nicht gelingen werde. Es sieht so aus, als sei sein Kalkül aufgegangen.

Was hat er damit aber gewonnen?

Ein paar Tage, Wochen oder Monate länger im Kanzleramt residieren zu dürfen?

Damit ist doch keines der Probleme, deren Lösung von der Regierung erwartet wird, seiner Lösung näher gekommen. 

Die SPD wird weiterhin an ihren Vorstellungen von Reformen festhalten. Die EU wird deutsche Interessen weiterhin im gleichen Maße ignorieren. Die AfD wird weiterhin wachsen. Der Iran wird die Straße von Hormus weiterhin als sein Hoheitsgebiet betrachten. Die Mieten werden hoch bleiben und weiterhin steigen. Die Deindustrialisierung wird weiter fortschreiten. Es ändert sich doch nichts. Noch nicht einmal die Bahn wird pünktlicher werden.

Das ist das ganze Dilemma der Union.

Man erkennt, dass mit diesem Steuermann kein Blumentopf zu gewinnen sein wird, egal, wie sehr man sich in die Riemen legt, weiß aber auch, dass es ohne Steuermann auch nur für den letzten Platz bei der Regatta reichen wird, vorausgesetzt, das Boot erreicht die Ziellinie überhaupt.

Unglücklicherweise herrscht bei den ausgebildeten Steuermännern mit langjähriger Berufserfahrung ein derartiger Fachkräftemangel, dass man einen solchen von der Konkurrenz abwerben müsste. Auszuschließen ist, dass Frau Weidel einem solchen Werben nachgeben würde.

2 Kommentare

  1. Die CDU ist in der Sackgasse, in die sie Friedrich Merz geführt hat, steht an ihrem Ende mit dem Rücken zu der von ihr errichteten Abschlussmauer, auch Brandmauer genannt und merkt, dass es ein Fehler war. Dies hat offensichtlich auch Friedrich Merz begriffen, anders ergibt sein verbales Irrlichten der letzten Tage keinen Sinn. Seine Antwort auf Alice Weidel im Bundestag, Ausdruck der Hilflosigkeit. Und am Anfang der Sackgasse lehnen freundlich lächelnd Bärbel Bas und Lars Klingbeil. Sie haben kein Interesse an einer Veränderung. Die SPD wird niemals wieder in ihrer Geschichte mit so wenigen Mandaten Deutschland so viel reine SPD-Politik aufzwingen können. Niemand in der CDU, Markus Söder erst recht nicht, werden Friedrich Merz ablösen. Daniel Günther hat nicht das Format, Hendrik Wüst und Boris Rhein sind zu wichtig für ihre Länder, als dass sie freiwillig nach Berlin gingen. Es änderte ja auch nichts, wenn die Koalition fortbestehen soll. Der SPD ist es egal, wer unter ihr der sich Bundeskanzler nennende Regierungssprecher ist. Friedrich Merz respektive der CDU bleibt nur ein Weg das zu ändern: Die CDU und macht endlich die Politik, die die Handschrift der CDU trägt, die sie vor der Wahl versprochen hat. Stimmt die SPD nicht zu, beendet die CDU die Koalition. Im Bundestag ist die CDU dann auf Zustimmung anderer Parteien angewiesen. Diese wird sie zumeist nur bei der AfD finden, wovor sie nicht zurückschrecken darf. Dieser Gang nach Canossa ist unausweichlich. Den links-grün-woken Mob der Straße muss sie ertragen. Der hört irgendwann auch wieder auf. Tut die CDU das nicht, siecht das Land weiter bis zum 25. März 2029 dahin.

Kommentar hinterlassen