Brandmauer und Apartheid – finde den Unterschied

PaD 33 /2026 – Hier auch als PDF verfügbar:Pad332026 Brandmauer und Apartheid

Als in den USA die Sklaverei abgeschafft worden war, entstanden in schneller Folge Gesetze, um die Fiktion vom Abstand in der Wertigkeit der Menschen aufrecht zu erhalten. Ohne die Segregation, mit deren Hilfe die einstigen Sklavenhalter sich immer noch entschuldigen konnten, Menschen wie Vieh gehandelt und behandelt zu haben, weil es eben minderwertige Menschen waren und auch nach ihrer Befreiung noch blieben, wäre es nicht gelungen, die Schuld, die man auf sich geladen hatte, zu verdrängen. Dies wurde durch strikte Trennung zwischen den Neu-Freien und den schon immer Freien in der Öffentlichkeit dokumentiert. Ob Schulen, Restaurants, öffentliche Toiletten, ob es um die Plätze in Bussen und Bahnen ging, den Schwarzen war es verboten, die Bereiche der Weißen zu betreten, bzw. zu nutzen. Es wurde sogar erfolgreich versucht, die Teilnahme der Schwarzen an Wahlen durch schikanöse Lesetests und Wahlsteuern zu verhindern. Es ging aber nicht nur um die Vermeidung von Schuldgefühlen, es ging eben auch um die Vorherrschaft und darum, die wirtschaftlichen Vorteile der Herrenrasse nicht aufgeben, bzw. mit den Schwarzen teilen zu müssen.

Dieses System blieb fast hundert Jahre in Kraft, bis es 1964 durch den Civil Rights Act offiziell beendet wurde. Die dahinterstehende Geisteshaltung hat sich seitdem nur allmählich verändert. Ganz verschwunden ist sie immer noch nicht.

1948 gewann die Nasionale Party die Wahlen in Südafrika. Damit war die Mehrheit für die Einführung der Apartheid geschaffen. Ein Gesetz legte die abgestuften Rechte von Weißen, Farbigen, Asiaten und Schwarzen fest. Ähnlich wie während der Segregation in den USA wurden vor allem die Schwarzen diskriminiert, sogar aus den Städten ferngehalten, die sie nur mit speziellen Erlaubnisscheinen betreten durften. Auch hier ging es darum, die Vorherrschaft der Weißen abzusichern, indem alle anderen gesetzlich davon abgehalten wurden, auch nur in die Nähe möglicher Macht, bzw. Mitbestimmung zu gelangen.

Dieses System endete 1994. 

Auch heute noch werden an den Lagerfeuern Geschichten erzählt, die von der Dummheit und Faulheit, der Verschlagenheit, Hinterhältigkeit und Kriminalität der Schwarzen berichten, und dies nicht nur von erklärten Rassisten, sondern auch von solchen, die losgezogen sind, um als Entwicklungshelfer mit den Schwarzen für deren besseres Leben Landwirtschafts- und Bewässerungsprojekte voranzutreiben. Doch das ist eben eine Perspektive, die auf der einen Seite den gebildeten, ehrgeizigen (und edelmütigen) Weißen und auf der anderen Seite den in prekären Verhältnissen lebenden, nahezu chancenlosen Schwarzen betrachtet. Die Diskrepanz, die damit sichtbar gemacht werden soll, verschwindet jedoch zu einem guten Teil, wenn man die gebildeten, ehrgeizigen (und edelmütigen) Schwarzen betrachtet, die vor allem in den USA seit der Aufhebeung der Segregation ihren Weg gemacht haben und als Juristen, Wissenschaftler, ja selbst als Generäle arbeiten und diesen die Massen der abgehängten weißen Amerikaner gegenüberstellt, die an Dummheit, Faulheit, Hinterhältigkeit und Kriminalität der Masse der immer noch abgehängten Schwarzen grundsätzlich in nichts nachstehen.

Dies deutet stark darauf hin, dass „Rassismus“ wenig mit Hautfarbe zu tun hat, sondern im Grunde nur ein Instrumentarium ist, das zur Wahrung vorteilhafter Positionen und zur Sicherung der Herrschaft über Minderheiten, und zum Teil auch über die Mehrheit in dem Maße genutzt wird, das sicherstellen soll, dass sich an den Verhältnissen nichts ändert, wobei die Maßnahmen immer härter und einschneidender werden, je stärker sich ein Widerstand gegen ein Apartheidsystem manifestiert.

In Deutschland galt die demokratisch bestimmte Herrschaft der Weißen über die Weißen nach dem Zweiten Weltkrieg lange Zeit als selbstverständlich gesicherte Tatsache. Man hatte schließlich den Nationalsozialismus  und mit diesem den Rassismus überwunden und wollte der Welt beweisen, nie wieder in diese Barbarei zurückfallen zu wollen. Die Union arbeitete (mit der FDP) für die Interessen der Wirtschaft, die SPD arbeitete (mit der FDP) für die Interessen der Wirtschaft und der Arbeitnehmer, so dass stets das Einigende größer war als das Trennende.

Erst als sich in Europa eine EU-Elite abzeichnete, deren Herrschaft auf die Auflösung der Nationalstaaten hinarbeitete und nationale Gesetze ohne hinreichende demokratische Legalisierung durch eigene Gesetze und Verordnungen überschrieben und außer Kraft gesetzt hat, insbesondere als die Finanzkrise 2008 ff zeigte, dass der Euro in Verbindung mit der Brüsseler Allmacht sich für Deutschland und die Deutschen nicht unbedingt als förderlich erwiesen hat und zudem ein wachsender Strom kulturfremder Zuwanderer zu bewältigen war, formierte sich der Widerstand und brachte 2013 die „Professorenpartei“ AfD hervor. Deren Zielsetzung, nationale Interessen im Bereich der Wirtschaft wieder zu stärken, führte dazu, dass die AfD zu einem Sammelbecken nationaler Interessen aller Art wurde und damit auch die versprengten Überreste nationalsozialistischer Gesinnung angezogen hat.

Der Beginn der deutschen Apartheid, der sauberen Trennung der Guten von den Bösen, kann auf den Herbst des Jahres 2015 gelegt werden, als Angela Merkel nicht bereit war, die deutschen Grenzen vor dem Ansturm von Zuwanderern zu schließen. Wer sich dagegen wandte, auch wenn er gar nicht mit der AfD sympathisierte, wurde in die Gruppe der Rassisten und Faschisten einsortiert – und wer da einmal drin war, kam so leicht  nicht wieder raus.

Doch so sehr sich die etablierte Elite auch mühte, die AfD verschwand nicht von der Bildfläche, sie bekam Zulauf. Da hat es nichts geholfen, sie in Nachrichten und Talkshows nahezu unsichtbar zu machen, allenfalls negative Schlagzeilen zu veröffentlichen. Es hat nichts geholfen, mit Protestzügen des Tags und bei Nacht gegen die Partei Stimmung zu machen. Es hat nichts geholfen, AfD-Mitglieder aus Gesangs- und Sportvereinen auszuschließen, es hat nichts geholfen, den Antifa genannten deutschen Abklatsch des amerikanischen KuKluxKlan auf Häuser und Autos der AfD loszulassen, auch mal ein Mitglied auf offener Straße anzugehen und zusammenzuschlagen. Es hat nichts geholfen, der AfD im Bundestag den stellvertretenden Parlamentsvorsitzenden zu verweigern, es hat nichts geholfen. der Partei im Reichstag den ihr von der Größe her zustehenden Sitzungssaal zu verweigern, es hat nichts geholfen, Gastwirte, die der AfD einen Saal zur Verfügung stellten, mit Drohungen – und ggfs. mit Gewalt zu überziehen. Es hat nichts geholfen, Parteitage blockieren zu wollen. Es hat nichts geholfen, aus allen Rohren gegen die AfD zu texten und zu senden, nicht einmal der Aufstand der ehrwürdigen Omas gegen rechts hat geholfen.

Nun hat man begonnen, AfD-Mitgliedern das passive und ihren potentiellen Wählern indirekt das aktive Wahlrecht zu verweigern, und weil das immer noch nicht hilft, und weil in Sachsen Anhalt der Wahlsieg der AfD droht, werden Pläne geschmiedet, der AfD dort das Regieren unmöglich zu machen. Polizisten werden aufgefordert, ggfs. Anordnungen eines AfD-geführten Innenministeriums zu verweigern, weil grundsätzlich ein Remissionsgebot zu beachten sei, man überlegt, das ganze Bundesland gem. Art. 37 GG unter Bundesverwaltung zu stellen, und tausend Juristen fordern schnellstmöglich das Parteiverbot in die Wege zu leiten.

Wir befinden uns ungefähr in dem Stadium, das die USA 1963 durchlaufen haben, als Martin Luther King seinen Traum „I have a dream“ beschworen hat.

  • Ich habe einen Traum,
    dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können.
  • Ich habe einen Traum,
    dass sich eines Tages selbst der Staat Mississippi, ein Staat, der in der

    Hitze der Ungerechtigkeit und Unterdrückung verschmachtet, in eine Oase der Freiheit und Gerechtigkeit verwandelt.
  • Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird. Ich habe einen Traum …
  • Ich habe einen Traum, dass eines Tages in Alabama mit seinen bösartigen Rassisten, mit seinem Gouverneur, von dessen Lippen Worte wie „Intervention“ und „Annullierung der Rassenintegration“ triefen …, dass eines Tages genau dort in Alabama kleine schwarze Jungen und Mädchen die Hände schütteln mit kleinen weißen Jungen und Mädchen als Brüder und Schwestern.
  • Ich habe heute einen Traum … Ich habe einen Traum, dass eines Tages jedes Tal erhöht und jeder Hügel und Berg erniedrigt wird. Die rauhen Orte werden geglättet und die unebenen Orte begradigt werden. Und die Herrlichkeit des Herrn wird offenbar werden, und alles Fleisch wird es sehen.
  • Das ist unsere Hoffnung. Mit diesem Glauben kehre ich in den Süden zurück. Mit diesen Glauben werde ich fähig sein, aus dem Berg der Verzweiflung einen Stein der Hoffnung zu hauen. Mit diesem Glauben werden wir fähig sein, die schrillen Missklänge in unserer Nation in eine wunderbare Symphonie der Brüderlichkeit zu verwandeln.
  • Mit diesem Glauben werden wir fähig sein, zusammen zu arbeiten, zusammen zu beten, zusammen zu kämpfen, zusammen ins Gefängnis zu gehen, zusammen für die Freiheit aufzustehen, in dem Wissen, dass wir eines Tages frei sein werden. Das wird der Tag sein, an dem alle Kinder Gottes diesem Lied eine neue Bedeutung geben können: „Mein Land von dir, du Land der Freiheit singe ich. Land, wo meine Väter starben, Stolz der Pilger, von allen Bergen lasst die Freiheit erschallen.“ Soll Amerika eine große Nation werden, dann muss dies wahr werden.

(deutsche Übersetzung vom Martin-Luther-King-Zentrum.de)

Brandmauer und Apartheid – finde den Unterschied!

Halt, halt. Es ist nicht so, dass es keinen Unterschied gäbe. Es gibt viele kleine Unterschiede, die an der Wirksamkeit allerdings nur wenig ändern. Und es gibt einen großen Unterschied:

Sowohl in den USA als auch in Südafrika war die Rassentrennung gesetzlich verankert und damit legal.

Von der Brandmauer steht nichts in einem deutschen Gesetzbuch.

Das Bestreben, die AfD zu verbieten, würde diesen Makel der Brandmauer im Erfolgsfall heilen und sie aus der Illegitimität in die Legalität heben.

Wir leben wirklich in interesssanten Zeiten.

 

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