Zugegeben:
Bargeld ist lästig, unpraktisch,
unterliegt der Inflation
und trägt keine Zinsen.
Es ist verständlich, dass Handel und Gastronomie, ebenso wie die Gebühreneinzugszentrale und viele Unternehmen des öffentlichen Personennahverkehrs am liebsten überhaupt kein Bargeld mehr annehmen würden. Wenn überall nur noch „per Karte“ gezahlt wird, ist schon mal das Problem mit dem Wechselgeld weg. Man muss am Abend auch nicht den Kassenbestand zählen und prüfen, muss nicht die Geldbombe bei der Bank einwerfen, und vor allem geht das Bezahlen viel schneller, das heißt, man braucht weniger Kassenschlangen und vor allem weniger teures Kassenpersonal, um den Umsatz bewältigen zu können.
Außerdem zahlen wir sowieso die meisten und größten Teile unserer Ausgaben bereits unbar. Ganz bequem, per Dauerauftrag oder Lastschriftermächtigung zahlen wir die Miete, den Strom, die Versicherungsbeiträge, die Mobilfunkrechnungen. Was laufend bei Amazon & Co. im Internet bestellt wird, das läuft über Zahlungsdienstleister wie PayPal oder Klarna, zur Not auch per Sofortüberweisung.
Ist doch prima!
Außerdem, und das darf nicht vergessen werden, ist Bargeld natürlich das Zahlungsmittel der Schwarzarbeiter, der Steuerhinterzieher, der Drogenhändler und des Menschenhandels, das Geld der Prostitution, des verbotenen Glücksspiels, der Bankräuber und Schutzgelderpresser. Es ist das Zahlungsmittel der Verschwörungstheoretiker, der Prepper, der Unterstützer extremistischer Parteien.
Doch. Es ist gut, wichtig und richtig, dass die Medien uns darüber aufklären und uns ein schlechtes Gewissen machen, weil wir mit unserem Bargeld den finsteren Gestalten aller Art erst ermöglichen, ihre schmutzigen Geschäfte zu betreiben.
Die Geschichte hat nur einen ganz kleinen Haken, und wir – die Fische im Teich der Finanzwirtschaft – haben diesen Haken längst geschluckt. Dass die Angler uns noch an der langen Leine laufen lassen, so dass wir gar nicht merken, dass es uns jeden Augenblick an den Kragen gehen kann, gehört mit zu den Strategien, die uns vom Bargeld immer weiter entfernen, bis es ohne großen Aufschrei schlicht abgeschafft werden wird, was zwar auf das Gleiche hinausläuft, sich aber doch viel harmloser anhört als ein Bargeldverbot.
Was vielen überhaupt nicht mehr klar ist, muss daher wieder einmal in aller Deutlichkeit gesagt werden:
Sie haben nur genau so viel Geld,
wie Sie an Bargeld besitzen.
Keinen Cent mehr.
Die Konto-Auszüge Ihrer Giro- und Sparkonten sind kein Geld. Und mehr als einen Konto-Auszug haben Sie nicht in der Hand. Damit können Sie nichts bezahlen. Die Geldbeträge, die dort aufgeführt sind, befinden sich im Besitz der Bank. Sie haben diese Geldbeträge der Bank geliehen, und die Bank kann frei darüber verfügen, ohne Sie um Erlaubnis zu bitten.
Was Sie haben, ist ein Anspruch auf dieses Geld. Mehr nicht. Sie können die Bank bitten, Ihnen dieses Geld in bar zur Verfügung zu stellen oder in Ihrem Auftrag per Übertragung auf ein anderes Kundenkonto eine Rechnung zu begleichen. Im Falle der Übertragung verlieren Sie den Anspruch auf dieses Geld, das weiterhin bei der Bank (oder bei einer anderen Bank) bleibt, während dem anderen Konteninhaber dieser Anspruch eingeräumt wird.
Was ein Anspruch wert ist, ein Anspruch, der noch nicht einmal an ein privates Wirtschaftsunternehmen, sondern an den Gewährsträger schlechthin, also an unseren Staat gerichtet ist, lässt sich zum Beispiel am „Anspruch auf einen KiTa-Platz“ ablesen. Dieser Anspruch ist Gesetz. Dummerweise gibt es deutlich weniger KiTa-Plätze als Anspruchsberechtigte. So kommt es, dass viele Eltern trotz Anspruchs in die Röhre gucken und bestenfalls mit Ersatzlösungen beglückt werden.
Sicherlich ist jede Bank bemüht, möglichst viel Geld zu besitzen. Daher ist jede Bank bemüht, möglichst seriös zu erscheinen. Von daher ist klar, dass jede Bank alles – wirklich alles – tut, um die Aufträge ihrer Kunden zu erledigen, so dass auch nicht der geringste Verdacht aufkommt, sie sei nicht in der Lage, Kundengeld zurückzuzahlen. Dennoch kommt es immer wieder zu solchen Fällen. Manche werden ganz still und unauffällig abgewickelt, indem zum Beispiel die eine Genossenschaftsbank von der anderen Genossenschaftsbank übernommen wird, bevor es zum Knall kommt. In der Zeitung steht dann etwas von einer Fusion und von Synergieeffekten, und so weiter. Wenn es dumm zugeht, kann eine kleine Bank tatsächlich in die Insolvenz rutschen. Dann schlägt die Stunde der so genannten „Einlagensicherungsfonds“ aus deren Mitteln die von der Pleitebank leergeräumten Kundenkonten bis zu einer bestimmten Marke (z.B. 100.000 Euro) wieder aufgefüllt werden. Wer mehr dort auf dem Konto hatte, kann seine Ansprüche abschreiben. Das Geld, das die Bank hatte, ist weg – und kommt auch nicht wieder. Gerät eine große Bank ins Wanken, besteht immer die Gefahr einer Kettenreaktion, von der andere Banken mitgerissen werden. Dies darf nicht geschehen, weshalb der Staat zur Bankenrettung schreitet, was schlicht bedeutet, dass der Staat Steuermilliarden in die Hand nimmt, um das Loch zu stopfen.
Das hat dann in der Regel zur Folge, dass die betroffenen Einleger ihre Ansprüche nicht verlieren, wohl aber, dass wieder keine neuen KiTa-Plätze eingerichtet werden können.
Der Zusammenbruch von Banken und der gar nicht so unwahrscheinliche, ganz große Finanzcrash sind aber gar nicht der Hauptgrund dafür, noch einmal mit anderen Augen auf das bereits verschwindende Bargeld zu blicken.
Wer kein Bargeld hat, aber dennoch Verfügungen über seine Ansprüche gegen seine Bank treffen will, ist auf Strom angewiesen. Ohne Strom ist keine Bankfiliale geöffnet, ohne Strom funktioniert kein Geldautomat und ohne Strom ist auch das online-Banking nicht verfügbar. Das trifft gleichermaßen auf den noch in Arbeit befindlichen Digitalen Euro zu.
Die Wahrscheinlichkeit eines größeren und länger anhaltenden Stromausfalls ist deutlich höher als die Wahrscheinlichkeit des großen Crashs. Zwar werden die meisten Geschäfte bei Stromausfall auch nicht öffnen, aber mit ein paar Euro Bargeld in der Tasche kann man wenigstens da noch antreten, wo versucht wird, einen Notbetrieb zu ermöglichen. Mit der Karte der Bank kommen Sie da nicht weit. Selbst wo sich ein Schwarzmarkt etablieren sollte, ist es angenehm, nicht mit dem Tafelsilber im Rucksack anrücken zu müssen, wenn man auch mit Bargeld zahlen kann.
Noch selten, aber weitaus häufiger als Stromausfälle, sind jene Vorkommnisse, die auf geheimen Wink einer parallelen Strafjustiz hin, als so genannte „Konto-Sperren“ auftreten. Ohne dass ein Grund genannt werden müsste, finden sich Menschen, die mit Kritik am Staat und seinen Repräsentanten hervortreten, nicht mehr in der Lage, Geld bargeldlos in Empfang zu nehmen und bargeldlos Zahlungen auslösen zu können. Sie haben einfach kein Konto mehr und dürfen versuchen, bei einer anderen Bank ein neues Konto zu eröffnen. Das gelingt manchmal nicht, manches Mal gelingt es, häufig jedoch ohne dauerhaften Erfolg. Es handelt sich um eine extrem schmerzhafte Disziplinierungsmaßnahme, die heute schon jeden treffen kann. Gut, wer keine Meinung hat oder sich nicht bemüht, von seiner Meinungsfreiheit Gebrauch zu machen, hat vorerst wohl noch nichts zu befürchten. Es ist jedoch zu befürchten, und darüber sollten sich alle klar sein, die heute noch zufrieden grinsen, wenn sie von einer solchen Kontensperrung erfahren: Das ist erst der Anfang.
Noch kann der Betroffene – mehr schlecht als recht – versuchen, mit dem ihm ja verbliebenen Bargeld über die Runden zu kommen. Vorausgesetzt, er hat es mit Behörden oder Unternehmen zu tun, die noch Bargeld annehmen, und weiters vorausgesetzt, er kann die notwendigen Strecken zu den jeweiligen Kassen auch zurücklegen. Sie dürfen sich das gerne selbst ausmalen. Nehmen Sie dazu Ihre Kontoauszüge der letzten drei Monate zur Hand und überlegen Sie sich, wie und wo Sie das, was da abgebucht worden ist, mit Bargeld bezahlen könnten.
Dies allerdings ist nur der Anfang. Es deutet vieles darauf hin, dass das Bargeld in absehbarer Zeit ganz verschwinden wird. Die EU/EZB will zwar eine Annahmepflicht für den Digitalen Euro gesetzlich festschreiben, aber eben keine Annahmepflicht für das Bargeld. Natürlich verschwinden auch die Geldautomaten Stück um Stück, wenn kaum jemand noch Bargeld abhebt, weil kaum jemand noch Bargeld annimmt.
Danach allerdings kommt es ganz dicke.
Natürlich wird man weiterhin behaupten, dass, wer sich nicht zuschulden kommen lässt, auch nichts zu befürchten habe. Es ist ja heute schon so, dass die Kontensperrungen als Disziplinierungsmaßnahme genutzt werden, weil die so Gemaßregelten sich zwar nach dem Gesetz nichts haben zuschulden kommen lassen, aber dennoch ein unerwünschtes Verhalten gezeigt haben. Dass die Banken sich als Vollstrecker dieser Paralleljustiz einschalten lassen, zeigt doch nur, dass selbst die großen und mächtigen Geldhäuser Angst haben, sich jener sonderbaren Bewegung zu widersetzen, deren Regeln in Deutschland im Range vor und über dem Gesetz zu stehen scheinen.
Wenn erst einmal alles Geld aus dem Verkehr gezogen sein wird und die Bürger nur noch über Ansprüche gegen Banken verfügen, sich also gegen Ein- und Übergriffe auf ihre Konten nicht mehr durch die Flucht ins Bargeld entziehen können, wird es nicht lange dauern, bis es Ihrem und meinem Bankguthaben so ergeht, wie es den Russen mit ihren Guthaben in Belgien geht. Der Staat braucht Geld – und er nimmt es sich direkt von den Konten. Der Staat möchte den Konsum und die Inflation bremsen, und er verhängt „Ausgabensperren“ über die privaten Konten. Egal wie viel Guthaben da ist, ab sofort dürfen monatlich maximal nur noch 1.200 Euro verfügt werden. Das bekommen die hin, wenn sie es wollen. Es kann auch anders herum laufen: Wer pro Monat mehr als 1.200 Euro ausgibt, muss für den übersteigenden Teil 50% für die „Gute Verschwendungssucht Bekämpfungssteuer“ in die Staatskasse legen. Das macht die Bank dann vollautomatisch. Es liegen ja alle Daten vor.
Danach kommt dann der digitale programmierbare Euro. Programmierbar heißt in dem Fall, dass sie nicht mehr einen unbestimmten Anspruch auf Geld an die Bank haben, sondern dass „irgendwer“ bestimmen wird, wie „dieses Geld“ verwendet werden kann. Der einfachste Fall, der auch schon wieder von Ökonomen diskutiert wird, wäre es, dem Anspruch ein Verfallsdatum mitzugeben. Was nicht bis zum festgelegten Termin ausgegeben wird, ist futsch. Weg. Verschwunden. Technisch überhaupt kein Problem.
Etwas, aber nicht viel komplizierter ist es, jedem einzelnen Digitalen Euro Verwendungssperren einzuprogrammieren. Manch‘ einer wird keine Fahrkarte mehr kaufen können, weil angenommen wird, dass er seine Mobilität nutzt, um an konspirativen Treffen teilzunehmen. Andere werden keinen Alkohol mehr bezahlen können, weil die Elektronische Patientenakte oder das Vorstrafenregister dies angeraten erscheinen lassen. Man kann das an ein Punkte-System des Sozialverhaltens koppeln und Ihre Möglichkeiten einschränken oder ausweiten. Natürlich bleibt am Ende auch hier die Totalsperre, mit dem feinen Unterschied, dass es keine andere Bank mehr geben wird, bei der sie mit Ihrem Digitalen Euro nicht unter die gleichen Einschränkungen fallen.
Es ist eine Dystopie. Ein befürchteter Zustand, der noch nicht eingetreten ist. Das ist wahr.
Es gibt jedoch einen Trend, der genau in diese Richtung weist. Ein Trend, der nicht nur den „gläsernen Bürger“ hervorbringt, sondern zugleich die Möglichkeit, diesen gläsernen Bürger direkt und massiv in seinem Verhalten zu beeinflussen. Dieser Trend trägt Züge eines unentrinnbaren Totalitarismus.
Bargeld ist gedruckte Freiheit.
Tragen Sie dazu bei, diese Freiheit zu schützen und zu bewahren.
Weiterführende Links:
Norbert Häring – Geld und mehr
Hansjörg Stützle – Bargeldverbot – Nein danke