Aus Sorge, etwas Wichtiges verpassen zu können, habe ich auch gestern wieder pünktlich Phönix eingeschaltet und mir die Pressekonferenz des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika angetan.
Um es am Ende nicht ganz zu vergessen, will ich gleich eingangs erwähnen, dass Bundeskanzler Friedrich Merz die ganze Zeit über zur Rechten des Präsidenten im hellgelb-güldenen Sessel saß. Was davor oder danach ohne Kameras und Journalisten zwischen Trump und Merz besprochen worden sein mag, mag wichtig gewesen sein. Die Show im Oval Office war es nicht.
Es war allerdings wieder einmal eine gute Gelegenheit, Trump zu beobachten.
Bei mir ist da die Frage aufgetaucht: Wen will der Mann eigentlich beeindrucken?
Den anwesenden „Hofstaat“, seine engen Vertrauten, die ihn auch kennen, wenn die Kameras weit weg sind, kann er doch kaum imponieren. Was tatsächlich war und ist, wissen die ganz genau, wie er über den Rest der Welt denkt, wissen sie auch, und dass er sich in der Rolle dessen gefällt, der sich für den Größten hält, kann auch keinem entgangen sein. Das dürften also wohl eher nicht die Adressaten seiner verbalen und nonverbalen Botschaften sein.
Die anwesenden Pressevertreter, die höflich ihre Fragen stellen, kennen ihn auch lange genug. Vieleicht nicht so direkt aus der Nähe, wohl aber aus meist langjähriger, intensiver Beobachtung. Dass er schon acht große Kriege beendet hat, haben sie oft genug gehört, dass die Mullahs böse Menschen sind, ebenfalls. Dass die USA über unendliche Mengen an Munition verfügen, werden sie richtig einzuordnen wissen, ohne Trump durch Nachfragen über seine Vorstellungen von Unendlichkeit in Verlegenheit zu bringen.
Ist er überzeugt, aus dem Oval Office heraus beeindruckende Botschaften an die Staatsführer in aller Welt zu senden, auf dass sie seinen Anspruch auf die Dominanz der USA anerkennen? Unfug. Trump ist intelligent und er weiß, dass er mit seinen lockeren Sprüchen weder bei Putin noch bei Xi, ja noch nicht einmal bei Selenski einen ehrfürchtigen Schauder hervorrufen wird.
Zielt er also ganz alleine auf Friedrich Merz? Da hätte er doch weißgott andere Mittel, sich der Gefolgschaft des Deutschen zu versichern, sollte er glauben, dies sei notwendig. Doch das glaubt er ganz gewiss nicht. Dessen Gefolgschaft kann er sich sicher sein, auch wenn Merz mit Macron und Starmer im E3-Format unter einer Decke zu stecken scheint.
Was aber, wenn es gar nicht um das geht, was Trump bei solchen Anlässen sagt?
Was, wenn es im Grunde nur darum geht, ein Ritual zu zelebrieren?
Was, wenn es nichts anderes ist als die in die Moderne übertragene Form eines archaischen Musters, in dem der Herrscher sich der Treue seiner Gefolgschaft versichert, wohl wissend, dass der Gruppenzwang die Opponenten so lange zum Stillhalten und Mitmarschieren bewegt, so lange sie sich ihrer Mehrheit nicht sicher sein können. Dass hin und wieder ein Exempel statuiert wird, wie der Hinauswurf Selenskis vor ziemlich genau einem Jahr, am 28. Februar 2025, tut der Kraft dieses Rituals keinen Abbruch – es verstärkt sie nur.
Käme es in dieser Runde darauf an, was er sagt, ginge es um ernsthafte Erwägungen, Pläne, Absichten – und darum, ernsthaft Zustimmung dafür zu bekommen, er könnte die wertvolle Zeit nicht mit Selbstbeweihräucherung und der permanenten Wiederholung immer gleicher Leerformeln und wahrheitsferner Behauptungen verschwenden.
Auch wenn die deutsche Synchronübersetzung, die ich gehört habe, fehler- und lückenhaft gewesen sein mag und den O-Ton vollständig übertönte: Da ist, außer der – gerade in der Lässigkeit der Sprache zum Ausdruck gebrachten – Machtfülle des Präsidenten – nichts Beeindruckendes hängen geblieben.
Glühende Anhänger des Präsidenten mögen dabei keine Neigung zum Fremdschämen verspürt haben. Für den unvoreingenommenen Beobachter erschien die Show jedoch auch dieses Mal einigermaßen verstörend.
Das sollten wir weiter verfolgen. Wenn die Einschätzungen von Leuten wie Jeffrey Sachs oder Scott Ritter zutreffen, könnten Trumps Auftritte bald das Niveau eines Klaus Kinskey erreichen.
https://www.youtube.com/watch?v=w8ZIRXkJWpY