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Leserbrief
zur SZ-Serie "Geht dem Mittelstand das Geld aus?"
Sehr geehrte Damen und Herren,
Ihre interessante Serie über die Kreditvergabepraxis der
Banken gegenüber dem Mittelstand sollte Pflichtlektüre
für jeden Wirtschaftspolitiker werden. Die nur noch den Marktgesetzen
folgende Branche verursacht einen lebensgefährlichen, volkswirtschaftlichen
Aderlaß, dessen ruinöse Folgen nur mit dem Einsatz
starker, ordnungspolitischer Instrumente noch abgewendet werden
können.
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Völlig losgelöst - Banker im Geldfieber
Der Standpunkt der Banker ist, bei allen unterschiedlichen Akzentuierungen, klar und deutlich erkennbar geworden: Das Geld geht dahin, wo bei beherrschbarem Risiko die höchstmögliche Rendite zu erwarten ist! Diese Maxime soll den Bankhäusern erfreuliche Bilanzen bescheren und in der Folge steigende Aktienkurse und freudestrahlende Aktionäre.
Das Geld, das eigentlich dringend benötigt würde, um die Tauschvorgänge in der Welt realer Produkte und Leistungen zu ermöglichen, zieht sich dabei allerdings mehr und mehr in einen internen, irreal-spekulativen Kreislauf des Kapitalmarktes zurück und stranguliert damit den Teil der Wirtschaft, der sich - warum auch immer - weiterhin mit der weniger rentablen Erzeugung von brauchbaren Gütern und nützlichen Leistungen befaßt. Die im Dunstkreis von Banken, Brokern und Investmenthäusern verbuchten Gewinne entstehen im Zwielicht eines von den Zentralbanken kaum mehr beeinflußten, geschweige denn beherrschten Geldmengenwachstums und stehen in keiner Beziehung zu den Ergebnissen und Bedürfnissen der realen Wirtschaft.
Die Banken haben, auch das ist eine Folge der Globalisierung, ihr ehemaliges Selbstverständnis, integraler Bestandteil der Volkswirtschaft zu sein, aufgegeben. Das Geld, das eigentlich der Volkswirtschaft dienen sollte, stellen sie nun lieber und leichter den internationalen Finanzmärkten zur Verfügung. Als Global Player fühlen sie sich dabei dem deutschen Mittelstand ebensowenig verpflichtet, wie dem deutschen Fiskus.
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>>Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band II<< von Egon W. Kreutzer.............unbedingt lesenswert! |
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Wer auch immer im Herbst Bundeskanzler wird: Ohne den starken politischen Willen zur Wiederherstellung der ausreichenden Geldversorgung der realen Wirtschaft wird er kein Wachstum, keine zusätzlichen Arbeitsplätze und keine Entlastung in den Sozialsystemen schaffen können.
Egon W. Kreutzer
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