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    21. September 2012

    08.00 Uhr Armutsbericht - Armutszeugnis

    Das ist der Titel des gestrigen Paukenschlags 37 /2012

     


    20. September 2012

    12.00 Uhr Gestern unter Google-News "Gesundheitsthemen"

    • Genmais macht Ratten krank.
    • Frühstücksflocken strotzen vor Zucker
    • Alzheimer breitet sich immer weiter aus

    Die verheerende Wirkung von Genmais auf damit gefütterte Ratten ist das Ergebnis einer französichen Studie. Während sogar die EU-Kommission alarmiert ist, werden selbstverständlich schon wieder Gegenstimmen laut, die das Ergebnis anzweifeln.

    Wäre ja auch schlimm, wenn nur wegen so einer Studie die Kennzeichnungspflichten verschärft werden müssten. Nee, nee - regt euch mal nicht auf, wegen der Franzosen, die wollen nur Monsanto das Geschäft kaputtmachen. Genmais macht den Maiszünsler kaputt, und sonst nichts. Niemand wird fahrlässig die Gesundheit von Menschen aufs Spiel setzen.

    Und am Doppel-Null Raps sind ja auch nur die Feldhasen eingegangen. Das war auch so ein Aufreger, damals. Heute längst vergessen. Tut doch keinem was.

    Die verheerdende Wirkung von Zucker auf den menschlichen Organismus ist ebenfalls nur eine verschwörungstheoretische Panikmache. Soll man Kindern alles vorenthalten, was gut schmeckt? Ketchup, Cola, Eistee? Eltern, die auf ihre Kinder achten, achten auch darauf, dass sie sich regelmäßig die Zähne putzen - und schon ist die Gefahr gebannt.

    Und dass die Alten verblöden, das ist ganz natürlich. Ist nur früher nicht so aufgefallen, weil die Alten da viel jünger waren. Und der ganze Hype um BSE - der ist doch auch längst vorbei. Nirgends mehr werden Rinder gekeult, das Übel ist aus den Medien, also ist es wohl auch aus der Welt - und Alzheimer nimmt trotzdem zu, kann also gar keinen Zusammenhang gegeben haben.

    Man kann sich von solchen beruhigend-abwiegelnden Stimmen trösten lassen und alle Warnungen in den Wind schlagen.

    Wer krank wird, soll die Schuld bei sich selber suchen. Hätte sich nur ein bisschen mehr bewegen müssen.

    Die Nahrungsmittelindustrie liefert nur absolut unbedenkliche Produkte in die Regale und Kühltruhen der Supermärkte - und dies in aller Vielfalt, die für eine ausgewogene Ernährung erforderlich ist. Alle Zusatzstoffe, von Geschmacksverstärkern über Farbstoffe und Trennmittel bis hin zu den Konservierungsstoffen sind amtlich zugelassen. Formschinken, Käseersatz und Transfette sind vollwertige Nahrungsmittel. Herbizid- und Pestizidrückstände werden ständig kontrolliert und unter den Grenzwerten gehalten. Und dass ultrahocherhitzte homogenisierte Milch ein Problem im Fettstoffwechsel auslösen könnte, ist doch wohl auch ein Ammenmärchen. Wenn die Verbraucher frische Vollmilch trinken wollten, dann gäbe es die auch noch zu kaufen. Doch der Verbraucher verlangt die länger haltbare - oder gleich die H-Milch - und wenn er sich nur genug bewegt, und sich regelmäßig impfen lässt, dann bleibt er auch gesund.

    Man kann sein eigenes Konsum- und Ernährungsverhalten aber auch einmal infrage stellen.

    Eine Hilfe dabei ist Sigrid Herwigs Buch "Was uns fehlt"

     

     

    mehr darüber erfahren Sie

    hier

    19. September 2012

    14.45 Uhr Ein besonnenes Wort über Videos und Karikaturen

    Das physikalische Gesetz von Druck und Gegendruck kommt mir in den Sinn, Wirkung und Gegenwirkung sind gleich - und die ständige Erhöhung des Drucks verändert an diesem Gleichgewicht nichts, und selbst wenn ein Element der Versuchsanordnung nachgibt, zerbricht, platzt ... der Druck lässt nach, doch er bleibt gleich, auf beiden Seiten.

    Wir Normalbürger stehen nun einigermaßen besorgt vor dem Phänomen eines erneuten Druckanstiegs an jener dünnen Wand, die religiösen Fanatismus und provokanten Rassismus voneinander trennt.

    Es ist eine neue Form jenes Gleichgewichts des Schreckens, das über Jahrzehnte den Einsatz von Atomwaffen verhinderte, selbst dann, als der Druck in kritischen Phasen massiv anstieg. Dieses Gleichgewicht ist mit dem Auseinanderbrechen der Sowjet-Union gestört worden - für einen Augenblick gestört worden. Der Druck ließ nach, baute sich jedoch am Eigeninteresse der neu hinzugekommenen, kleinen Atommächte wieder auf, und so kann der fortgesetzte Druck gegen den Iran auch nur dazu führen, dass sich dort entsprechender Gegendruck aufbaut, der sich beinahe zwangsläufig in der ersten real existierenden iranischen Atomwaffe manifestieren muss.

    Ich erinnere ich mich gut an die Zeiten des Kalten Krieges, an die Zeiten, in denen Chruschstschow und Breschnew in Moskau an der Macht waren - und an die Darstellung dieser Machthaber in der westlichen Öffentlichkeit. Da ist rückblickend kaum ein Unterschied festzustellen, zu dem, wie heute über Ahmanidenschad berichtet wird.

    Dass von der anderen Seite an den Führern der westlichen Staaten kein gutes Haar gelassen wurde, und dass heute von Islamisten Puppen, die Obama darstellen sollen, ebenso hasserfüllt verbrannt werden, wie die Flaggen westlicher Staaten, ist auch kein Geheimnis.

    Gleiches gilt für die Behandlung der "Staatsreligionen", der Hass auf den Kommunismus und die Jagd auf Kommunisten von damals unterscheidet sich in nichts von dem Verhalten, das heute gegenüber dem Islam an den Tag gelegt wird.

    Wen wundert es, dass diese "Wirkung" eine Gegenwirkung hervorruft. Wen wundert es, dass er als Berliner heute in Sorge leben muss, gewaltbereite islamische Fundamentalisten könnten morgen vor dem Reichstag einen Anschlag verüben, wenn zugleich jeder Teheraner in Sorge leben muss, die ringsum in Stellung gegangenen westlichen Truppen könnten morgen mit Marschflugkörpern den Präsidentenpalast in Schutt und Asche legen?

    Dieses ominöse Video ist für sich genommen keinerlei Aufregung wert. Lebten wir in einer Welt der friedlichen Koexistenz und der Toleranz, würde es auch in der islamischen Welt kaum Aufregung hervorrufen.

    So aber handelt es sich, wie auch bei den immer wieder auftauchenden Karikaturen, um jene kleinen Tröpfchen, die man in das Fass fallen lässt, in der Hoffnung, es damit zum Überlaufen zu bringen.

    Dabei ist es vollkommen gleichgültig, aus welchen Motiven heraus und mit welcher Zielsetzung es geschieht. Es kommt einzig auf die Wirkung an. Und wenn ein fanatischer Videoproduzent nicht erkennen kann, welche Wirkung er auslöst, wenn ein frecher Karikaturist sich des Ausmaßes der Folgen seiner Karikaturen nicht bewusst ist, dann darf niemand sich schützend davorstellen und sagen: "Der tut nichts, der will nur spielen".

    Wir alle tragen Verantwortung für den Frieden in dieser Welt. Und je mehr jemand in der Lage ist, mit seinen Botschaften die Massen zu erreichen, desto größer ist seine Verantwortung.

    Die öffentliche Vorführung des Videos zu verbieten, ist jedoch der falsche Weg.
    Dieser Schritt würde tatsächlich nur ein erneutes Einfallstor zur Beschneidung des Grundrechts auf Meinungsfreiheit öffnen und damit - in einem anderen Kessel - den Druck erhöhen.

    Die Veranstaltung einer mächtigen Gegendemonstration, womöglich garniert mit handgreiflichen Auseinandersetzungen beider Gruppierungen untereinander und beider Seiten mit der Polizei, erachte ich ebenfalls für den falschen Weg, weil auch sie dem Prinzip Druck und Gegendruck folgt und damit - so gut sie auch gemeint sein mag - nur zu einer weiteren Eskalation führt.

    Was wir brauchen ist De-Eskalation.

    Ein klares Wort der Distanzierung von allen verantwortlichen Politikern, und dann nichts mehr.

    Vor allem kein wie auch immer geartetes Nachtreten.

    Und dann muss auch Schluss sein, mit der medialen Aufmerksamkeit.

    Es ist eine uralte Duellregel, dass erst die Provokation berechtigt, zum Waffengang aufzufordern. Wer sich von den Provokateuren distanziert, darf ihnen und der Provokation nicht dienen, indem er die öffentliche Aufmerksamkeit - und sei es durch die Zurschaustellung der eigenen Empörung - noch zusätzlich darauf lenkt.

    Das ist weder ein Kopf-in-den-Sand-Stecken noch eine Neuauflage einer Appeasement-Politik. Hier geht es nicht um die Politik von Staaten, hier geht es um nichts als um verantwortungslose Provokationen von isolierten Fanatikern.

    Das auseinander zu halten ist schon ein Schritt zur De-Eskalation.

     

     


    18. September 2012

    09.30 Uhr Geheimwissenschaft Lesen

    Alle halbe Jahre kriecht ein Gespenst durch die Medien -jetzt mal wieder. Am 8. September war Weltalphabetisierungtag. Und wer etwas zu schreiben hat, schreibt ins Blatt, dass es in Deutschland unter der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter 7,5 Millionen Analphabeten gäbe und noch weitere 13 Millionen, die selbst einfache Wörter nicht richtig schreiben und Texte, die über einen Satz hinausgehen, zwar vielleicht noch lesen, aber nicht mehr verstehen könnten.

    So ungefähr 82 Millionen Menschen leben in Deutschland, ungefähr 27 Millionen gehören den Altersgruppen der unter 18- und über 64-Jährigen an.

    Bleiben als Bezugsgröße für die 20,5 Millionen "Analphabeten" nur 55 Millionen übrig.

    Das heißt, wenn die Zahl stimmt, dann kann jeder Dritte Deutsche, der es können sollte,

    • weil er in Berufsausbildung oder Studium steckt,
    • weil er Arbeit hat -ob als Dachdecker oder Richter, als Investmentbanker oder Journalist,
    • weil er keine Arbeit hat - und daher die Schreiben der Arbeitsagentur zu lesen und zu beantworten hat, weil er sich mit dicker Mappe schriftlich zu bewerben hat,
    nicht ausreichend gut Lesen und Schreiben.
     
    Diese Erkenntnis stammt aus der Leo-Studie, die im März 2011 von Anke Grotlüschen vorgestellt wurde und damals den Schnellschuss von Anette Schavan auslöste, alle Deutschen müssten einem Deutschtest unterzogen werden.
     
    Im Zuge dieser Leo-Studie wurden insgesamt 8.000 Menschen befragt/getestet. Das ist für Demoskopen, die allwöchentlich den Ausgang der nächsten Bundestagswahlen (Wenn am nächsten Sonntag Wahl wäre ...) mehr oder minder falsch voraussagen, eine sehr mächtige Stichprobe, doch die stützen sich in ihren Hochrechnungen auf ein sehr breites Datenmaterial ab - und werden zudem von Wahl zu Wahl klüger.
     
    Ich frage mich: "Wo sind die alle? Jeder Dritte?"
     
    Und da antworten die emsigen Forscher unisono: "Mitten unter uns. Sie haben enorme Fähigkeiten entwickelt, ihre Schwäche zu tarnen".
     
    Und da fällt mir der alte Witz ein:
     
    "Weißt Du, warum die Elefanten so rote Augen haben?"
    "Nein."
    "Damit sie im Kirschbaum besser getarnt sind."
     
    "Hast Du schon mal einen Elefanten im Kirschbaum gesehen?"
    "Nein."
    "Da kannst Du mal sehen, wie gut die getarnt sind!"
     
    Statt der vielen aktuellen und doch immer wieder nur voneinander abgeschriebenen Artikel zur Feier des Weltalphabetisierungstages hier ein etwas ausführlicherer
     
     
    Wnen man ganeu hinshcuat, setllt man fest, dsas dsiee Frsochnugen im Gurdne nur eiens betästigen:
     
    Die deutsche Wirtschaft sucht händeringend nach Fachkräften, und würde gerne auch die teuren deutschen Fachkräfte beschäftigen, doch die können ja nicht mal lesen und schreiben und sitzen lieber mit roten Augen landauf, landab in den Kirschbäumen.


    17. September 2012

    20.45 Uhr Op Platt 

    Wir Bayern nennen so was "ein Schmankerl". Wie das auf Plattdeutsch genannt wird, weiß ich nicht, aber köstlich ist es dennoch, was M.L. Lessing da wieder im schönsten Platt aufgeschrieben - und dann auch noch gleich übersetzt hat, für alle, die sich mit dem Original doch zu schwer tun.

    Good Greece — Bad Greece

    De "Düütsche Bank" hett to veel Schiet in ehr Bilanzen. Se will dorför nu en egen "Bad Bank" grünnen, 'neem se de ganzen Giftpapeern un den Finanz-Sondermüll aflaadt. Denn is dat ut de Welt, un in de Bilanzen vun de "Düütsche Bank" süht wedder allns rosig ut. Ik glööv, bi de Psychologen hebbt düsse "Afspaltungen" en besünnern Naam, man wi wüllt hier nix in Verroop bringen. Dat Prinzip is doch prima.

    "Hm", seggt min Leevsten, "weer dat nich ok wat för de Greken? De kunnen doch so'n Bad Greece grünnen — dat mutt natüürlich ingelsch heten — un da ehr ganzen Schulden deponeern. Daför langt so'n lütte Insel, op't best direktemang vör de Nees vun de Törken, de köönt se ja nich af. De övernimmt denn de ganzen Schulden, un de Rest vun Grekenland is wedder clean! De Törken köönt düsse Schuldenschatzinsel ok geern överfalln un beholln..."

    Also, ik mutt ja seggen, de Jung hett Plie. Wat de Banken köönt, woso köönt dat de Staaten nich? So kunn sik ok Spanien befrien — indem dat sin Schulden op en entbehrlichen Landsdeel överdriggt, seggt wi maal... dat Baskenland. De Basken köönt denn ok geern ehr Unafhängigkeit hebben, wenn se de ganzen Schulden nehmt. Se maakt eenfach fix en lütten Staatsbankrott un fangt vun vörn wedder an. Un all sünd tofreden!

    Dat kunn sogor för stückerwat lütte Staaten en Geschäftsmodell warrn. Luxemburg kann sik wesselwies as Deel vun Frankriek orr Düütschland deklareern, de ehr Schulden övernehmen, sik afspalten, pleitegahn un bi Null wedder anfangen. Daför gifft dat natüürlich groottöögsche Upbuuhülp vun de groten Navers Düütschland un Frankriek... All poor Johr kunn düsse Zyklus aflopen. Wohrschienlich bruukst daför gor keen physisches Land mehr, en Afstraktum langt.

    Wat'n Schiet, dat düsse Afspalttechnik vör 65 Johr noch nich utfunnen weer! Süss harrn se batz en "Bad Germany" gründt, dat de ganze Kriegsschuld un den Holocaust kregen harr, un dat grote "systemrelevante" Good Germany weer mit'n breden Grientje wedder op't internaschonale Parkett danzen gahn. De DDR weer da mal wedder fixer, de hebbt dat nämli versöcht — se hebbt eenfach seggt, de annern da, dat is Bad Germany, de hebbt de Kriegsschuld un den Holocaust! Wi sünd de Goden. — Schiet, dat dat nich ganz klappt hett, sünners nich, wieldat de DDR nich ganz so systemrelevant weer — för den Kapitalismus natüürlich. Schiet ok! Harrn se sik nich tominnst en Patent op sekern kunnt!!! — Man wokeen weet, villicht bruukt wi dat Verfahren gauer as wi denkt, nu de Verfatensrichter den ESM dörwinkt hebbt...

    Da, nu kettelt mi min Leevsten wedder! Ik geev em op de Finger. "Au!", seggt he, "dat heff ik nich verdeent! Dat weer de "Bad Klaus", de di kettelt hett!" Ik segg: "För so'n fiene Ünnerscheden heff ik keen Nerv!"

    Lust auf mehr Platt von M.L. Lessing? Hier geht's lang.

     

    Good Greece - Bad Greece

    Nun hat auch die "Deutsche Bank" eine eigene "Bad Bank" gegründet, um ihre Giftpapiere und den Finanz-Sondermüll aus ihren Bilanzen raus dorthin zu verlagern. Da ist es dann aus der Welt, und in den Bilanzen der "Deutschen Bank" sieht alles wieder rosig aus.

    Was bei den Psychologen als Krankheitsbild gilt, ist in der Finanzbranche Alltag - und, Hand aufs Herz, eine prima Sache!

    "Hm", sagt mein Liebster, "wär das nicht auch was für die Griechen? Die könnten doch so ein Bad Greece grünen - muss natürlich englisch heißen - und da ihre ganzen Schulden hin auslagern. Dafür langt ja so'ne kleine Insel, am besten direkt vor der Nase der Türken, die ärgern sie ja immer wieder gern.

    Die Insel übernimmt die ganzen Schulden, spaltet sich ab, und der Rest von Griechenland ist wieder clean! Die Türken können dann diese Minus-Schatzinsel auch gerne überfallen und behalten... oder ausrauben..."

    Na, hat der Junge Verstand oder nicht?! Was die Banken können, wieso sollten Staaten das nicht können?

    So könnte Spanien zum Beispiel seine Schulden auf einen entbehrlichen Landesteil übertragen - sagen wir, auf das Baskenland. Die Basken kriegen natürlich fix ihre Unabhängigkeit mit den ganzen Schulden zusammen, legen danach schnell einen Staatsbankrott hin und fangen bei Null wieder an! Zwei Fliegen mit einer Klappe. Und alle sind zufrieden.

    Für kleinere Staaten könnte das zum Geschäftsmodell werden. Luxemburg kann sich wechselweise an einen seiner großen Nachbarn Deutschland oder Frankreich anschließen, sich mit deren Schulden abspalten und bankrott gehen.

    Natürlich gegen großzügige Aufbauhilfe der jeweiligen Ex-Mutterländer. Die die dann wieder fröhlich mit Schulden finanzieren, denn sie sind ja schuldenfrei. - Alle paar Jahre könnte dieser Zyklus ablaufen.

    Wahrscheinlich braucht man dafür auch kein physisches Land mehr, ein Abstraktum würde reichen. Oder hat die Bad Bank der Deutschen Bank etwa ein eigenes Bankhochhaus?

    Pech, dass diese Abspalttechnik vor 65 Jahren noch nicht erfunden war! Sonst hätten wir ruckzuck ein "Bad Germany" gegründet, das die ganze Kriegsschuld und den Holocaust gekriegt hätte, und das große "systemrelevante" Good Germany wäre breit grinsend wieder aufs internationale Parkett tanzen gegangen.

    Die DDR war uns da mal wieder voraus, denn sie haben es schon damals versucht - sie haben einfach gesagt, die andern da, das ist Bad Germany, die haben die Kriegsschuld und den Holocaust! Wir sind die Guten.

    Mist, dass das nicht ganz geklappt hat, insbesondere, weil die DDR nicht ganz so systemrelevant war - für den Kapitalismus natürlich. Aber wer weiß, vielleicht brauchen wir das Verfahren schneller, als wir denken, nachdem jetzt die Verfassungsrichter den ESM durchgewinkt haben... Mist!

    Wenn wir wenigstens ein Patent darauf hätten!! Dann könnten wir die Banken dafür zahlen lassen...

    Da, jetzt kitzelt mein Liebster mich wieder! Ich hau ihm auf die Finger. "Au!", sagt er, "das hab ich nicht verdient! Das war der Bad Klaus, der dich gekitzelt hat!"
    "Für diese feinen Unterschiede", sag ich, "hab ich keinen Nerv!"


    16. September 2012

    Wolfgangs Bild vom Sonntag

    .

    Manuelas Bild vom Sonntag

    .

    .

     


    15. September 2012

    12.30 Uhr Die Telekom - Inkassobüro für Abofallen-Betreiber?

    Auf meiner Mobilfunkrechnung für August 2012 fand ich den Betrag von 19,95 Euro, den die Telekom zugunsten einer mir völlig unbekannten MyDoo GmbH abbuchen will.

    Ich habe da nichts bestellt, nichts in Auftrag gegeben und keine Leistung erhalten.

    Ein erstes Googeln nach MyDoo bestätigte meine Befürchtungen. Es scheint sich bei der MyDoo GmbH tatsächlich um eine sogenannte Abo-Falle zu handeln - und es soll auch schon wieder Urteile deutscher Gerichte geben, die das bloße Berühren eines unerwünscht aufoppenden Werbe-Banners auf dem Touch-Screnn des Smartphones als eindeutige Willenserklärung zum Abschluss eines Abonnements ansehen.

    Als Verleger des Buches "Brieffreundschaft mit einem Abzocker" von Andreas Sterntal, in dem diese Machenschaften auf amüsante Weise bis ins Kleinste beschrieben sind, geht es mir gegen die Ehre, mich nicht mit allen Kräften gegen diese Abzockerei zu wehren. Zumals dort auch geschildert wird, auf welche Weise solche Urteile von den Abzockern selbst provoziert werden, um andere Opfer vor dem Rechtsweg abzuschrecken.

    Ich hab also heute begonnen, meine Erlebnisse mit Telekom und MyDoo in ein Online-Tagebuch zu schreiben.

     


    14. September 2012

    09.30 Uhr Niemand muss mitmachen

    Meinen gestrigen Paukenschlag beendete ich mit dem Satz:

    Niemand muss mitmachen.

    Frau Nägele fragte dazu: "Wies soll das gestaltet werden?", und Peter Fischer fragte zurück, ob dass denn so einfach sei, sich dem System zu verweigern, ob nicht wirtschaftliche Zwänge bestünden, die es quasis unmöglich machen, nicht mitzumachen, ja ob ich nicht selbst auch gezwungen wäre, mitzumachen.

    Frau Nägele antwortete ich mit dem Verweis auf die drei Aufsätze "Unsere Freiheit", Herrn Fischer versprach ich auf sein doch viel härteres Nachfragen eine ausführlichere Antwort. Hier ist sie:

     

    Lieber Herr Fischer,

    Sie fragten, wie das geht, nicht mitmachen, wo wir doch alle in dieses System eingebunden sind und seinen Zwängen unterliegen.

    Die Antwort darauf ist sicherlich nicht einfach - und vielleicht auch nicht ganz befriedigend, doch meine ich, zumindest die ersten Schritte auf diesem Weg aufzeigen zu können.

    Ich fang mal mit einer etwas dramatischen Aussage an:

    Zu allen Zeiten gab es irgendwo Gefangene, Sklaven, Zwangsarbeiter.
    Die alle hatten sich dem System "Gefangenschaft", in das sie unentrinnbar eingebunden waren, unterzuordnen.

    Aber sie mussten nicht mitmachen.

    Doch einige durften mitmachen.

    Man hat Ihnen ein Abzeichen, eine Peitsche, einen Schlagstock,
    einen Pistole in die Hand gedrückt, und sie zu Aufsehern gemacht. Das brachte ihnen geringfügige Vergünstigungen, einige retteten auf diese Weise sogar ihr Leben. Doch sie hätten nicht mitmachen müssen.

    Das ist der springende Punkt.

    Mitmachen heißt für mich,
    sich freiwillig vom Gefangenen des Systems
    zum Diener des Systems zu machen.

    Sprechen wir von Kriegsgefangenen, dann haben sie durch ihre "Selbsverwaltung" sogar Kräfte des Gegners freigesetzt, die sonst durch die Bewachung der Gefangenen gebunden gewesen wären, haben also letztlich dem Feind in die Hände gearbeitet.

    Nicht-Mitmachen, das ist der Verzicht darauf, eines persönlichen Vorteils wegen, vom Gefangenen zum Diener des Systems zu werden.

    Und dafür gibt es auch im weit weniger dramatischen - ganz normalen - Leben, in so genannten Friedenszeiten, nahezu unendlich viele Gelegenheiten.

    Ganz trivial:

    • Niemand muss sich eine BILD-Zeitung kaufen - und damit Springers Macht erhalten.
    • Niemand muss sein Gehaltskonto wirklich bis zum Anschlag überziehen, und damit der Bank Macht über sich einräumen.
    • Niemand muss wirklich bei den Billig-Discountern einkaufen und damit die Arbeits- und Lebensverhältnisse der Mitarbeiter dieser Ladenketten und der Lieferanten dieser Ladenketten dem Druck ihrer Inhaber-Milliardäre aussetzen. Damit vernichtet der wegbleibende Kunde keine Arbeitsplätze!
      Die Produkte werden benötigt und gekauft, die Mitarbeiter verlieren zwar ihren Job, wenn z.B. Schlecker pleite geht,
      doch diejenigen, die gebraucht werden, um die Nachfrage zu bedienen, die finden auch wieder einen Job, und womöglich in einem Geschäft, das sozial verträglicher arbeitet.

    Etwas schwieriger:

    • Niemand muss freiwillig unbezahlte Überstunden leisten und damit einen anderen in Teilzeit zwingen. Schon gar nicht diejenigen müssen das, von denen der Chef behauptet, sie seien unverzichtbar.
    • Niemand muss freiwillig Sondermüll unter den Restmüll mischen, nur weil der Chef gesagt hat: "Sie werden dieses kleine Problem schon lösen".
    • Niemand muss irreführende Werbeaussagen erfinden, um Kunden dazu zu bringen, zu kaufen und dafür mehr zu bezahlen, als das Produkt wert ist.
    • Niemand muss als Handwerker an der Waschmaschine die Steuerung austauschen, wenn nur das Flusensieb verstopft
      war.

    Schon recht schwierig:

    • Niemand muss Industriespionage betreiben.
    • Niemand muss Lastwagen in den Wald fahren und dort Giftfässer abkippen.
    • Niemand muss Schülern nur Lehrbuchweisheiten beibringen, wenn das Leben und die Wahrheit davon abweichen.
    • Niemand muss seine Untergebenen immer wieder schlechter beurteilen als sie sind, nur um Gehaltsforderungen abwehren zu können.
    • Niemand muss Subunternehmer mit illegalen Schwarzarbeitern beschäftigen, nur um den Kostenrahmen des
      Prestige-Objekts einzuhalten.
    • Niemand muss Fertiggerichte erfinden, die vor schädlichen Farbstoffen, giftigen Konservierungsmitteln und Transfetten nur so strotzen, und die zum Ausgleich aus Schlachtabfällen und Gammelgemüse hergestellt werden.

    Niemand muss so was.

     

    Ganz schwer:

    • Niemand muss den Einsatz von Wasserwerfern gegen friedliche Demonstranten befehlen,und
    • niemand muss den Wasserwerfer dann auch aktivieren und auf die Demonstranten richten.
    • Niemand muss am Hindukusch auf andere Menschen schießen.
    • Niemand muss an der Entwicklung von Bomben, Raketen, Drohnen usw. mitwirken.

    Und - auch ganz schwer:

    • Niemand muss seiner Putzfrau weniger bezahlen als sie es verdient.
    • Niemand muss bei seiner Steuererklärung mogeln.
    • Niemand muss die FDP wählen.
    • Niemand muss die CDU wählen.
    • Niemand muss die SPD wählen.
    • Niemand muss die Grünen wählen.
    • Niemand muss irgendeine Partei wählen, durch deren Regieren er sich Vorteile verspricht, während es anderen Nachteile bringt.

    Die große Ausrede, die den Zwang zum Müssen begründet,
    heißt oft genug:

    "Wenn ich es nicht tue, tut es ein anderer".

    Das ist eine zumeist vollkommen unbegründete Befürchtung.

    Betrachten wir die Realität:

    Für jede Art von Schweinerei ist immer nur ein Teil der Gesamtbevölkerung fähig, bereit und verfügbar.

    Für kleine Schweinereien sind es eher viele, und die verteilen sich quer übers Land, stehen also auch für die kleinen Schweinereien regional immer nur in begrenzter Zahl zur Verfügung,
    für die großen Schweinereien sind es eher weniger, und die stehen selbst landesweit nur in sehr begrenzter Zahl zur Verfügung.

    Es ist ein Irrtum anzunehmen, für beabsichtigte Schweinereien fände sich der, der fähig und bereit ist, mitzumachen, so ganz einfach auf dem nächsten Arbeitsamt.

    Ich behaupte sogar, dass für einigermaßen profitträchtige Schweinereien, das Problem,den richtigen Mitmacher zu finden, sehr groß ist.

    Weshalb wenden sich die Chefs denn erst an ihre Mitarbeiter, und versprechen ihnen das Blaue vom Himmel herunter, wenn sie sich nicht querstellen, sondern mitmachen?

    Weil das die einzigen sind, die ihnen zur Verfügung stehen.
    Auch weil es die einzigen sind, die sie soweit kennen, dass sie glauben, ihnen vertrauen zu können.

    Und denen suggerieren sie dann, falls sie nicht mitmachen, könnte es sie den Job kosten.

    Ich behaupte: Wenn sich hundert Angestellte einmal weigern, sich an einer größeren Schweinerei zu beteiligen, und wenn sie das einigermaßen friedlich und vernünftig begründen, dann verliert davon
    vielleicht einer den Job - aber 90 von hundert Schweinereien unterbleiben, weil niemand sonst da ist, der ausgesucht werden könnte, statt des Verweigerers mitzumachen.

    Friedrich Wilhelm Mustermann, angestellt bei Konrad Unmensch, steht nicht alleine einem Heer von 6 Millionen Arbeitslosen gegenüber, die alle seinen Job bekommen könnten, wenn er sich einmal weigert, seinen Chef bei einer krummen Tour zu unterstützen.

    Da gibt es wahrscheinlich im Einzugsbetrieb des Unternehmens keinen einzigen, der ihn sofort und ohne erhebliche zusätzliche Kosten ersetzen könnte. Und ob der dann mitmachen würde, ist auch noch fraglich.

    Die wirklich austauschbaren Rädchen in den Betrieben, die gibt es doch heute kaum mehr. Da, wo die mal an den Bändern standen und in den staubigen Büros saßen, da sind heute nur noch Automaten und Rechner zu finden.

    Die Macht des Einzelnen ist viel größer, als wir alle glauben.
    Heute gilt, mehr denn je zuvor: Alle Räder stehen still, wenn mein starker Arm es will!

    Ein erster Trend dazu ist in den Erfolgen der ganz kleinen Gewerkschaften zu erkennen.

    Und ich rufe jedem zu:

    "Sei Deine eigene Gewerkschaft! Es geht nämlich ohne Dich nicht."

    Ich weiß, das trifft auf Kassiererinnen in den Supermärkten nicht zu. Es trifft auch auf viele Angestellte von Gebäudereinigungsunternehmen nicht zu, und die Aufzählung ließe sich fortsetzen.

    Doch es trifft auf alle zu, die auch nur eine Führungsebene höher angesiedelt sind, und wie die Freiwilligen in den Gefängnissen und Lagern, um eines geringen Vorteils willen, die Drecksarbeit erledigen.

    Von denen muss keiner mitmachen. Es sei denn, er hat sich vorher schon erpressbar gemacht. Und die Erpressbarkeit fängt meistens bei Schulden an - und daher ist eine meiner dringendsten Empfehlungen:

    Hört auf, Schulden zu machen!

    Solange das Auto noch fährt, kann das neue warten. Es müssen nicht immer die teuren Designerklamotten sein. Deutsche Markenbutter ist nicht schlechter als irische Butter, kostet aber nur die Hälfte.

    Und wer ein Haus bauen will, sollte sicher sein, dass er die Hypotheken auch abbezahlen kann, ohne seinen Lebensstandard dramatisch senken zu müssen.

    Keine Schulden zu haben, macht sehr frei.

    Und wer frei ist, der lebt zwar immer noch in diesem System und unterliegt seinen Gesetzen, doch er ist nicht Teil des Systems, und darauf kommt es an.

    Heute morgen fand ich dann noch einen sehr klugen und tiefsinnigen Aufsatz von Frank Meyer (Bankhaus Rott & Meyer), der ebenfalls gut zu dieser Thematik passt.

    Wenn Sie noch ein bisschen Zeit haben, lesen Sie nach, was er unter einem etwas anderen Blickwinkel dazu zu sagen hat.


    13. September 2012

    18.30 Uhr Galgenhumor nach dem ESM-Urteil

    Wenn die Anspannung nachlässt, folgt eine Gegenreaktion.
    Häufig kommt dann ein befreiender Witz, ein zynisches Grinsen,
    ein ironisches Lächeln, manchmal schwarzer - und manchmal,
    wenn klar ist, dass es vorbei ist, auch Galgenhumor.

    In diesem Sinne empfehle ich Ihnen heute:

     


    12. September 2012

    13.00 Uhr Jetzt schlägt's dreizehn

    Ein Besucher dieser Seite schickte mir den nachstehenden Link auf auf einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung und meinte dazu:

     Sehr geehrter Herr Kreutzer,

    auch wenn ich mir durchaus sehr gut vorstellen kann, dass Ihre Zeit
    begrenzt ist, so weiß ich dennoch leider nicht, wen ich sonst auf solche
    Zustände hinweisen sollte?

    Für mich ist das die offen propagierte Rückkehr zur Sklaverei.

    Vor allem dann, wenn man nur etwas weiter denkt.

    Die Stimmung im deutschen Volk gegen Griechenland wurde dermaßen
    angeheizt, dass von dieser Seite kaum Widerstand zu erwarten ist. Und
    eines Tages bekommt dann das deutsche Volk von denselben Personen
    gesagt:

    "Schaut euch die Griechen an,
    die arbeiten sechs Tage die Woche
    13 Stunden".

    Wenn ihr das nicht auch so macht, dann könnt ihr euren Lebensstandard nicht halten.

    All das geschieht nur, um die Forderungen der Gläubiger zu bedienen. In Griechenland und bald auch hier. Ich selbst bin einfach nur noch sprachlos, angesichts dieser Tatsachen.

    Mit besten Grüßen

     


    10.40 Uhr Das Urteil ist gesprochen - Draghi hat gewonnen, vorläufig

    Das Bundesverfassungsgericht fordert die völkerrechtlich verbindliche Vereinbarung, dass Deutschlands Belastung aus dem ESM die Grenze von 190 Milliarden Euro nicht ohne weitere Zustimmung Deutschlands überschreiten darf.

    Es hat weiter gefordert, dass der ganze Vertrag unwirksam sein soll, wenn diese völkerrechtlich verbindliche Vereinbarung nicht eingehalten werden sollte,

    und es hat die Unterrichtung des Bundestages und des Bundesrates gefordert und damit an den Geheimhaltungsrechten des ESM-Personals gerüttelt.

    Die Einhaltung der Obergrenze stellt, wie bereits am 7. September hier ausgeführt, kein Problem dar, weil die EZB durch den Ankauf von Anleihen, die ESM vorher von den Schuldnerländern angekauft hat, nicht mehr in Gefahr gerät, die Obergrenze zu überschreiten.

    Die von Peter Gauweiler gegen diesen EZB-Beschluss eingereichte Klage wurde in Bezug auf den Erlass einer einstweiligen Verfügung abgewiesen, wird jedoch in der Hauptsache noch behandelt werden. Ob das Verfassungsgericht in dieser Regelung jedoch eine Grundgesetzverletzung erkennen wird, ist zweifelhaft, falls doch, könnte Draghi doch noch verloren haben.

    ESM wird jedoch in Kürze von Deutschland ratifiziert werden. Die völkerrechtliche Vereinbarung wird von allen übrigen Euro-Mitgliedsstaaten im Vertrauen auf Draghis Bazooka leicht akzeptiert werden.

    Was die Unterrichtung des Bundestages und des Bundesrates betrifft, wird sich diese, da das Gericht dazu offenbar (die Details des Urteils kenne ich noch nicht) keine näheren Bestimmungen vorgeschrieben hat, durch einen sehr kleinen Geheimausschuss so gestalten lassen, dass die Geheimhaltung insgesamt gewahrt bleibt.

    Auf der Titanic spielte man "Näher, mein Gott zu Dir",

    im Bundestag sollte man von nun an
    als Hintergrundmusik im fast immer fast leeren Plenarsaal
    die Melodie

    "Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld,
    wer hat so viel Pinke-Pinke, wer hat das bestellt"

    einspielen.


    11. September 2012 

    23.40 Uhr Da war doch noch was - nine-eleven

    Eigentlich wollte ich über die sonderbaren Geschichten rund um 9/11 Gras wachsen lassen. Zwischen offizieller Darstellung und tausenden begründeter Zweifel daran klafft die Schere weiter auseinander als zwischen Arm und Reich in Deutschland.

    Doch nun erreichte mich ein wunderschöner Text vom "Üblichen Verdächtigen aus Casablanca" - und den mag ich Ihnen nicht vorenthalten.

    Die Frage zu beantworten, ob es sich dabei um feine Ironie oder bösen Zynismus oder einfach nur um einen verzweifelten Versuch handelt, die Wahrheit in Form eines Märchens für alle Zeiten zu konservieren, nach dem Motto "Es war einmal", überlasse ich jedem selbst.

    Happy Birthday,

    liebe 9/11er-Geschichte, Du wirst heute 11 Jahre alt.
    Dazu gratuliere ich dir allerherzlichst.

    Bedauerlicherweise glauben über 60% der Menschen in den USA nicht mehr an Dich doch bleib tapfer. Deine lieben Eltern, Herr und Frau Bilderberg, kümmern sich gut um Dich:

    Seit Deiner Geburt starben weltweit 96.360.000 Kinder vollkommen unnötig, da ihnen durch die Finanzpolitik Deiner braven Eltern der Zugang zu sauberem Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten verwehrt wird.

    Du warst gerade 4 Jahre alt da starb bereits weltweit alle 15 Sekunden ein Kind an kontaminiertem Wasser und als Du das zarte Alter von 8 erreicht hattest, hungerten auf diesem, Deinen Planeten erstmals über 1 Milliarde Menschen (so sagt zumindest Tante F.A.O.).

    Jetzt, wo Du 11 Jahre jung bist, sind weltweit die meisten Menschen liebevoll beobachtet, man hört und liest immer mit, was sie so treiben. Und das ist ja auch gar nicht schlimm, wenn man im Ehebett bereits von Kameras und Mikrophonen beobachtet wird - schließlich wird man so vor dem bösen, bösen Terror geschützt.

    Und alle Daten werden fein säuberlich gesammelt, damit man später alles hat was man benötigt, um sie auszusortieren - Du sollst doch nicht unter übellaunigen Fans leiden liebe 9/11er-Lüge.

    Doch mit Deinem Geburtstag stehst Du nicht alleine da liebe 9/11er-Lüge. Mit Dir zusammen wurde eine völlig neuartige Physik geboren:

    vor Eurer gemeinsamen Geburt bestand Dein WTC-Kindbettchen aus 200.000 Tonnen zertifiziertem Stahl, der vor seiner Verwendung 8 Stunden lang in einem Hochofen Temperaturen von über 3.000° C aushalten mußte, bevor er zertifiziert werden durfte und dessen Verdampfungspunkt bei rund 6.000 Grad lag. Und Kerosin war ein Hydrokarbon mit 1.120° Grad maximaler Temperatur und sehr kurzlebiger Flamme.

    Vor Deiner Geburt bestand ein Boeing-Flugzeugmotor aus Stahl und Titan, und der Schmelzpunkt von Titan lag bei 1.688°C (der Schmelzpunkt, nicht etwa der Verdampfungspunkt - der liegt weit höher).

    Aber die Physik wurde mit Dir neugeboren liebes Geburtstagskind; die neue Temperatureinheit heißt jetzt:
    • 9/11, die Temperatur bei der Titan spurlos verdampft;
    • 9/11, die Temperatur bei der 80% von 200.000 Tonnen Stahl restlos desintegrieren.
    • 9/11, die Fallgeschwindigkeit von 200.000 Tonnen Stahl
    Gratuliere zu der mit Dir geborenen Physik liebes Geburtstagskind - alles nur Dir zu Ehren.

    Und Deine lieben Eltern sammeln auch Spielgefährten für Dich liebe 9/11er Lüge:
     
    In den Vereinigten Staaten, Deiner schönen Heimat (dem Land der Freiheit und der Unabhängigkeit) werden viele, viele Kinder von Deiner Großtante InfraGard miterzogen, so können sie mithelfen, ihre Eltern auf die Ergebnisse (und die Folgen) des Klimagipfels von Kopenhagen vorzubereiten.
     
    Ist es nicht schön, daß all diese Kinder und ihre Eltern in Zukunft Steuern bezahlen dürfen, um Deinen kleinen Bruder Klima-Lüge mit einer anständigen Mitgift auszustatten?
    Das gefährliche (nur dummerweise für Flora und Fauna unerläßliche und überlebensnotwendige) CO², dessen Anteil in der Atmosphäre bedauerlicherweise nur bei 0,039% liegt und so ärgerlicherweise dafür sorgt, daß seit 10 Jahren die Durchschnittswerte Deines Planeten konstant sinken und die Eisfläche der Arktis um 150.000 km² zugenommen hat (das entspricht etwa der Hälfte der BRD-Gebiete).
    Ein bißchen schade, daß die New York Times am 7.Aug.2008 titeln mußte, daß Babys sehr, sehr schlecht sind für diesen, Deinen Planeten liebe 9/11er-Lüge - weil sie bedauerlicherweise atmen und so CO² produzieren.

    Gottseidank riet aber der Umweltberater von Gordon Brown diesem ja dringend, die Bevölkerung Britanniens solle auf 30 Millionen (das ist etwa die Hälfte) reduziert werden.
    So erzählte uns jedenfalls am 22.März 2009 die TIMES.online
    Aber Dein Onkel Greenpeace trinkt scheinbar zuviel, erzählte er doch am 20.August 2009 fröhlich auf der eigenen Homepage, die Eisschmelze in der Arktis fände gar nicht statt. Und das auch noch kurz bevor im Dezember dann in Kopenhagen die wunderbare Klima-Konferenz stattfand, mit ihren tollen neuen Geschenken für die Menschheit und wunderschön verschnürten Päckchen, in denen lauter süße kleine Gesetze drinstecken und gaaaaanz viel neuem Spielzeug.

    Da sieht man vor Freude sogar darüber hinweg, daß Großcousin Barack Obama am 24.Sep.2009 die UNSC-Sitzung leitete (das ist der UN-Sicherheitsrat liebes Geburtstagskind) und damit gegen Absatz 1, Artikel 9 der US-Verfassung verstieß, der solches ausdrücklich verbietet.
    Man sieht auch darüber hinweg, daß der gleiche Obama am 24.Nov.2009 seine Unterschrift unter der Ottawa-Konvention zum weltweiten Verbot von Landminen-Benutzung und -Lagerung verweigerte (und sich weiterhin heldenhaft über den Senat hinwegsetzt, der am 19.Mai 2010 ausdrücklich forderte, Ottawa zu unterschreiben) und schon am 25.Sep.2009 sein Wahlversprechen, den Patriot Act abzuschaffen brach, in dem er seine Erweiterung forderte.

    Aber Großcousin Obama tut noch mehr für dich liebes Kind: Er verweigerte zu Deinen Gunsten am 1.Aug.2010 auch seine Unterschrift unter dem Vertrag, der weltweit Splitterbomben (sogenannte Cluster-Bombs) verbieten sollte und gab damit der Welt ein gutes Beispiel.
    Und im Irak und am Hindukusch gibt es heute, an Deinem Geburtstag, zusammen 7.977 Tote der Koalition, und damit etwa 2,5 mal soviel, wie Menschen in Dir waren bei Deiner Geburt. Selbst 53 brave (und bedauerlicherweise ehemalige) Soldaten der Bundeswehr lassen dich posthum zum Geburtstag grüßen. So ein tolles Begräbnis hätten die sich doch niemals träumen lassen.

    Dies alles und noch viel mehr tun Deine Eltern für Dich - ist das nicht schön? Grüß' mir also auch Deine Eltern recht schön und ... feier nicht zuviel, im Mineralwasser steckt nämlich auch das böse CO² drin

    Alles, alles Gute zum Geburtstag liebe 9/11er-Lüge

    Dein üblicher Verdächtiger

     

     


    19.25 Uhr Elsendorf, wo liegt das eigentlich?

    Seit April bin ich nun fest in Elsendorf beheimatet. Geh hier zum Metzger und zum Bäcker, zum Lebensmittelhändler und zum Frisör. Kann einen guten Trockenbauer, ein gutes Malergeschäft, einen guten Inneneinrichter und einen guten Allround-Installateur empfehlen, hab das Holz für meinen Kaminofen in der Nähe gekauft, ich kenn einen guten Schreiner - und weiß, wo ich anrufen muss, wenn plötzlich kein Wasser mehr aus der Leitung kommt.

    Und obwohl ich schon vielen erklärt habe, wo das ist, dieses Elsendorf, die Fragen reißen nicht ab. Daher mag ich heute die definitive Antwort geben.

    Nehmen Sie eine Europakarte. Ziehen Sie mit dem Lineal eine Linie von Bordeaux nach Brest, eine weitere von Bremen nach Triest, eine von München nach Berlin, eine von Köln nach Graz, eine von Mailand nach Dresden, eine von Padua nach Magdeburg, eine von Saarbrücken nach Wien, und so weiter, und so weiter ...

    und wo sich alle diese Geraden schneiden, genau da liegt Elsendorf.

    Sie haben keine Europakarte - oder Sie wollen nicht in dieser Karte herummalen?

    Das hab ich befürchtet - und das für Sie erledigt.


    12.00 Uhr Gauweilers zweiter Antrag - abgelehnt?

    ARD und ZDF erzählten mir am Morgen in ihrem gemeinsamen Morgenmagazin, das Bundesverfassungsgericht habe Gauweilers Eilantrag von 7. September zurückgewiesen.

    Sonderbar!

    Die Pressemitteilung des Bundesverfassungsgerichts dazu klingt ganz anders. Da heißt es:

    "... hat der Antragsteller (...) sein Begehren erweitert ..."

    und

    "Der auf den 12. September 2012, 10.00 Uhr, anberaumte Termin zur Verkündung einer Entscheidung bleibt aufrechterhalten.

    Ich lese das so, dass das Verfasungsgericht Gauweilers zweiten Antrag angenommen hat und dass er in der Entscheidung, die morgen verkündet wird, Berücksichtigung findet.

    Nachdem davon ausgegangen werden kann, dass die Entscheidung zu den ursprünglichen Klagen bereits getroffen war, als Gauweilers zweite Klage einging, kommt die Hoffnung auf, dass das Verfassungsgericht sich weitgehend die Auffassung der Kläger zu eigen gemacht hat, also die Zustimmung zu ESM verweigern wird. Ist dies so, dann ist damit Gauweilers zweitem Antrag nämlich implizit schon stattgegeben - nur das kann ja erst mit der eigentlichen Entscheidung verkündet werden.

    Hätte sich das Gericht jedoch darauf verständigt, ESM und Fiskalpakt seien grundgesetzkonforme Konstrukte, dann hätte die Klage, wollte man den Verkündigungstermin, den Gauweiler ja verschoben haben wollte, einhalten, vorher zurückweisen müssen, und das, nachdem das Gericht sich eigens dazu beraten hatte, wohl sogar mit einer Begründung.

    Dass das Bundesverfassungsgericht in ESM,Fiskalpakt und der EZB-Entscheidung nicht den geringsten Anschein einer Grundgesetzverletzung erkennen könnte, kann ich mir nicht vorstellen. Aber nur unter dieser Prämisse würde die heutige Presseerklärung nach meiner Einschätzung noch einen Sinn ergeben.

    Noch ist kein Grund zum Jubeln - doch die Hoffnung ist gewachsen.


    10. September 2012

    11.01 Uhr Frau Wulff

    Es gibt einen Skandal um üble Nachrede. Der war weitgehend unter der Decke - und im Grunde längst aus dem Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit verschwunden.

    Für mich ist es allerdings ebenfalls skandalös, dass ausgerechnet genau zu dem Zeitpunkt, an dem Frau Wulff ihre "Memoiren" vorlegt, die öffentliche Aufmerksamkeit durch die Unterlassungsklagen der Autorin wieder geweckt wird.

    Es gab und gibt Stimmen, die wohlmeinend darauf hinwiesen, dass Frau Wulff sich durch das Aufsehen, das sie mit ihren Klagen erregt hat, doch selbst schaden würde. Was ihren Ruf betrifft, teile ich diese Auffassung.

    Was den Verkaufserfolg ihres Buches betrifft, sehe ich das anders.

    Es ist in meinen Augen ein merkwürdiges Vorgehen, mit der Bereitschaft, den eigenen Ruf fahrlässig aufs Spiel zu setzen, ein Buch in die Charts heben zu wollen.

    Und sollte die Zeitgleichheit der Ereignisse Zufall sein - diesen Zufall hätte man korrigieren können.

     


    10.30 Uhr Die Zahl des Tages: 5.555

    Im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF gab es heute ein Gespräch mit einem Experten über das "Deutsche Jobwunder". Es wurde nach den Gründen dafür gesucht, warum der deutsche Arbeitsmarkt so stabil ist, auch danach, ob der Niedriglohnsektor denn nicht tatsächlich der richtig Weg sei, volkswirtschaftlich gesehen.

    Der Experte verneinte dies glücklicherweise und wies darauf hin, dass letztlich der Steuerzahler die schlecht bezahlten Jobs subventioniert - jetzt, und wenn die Menschen, die gezwungen sind für weniger als 10, 8 oder 6 Euro pro Stunde zu arbeiten, in Rente gehen.

    Zum "deutschen Jobwunder", das sich gerade im August in nicht gerade positive Zahlen der Bundesagentur für Arbeit widerspiegelte, passt die vor drei Wochen wieder neu aufgesetzte Statistik der Arbeitsplatzvernichtung in Deutschland. Ganze 21 Kalendertage - und schon stehen da 116.656 verlorene Jobs zu Buche. Und das sind genau 5.555 pro Tag.

    01.45 Uhr Ich hab den Verlag aufgeräumt
     
    Der Internet-Auftritte des EWK-Verlags hat mir seit geraumer Zeit immer weniger gefallen - gestern hab ich - trotz Sonnenschein - ungefähr 12 Stunden damit zugebracht, die Website in ein neues Gewand zu hüllen.
    Klarer, übersichtlicher, keine Frames mehr ...
     
    Wenn Sie Lust haben, schaun Sie doch einfach mal vorbei - und sagen mir dann, wie die Veränderung auf Sie wirkt. Die E-Mail-Adresse finden Sie auf den neuen Verlagsseiten unter "Kontakt" - wie sich das gehört.
     


    09. September 2012

     

    Ein Schmetterling - und ein herbstliches Spinnennetz.  Ein Spinnennetz, eine Vernetzung ...

    Manuelas Bild vom Sonntag

    .

    .

     ...ob er wohl FLIEGEN wird?

    ... ein zweites Bild vom Sonntag

    .

    .

    Die Aufmerksamkeit führt zum Besonderen im Alltäglichen. Nur Klee - und so schön ...

    Wolfgangs Bild vom Sonntag

    .

    .


    08. September 2012
    07. September 2012

    13.45 Uhr Erste Analyse des EZB Beschlusses

    Nachdem sich der Pulverdampf verzogen hat, der gestern nach der Explosion der EZB-Bombe noch die Details verhüllte, ist heute zu erkennen, dass Mario Draghi mit dem Anleihe-Ankauf-Programm nicht nur sämtliche Beschränkungen der Geldpolitik der EZB niedergerissen hat, er hat zugleich auch EFSF und ESM zu vollkommen unbeschränkten Rettungsschirmen gemacht.

    Erster Teil der Analyse

    Prinzip und "europäische Wirkung"

    • Krisenstaat beantragt Rettungsschirmgelder.
    • EFSF und/oder ESM gewähren die Mittel und
    • kaufen frische Staatsanleihen (Primärmarkt).
    • Anschließend kauft die EZB den Rettungsschirmen die Anleihen ab (Sekundärmarkt).

    Die Rettungsschirme können damit nicht mehr an die gesetzten Grenzen stoßen, weil sie das für den Ankauf ausgegebene Geld unmittelbar von der EZB ersetzt bekommen.

    Die Haftung der an den Rettungsschirmen beteiligten Staaten für die Rettungsfonds bleibt damit beschränkt - und damit ist ein wesentliches Argument der Kläger gegen ESM in Wegfall gekommen.

    Die Eilanträge auf einstweilige Verfügung können nun vom Verfassungsgericht abgewiesen werden, weil wesentliche Teile der Klagebegründung schlicht nicht mehr greifen. Ein Geniestreich!

    Und weil die EZB den Beschluss schon gefasst hat, ist er auch durch eine einstweilige Verfügung nicht mehr vom Tisch zu bringen, schon gar nicht vom deutschen Verfassungsgericht, weil nämlich kein deutsches Verfassungsorgan noch irgendeine Unterschrift zu leisten hätte, die es verbieten könnte.

    Zweiter Teil der Analyse

    Gewinn der Märkte

    Wenn das genannte Ziel, nämlich den Euro zu stabilisieren und die Zinsen am Kapitalmarkt niedrig zu halten, erreicht werden soll, wird die EZB gezwungen sein, am Sekundärmarkt nicht nur solche Staatsanleihen anzukaufen, die von den Rettungsschirmen weitergegeben werden, sondern auch alle, die von "den Märkten" angeboten werden.

    Denn die Kurse, zu denen Anleihen gehandelt werden, werden immer noch von den Märkten gebildet. Weigert sich die EZB, börsengehandelte Schrottpapiere nahe dem Nennwert aufzukaufen, fallen die Kurse, damit steigen die Renditen - und es gibt deutliche Zinssignale, die wiederum das Rating-Kartell veranlassen werden, das Rating der Krisenstaaten und der EU und des Euro immer weiter in den Keller zu treiben.

    Dieses Spiel kann solange getrieben werden, bis alle europäischen Staatsanleihen im Keller der EZB verwesen. Es ist ein zweiter Geniestreich, der allen Anlegern ermöglicht, sich zu Bestkursen von ihren Schrottpapieren zu verabschieden.

    Wer glaubt, die Anleger würden sich nicht von Staatsanleihen trennen, weil sie ja sonst nicht wüssten, wohin mit dem Geld, hat den Strategiewechsel der Märkte immer noch nicht zur Kenntnis genommen.

    Mit Draghis Programm erhalten sie massenhaft Liquidität - und die wandert schnurstracks in Sachwerte, in griechische Häfen, deutsche Autobahnen, französische Weinberge, spanische Olivenhaine, in fruchtbare und/oder bodenschatzreiche Landstriche Afrikas, in die Lebensmittelspekulation. An den Aktienbörsen kaufen sich derweil die Hedgefonds zusammen, was irgendwie nach inneren, ausschlachtbaren Werten riecht, usw., usw..

    Dritter Teil der Analyse

    Demokratie in Europa

    Mit dem vorgeschriebenen Weg:

    • Erst Rettungsschirm (und damit der Verpflichtung zu drastischen Kaputtsparprogrammen),
    • dann das dringens benötigte Geld zur Weitergabe an die Gläubiger,
    wird die Demokratie der sog. Schuldnerländer durch Instititutionen wie die sog. "Troika" ausgehebelt.

    Mit der unbegrenzten Haftung der (noch) nicht unter Rettungsschirme gekrochenen Staaten und dem Automatismus der Erhöhung ihrer Staatsschulden durch ihre Haftung für die EZB-Verluste, wird die Demokratie in den noch zahlungsfähigen Staaten ebenfalls ausgehebelt, weil die Haushalte über kurz oder lang von den
    Verpflichtungen gegenüber den "Kreditgebern" ESM, EFSF und EZB ausgezehrt werden.

    Vierter Teil der Analyse

    Inflationsgefahr

    Auch wenn die sog. "Monetaristen" inzwischen von denen, die munter ihr Fähnchen in den jeweils vorherrschenden Wind hängen, mehr oder minder lautstark lächerlich gemacht werden:

    Mit jeder Euro-Milliarde, die Draghi in die Welt setzt, wird der Geldüberhang größer. Die Ansage, die Liquidität postwendend bei den Banken wieder abholen zu wollen, ist ein Ballon voll heißer Luft. Bekommen nicht die Banken ebenfalls unbeschränkt Liquidität von der EZB, weil sie in ihrer heiligen Systemrelevanz sonst längst den Bach runter wären? Will Draghi den Banken den Hahn wieder zudrehen, vielleicht sogar die Mindestreserven erhöhen? Will er die Binnenmärkte noch tiefer in die Deflation stürzen, während an den Geldmärkten niemand mehr weiß, wohin mit der Kohle?

    Vielleicht ja, um Zeit zu gewinnen, um den überflüssigen (oder wie sagt man sonst auf Deutsch, wenn jemand zu viel Liquidität hat?) Gläubigern zu ermöglichen, ihre Einkaufstour in die Sachwerte möglichst lange zu deflationären Niedrigspreisen zu ermöglichen?

    Doch irgendwann sind die Billionen allesamt auf Einkaufstour, da hilft es auch nichts, dass jetzt nur ein- bis dreijährige Anleihen gekauft werden sollen. Draghi wird Monat für Monat kaufen müssen, immer wieder neue Anleihen, weil die, durch die verordneten Rosskuren immer ärmer werdenen Krisenstaaten, ja keine Chance haben, sich wirklich aus der Verschuldung herauszusparen.

    Fazit

    Ein genialer Schachzug.

    Ich wünschte mir, es gäbe Mehrheiten in den Parlamenten, die ihre Regierungen dazu bewegen könnten, im Interesse von 500 Millionen Europäern einen gleichwertigen Gegenzug zu ersinnen.

    Doch die wenigsten erkennen, dass sie es sind, die auf diesem Schachbrett die weißen Figuren haben, und jubeln deswegen jedesmal, wenn Schwarz wieder eine vom Brett fegt, und noch mehr, wenn damit das Matt in greifbare Nähe rückt.

     

    10.15 Uhr Verschiedenes

    Paukenschlag am Donnerstag

    Die Newsletterempfänger haben die Info noch am Mittwochabend erhalten, hier auf meiner Startseite ist die Info untergegangen. Gestern war ich ganztags unterwegs, nun also hier noch nachträglich der Hinweis auf PaD 35 /2012 Der Weltbankrott.

    Unter anderem steht darin der Satz:

    Die Illusion, das Problem sei gelöst, wenn es dem nächsten Präsidenten der USA gelingt, gleich nach der Wahl die Schuldenobergrenze anzuheben,

    ist genauso wundergläubig wie die Illusion, das Problem in Europa ließe sich lösen, in dem die EZB einfach unbegrenzt weiter Geld druckt.

    EZB Entscheidung
     
    Nun hat der EZB-Rat gegen die Stimme von Jens Weidmann beschlossen, unbegrenzt Staatsanleihen von Krisenstaaten aufzukaufen. Die Illusionisten und Illuminaten haben also einen weiteren Sieg in der Schlacht um Europa gewonnen.
     
    Die EZB druckt, und Deutschland haftet. Noch nur im Verhältnis ihres Anteils an der EZB, doch dass diejenigen Staaten noch mithaften, die sich jetzt den Geldsegen holen, ist illusorisch, und dass die strengen Auflagen für Krisenstaaten das halten, was die EZB jetzt noch verspricht, ist ebenso illusorisch. Bisher haben sich alle Stabilitätsanker des Währungskonstrukts EURO als vollkommen wirkungslos erwiesen. Stets gab es neue, alternativlose Notwendigkeiten, die einst als alternativlos angesehenen Regeln mit alternativlosen Vertrags- und Gesetzesbrüchen aus dem Weg zu räumen.
     
    Zugleich machen die strengen Auflagen, mit denen die Zahlungsfähigkeit der Krisenstaaten verbessert werden soll, während zugleich die Binnenwirtschaft zugunsten der Schimäre "Wettbewerbsfähigkeit" zugrunde gerichtet wird, den nächsten Schritt zur Diktatur in Europa möglich. Am Ende regiert die Troika.
     
    Zugegeben, das klingt besser als einst Maos "Viererbande", doch im rigorosen Vorgehen gegen alles, was noch eigene Interessen zu vertreten wagt, gibt es kaum einen Unterschied. Und dass der Widerstand nicht mit Waffengewalt gebrochen wird, dass kaum Blut fließt, ist wohl weniger dem Durchsetzungswillen der regierenden Umstürzler geschuldet, als der Duldsamkeit der domestizierten Europäer.
     
     
    Arbeitsplatzvernichtung
     
    18 Kalendertage ist die Neuauflage meiner Statistik zur Arbeitsplatzvernichtung in Deutschland erst alt, und schon hat sie dien 100.000er Marke überschritten und erreichte heute die Summe von 110.615.
     
    Besonders "schön" finde ich in diesem Zusammenhang den Beschluss, bei der Bundesagentur für Arbeit wegen des Rückgangs der Arbeitslosigkeit in den nächsten
    drei Jahren 17.000 Stellen zu streichen.
     
    Was uns fehlt
     
    Die Vorankündigung für Sigrid Herwigs Buch über den krankmachenden Mangel in unserer Gesellschaft, in dem sie individuelle und gesamtgesellschaftliche Defizite im Umgang mit unserem höchsten Gut, der Gesundheit, anspricht und Möglichkeiten aufzeigt, diese Mängel zu beheben, ist mit dem Crash dieser Seite von hier verschwunden. Sie findet sich aber in der Statistik zur Arbeitsplatzvernichtung noch einmal - und wenn Sie daran interessiert sind, führt Sie der folgende Link direkt dorthin.
     
     
    Die Handball-Helden
     
    Das ebenfalls neu erschienene Kinder- /Jugendbuch von Michaela Salewski-Renner wird inzwischen auch auf der Seite "handball.de" vorgestellt.
     
    Selbstverständlich erfährt man dort noch viel mehr über diese kommende Sportart.
     

    06. September 2012  

    (Der 4. und der fünfte September sind mir heute Abend (5.92012 - in der Hektik des mehrfachen Paukenschlag uploads verlorengegangen - ich hab die Startseite schlicht überschrieben und die Sicherunsgkopie gleich mit - daher nun der Rückfall auf den 3. September)


    3. September 2012

    07.00 Uhr Das Zuschussrenten-Süppchen

    Die drohende Altersarmut, frisch entdeckt von Frau von der Leyen, ist das Feuer, an dem sich so manches Süppchen kochen lässt.

    Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde mit den allerschönsten Worten die segensreichste aller Rentenreformen beschlossen, mit der die Senkung des Rentenniveaus von 51 % auf 43 % verkündet wurde. Rentenniveau heißt: Wer sein ganzes Leben lang gearbeitet hat, bekommt eine Rente, die - unter Berücksichtigung der durchschnittlichen - nicht der individuellen - Steuer- und Sozialversicherungslasten, noch jene 43 % des ehemaligen Netto-Einkommens ausmacht, die gesetzlich verankert sind.

    Als diese Rentenreform beschlossen wurde, konnte natürlich noch niemand wissen, dass daraus einst Altersarmut entstehen würde. Es ist ja sogar so, dass man sich gar nicht mehr an die Reform und die Reformer erinnert. Heute heißt es allenthalben, "weil das Rentenniveau sinkt", nicht etwa, "weil das Rentenniveau absichtlich gesenkt wurde".

    Das Rentenniveau sinkt, der Meeresspiegel steigt, da steht man einigermaßen fassungslos und daneben und überlegt krampfhaft, was nun zu tun sei.

    Das erste, was der amtierenden Bundesregierung, einschließlich der Ministerin für Arbeit und Soziales, dazu eingefallen ist, ist die Senkung des Beitragssatzes zur Rentenversicherung. Und die ist so unumstritten, dass sie in den Medien mangels öffentlichen Interesses praktisch unerwähnt bleibt.

    Man passt also schon mal das Rentenbeitragsaufkommen dem sinkenden Rentenniveau an, damit sich da bloß nicht irgendwo eine Differenz ergibt.

    Eine Differenz, die Begehrlichkeiten wecken könnte, die Altersrenten zu erhöhen, denn das würde ja schon wieder alle Berechnungen für die Altersarmut von 2030 über den Haufen werfen.

    Das zweite, was der amtierenden Bundesregierung und dem zuständigen Ministerium dazu eingefallen ist, ist die drohende Belastung der Staatskasse für die Aufstockung der Rentenbezüge der Altersarmen auf Sozialhilfe-Niveau.

    Das könnte viel Geld kosten, wenn man nichts ändert - und dieses viele Geld braucht man sehr viel dringender für die Rettung von Banken und altersarmen Staaten aus der Euro-Zone, sowie für die Verteidigung Deutschlands am Hindukusch und die Finanzierung von U-Booten für die Kriegsmarine befreundeter Staaten.

    Clever, wie die Niedersachsen nun mal sind, hat sich Frau von der Leyen da ein Konzept einfallen lassen, mit dem eine weitere Plünderung der Rentenkasse vertuscht werden kann.

    Die Grundsicherung im Alter wird schlicht umbenannt, und zwar in "Zuschussrente", und schon ist es möglich, die Hälfte der Mittel dafür aus der Rentenkasse abzuziehen, und die andere Hälfte wiederum als Zuschuss des Staates zur Rentenkasse zu bezeichnen, was sich immer gut macht.

    Es gibt den Rentnern ein gewisses Schuldgefühl, nämlich gar nicht so viel geleistet zu haben, wie sie nun an Rente bekommen, denn sonst müsste der Staat ja keinen Zuschuss leisten. Dass der Staat in die Rentenkasse nur das hineinsteckt, was er auf der anderen Seite als "versicherungsfremde Leistung" herauszieht, und dass er meistens mehr herauszieht, als er hineinsteckt, das muss ja nicht jedem auf die Nase gebunden werden.

    Und weil der Beitrag des Staates zur Grundsicherung im Alter nun keine staatliche Leistung mehr ist, auf die jeder den gleichen Anspruch hat, sondern eine Rente aus der Rentenversicherung, kann man den Anspruch nun auch noch an Bedingungen knüpfen. 35 Jahre lang Beitragszahlung, ist so eine Voraussetzung und 45 Versicherungsjahre (einschließlich beitragsfreier Zeiten).

    Frau von der Leyen verpackt diese kaum erfüllbaren Bedingungen in die herzzerreißend gütige Formel: "Wer sein Leben lang alles richtig gemacht hat, der soll am Ende nicht in Armut fallen".

    Und dann gibt es noch ein Bonbon gratis dazu. Wer es noch richtiger gemacht hat, nämlich fleißig in die skandalumwitterte Riester-Rente eingezahlt hat, dem wird schon jetzt zugesagt, dass die Bezüge aus der Riester-Rente NICHT, man höre und staune! NICHT auf die Zuschussrente angerechnet werden sollen.

    Das ist der Vorteil gegenüber der Grundsicherung im Alter. Da wird alles angerechnet, da kann man es mit der Riesterei noch so richtig gemacht haben, am Ende gehört's dann doch wieder dem Staat.

    Und dann heult - sekundierend - die FDP auf, die Freude über die Senkung des Beitragssatzes im Interesse der Wirtschaft geschickt verbergend, und will die Gerechtigkeit retten: "Wer mehr eingezahlt hat, soll auch mehr bekommen".

    Mit diesem Sperrfeuer aus den eigenen Reihen, durch das die Ministerin mit wehendem blondem Haar furchtlos wie die Jungfrau von Orleans ihrem Sieg entgegenschreitet, wird die Groteske "Zuschussrente" erst noch zur wahren sozialpolitischen Großtat hochstilisiert - und alle zukünftig Altersarmen dürfen sich bei der demnächst anstehenden Bundestagswahl in die Schar jener einreihen, die sich ihre Arbeits- und Sozialministerin selber wählen.

    Was noch kommen wird, wenn die Zuschussrente erst mal installiert ist?

    Ja, dann hält man wieder das Abstandsgebot hoch.

    Wer für seine Lebensleistung eine Rente bezieht, muss mehr haben, als derjenige, der es nicht geschafft hat, die Anspruchsvoraussetzungen zu erfüllen. Und das heißt dann nicht etwa "Rentenerhöhung" sondern Kürzung bzw. Nichtanpassung der Grundsicherung.

    Ein sauberes Konzept.

    Solide gegenfinanziert aus der Rentenkasse, trotz Senkung des Beitragssatzes.

    Und der Trost: Es trifft ja nur die Armen.


    2. September 2012

    Manuelas Bild vom Sonntag


    11.30 Uhr Die Aufsichtsrätinnen-Quote

    Die Gender-Mania treibt eine neue Blüte. Frauen heißen fortan - und solange sie es sind - "das unterrepräsentierte Geschlecht" und sollen, so Viviane Reding, künftig per Gesetz in allen EU-Mitgliedsstaaten 40% aller Aufsichtsratssitze der börsennotierten Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern einnehmen. Bei Zuwiderhandlung drohen Strafen und Diskriminierung der Unternehmen.

    Als ich das heute morgen las, und es mich so sehr aufregte, dass ich den Entschluss fasste, an diesem Sonntag ausnahmsweise einen Tageskommentar zu schreiben, statt mich auf die Suche nach einem Motiv für das Bild vom Sonntag zu machen, fragte mein innerer Zensor hartnäckig nach,

    ob ich denn was gegen Frauen hätte.

    Nein, antwortete ich wahrheitsgemäß. Ich hab überhaupt nichts gegen Frauen. Ich mag Frauen. Ich bin gern mit Frauen zusammen, diskutiere mit Frauen, schreibe haufenweise Mails an Frauen, freue mich, wenn Frauen meine Artikel lesen und ich hab überhaupt nichts dagegen, wenn Frauen Führungspositionen innehaben.

    Ob ich denn dann vielleicht was gegen Gleichberechtigung hätte, fragte der kleine Gedankenwächter weiter.

    Nein, antwortete ich mir wahrheitsgemäß. Ich bin ganz und gar für Gleichberechtigung. Warum sollte eine Frau nicht dürfen, was ein Mann darf? Warum sollte eine Frau nicht das verwirklichen dürfen, was als tiefer innerer Wunsch in ihr gewachsen ist. Ich begrüße es, wenn Frauen Naturwissenschaften studieren, ich begrüße es, wenn Frauen in die Politik gehen, ich begrüße es, wenn Frauen Unternehmen leiten oder an verantwortlicher Position Entscheidungen treffen. Und natürlich freue ich mich, dass die meisten alten Vorurteile längst überwunden sind, dass Frauen das Wahlrecht heute ganz selbstverständlich ausüben, dass in der Ehe der Mann nicht mehr automatisch der "Herr" der Frau ist, ich freue mich, dass Frauen, wenn sie es denn so entschieden haben, gegen den Willen einer Riege verbiesterter alter Männer eine unerwünschte Befruchtung korrigieren lassen können, und vieles, vieles, mehr - ich würde es sogar begrüßen, wenn Frauen Papst werden könnten, oder hohe geistliche Führer im Islam.

    Ob ich mich denn in meiner stolzen Männlichkeit, meinem Macho-Feeling, beeinträchtigt sähe, wenn mehr und mehr Frauen mitbestimmen würden, wo es auf dieser Welt langgehen soll?

    Nein, antwortete ich wahrheitsgemäß. Nein, ich hab da keine Schwierigkeiten, wer auch immer einen Platz ausfüllt, und zwar so, dass ich mich mit dem Ergebnis einverstanden fühlen kann, der hat meine Zustimmung. Und wer vorneweg marschiert und in meinen Augen die falsche Richtung einschlägt, der wird meine Kritik zu hören bekommen. Da mach ich keinen Unterschied zwischen Angela und Gerhard, zwischen Christine und Horst, zwischen Anette und Philipp.

    Und dann kommt doch dieser hinterhältige kleine Zensor, und stellt die Frage, mit der er meinte, mich zum Schweigen bringen zu können:

    Wenn das alles wahr ist, was Du da von Dir gibst, wenn Du nichts gegen Frauen hast und nichts gegen Gleichberechtigung und auch der Macho in Dir nicht beleidigt ist, dann gibt es doch keinen Grund, Dich so aufzuregen, wenn Viviane dem unterrepräsentierten Geschlecht zu mehr Einfluss verhelfen will - was also regt Dich auf?

    Und da brach es aus mir heraus:

    Das kann ich Dir ganz genau sagen, Du meine liebe Schere im Gehirn! Du Wächter über eine verlogene Political Correctness, Du Anwalt des Mainstreams und der Meinungsmache.

    Was mich aufregt, das ist diese vermaledeite "Kommission Allmächtig", das sind diese Figuren, die sich ein Parlament halten, das nichts zu sagen hat, die sich über den Willen der Völker, die sie beherrschen, nach Belieben, ja nach Lust und Laune hinwegsetzen, deren Denken und Handeln mit Demokratie gerade noch so viel zu tun hat, wie der Apfel mit dem Pferd, das ihn fallen ließ.

    Das regt mich auf. Das regt mich wahnsinnig auf.

    Was kommt denn als Nächstes?

    40% Farbige in den Aufsichtsräten, 40% Schwule und Lesben, 40% Transvestiten?

    Wie stark ist das unterrepräsentierte Geschlecht denn in der Kommission vertreten?

    Packt euch doch an der eigenen Nase, Pharisäer!

    Ein Drittel, keine 40%, der 27 Kommissare. Und wofür sind die neun Inhaberinnen des unterrepräsentierten Geschlechts zuständig?

    Für die großen Themen der EU?

    • Präsident, Herr Allmächtig Barroso,
    • Wirtschaft und Währung, Herr Rehn,
    • Steuern und Zollunion, Herr Semeta,
    • Binnenmarkt und Dienstleistungen, Herr Barnier,
    • Handel, Herr De Gucht,
    • Finanzplanung und Haushalt, Herr Lewandowski,
    • Energie, Herr Öttinger,
    • Landwirtschaft, Herr Ciolos,
    und
    • eine einzige Frau, die als gesamteuropäischer "de Maiziere" für die Abwehr von Aufständen und Protesten zuständig, das "Innere" verantwortet, Cecilia Malmström.
    Die übrigen Angehörigen des unterrepräsentierten Geschlechts dürfen sich mit den Peanuts beschäftigen, mit dem, was die EU sonst noch in den Vertrag von Lissabon geschrieben hat, damit es wie eine Verfassung aussieht. Da gibt es
    • die "wirkungslose" Catherine Ashton,
    • die "Gender-Mainstream-Verfechterin" Viviane Reding,
    • die "Digitale-Agenda" Neelie Kroes,
    • die "europäische Schavan", als doppeltes Lottchen aus Androulla Vassiliou und Máire Geoghegan-Quinn,
    • die "maritime Dame" Maria Damanaki,
    • die "Krisenschefin" Kristalina Georgieva,
    • die "Klimaretterin per Glühbirnenverbot" Connie Hedegaard

    Und wer glaubt, in den Aufsichtsräten wird es anders aussehen, wenn die Quote erst mal durch ist, der irrt sich.

    Wofür haben wir in Deutschland z. B. die Mitbestimmung? Da werden die Arbeitnehmervertretungen, die Mit-Vorreiter des Gender-Mainstreaming, ihre Frauen mit Begeisterung in die Aufsichtsräte entsenden, und weil sie nur die offiziellen Informationen erhalten, und nicht in die Netzwerke aus Großaktionären, Banken und Vorständen eingebunden sind, werden sie brav nach Aktenlage entscheiden, so wie es ihnen vorgeschlagen wird.

    Es gibt Unterschiede zwischen Männern und Frauen, die weit über das hinausgehen, was an äußerlichem Zierrat durch unterschiedliche Ausstattung mit Fortpflanzungsorganen zu erkennen ist.

    Menschen sind nicht Neutrum + Penis und Barthaar
    oder Neutrum + Vagina und Busen.

    Mediziner, Psychologen, Hirnforscher, Soziologen, sogar die Wahlkampfstrategen der Parteien wissen ganz genau, wo und wie Männer und Frauen unterschiedlich ticken.

    Dass Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert sind, liegt nicht daran, dass sie von Männern gezielt und mit aller Macht niedergehalten und unterdrückt werden.

    Es liegt daran, dass Frauen anders fühlen, anders denken, anders handeln. Dass sie grundsätzlich andere Träume, Wünsche und Ziele verfolgen, dass ihnen Machtausübung nichts bedeutet, dass sie Frauen sind - und sein wollen.

    Und dass es Ausnahmen gibt, das ist offensichtlich, so wie es unter den Männern Ausnahmen gibt. Dass es Frauen gibt, die Unternehmen gegründet und erfolgreich geführt haben, dass es Frauen gibt, vor denen sich jeder Konkurrent in Acht nehmen muss, das es Frauen gibt, die als Politikerinnen alles wegbeißen, was sich ihnen in den Weg stellt, das alles ist offenkundig - und die Namensliste reicht in Deutschland von Merkel und von der Leyen über Nahles und Künast bis zu Springer, Mohn und Schwarzer.

    Doch es ist blanker Unsinn, aus diesen Ausnahmen eine neue Gesellschaftsordnung ableiten zu wollen. Und es ist ein Zeichen äußerster Einfalt - oder ein Zeichen äußerster krimineller Energie - die Unterschiede zwischen Mann und Frau in der öffentlichen Wahrnehmung, im gesamten Leben, auf nichts als die Zeugungsorgane reduzieren zu wollen.

    Damit wird den Menschen ein Teil der Persönlichkeit geraubt - Männern, wie Frauen. Die erzwungene "Gleichheit", statt einer gelebten Gleichberechtigung in aller existierenden Vielfalt, das ist Persönlichkeitsraub. Es ist Folter. Es ist ein Schritt auf dem Weg, die Menschen schlicht zu Nummern zu machen, zu austauschbaren Nummern, so wie man Gefangenen, ob im KZ oder in Guantanamo als erstes ihren Namen nimmt und ihnen damit die Identität, das Selbstbewusstsein, die Persönlichkeit zerstört.

    Es hört sich gut an, es ist ja lange genug darauf hingepredigt worden, was Viviane Reding jetzt zum Gesetz machen will. Doch es geht längst nicht mehr um Gleichberechtigung, liebe - gottseidank emanzipierte - Frauen.

    Jetzt geht es um Gleichmacherei - und dagegen sollten wir uns alle zur Wehr setzen, bevor wir wirklich nur noch Nummern im großen EU-Zentralcomputer sind.


    ... und noch ein Bild vom Sonntag
     
     

     
    Und dieses Bild widme ich,
    passend zu deinem heutigen Sonntags-Kommentar
    den Frauen.
     
    Den Frauen, die gerne eine Frau sind.
    Den Frauen, die es genießen, eine Frau zu sein.
    Den Frauen, die es genießen, als Frau auf diese Welt gekommen zu sein.
    Den Frauen, die es genießen, ihre Weiblichkeit zu erleben und zu leben.
     
    Dieses Bild widme ich allen Frauen, die wirklich Frauen sind.
     
    Herzliche Grüße und einen entspannten Sonntag
    wünscht Manuela
     
    .

        Und Laura Liehn hat geschrieben:

        Dein Kommentar ist sehr, sehr gut...
        Ich sehe es auch so.

        Ich bin lieber Frau. Bin in vielen Beziehungen weicher, manchmal da, wo man es nicht sein darf, im Geschäftsleben. Männer gehen auch eher über Leichen, Frauen haben zu viel Gefühl, Männer sind da eher skrupellos ....

        und ;-)) : Definitiv stehen Frauen High Heels besser als Männern.

        Ein Unternehmen zur Frauenquote zu zwingen, das will kaum einer, nicht mal eine Frau.

        Da würde ich sogar denken, der hat mich jetzt eingestellt, weil er die Quote einhalten muss. Das ist auch kein gutes Gefühl, und das wird sicher auch kaum eine Frau wollen!

        (Es sei denn, sie ist bescheuert.)

        Aber es gibt auch etwas, was mich beim Unterschied zwischen Mann und Frau ärgert, und das ist der Verdienst.

        Obwohl in Deutschland die Frau die gleiche Leistung wie der Mann erbringt, verdient dennoch die Frau immer viel, viel weniger. Ich glaube, dies ist ein Punkt, der diskutiert werden muss, nicht die Quote!!!

        Dies ist ein Punkt, da könnte ich die Wände hochsteigen :-)))

        lg laura



    Und ein Mann hat geschrieben:
     
    Danke.
     
    Danke, für Deinen Sonntagskommentar, danke für die freundliche Art in der Du ihn ausgedrückt hast. Danke für all das, wozu ich nicht fähig gewesen wäre.
     
    Im Medienbereich zeichnet sich schon lange ein Trend ab: 70% oder 80% aller meinungsmachenden Redakteure sind Frauen. Frauen, von denen viele komplett unfähig sind, einen Film zu gestalten. Frauen die vollkommen unfähig sind, ein Programm aufzubauen. Frauen die nur an der Position sind, weil sie von anderen Frauen in diese Position gehievt wurden - ohne Sinn und Verstand, ohne jede Rücksicht auf fachliche Kompetenz.

    Ich habe ebenfalls nichts gegen Frauen. Ich stimme ebenfalls zu, dass es Frauen gibt, die auch in technischen Berufen super sind und Leistungen erzielen, vor denen Mann den Hut ziehen sollte.

    Aber sie sind außergewöhnlich. Sie sind nicht alltäglich überall zu finden, und nur weil eine Frau sich durch sekundäre Geschlechtsmerkmale unterscheidet, ist sie noch lange nichts Besseres.

    Sehe ich eine Regisseurin wie Ellie Gabrielle Kriesch, lieg ich am Boden vor Ehrfurcht.
    Denn diese Frau ist unglaublich fähig, ihre Dokumentationen übertreffen alles an Stil, Eleganz und Eindruck, was ich je gesehen habe - eine Frau die weit bessere Dokumentationen macht, als ich es könnte.

    Aber kann jede Frau deshalb eine Ellie Kriesch sein?

    Ich werde inzwischen als Mann unterdrückt und als Handelsware zweiter Klasse gesehen. Wo sind die Männerparkplätze? Wo die Männerquoten (beim Fernsehen mal sicher nicht), wo noch Frauen, die auch als solche bezeichnet werden dürfen, unabhängig ihrer meist leidenschafts- und emotionslos getragenen sekundären Geschlechtsmerkmale?
     
    Ich sehe - trotz meines Alters - nicht mal so schlecht aus, bin geistig und körperlich halbwegs ordentlich ausgestattet - wieso weigere ich mich seit 2005 eine Beziehung einzugehen?
     
    Weil ich keine Frau mehr finde.
     
    Ich finde emotionslose Roboter, die "Karriere" in den Augen stehen haben. Und wenn ich in diese Augen sehe, blicke ich viel zu oft in einen Abgrund an Zwang, an Unselbstständigkeit, an "ich muß doch als Frau meinen Mann stehen oder nicht?"
     
    Aber wenn ich einen Roboter will, kann ich auch eine andere Maschine nehmen.

    Ich weiß, du magst es nicht hören, aber bei uns älteren Hasen gibt es inzwischen einen Ausdruck - 5 Minuten nach Beginn einer Doku und ohne dass irgendwer der Anwesenden im Raum irgendwas über den Film weiß, kommt auf einmal irgendwoher ein hier nicht wiedergebbarer Spruch. Ein einziges Stichwort, und das meint: Voll am Thema vorbei.
     
    Egal, welche dramatische Thematik bearbeitet wird, strotzt der Film vor sinnlosen (aber schönen) Naturaufnahmen. Als Interviewpartner nur Frauen zugelassen, die nur frauliche Aspekte eines Themas beleuchten. Eine komplett sinnlose Dokumentation ohne Gehalt, ohne Nährwert - die bringen es fertig, eine Dokumentation über den Trojanischen Krieg zu machen - und nach 45 Minuten weiß man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wie sich wohl die zurückbleibenden Frauen gefühlt haben oder sowas in der Art. Nur über den Trojanischen Krieg, über die Mythen, über die griechische Antike - über die hat man kein Wort gehört, kein Bild gesehen.
     
    Sinnlos, aber sicher schöne Musik.

    Und wen man sich bis zu den Endtiteln durchkämpft, liest man, dass man Recht hatte. Doch wer durfte den Karren aus dem Dreck ziehen? Wer wurde als Kameramann genannt? Wer hat wenigstens mit guten Bildern die verfahrene Doku halbwegs so gerettet, dass sie durch die Abnahme ging? Ein Mann.

    Daraus läßt sich wenig ableiten - sicher nicht die Überlegenheit des Mannes gegenüber der Frau, aber sicher die Überlegenheit mancher Gefühlswelten gegenüber anderen in verschiedenen Situationen.
     
    Und auf diese sollte die Menschheit noch achten - diese verschiedenen Situationen, in denen sich naturgemäß das eine Geschlecht besser bewährt als das andere, weil eben Männer und Frauen für die jeweilige Situation besser ausgestattet sind.
     
    Und davon ausgehend, sollte man es umso mehr respektieren, wenn Angehörige dieser Geschlechter die Fähigkeit haben, in die andere Domäne vorzudringen und Leistungen zu erzielen, dass man nur noch blaß wird.

    Wie eine Ellie Gabrielle Kriesch im Film,
    wie ein alleinerziehender Vater,
    wie....

     


    1. September 2012

    11.45 Uhr Legasthenie

    Es gibt Kinder, die bringen sich das Lesen lange vor der Einschulung selbst bei, einfach aus Neugier - und voller Ausdauer.

    Es gibt Kinder, die halten Lesen und Schreiben für etwas ganz Tolles und freuen sich darauf, endlich in die Schule zu kommen, weil sie es da lernen werden.

    Es gibt Kinder, die werden mit der Schrift konfrontiert und sollen Lesen und Schreiben lernen, bevor sie selbst Interesse daran haben, bevor sie begriffen haben, dass Buchstaben Symbole sind, die für Laute stehen, dass Worte Symbole sind, für Dinge, Tätigkeiten, Beziehungen und bevor sie begriffen haben, dass geschriebene und gedruckte Worte und Sätze nichts anderes sind, als die Möglichkeit, Gedanken aufzubewahren und wieder zugänglich zu machen.

    Wo das Interesse am Lernen fehlt, wird nicht begriffen, sondern nur eingeprägt, unverstandenes Einprägen führt fast zwangsläufig zu Fehlern, und diese eingeprägten Fehler treten dann relativ schnell als "Lese- und Schreibschwäche" wieder zutage. Da kann nicht mehr unterschieden werden, zwischen d und b, es werden ganze Worte schlicht unleserlich, obwohl die einzelnen Buchstaben beherrscht werden. Dem Schüler werden Fehler angestrichen, er wird nicht gelobt, sondern getadelt, man zwingt ihn, sich immer mehr und immer länger mit dem Stoff zu beschäftigen - und die Abneigung gegen alles Geschriebene wächst.

    Es gibt viele Erklärungsansätze dafür, manche behaupten sogar, es handle sich um einen genetischen Defekt, und erteilen den Betroffenen damit Generalabsolution, während auf der anderen Seite diejenigen stehen, die bloße Faulheit dahinter vermuten, und schlimmstenfalls abgrundtiefe Dummheit. Noch andere fahnden nach Anzeichen für das Zappelphilipp-Syndrom und hoffen, das Kind mit Psychopharmaka heilen zu können.

    Manuela Engl, die als Lehrerin und in vielen ehrenamtlichen Engagements immer wieder auch mit Kindern zusammengekommen ist, die als Legastheniker gebrandmarkt sind, hat schon vielen helfen können, sogar Erwachsenen, ihr Lese- und Schreibvermögen zu verbessern.

    Ein Teil ihres Erfolges beruht darauf, dass sie stets versucht, Texte so anzubieten, dass jeder einzelne Gedanke, jede einzelne Aussage innerhalb eines Textes auch
    für sich steht, vom Auge als "Einheit" erfasst, und vom Gehirn als "Einheit" verarbeitet werden kann.

    Ja, das gibt viele Absätze, kostet vielleicht auch etwas mehr Papier - doch es hilft.

    Außerdem hat sie erkannt, dass Texte dann als weniger "bedrohlich" wahrgenommen werden, wenn sie von einem Rahmen umfasst werden. Alleine die unbewusst wahrgenommene Möglichkeit, sich in diesen Rahmen begeben zu können - und ihn auch wieder verlassen zu können, falls es dort ungemütlich wird, erleichtert die Annäherung an einen Text, so wie der Zaun im Zoo die Annäherung an wilde Tiere ermöglicht. Der Rahmen gibt Sicherheit - und wenn er schön gestaltet ist, hilft er sogar, über einen "meditativen Effekt" in einen Zustand besonders guter Aufnahmefähigkeit zu geraten.

    Als ich vorgestern das neue Buch "Die Handball-Helden - Handball ist der HIT" per Newsletter vorstellte, hat Manuela den Text der dort enthaltenen Leseprobe in eine andere Form gebracht, in eine Form, von der sie weiß, dass der Text von Kindern mit Leseschwäche damit sehr viel leichter gelesen und verstanden werden kann.

    Und daraus sind dann zwei Druckversionen entstanden, eine farbige, mit einem schönen bunten Rahmen, und eine einfarbige, mit reduziertem Kontrast (auch das macht manchen das Lesen leichter!) und einem einfachen geraden Rand.

    Beide stelle ich heute online, weil ich mir durchaus vorstellen kann, damit jemanden zu erreichen, für den Manuelas Arbeit einen Nutzen hat.

    Wenn Sie selbst mit einem Kind damit arbeiten wollen,
    gehen Sie bitte behutsam vor.

    Am besten, das Kind entdeckt den Ausdruck selbst, freut sich am schön gestalteten Blatt und wenn Sie dann sagen: "Das ist der Anfang eines neuen Kinderbuches, soll ich Dir mal vorlesen?", und Sie - falls ein "Ja" kommt, dann sagen: "Dann setzt Dich neben mich, da kannst Du gleich mitlesen. Es ist sehr schön geschrieben", ja dann kann es sein, dass Sie ein kleines Wunder erleben ...

     


     "Mein Neffe hat's nicht so mit dem Lesen.

    Ich glaube, er hat noch nie
    ein Buch ganz durchgelesen.


    Doch den Traumwandler, von Jennifer Weigel,
    den hat er geradezu verschlungen"

    Das habe ich vor ein paar Tagen wörtlich so gehört,
    und es hat mich sehr gefreut.

    Kann es eine schönere Werbung für ein Kinder- und Jugendbuch geben, als das Staunen über die damit plötzlich erwachte Leselust?

    Gerade jetzt,

    wo überall die Schule wieder beginnt,
    ist ein solcher "Leseanreiz"

    doch ein willkommenes Geschenk.

     

    Hier erfahren Sie mehr.


    31. August 2012

    11.00 Uhr Gerade noch im Sommerloch - Republik Freies Bayern 

    Ein Buch hat er geschrieben, der Scharnagl, Wilfried. Ein Buch über Bayern.
    Über ein Bayern, das es auch alleine kann. Ohne Berlin, ohne Bundesrepublik, ohne Europa, ohne den Euro.

    Und vorgestellt hat er sein Buch in Berlin, sekundiert von Peter Gauweiler.

    Ich frage mich: Ist das noch Sommerloch oder schon der Beginn einer neuen Sezessionsidee, mitten in Europa?

    Ja, die Bayern haben schon immer mal mit Abspaltung gedroht, mehr in bierseliger Kraftmeierei - haben aber bisher noch nicht einmal gewagt, die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU aufzukündigen, eine Idee, mit der Franz Josef Strauss in Wildbad Kreuth vor 36 Jahren höchste Aufmerksamkeit erregte.

    Doch da ging es immer nur um Politik.

    Jetzt geht es um Geld.

    Es geht um Geld, das die Bayern Jahr für Jahr im Länderfinanzausgleich davonschwimmen sehen, und um noch sehr, sehr viel mehr Geld, das sie im Rahmen der Euro-Rettung davonschwimmen sehen, und zwar nicht nur zu den doch immer noch irgendwie "Stammesverwandten" in deutschen Landen, sondern weit darüber hinaus.

    Das fügt sich nahtlos an das Mosaiksteinchen an, das Dobrindt jüngst gelegt hat, als er den Austritt Griechenlands aus dem Euro forderte.

    Jetzt geht es um Geld. Und das hebt die von Scharnagl vorgetragene These, Bayern könne es auch alleine, aus dem üblichen bayerischen Selbstverständnis heraus. Hier wird ein winzig kleines Flämmchen an eine Lunte gehalten, die aus einem gigantischen, Billionen-Euro schweren Pulverfass ragt.

    Noch hält Seehofer "den Schritt zur Unabhängigkeit für nicht gangbar". Doch so formuliert ist das alles andere als ein Zurückpfeifen.

    Achten wir auf Bayern. Da gärt was.


    Die Handball-Helden kommen

     


    30. August 2012

    11.30 Uhr Merkel - Europa - China - USA 

    Frau Merkel nimmt in China die Parade der Ehrenformation ab. Heute im Fernsehen. Gut fürs Image der "mächtigsten" Frau der Welt.

    Doch da gibt es einen, dem sie irgendwie Leid tut, denn so schreibt er: "Da wird von den Amis eine Frau umgarnt und zur mächtigsten Frau der Welt erklärt, die in Europa, zwischen allen Stühlen sitzend, genauso hilflos ist wie die USA".

    Und das begründet er dann und beleuchtet die Hintergründe.

    Alexander Czernys Meinung - im heutigen Paukenschlag.


    29. August 2012

    19.00 Uhr Leistungsschutzrecht

    Die armen Zeitungsverleger. Nichts ahnend und arglos haben sie ihre Online-Ausgaben ins Internet gestellt, einer nach dem anderen. Und sie haben fest daran geglaubt, dass ihre treuen Leser selbstverständlich in der Browserzeile den Namen ihrer Lieblingszeitung eingeben und sich dann am Bildschirm so durch die Zeitung durcharbeiten, wie sie es in der Printausgabe auch tun, nur dass dabei halt kein teures Papier gebraucht wird.

    Und sie haben sich gefreut, über die hohen Besucherzahlen, hatten sich gar nicht vorstellen können, dass sie so beliebt sind, und sie haben sich gefreut über die vielen bezahlten Klicks auf die Werbung in ihren Online-Ausgaben, und alles war ein so ein schönes Geschäft.

    Doch dann auf einmal, klammheimlich, haben bitterböse Menschen neben ihre schönen Onlineausgaben eine Suchmaschine installiert - und die hat heimlich die Überschriften geklaut - und nach Stichworten sortiert wieder ausgegeben, an jeden, der nach einem Stichwort suchte, und nicht nur die Überschriften, auch noch die ersten Zeilen der journalistischen Leistung waren da auf einmal auch noch anderswo zu lesen, nicht nur in der eigenen Online-Ausgabe, und dann haben sie gemerkt, dass Google damit Geld verdient - und nun begannen sie gottsjämmerlich zu weinen und unser geliebtes Bundeskabinett erhörte ihr Weinen und beschert ihnen nun ein Leistungsschutzrecht.

    Zuhälterei kann man das nicht nennen, was die Bundesregierung da auf den Weg bringt, denn Zuhälter kassieren erst einmal ab, aber so was ähnliches ist es schon.

    Die Suchmaschinen waren im Internet, bevor die ersten deutschen Verlage ihre Zeitungen online gestellt haben -und es war ihr freier Wille sie online zu stellen und sie haben davon profitiert und profitieren weiter davon, dass es Suchmaschinen gibt, die ihre "Leistungen", die ja kostenlos ins Netz gestellt werden, so präsentieren, dass sie überhaupt jemand findet.

    Wer nicht will, dass seine Inhalte im Netz gefunden werden,

    der soll einfach nichts reinstellen.

     

    Alles andere ist irgendwas - bloß nicht vernünftig.

    Und was sagen die fraktionszwangsgeplagten Abgeordneten zumindest einer mitregierenden Partei dazu: Die sagen: Es gefällt uns nicht - und dann stimmen sie doch wieder dafür.

    Seltsam, dass es bei den Live-Übertragungen aus dem Bundestag immer so wirkt, als hätten alle einen aufrechten Gang.


    13.15 Uhr Wahllos Schrottanleihen kaufen - für die Preisstabilität? 

    Mario Draghi scheint sich daran erinnert zu haben, dass es die einzige finanzpolitische Aufgabe der EZB ist, die Inflation in einem engen Korridor um 2% jährlich zu halten.

    Dass dem so ist, und dass die EZB nicht zugleich auch andere Ziele (Außenwert, Konjunktur/Wachstum) zu verfolgen hat, habe ich gelegentlich kritisiert und kritisiere es auch weiter. Doch dass Draghi nun alles, was er tut, bzw. vorgibt tun zu wollen, zu Maßnahmen zur Erhaltung der Preisstabilität verklärt, halte ich für eine krasse Fehleinschätzung, wenn nicht gar bewusste Irreführung.

    Das Ziel ist doch nicht Preisstabilität, wenn die EZB sich dazu missbrauchen lässt, im Interesse gesamteuropäischer Machtfantasien, das Ausbrechen einzelner Staaten aus diesem gesamteuropäischen, undemokratischen Gefüge mit unbegrenzten Geldspritzen zu verhindern.

    Weder der Ankauf von bereits auf den Märkten gehandelten Staatsanleihen dient der Preissstabilität, in dem Wortsinne, in dem sie bitte auch weiterhin verstanden werden sollte, noch der Ankauf von frisch emittierten Papieren.

    Dass die EZB mit dieser Politik die Preise der Anleihen hoch hält, den Effektivzins also niedrig, das ist die eine Seite - hat aber nichts mit dem Auftrag der EZB zu tun, die Preisstabilität zu wahren.

    Auf der anderen Seite steht die berechtigte Frage: Wer hat den Nutzen davon?

    Alle Gläubiger,

    die künstlich gestützte Staatsanleihen in ihren Depots haben, können diese Papiere mit überhöhten Werten in die Bilanzen schreiben. Banken, die hier investiert haben, können weiter Gewinne schreiben und Dividenden ausschütten, das ist der eigentliche Nutzen dieser Aktionen, und das - ja, das lässt die Damen und Herren Märkte ruhig schlafen, jedoch ohne ihre Spekulationsgelüste einschlafen zu lassen.

    Zudem haben die gestützten Länder etwas davon.

    Könnte man jedenfalls in erster Näherung meinen, schließlich können sie ihre Neuemissionen zu etwas günstigeren Konditionen absetzen und leiden deshalb weniger unter der Zinslast.

    Doch, und das muss man auch betrachten:

    Sie leiden weiter unter der Zinslast!

    Diese bloße Linderung des Leidens, nicht die Heilung, müssen sie allerdings teuer bezahlen, wie die Wundersalbe vom Quacksalber, die bestenfalls Placebo ist, zumeist aber mehr schadet als nützt. Sie müssen sie mit forcierten Privatisierungen, mit Sozialabbau und Massenarbeitslosigkeit bezahlen, dafür, dass ihre Gläubiger weiter ruhig schlafen können.

    Auf den kürzesten Nenner gebracht, druckt die EZB mit dem Ankauf von Staatsanleihen doch nur das Geld, das die Gläubiger als Zinsen einstreichen, sowie das Geld, das in jeder Form von "Gewinn" aus den Schuldnerländern abgezogen wird.

    Dieses zusätzliche Geld, das das Vermögen der Gläubiger mehrt, trägt auch zusätzliche Zinsen, solange die gleichen Gläubiger damit auch selbst wieder Staatsanleihen kaufen, was sie ja wohl auch tun.

    Doch sie kaufen damit ja nicht nur Staatsanleihen, sie kaufen - nach dem Willen der EU und der EZB und des Internationalen Währungsfonds - auch die griechische Infrastruktur, sie kaufen Aktien und sie kaufen die Immobilienmärkte in Deutschland leer. Das Geld bleibt nicht in der Finanzsphäre. Und je mehr Geld von der EZB in den Markt geworfen wird, desto größer ist die sehr konkrete Gefahr, dass es inflationäre Wirkungen auch in der Realwirtschaft zeitigt.

    Natürlich wird keiner der deutschen Milliardäre auf dem Gemüsemarkt auftauchen und dort die Preise für Spargel versauen.

    Aber sie tauchen doch überall an den Terminmärkten auf und versauen die Preise für Lebensmittel weltweit, sie spekulieren in allen Rohstoffen, einschließlich der Primärenergieträger. Sie schmieden immer neue Großkonzerne mit oligopolistisch/monopolistischer Wirkung auf die Preisentwicklungen. Sie kaufen haufenweise ehemalige Sozialwohnungen auf und treiben die Mieten in die Höhe.

    Alles mit Geld, das das sie nicht einsetzen könnten, hätten die führenden Kräfte der EU nicht beschlossen, erst die Schulden der Banken und dann die Schulden ganzer Staaten per Neuverschuldung und Notenpresse zu übernehmen.

    Mario Draghi sagt: "Die Zentralbank muss in der Euro-Krise Stärke beweisen".

    Die Welt mit Geld zukleistern, das ist keine Stärke.

    Das kann, mit entsprechender technischer Ausrüstung auch jeder Falschmünzer.

    • Überzogenen Ansprüchen der Gläubiger die Stirn zu zeigen.
    • Die Gläubiger auf ihren Schrottpapieren sitzen lassen.
    • Die ganze Spekulation ins Leere laufen zu lassen.
    • Die für Handel und Wandel in Europa erforderliche Geldmenge der Realwirtschaft zur Verfügung zu stellen, zu erträglichen oder gar keinen Zinsen und die ganze Wucherer- und Spekulantenschar damit überflüssig zu machen,
    das wäre Stärke.
     

    Sehr gut passend dazu:

    Falschgeld - die Herrschaft des Nichts über die Wirklichkeit

    Samirah Kenawi

    hat den Begriff des Falschgeldes verwendet, bevor Herr Dobrindt von "Falschmünzern" sprach.

    Und - anders als Herr Dobrindt - hat sie das ausführlich und nachvollziebar begründet und erklärt.

    Taschenbuch, EWK-Verlag,
    ISBN 978-3-938175-49-1
    312 Seiten, geb. Ladenpreis 18,80 Euro

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    28. August 2012

    09.15 Uhr Schulanfang - und die Pharma-Branche freut sich 

    Denn nun gilt es, die Schar der Zappelphilippe, die während der Ferien ihr Medikament absetzen durften, wieder ruhig zu stellen.

    Das Mittel der Wahl dafür, und das ist kein Geheimnis, heißt Ritalin. Der Wirkstoff von Ritalin heißt Methylphenidat -und der ist, genau wie das chemisch ganz nah verwandte Kokain, Gegenstand des Betäubungsmittelgesetzes.

    Dass die Verordnung von Methylphenidat-haltigen Arzneimitteln an strengste Auflagen gebunden ist, dass es nur als das letzte Mittel eingesetzt werden darf, wenn alle anderen Therapieformen versagt haben, und vor allem auch nur dann, wenn die Diagnose "Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom" oder "Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom" zweifelsfrei gestellt ist, gehört zu jenen Geheimnissen, von denen die meisten Eltern, die nach der zweifelhaften Empfehlung von Lehrern und Kinderbetreuern, es doch mit Ritalin zu versuchen, beim Arztbesuch nichts mitbekommen.

    Die ständig steigenden Umsatzzahlen der Pharma-Industrie, die diesen Wirkstoff, auch unter anderen Medikamenten-Namen, vermarktet, sprechen eine deutliche Sprache.

    Nun ist es - allen warnenden Stimmen zum Trotz - dahin gekommen, dass Methylphenidat, das bisher unter einer strikten Altersbegrenzung stand und nur für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit nachgewiesenem ADS/ADHS eingesetzt werden durfte, auch für Erwachsene freizugeben. Unter wieder einem anderen Namen, aber mit der gleichen "betäubenden" Wirkung - und mit allen gefährlichen Nebenwirkungen und mit dem gleichen Suchtpotential.

    Und da lese ich heute in der WELT-online einen Artikel, wie ihn die Werbeagentur eines Pharma-Unternehmens nicht schöner hätte schreiben können.

    Man habe festgestellt, dass auch Erwachsene unter ADHS leiden, es werden Symptome aufgezählt, die fast jeder schon an sich beobachtet hat - und das, was wir bislang als Stress und Überlastung bezeichnet haben, und was es in den meisten Fällen ja auch ist, was von alleine vergeht, wenn Stress und Überlastung abgebaut werden, wenn der Mensch Mensch sein kann und nicht nur Tag und Nacht funktionieren muss, wird in den Status einer Krankheit erhoben, die - oh Wunder - behandelt werden kann. Mit einem Mix aus "Therapie?", Beratung und Medikamenten.

    Und es wird gewarnt. Es wird ausgerechnet vor Drogenabhängigkeit gewarnt, in die Erwachsene so leicht verfallen können, wenn sie versuchen, ihre stressbedingte
    Unruhe zu betäuben.

    Natürlich fällt in diesem Zusammenhang weder der Name von Medikamenten noch der Name des Wirkstoffes, der statt Kokain - das ja noch verboten ist - als legale Droge mit vergleichbarer Wirkung verordnet werden soll.

    Damit dürfen sich die Ärzte dann auseinandersetzen, bei denen ab heute die WELT-Leser die Türen einrennen, um sich jenen leistungssteigernden und Prüfungsangst mindernden Mix aus Therapie, Beratung und Medikamenten verordnen zu lassen. Ärzte, die sich damit auskennen, gibt es aber, so steht es auch in diesem Artikel, viel zu wenige. Und was tut ein Arzt, der sich nicht auskennt, im Zweifelsfall, bevor er den Patienten verliert?

    Er verschreibt ein zugelassenes Medikament, über dessen segensreiche Wirkungen er vom Pharmavertreter umfassend informiert wurde.

    Lassen Sie sich nicht zum Zombie machen!

    Hier erst ein Link auf einen Aufsatz aus dem letzten Jahr, in dem ich mich Ritalin & Co. ausführlich auseinandergesetzt habe, und dann auf den Artikel in der WELT

    Und hier die erste Leserzuschrift zum Thema:
    Guten Tag Herr Kreutzer
    mit beständigem Interesse verfolge ich Ihre Artikel. Zu Ihrem Kommentar über den WELT Artikel möchte ich hinweisen, dass inzwischen zum Phänomen des "Nocebo-Effekts" in der Medizin sehr breit geforscht wird. Die Wirkung ist analog zum Placebo-Effekt, aber negativ. Mit dem steigenden Angebot an Informationen, ob Zeitung (z.B. der von Ihnen gelinkte WELT Artikel) oder "Dr. Google" spielt der Nocebo Effekt eine immer bedeutendere klinische Rolle. Schmankerl dabei ist, dass Google die Trefferliste natürlich nach öknomischen Prinzipien gewichtet, genauso wie ein Zeitungsartikel mit medizinischem Kontext oftmals gesponsert ist.
    So wird Information und Bedarfsweckung gleichermassen bedient.
    Hier ein Beitrag im Deutschlandradio zum Thema: http://www.dradio.de/dlf/sendungen/wib/1137260/
     
    Beste Grüsse
    Matthias L.

     

     
    Nocebo-Effekt (Wikipedia, Auszug):
    Der Nocebo-Effekt – oft auch als negativer Placebo-Effekt bezeichnet – beruht, wie auch der Placebo-Effekt, unter anderem auf einer bestimmten Erwartungshaltung. Die Erwartungshaltung kann demnach auch unbewusst sein und auf Lernmechanismen wie z. B. Konditionierungen beruhen. So kann beim Patienten die Befürchtung aufgebaut werden, dass bestimmte äußere Einwirkungen „krank machen“.[1] Diese Personen erkranken dann auch tatsächlich, beziehungsweise es können die entsprechenden Symptome bei ihnen beobachtet und auch gemessen werden. Einem anderen gängigen Erklärungsmodell zufolge handelt es sich dabei um eine negative selbsterfüllende Prophezeiung (self-fulfilling prophecy). Zu Auslösern oder Verstärkern gehören u. a. (Fehl-)Diagnosen von Ärzten oder ausführliche Erläuterungen zu möglichen Nebenwirkungen (z. B. bei wissenschaftlichen Studien).

     


    27. August 2012

    12.30 Uhr Patent auf Platt

    Daagbook-Notizen vun Marlou

    26.8.12 ...Ganz Patent!

    Wenn wi seggt, dat een en "ganz patenten Keerl" is, denn meent wi, dat he nich op'n Kopp fulln is, dat he orrig wat an Plie afkregen hett. De ganz patenten Lü vun hüüt hebbt — Patente. Vun de Greken köönt wi dat t.B. nich seggen. Harrn de ok bloots en Minimum an Plie hatt, dennso harrn se ok Patente. Un bruken nienich wedder üm Geld to bedeln. Se kunnen dat feddern — inklagen. Op wat harrn de Greken sik nich allns Patente sekern kunnt! Wat hebbt se nich allns erfunnen! Demokratie — avers ok Tyrannis. Drama — avers ok Geometrie. Philosophie — un Atome! Vun allns un jedeenen kunnen se Patentgebühren kasseern. Nich bloots vun de Diskus-Smieters — vun ganz Olympia. Patente op Symmetrie un rechtwinklige Dreekanten! Op dat Gymnasium un de Akademie! Ok de russschen Oligarchen müssen för ehr Beteknen an de Greken blechen. Un eerst de Architektur! Alleen dat Woort! Harrn se sik man bloots de dorischen Sülen patenteern laten! — Tja, de Greken sünd even en Fall sünner Höpen.

    Avers de allerpatentesten Lü hebbt ja Patente op Saken, de se gor nich erfunnen hebbt. Google un Samsung hebbt sik al siet Johren in de Hoor över ehr Patente — Google hett momentan de Bavenhand, man alltohoop is dat as King Kong gegen Godzilla, un wi Minschen kiekt genüsslich to, wa sik de Supergigantenmonster terfleescht. Google is avers de Patenteste. De hebbt sik "dat Design" vun ehr Smartphones patenteern laten, dat Rechteck mit runde Ecken, ofschoonst dat gor nich vun ehr is! Hier bewiest dat Egon W. Kreutzer

    Für Flachländer übersetzt:

    Wenn wir sagen, dass einer ein "ganz patenter Kerl" ist, dann wollen wir damit sagen, dass er nicht auf den Kopf gefallen ist, sondern ganz schön was im Köpfchen hat. Die ganz patenten Leute von heute haben - Patente. Von den Griechen können wir das zum Beispiel nicht sagen. Hätten die bloß ein Minimum an Verstand, dann hätten sie auch Patente, und bräuchten nie und nimmer um Geld betteln. Sie könnten es fordern, ja einklagen.

    Auf was die Griechen sich nicht alles Patente sichern könnten! Was haben sie nicht alles erfunden! Demokratie - aber auch Tyrannei. Das Drama, aber auch die Geometrie. Die Philosophie und die Atome. Von allen und jedem könnten sie Patentgebühren kassieren. Nicht bloß von den Diskuswerfern - von ganz Olympia. Patente auf Symmetrie und rechtwinklige Dreiecke! Auf das Gymnasium und die Akademie. Selbst die russischen Oligarchen müssen für diese, ihre Bezeichnung an die Griechen blechen. Und erst die Architektur! Allein das Wort! Hätten sie sich mal nur die Dorischen Säulen patentieren lassen!

    Ja, die Griechen sind halt ein hoffnungsloser Fall.

    Aber die allerpatentesten Leute haben ja Patente auf Sachen, die sie gar nicht erfunden haben. Apple und Samsung haben sich seit Jahren in den Haaren wegen ihrer Patente, Apple hat momentan die Oberhand, es kommt einem vor, wie King Kong gegen Godzilla, und wir Menschen sehen genüsslich zu, wie sich die Supergigantenmonster zerfleischen. Apple ist aber der patenteste. Die haben sich "das Design" ihres Smartphones patentieren lassen, das Rechteck mit den runden Ecken, obwohl es gar nicht von ihnen ist, wie es Egon W. Kreutzer beweist.


     

    12.00 Uhr FDP-Klientel-Politik

    Kluge Köpfe in der FDP haben beschlossen, die Sozialleistungen um mindestens 4 Milliarden Euro zu kürzen.

    Vorgeblich zur Haushaltssanierung.

    Anliegen der FDP war es jedoch stets, den Haushalt durch Steuersenkungen zu destabilisieren. Alleine das Mehrwertsteuergeschenk an die Hoteliers belastet den Haushalt jährlich mit 1 Milliarde Euro.

    Doch wie wir wissen, ging dieser Steuersenkung eine sehr großzügige Partei-Spende aus dem Übernachtungsgewerbe voraus, was - man kann es ja auch so ausdrücken - zur Sanierung des Partei-Haushalts der FDP beigetragen hat.

    Empfänger von Sozialleistungen werden - so, kann ich mir das Denken der klugen Köpfe in der FDP vorstellen - kaum dazu neigen, auf Steuersenkungen, die ihnen tatsächlich zugute kommen, oder auf Erhöhung von Sozialleistungen, mit Parteispenden reagieren; also kann man da auch Kürzungen vornehmen, ohne dass der eigene Haushalt darunter leidet.

    Und im Bundeshaushalt entsteht so die Luft, die Schäuble fordert, um weiteren Steuersenkungsforderungen der FDP Gehör zu schenken.


    26. August 2012 

    Manuelas Bild vom Sonntag

    .

    Wolfgangs Bild vom Sonntag

    noch eins?

    noch eins?

    noch eins?

    noch eins?

     


    25. August 2012

    21.00 Uhr Ohne Worte - oder das Patent auf das runde Rad


     

     

     

    12.20 Uhr Fünf Tage mitgeschrieben, über 55.000 Jobs futsch


    24.08.2012

    0.00 Uhr Der Witz, von der mächtigsten Frau der Welt 

    Forbes, das Magazin, das sich auch darin gefällt, die Reichsten dieser Welt in eine Rangordnung zu bringen - ausgenommen diejenigen, die sich verbitten, in diese Liste überhaupt aufgenommen zu werden, hat Angela Merkel jüngst zur "Mächtigsten Frau der Welt" gekürt.

    Miss Mächtig, sozusagen. Mit Schärpe und Diadem.

    Als ich das las, dachte ich zuerst, so dick ist sie doch eigentlich gar nicht. Da gibt es mächtigere Frauengestalten.

    Und dann kam es mir, dass nicht der Umfang, sondern die MACHT gemeint sein sollte.

    MACHT ist, wenn ich mich an einer populistischen Definition versuchen darf, die Fähigkeit, nach eigenen Vorstellungen MACHEN zu können.

    Job des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland, und dieses Amt hat Angela Merkel (der Terminus Bundeskanzlerin kommt im Grundgesetz nämlich nicht vor), ist es, die Richtlinien der Politik zu bestimmen.

    MACHT sie das?

    Richtlinien, das ist für jemanden, der der deutschen Sprache mächtig ist, kein ständiges Hüh und Hott, sondern eine langfristige Zielsetzung, verbunden mit langfristig wirksamen Restriktionen, für Maßnahmen, die zur Zielerreichung nicht zulässig sind.

    Richtlinien sind wichtige Orientierungshilfen, für die Regierungsmitglieder einerseits, damit sie wissen, in welchem Rahmen sie in ihren Ressorts schalten und walten dürfen und sollen, und noch viel mehr für die Bevölkerung, die eine gewisse Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit politischer Aussagen erwarten darf.

    Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg, fällt mir dazu ein.

    Energiewende und Hochspannungsleitungen, die es a) nicht in diesem Umfang braucht, und die b) erst einmal nicht funktionieren.

    Die vollmundige Garantir, gemeinsam mit Peer Steinbrück (nicht Hans Eichel, wie hier zuerst stand) die Einlagen bei deutschen Banken seien sicher, und zugleich eine Politik der immer weiteren Verstrickung in eine Banken- und Euro-Rettung, die zu nichts anderem führen wird, als zum großen Knall der Hyperinflation.

     

    Natürlich gehört es auch zu den Aufgaben des Bundeskanzlers, den Staat außenpolitisch zu vertreten, wo der Außenminister die Grenzen seiner Möglichkeiten überschreiten würde. Es gehört zu den Aufgaben des Bundeskanzlers, internationale Verträge, die in das Finanz- und Wirtschaftsressort fallen, mit den internationalen Partnern zu diskutieren, wenn Finanz- und Wirtschaftsminister an die Grenzen ihrer Möglichkeiten stoßen.

    • Doch gehört es auch zu den Aufgaben des Bundeskanzlers, sich über das Parlament hinweg international zu Fragen der Wirtschaft und der Finanzen vertraglich zu binden?
    • Gehört es zu den Aufgaben des Bundeskanzlers, bestehende Verträge und bestehendes Recht zu ignorieren, um im Strudel der Krise zu immer neuen alternativlosen Vereinbarungen zu gelangen, deren Verfassungsmäßigkeit zu Recht auf dem Prüfstand des Verfassungsgerichts steht?

    Nein, wohl eher nicht.

    Das ist allerdings nicht Machtmissbrauch, denn diese Macht ist ihr nicht übertragen, sondern allenfalls Amtsmissbrauch.

    Und wenn schon an der korrekten Ausübung der Richtlinienkompetenz gezweifelt werden darf, wenn alle Entscheidungen, auch die nicht von der Verfassung gedeckten, letztlich nicht anders erscheinen, als ein ständiges, Schritt für Schritt vollzogenes Nachgeben und Aufgeben der berechtigten Interessen Deutschlands gegenüber den europäischen Nachbarn, ist das dann MACHT?

    Und wo wäre Angela Merkel ohne die Unterstützung der Medien, ohne Friede Springer und Lisa Mohn? Ist ihre Popularität, der sie die Kraft verdankt, sich im Sessel zu halten, nicht nur ein Zeichen der Gnade mächtigerer Frauen?

    Und wo wäre Angela Merkel, hätten die Bilderberger, die Atlantik-Brücke (Transatlantischer Verein), die CIA und andere, nicht Wohlgefallen daran, WIE sie Deutschland regiert?

    Was kann Angela Merkel wirklich vorschlagen, und was von dem, was sie vorschlagen kann, kann sie durchsetzen, im europäischen Rat?

    Was kann Angela Merkel wirklich durchsetzen, gegen den Willen der USA?

    Was hat Angela Merkel in der Hand, gegen die Macht der Banken und der Märkte?

     

    Ich will nicht behaupten, dass es nur einer anderen Figur im Amt des Bundeskanzlers bedürfte, um tatsächlich Macht auszuüben. Die Hindernisse, deutsche Interessen zu wirklich zu vertreten und damit dem Amtseid gerecht zu werden, sind auch für andere nicht leichter zu überwinden. Da sind Illusionen fehl am Platz.

    Doch sie im Hochglanzmagazin zur mächtigsten Frau der Welt auszurufen, das ist bestenfalls ein Irrtum, vielleicht eine zweckdienliche Schmeichelei, womöglich aber auch der blanke Hohn ...

    Und dass die wirklich mächtigen Frauen nicht stutenbissig ihren Platz ganz vorne in der Rangliste einfordern, das liegt einfach daran, dass wahre Macht keine Bestätigung durch Forbes braucht.

    Herzlichen Glückwunsch, Angela Merkel, zum Titelgewinn!


    23.08.2012

    21.05 Uhr Ich habs doch gewusst - Strafanzeige für Protest im Kölner Dom

    Am 17. August schrieb ich an dieser Stelle: I have a dream ...

    Dabei ging es mir darum die Heuchelei um den in Russland stattgefunden habenden sog. Pussy Riot Prozess. Mir träumte, Protestler stürmten den Kölner Dom. Nun ist
    das geschehen, Strafanzeige gestellt, Haftstrafen von bis zu 3 Jahren möglich.

    Wie sich die Zustände doch ähneln.


    20.40 Uhr Drei Tage mitgeschrieben, über 50.000 Jobs vernichtet ...


    13.45 Uhr Der "Lange Marsch" des Kapitals

    Vom Feudalismus in die Märkte-Wirtschaft

    Die alten, zuletzt mit der Februar- und Oktoberrevolution in Russland vor 95 Jahren zugrunde gegangenen Feudalsysteme in Europa, stützten sich auf die Verfügungsgewalt über Grund und Boden.

    Heute ersetzt das Kapital, präzise gesagt, die Verschuldung der Menschen und der Staaten, den Grundbesitz der ehemaligen Feudalherren. Und der neuerliche Griff nach Grund und Boden ist schon in vollem Gange.

    Einen kurzen historischen Abriss, wie es dazu kommen konnte,
    finden Sie hier


    22.08.2012

    16.20 Uhr Basel III

    Das Kreditwesengesetz der Bundesrepublik Deutschland wird wohl als erstes die Vereinbarungen "Basel III" zu nationalem Recht machen.
    Damit wird die Mindest-Kernkapitalquote der Banken angehoben, es werden Verschuldungsobergrenzen eingezogen und Liqiditätskennzahlen beobachtet. Zudem darf die BaFin höhere Strafen aussprechen, wenn Verstöße festgestellt werden.

    Die Hoffnung, mit diesen neuen Regelungen Bankenzusammenbrüche und staatliche Bankenrettungen zu vermeiden, ist die offizielle Begründung für dieses Vorgehen.

    Ob damit die wirklich riskanten Geschäfte der Banken eingedämmt werden, oder doch wieder nur die Kreditvergabe an die Wirtschaft zurückgefahren wird, um die neuen Eigenkapital-Kriterien zu erfüllen, wird die Zeit zeigen.

    Ich sehe in Basel III einen weiteren Schritt zur Austrocknung der Realwirtschaft und damit zu Arbeitsplatzverlusten und Steuer- sowie Beitragsausfällen. Dies würde dann entweder - keynesianisch - staatliche Neuverschuldung erfordern, oder aber - neoliberal - den weiteren Rückbau des Staates und der Sozialleistungen.

    Soweit ich weiß, wimmelt es weder in der Regierung noch in der größten Oppositionspartei von Keynesianern. Und selbst wenn dem so wäre: Mit der Schuldenbremse im Grundgesetz ist Vorsorge getroffen, dass der Staat nicht mit Liquidität einspringen kann, wenn die Märkte sie verweigern.

    Insofern ist wohl auch Basel III ein Schritt in die gleiche richtige Richtung, wie sie von Schröder vorgegeben und von Merkel zügig weitergegangen wurde.


    10.45 Uhr Arbeitsplatzvernichtung

    Zweiter Tag der neuen Erfassung: 40.000 Jobs weg + 16.000 Kurzarbeiter 

     


    21. August 2012

    12.00 Uhr Es geht wieder los - Neues vom Arbeitsmarkt

    Die Nachrichten werden nicht mehr so spektakulär präsentiert, wie vor 10 Jahren, es wird uns so nebenbei erzählt, wenn hier ein Unternehmen geschlossen wird, dort ein anderes wegen unzureichender Gewinne Stellen streicht. Doch die Meldungen häufen sich.

    Es gibt auch keinen hörbaren Aufschrei von Seiten der Gewerkschaften. Ja es gibt
    noch nicht einmal Politiker, die versprechen, alles zu tun, um Arbeitsplätze zu erhalten.

    Da habe ich heute beschlossen, meine alte Statistik der Arbeitsplatzvernichtung in geringfügig veränderter Form wieder zum Leben zu erwecken. Ein kurzer Durchgang durch die aktuellen Meldungen brachte

    knapp 30.000 Arbeitsplatzverluste in Deutschland,
    über die in diesen Tagen berichtet wurde.

    Die Statistik hat einen neuen Platz und findet sich nun hier:

    Der permanente Link findet sich in der linken Spalte - immer noch an der alten Stelle.


    20. August 2012

    0.00 Uhr minus 12 Stunden Jens Berger

    Die Lektüre der Nachdenkseiten, über Jahre fast durchgehend Quell erhellender Informationen, wird für mich immer mehr zum Ärgernis.

    Ein Schwadroneur macht sich dort als Geld-Erklärer breit, ficht einen sonderbar abwegig erscheinenden Kampf zugunsten der etablierten Experten und Abwiegler.

    Erst hat er sich mit seiner Laudatio auf den Segen des Zinses als Ewig-Gestriger geoutet, sh. dazu Gert Flegeslkamp, dann ist ihm einiges Wirres zum Thema Geldvernichtung eingefallen, sh. dazu PaD 29 /2012, und nun holt er sich Beistand bei allen etablierten Ökonomie-Professoren, deren Expertisen maßgeblich zur deutschen Haltung in der Euro-Krise beigetragen haben, um zu erklären, dass die Lasten Deutschlands für die Euro-Rettung keinesfalls jene 1-Billion-Marke erreicht hätten, von der Carsten Schneider, SPD, und Hans Werner Sinn, Ifo-Institut, derzeit sprechen.

    Für diese Argumentation brauch ich keine Nachdenkseiten!

    Die kommt tagtäglich von den Börsenexperten von ARD und ZDF genau so platt, nur glücklicherweise sehr viel kürzer, gebührenfinanziert und eher unerwünscht aus der Glotze.

    Es sind drei Gedanken, die Jens Berger umtreiben:

    Erstens, die Angst, Deutschland könnte seine nationalen Interessen vor die Interessen der europäischen Nachbarn stellen. Und vor lauter Altruismus verfällt der "Gutmensch" Berger dann in persönliche Attacken gegen jeden, der anderer Meinung ist. Das ist kein Auseinandersetzen mit Argumenten mehr, sondern in Form und Stil gelebte Intoleranz vom Feinsten.

    Zweitens, der feste Glaube, dass gewährte Bürgschaften nie über das bereits erreichte Maß hinaus in Anspruch genommen würden. Mit dieser Glaubensfestigkeit sollte es Herrn Berger mühelos gelingen barfuß über den Wannsee zu gehen ohne nass zu werden. Und dieser eher zum Starrsinn geronnene Fanatismus lässt ihn munter vorrechnen, dass es bisher ja nur Kredite über 188 Milliarden Euro gibt, die vom EFSF abgesichert sind, und dass es unwahrscheinlich sei, dass diese völlig abgeschrieben werden müssten und dass daher die Haftung Deutschlands an dieser Stelle mit maximal 54,74 Milliarden Euro anzusetzen sei.

    Dass ringsum weitere Wackelkandidaten unter den Rettungsschirm wollen und müssen, dass Griechenland schon wieder mehr Geld braucht, als gestern noch angenommen, diese Dynamik des Fortschreitens der Krise ist dem statischen Augenblicksdenker Berger fremd, er hat sie vielleicht noch nicht einmal wahrgenommen. Und selbst auf die Idee zu kommen, den Fortgang der Dinge zu extrapolieren, das verbietet er sich offenbar.

    Drittens, die fixe Idee, bei den Target2-Salden handele es sich lediglich um eine Fata Morgana, ein Trugbild in der flirrenden Hitze, ohne jegliche Bedeutung für die reale Welt, die Bundesrepublik Deutschland und ihre Steuerzahler. Technischer Firlefanz halt, unwichtig und bedeutungslos.

    Und weil er es selbst offenbar nicht erklären kann, verlinkt er den braven Nachdenkseitenleser auf Fachbeiträge, die dem Laien nun erst recht keine Verständnishilfe anbieten. Allerdings erklärt er, es handele sich nicht um Kredite, was in dieser Plattheit eine krasse Irreführung darstellt.

    Die Target2-Salden stellen Forderungen dar. Derzeit stehen gut 700 Milliarden Forderungen der Deutschen Bundesbank an andere Zentralbanken der Euro-Staaten in den Büchern. Die Tendenz ist seit langem beständig steigend. Ein Zeichen dafür, dass diese Salden ohne einen Crash des Euros jemals wieder in eine Normalsituation, mit täglich wechselnden wechselseitigen Forderungen und Verbindlichkeiten zurückkehren könnten, ist nirgends zu erkennen.

    Wenn es auch im Fachjargon keine "Kredite" sind, sondern, der Vereinbarung nach, Salden von unbegrenzter Höhe, die den Geldfluss zwischen den Euro-Zentralbanken aufrecht halten, auch wenn einige der eingebundenen Notenbanken faktisch illiquide sind, so handelt es sich doch um die Überlassung von Zentralbankguthaben, die letztlich von nichts anderem, als den bei der Zentralbank gehaltenen Guthaben der Geschäftsbanken gespeist werden.

    Es sind alles andere als reine "Luftbuchungen". Das hat nichts mit "Geldschöpfung" zu tun (dann könnten die anderen Zentralbanken sich nämlich selbst am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen), sondern es ist ein Abbild, wenn auch leicht verzerrt, des Exportüberschusses (und der Zins-Zahlungsbilanz) Deutschlands und der daraus resultierenden Auslandsschulden der Netto-Importeure.

    Sollten sich die TARGET2-Salden als uneinbringlich erweisen, verliert die Bundesbank weite Teile ihrer Aktiva. Und damit werden die Forderungen der deutschen Geschäftsbanken gegen die Bundesbank entwertet. Das hat Abschreibungsbedarf zur Folge - und dann - in Fortschreibung der derzeitigen "alternativlosen" Politik - neuerliche Bankenrettungen. Dafür aber ist wieder der Staat zuständig, und damit der Steuerzahler. Jens Berger ist für die Rettung des Euros, für immer größere Bürgschaften (weil sie ja nie in Anspruch genommen werden ...) und wird folglich auch die Rettung der Geschäftsbanken befürworten, wenn daran der Fortbestand des Euros hängen sollte.

    Jens Berger hingegen argumentiert auf den Nachdenkseiten so:

    Man stelle sich dieses Szenario einmal bildlich vor:

    Der Euro zerbricht, alle Eurostaaten kehren zu ihrer Nationalwährung zurück und die Deutsche Bundesbank sitzt nun auf alten Forderungen eines nicht mehr existenten Clearingsystems der Eurozone in Höhe von 700 Mrd. Euro.

    Sicher, diese Forderungen müssten abgeschrieben werden, da ja nun weder das Clearingsystem Target2, noch die Eurozone mehr existieren. Aber warum sollte die Bundesrepublik in einem solchen Falle 700 Mrd. an die Bundesbank überweisen?

    Die Bundesbank ist keine große Sparkasse und ist nicht verpflichtet, Abschreibungen in ihrer Bilanz auszugleichen. Mehr noch, die weit verbreitete Vorstellung, nach der die Bundesrepublik mit Steuergeldern für etwaige Verluste der Bundesbank haften müsste, ist ebenfalls falsch. Die gesetzlichen Bestimmungen dazu sind eindeutig und auch in der Vergangenheit kam es noch nie vor, dass Verluste der Bundesbank durch Steuergelder ausgeglichen wurden, obgleich die Bundesbank in den 1960er und 1970ern regelmäßig Verluste melden musste.

    Selbst wenn man das extrem unwahrscheinliche Szenario, dass den Sinn-Schneider-Thesen zugrunde liegt, einmal durchspielt, und daraus die gleichen falschen Schlüsse wie Sinn und Schneider zieht, kann man nicht zum Schluss kommen, dass der Steuerzahler auch nur für einen Cent aus den Target2-Salden haften müsste oder gar würde.

     

    Davon, dass die Altschulden der Volkseigenen Betriebe der DDR, nachdem sie sich nach der "Verwertung" der Unternehmen durch die Treuhand als uneinbringlich erwiesen, nicht einfach mit der Deutschen Mark (Ost) untergehen durften, sondern den westlichen Banken, die die DDR-Banken nach der Wende von der Treuhand übernommen hatten, von der Bundesrepublik Deutschland in DM in Milliardenhöhe ersetzt wurden, sh. Telepolis, scheint Herr Berger auch noch nie etwas gehört zu haben. sonst könnte er sich nicht der Illusion hingeben, geplatzte Target2-Salden könnten in diesem Geld-, Finanz- und Wirtschaftssystem hingenommen werden, ohne dass der Gläubiger (die Bundesbank; Eigentümer: die Bundesrepublik Deutschland; haftend: die Steuerzahler) dabei einen Verlust zu verkraften hätte.

    Wer sich mit den Main-Stream-Informationen über das Geldwesen, die Banken- und die Euro-Krise vertraut machen will, der tut besser daran, FOCUS-money, die Financial Times Deutschland oder gleich Springers WELT zu lesen.

    Jens Berger bewegt sich voll auf dieser Linie, jedoch bei weitem nicht in dieser Klarheit.

    Schade um die Nachdenkseiten!

     

     

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    19. August 2012

     

    Das Bild vom Sonntag 

     

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    18. August 2012

    12.15 Uhr Rechtssicherheit für BW-Einsatz im Inneren

    Oberst Kirsch, Vorsitzender des Bundeswehrverbandes, einer Art Soldatengewerkschaft, begrüßt die Entscheidung des Verfassungsgerichts, mit der Waffengebrauch der Bundeswehr im Inneren künftig unter nicht näher bestimmten, jedoch "katastrophischen" Bedingungen zulässig ist.

    Er begrüßt diese Entscheidung, weil damit "Rechtssicherheit" für die Soldaten hergestellt sei.

    Eine sonderbare Begründung.

    Rechtssicherheit bestand genau bis zum Tag dieser Urteilsverkündung. Da war der Waffen-Einsatz der Bundeswehr im Inneren nämlich verboten. Das war klar und eindeutig. Es war Rechtssicherheit, wie es sie schöner nicht geben kann.

    Dass der eine oder andere Politiker aus guten, aber nicht zu Ende gedachten Erwägungen eine Aufhebung dieser Grundgesetzbestimmung forderte, änderte nichts an der Rechtssicherheit.

    Oberst Kirsch geht in seinen weiteren Gedanken nun auch davon aus, dass dieses Urteil nicht als "Einfallstor" für Ausweitungen zulässiger Inlandseinsätze genutzt wird. Er habe da großes Vertrauen in die Politik, die - wenn sie mehr wünsche - das Grundgesetz ändern müsse.

    Dieses Urteil fordert die Grundgesetzänderung aber geradezu heraus, weil es die Tatbestände, Sachverhalte, Szenarien für den Einsatz der BW im Inneren eben nicht hinreichend präzisiert, um tatsächlich Rechtssicherheit daraus ableiten zu können.

    Also werden die Hardliner nun ermutigt sein, sich unser Grundgesetz so umzuschreiben, dass auf der Basis dieses Urteils dann so viele Ausnahmen möglich werden, wie sie schon zu anderen Grundrechten (Fermeldegeheimnis, Unverletzlichkeit der Wohnung, Versammlungsfreiheit usw.) möglich gemacht wurden.

    Und dazu kommt die bundesrepublikanische Praxis, das Grundgesetz durch Regierungsbeschlüsse und Regierungshandeln einfach mal zu ignorieren, und abzuwarten, ob jemand klagt, und falls man vor dem Verfassungsgericht nicht Recht bekommt, einfach mal abzuwarten, was dann passiert. Die Wahlrechtsposse ist uns allen noch viel zu gut in Erinnerung, um nicht zu wissen, dass in der Regierung der Bundesrepublik Deutschland niemand den ganzen Tag mit dem Grundgesetz unter dem Arm herumläuft, und die Bemessung der Hartz-IV-Sätze ist auch zum lustigen Ping-Pong-Spiel zwischen Verfassungsgericht und Regierung geraten. Die Rechts- und Verfassungsbrüche rings um die Euro-Rettung ebenso.

    Da fragt man sich schon, ob Oberst Kirsch hin und wieder einen Blick über den Tellerrand wirft und die politische Wirklichkeit außerhalb der Bundeswehr zur Kenntnis nimmt, obwohl er ja auch schon bei der Begründung, die Verteidigungsarmee Bundeswehr (Grundgesetz!) verteidige Deutschland jetzt halt am Hindukusch, hätte stutzig werden können.

    Letzter Gedanke zur Rechtssicherheit:

    Die ehemals real existierende Deutsche Demokratische Republik hatte den Soldaten der Nationalen Volksarmee mit dem Schießbefehl durchaus "Rechtssicherheit" gewährt.

    Das hinderte die Justiz nach dem Beitritt der DDR zum Bundesgebiet jedoch nicht, den so genannten "Mauerschützen" wegen

    "offensichtlichen, unerträglichen Verstoßes gegen elementare Gebote der Gerechtigkeit und völkerrechtlich geschützte Menschenrechte“

    den Prozess zu machen.

     


    12.00 Uhr Der Blog von Mattin ist wieder da 

    Ich hab mich gefreut, als ich heute beim Googeln wieder auf diesen Blog gestoßen bin, der vor geraumer Zeit sang- und klanglos aus dem Netz verschwunden war.

    Zu meinem Leidwesen ist die Seite auch diesmal nicht mit einer Kontaktadresse ausgestattet. Es ist schon lange mein Wunsch, mich bei Mattin zu bedanken, dafür, dass er so viele meiner Veröffentlichungen übernimmt und damit zur ihrer Verbreitung beiträgt.

    Daher heute:

    Glückwunsch, Mattin, zum neuen Blog - und vielen Dank für die unermüdliche Arbeit!

    Egon W. Kreutzer

    (Und ich würde mich über eine Mail von Ihnen freuen!)


    17. August 2012

    23.30 Uhr I have a dream. Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.

    Aspekte, das Kulturmagazin, sendete gerade ganz viel über die Verurteilung
    von drei jungen russischen Frauen, die in einer Kirche auftraten und die Mutter Gottes baten, Russland von Putin zu befreien.

    Irgendwie muss ich dabei eingeschlafen sein. Ich träumte, drei junge Linke, vermummt, stürmten den Kölner Dom, störten die dort herrschende Andacht der Touristen und sangen aus voller Kehle: Heilige Jungfrau Maria, erlöse Deutschland von Angela Merkel.

    Dann sah ich den Hl. Vater in Rom, frisch von der Titanic-Schmähung erholt, gegen die er persönlich Strafanzeige gestellt hatte, mit salbungsvollen Worten um Vergebung bitten. Die Kirche sei schon immer der Ort gewesen, an dem Verfolgte Zuflucht finden. Er hege große Sympathie für diese politische Kundgebung und hoffe, die deutsche Justiz werde milde umgehen, mit diesen tapferen Freiheitskämpferinnen.

    Der bayrische Seehofer gab dem Münchner Merkur ein Interview, in dem er zum Ausdruck brachte, dass jedermann das Recht haben müsse, seine Meinung frei zu äußern -

    und schließlich Angela Merkel höchstselbst, am Rednerpult, vor dem Bundestag ihren Rücktritt erklärend. Das Gebet sei erhört worden, Gott selbst habe zu ihr gesprochen und ihr den Auftrag gegeben, Deutschland von sich zu befreien, dem könne sie nicht widerstehen.

    Als ich aus diesem sonderbaren Traum erwachte, ging es in Aspekte immer noch weiter zum Thema - und ich ging in mich.

    Es ist nicht fair, Russland mit Deutschland zu vergleichen!

    Wir haben schließlich eine Demokratie - zwar mit einem verfassungswidrigen Wahlrecht - aber doch immerhin eine westliche Demokratie, während Putin nur mit Hilfe von zweifelsfrei vermuteten Wahlmanipulationen gewählt wurde.

    Wir haben Meinungsfreiheit - zwar mit Ausnahmen - aber eben doch Meinungsfreiheit.

    Und wir haben eine Regierung, zu der wir alle vollstes Vertrauen haben, ganz im Gegensatz zu Russland, wo es tatsächlich so etwas wie eine Opposition gibt, die nicht nur so heißt, sondern - Schande! - auch noch so handelt.

    Kritik gegenüber unserer wundervollen Regierung ist unter vernunftbegabten Menschen vollkommen ausgeschlossen. Von daher kann sich auch niemand darauf berufen, dass er auf derart infam-blasphemische Weise protestieren müsste, um gehört zu werden.

    Nein, wer bei uns im geheiligten Kölner Dom ein solches sittenwidriges, gotteslästerliches Spektakel aufführen würde, der hätte keinerlei Rechtfertigung dafür, das könne niemals als Meinungsäußerung, auch nicht als politischer Protest angesehen werden, das wäre schlicht - strafbar.

    Und es müsste mit aller gebotenen Härte verfolgt werden. Ich denke an Stuttgart 21 und die Wasserwerfer. Da hat man einem angeblich friedlichen Demonstranten das Auge ausgespritzt - ein durchaus angemessener Einsatz, hieß es.

    Bin froh, dass ich rechtzeitig aufgewacht bin, aus diesem Albtraum. Und froh, dass es nur der Kölner Dom war, von dem ich träumte - und nicht eine Moschee oder eine Synagoge.

    Da hätten ja nicht einmal mehr der Papst und Seehofer dafür sein können, wegen der "Political Correctnis". Da hätten die einen womöglich den heiligen Krieg erklärt - dafür sollen ja schon Karikaturen in einer Zeitung gereicht haben - und die anderen hätten womöglich auf ihr Recht auf Selbstverteidigung gepocht und einen Angriffskrieg auf die deutsche Linke gestartet.

    Man weiß ja nie, was man so alles träumen könnte, wenn man sich immer darauf einließe. Deshalb träume ich meistens sehr kontrolliert und korrekt. Das heute, das war eine Ausnahme, für die ich mich entschuldigen würde, sollte es jemand verlangen.

     

    Erläuterung:

    Ich bin nicht dafür, dass man Meinungsäußerungen politisch verfolgt. Überhaupt nicht. Ich sympathisiere mit den Mädels, die einen Tabubruch gewagt haben. Man hätte sie aus der Kirche entfernen und lächelnd nach Hause schicken sollen.

    Ich bin aber dagegen, dass im Brustton der Überzeugung angeprangert wird, was im eigenen Lande garantiert auch nicht geduldet sondern bestraft würde.

    Und ich weiß, dass es ganz und gar auf den Standpunkt ankommt, um das eine vom anderen unterscheiden zu können. Ethik und Moral sind eben doch keine universellen Werte - sondern leider immer noch nichts als Mittel zum Zweck, jedenfalls wenn sie von Politikern als Argumente benutzt werden.

    Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein! 

     


    16. August 2012

    15.00 Uhr Hartz-Hartz-Hurra! 10 Jahre im Albtraum

    Die Medien geben sich alle Mühe, in diesen Tagen ein zehnjähriges Jubiläum zu zelebrieren. Mit kleinen Einschränkungen:

    Ja, es hat Härten gegeben,
    ja, die Arbeitslosigkeit ist nicht innerhalb von drei Jahren auf zwei Millionen halbiert worden,

    aber:

    Immerhin stehen wir jetzt bei nur noch drei Millionen und außerdem: Dank Hartz IV stehen wir nun in der Krise innerhalb Europas am allerbesten da.

    Und das ist der Erfolg, der zu feiern ist, dass es "Deutschland" heute - genau wie vor 10 Jahren - besser geht als den Griechen, den Spaniern, den Italienern,
    den Iren, den Franzosen - obwohl es inzwischen allen schlechter geht.

    Hartz-Hartz-Hurra!


    (... am Ende dieses Paukenschlags gibt es drei Buchempfehlungen - ich freu mich auf Ihre Bestellung.)


    15. August 2012
    14. August 2012

    10.00 Uhr Die drückende Last der Pensionskassen

    Ein Gespenst geht um im Sommerloch.

    Führende Manager warnen vor "ernsten Herausforderungen", wie Siemens Finanzchef Kaeser, oder gleich vor "einem Riesenproblem für viele Unternehmen", wie der Finanzvorstand der MunicRe, Schneider.

    Da ist nun plötzlich von schon seit Jahren klaffenden Milliardenlücken die Rede, die sich durch die niedrigen Zinsen nun massiv ausgeweitet hätten. Wie das?

    Nun, so eine Pensionskasse kann, trotz aller gesetzlichen Schutzvorschriften, als ein schönes Instrument der Gewinnmaximierung für ihre Betreiber und Eigentümer genutzt werden. Wieweit im Einzelfall davon Gebrauch gemacht wird, weiß ich nicht, doch theoretisch stehen diese Wege offen und können bei entsprechender Umsicht auch ganz legal begangen werden.

    Das beginnt mit der Pensionszusage. Die Pensionszusage ist ein Gehaltsbestandteil, der von den begünstigten Mitarbeitern mangels hinreichender versicherungsmathematischer Kenntnisse meist zu hoch bewertet wird. Die stets geschürte Angst vor dem Versagen der gesetzlichen Rentenversicherung trägt zusätzlich dazu bei, im großzügigen Angebot der Firmenrente einen Vorteil zu sehen, der den Verzicht auf eine massive Gehaltserhöhung leicht macht.

    Damit sparen die Konzerne hohe ausgabenwirksame Personalkosten und legen einen Teil davon in ihre Pensionskasse. Mit dem Rest können sie ganz nach Lage und Laune verfahren. Er stellt jedenfalls immer einen Aktivposten in der Gewinn- und Verlustrechnung dar und kommt letztlich den Aktionären zugute.

    Dann folgt die Phase des Kapitalertrags aus der Pensionskasse. Je nach Geschick des Managements entstehen mehr oder minder hohe Zinsgewinne, die eigentlich dem Kapitalstock der Pensionskasse zugeführt werden könnten. Hier mehr zu tun, als nach den errechneten Pensionsverpflichtungen erforderlich, ist jedoch jedem Finanzvorstand ein Graus. Das zu vermeiden, stehen mehrere erprobte Mittel zur Verfügung.

    Da ist zum einen die Gewinnminimierung durch den Einkauf von Dienstleistungen.
    Ein Tochterunternehmen des Konzerns übernimmt zum Beispiel die komplette Datenverarbeitung für die Pensionskasse. Personell über- und von der Qualifikation her unterbesetzt können so gigantische Projekte aufgesetzt und über endlose Jahre mit geringem Erfolg der Realisierung näher gebracht werden. Bei branchenüblichen Tagessätzen für das dafür eingesetzte Personal entstehen so dem Tochterunternehmen erkleckliche Gewinne, während der Pensionskasse für die Dotierung ihrer Rücklagen entsprechend weniger verbleibt.

    Dies als nur ein Beispiel für mannigfache Dienstleistungen, die eine solche Pensionskasse in Anspruch nehmen kann, da sie ja selbst personell so schlank wie nur irgend möglich dastehen soll, um zu zeigen, wie sparsam im Interesse der (künftigen) Pensionäre gewirtschaftet wird.

    Zum anderen besteht eine schöne Möglichkeit, Gewinne erst gar nicht aufscheinen zu lassen, in der Bildung Stiller Reserven. Gut geeignet ist hier zum Beispiel Immobilienbesitz als Kapitalanlage. Am besten in Form einer Beteiligung an einem eigens dafür installierten Immobilienfonds, nachdem der Verkauf von Beteiligungen sich seit geraumer Zeit einer steuerlich bevorzugten Behandlung erfreut.

    Während sich der Verkehrswert einer Immobilie regelmäßig und nachhaltig erhöht, steht das Objekt als Anlagevermögen unter dem Segen einer regelmäßigen jährlichen Abschreibung, wird also Jahr für Jahr weniger wert. Die Differenz zwischen Verkehrswert und Buchwert - die Stille Reserve - scheint nirgends auf.

    Das ermöglicht es, das Fondsvermögen immer wieder sachte umzuschichten. Eine Immobilie mit hohen Stillen Reserven verlässt das Fondsvermögen - womöglich über mehrere Zwischenstationen und landet am Ende im Privatvermögen eines Großaktionärs oder doch wieder in den Büchern der Muttergesellschaft, während der Fonds eine neue Immobilie, womöglich überteuert, erwirbt und zum vollen Kaufpreis in die Bücher schreibt. Am offiziellen Vermögen hat sich nichts geändert, und auch am Vermögen der Pensionskasse nicht, doch der "Kursgewinn" einer Kapitalanlage kann auf diese Weise elegant aus dem Vermögen der Pensionskasse herausgehalten werden. Natürlich kann man sich ebenso elegant vom gesamten Fonds trennen und dafür einen neuen erwerben. Gestaltungsmöglichkeiten gibt es viele.

    Andererseits kann man dem Vermögen der Pensionskasse auch immer wieder Papiere zuführen, deren künftige Kursentwicklung eher negativ eingeschätzt wird. Statt ein solches Paket an die Börse zu bringen, wo es womöglich gleich einen Kursrutsch auslösen würde, besteht durchaus die Möglichkeit, es der Pensionskasse zu übertragen. Das gilt übrigens auch für junge Aktien aus Kapitalerhöhungen oder Ausgründungen, die so eine Pensionskasse durchaus auch einmal zukaufen darf.

    Das sind übrigens alles Möglichkeiten, die auch den Lebensversicherern offen stehen. Die sind allerdings von vornherein gewinnorientierte Unternehmen und verwalten die Gelder ihrer Versicherten ganz offiziell auch unter dem Aspekt der Gewinnoptimierung für ihre Aktionäre.

    Würden Pensionskassen die Zuführugen zu ihren Reserven stärker an den eingesparten Personalkosten als an den errechneten Pensionsverpflichtungen orientieren, würden sie in jeder Hinsicht sparsam wirtschaften und ausschließlich in sichere Anlagen investieren und alle Gewinne daraus den Rücklagen der Pensionskasse zuführen - dann gäbe es auch heute wohl kaum einen Grund für die nun ertönenden Kassandrarufe.

    Dass die Konzerne, die sich die Pensionskassen ja nicht aus reiner Nächstenliebe zugelegt haben, nun womöglich aus ihren Gewinnen wieder etwas an die Pensionskassen übertragen müssen, mag die Aktionäre ärgern.

    Doch das gehört zu den ganz normalen unternehmerischen Risiken - und die treten halt manchmal ein.

     


    13. August 2012

    11.15 Uhr Steuer-CDs

    Der neuerliche Ankauf von Kundendaten schweizer Banken durch deutsche Behörden hat eine Diskussion in Gang gesetzt, in der es in der Hauptsache darum geht, ob der Steuerhinterzieher einen besonderen Schutz zu genießen habe, der ihm durch eine zwischenstaatliche Vereinbarung sowohl Anonymität als auch auch eine mindere Strafbelastung (Abgeltungsstrafe ?) zusichere, wie es z.B. Herr Wolfgang Schäuble in dem entsprechenden Vertrag mit der Schweiz bereits ausgehandelt hat, oder ob die Steuerhinterziehung eben kein Kavaliersdelikt sei, sondern ein "Kapital-" Verbrechen, das mit allen Mitteln - auch den nicht rechtsstaatlichen - zu verfolgen und zu sühnen sei.

    Für diese sehr unterschiedlichen Meinungen werden durchaus bedenkenswerte Argumente vorgetragen, die - lässt man alle Vorurteile, die sich aus dem Gegensatz von Arm und Reich von beiden Seiten aufdrängen, außer Acht - einen unauflösbaren
    Widerspruch in sich bergen, der zudem durch unterschiedliche Rechtsordnungen der beteiligten Staaten verschärft wird.

    Aus deutscher Sicht und nach deutschen Recht leisten die Beschäftigten von schweizer Banken durchaus Beihilfe zur Steuerhinterziehung, während aus schweizer Sicht von deutschen Behörden massive Verletzungen des Bankgeheimnisses nicht nur geduldet, sondern sogar gefördert und belohnt werden.

    Das Vertragswerk zwischen Deutschland und der Schweiz, dessen Verabschiedung von den SPD-regierten Bundesländern verhindert werden soll, ist natürlich ein Ansatz, diese Unterschiede im Rechtsverständnis auszugleichen, so, dass beide Seiten gerade soweit von ihren Standpunkten abrücken, dass bei beiderseitiger Gesichtswahrung der Straftatbestand der Steuerhinterziehung nicht länger vollkommen ungesühnt bleiben wird, auch wenn es gelungen ist, Vermögen am deutschen Fiskus vorbei auf schweizer Konten zu parken.

    Andererseits stellt dieses Vertragswerk eine massive Verletzung des Rechtsempfindens steuerehrlicher Bürger dar.

    Es kann nicht sein, dass eine Straftat nur deshalb nicht strafrechtlich geahndet und mit einer pauschalierten Bußgeldzahlung praktisch aus der Welt geschafft werden soll, weil es dem Täter gelungen ist, seine Beute an einem tabuisierten Ort in Sicherheit zu bringen.

    Wenn es den deutschen Strafverfolgungsbehörden also nicht möglich ist, sich Beweise auf legalem Wege zu beschaffen, wie das bei Geldern, die sich auf Konten inländischer Banken befinden, bei begründetem Verdacht durchaus möglich ist, muss ihnen da nicht "ersatzweise" der Weg offen stehen, ja sind sie nicht geradezu verpflichtet, Informationen, die ihnen angeboten werden, zu erwerben und zu verwenden?

    Der Vorhalt, der Kauf von Steuer-CDs (wahrscheinlich handelt es sich eher um USB-Sticks, aktuell eher um einen UBS-Stick) sei "Zusammenarbeit mit Kriminellen", die Beweismittel seien "illegal erlangt" und dürften daher nicht verwendet werden, trifft nicht ganz die deutsche Rechtswirklichkeit. Anders als in den USA, wo illegal erlangte Beweismittel nicht nur nicht verwendet werden dürfen, sondern auch schon mal einen Prozess vollständig platzen lassen können, ist die Frage, ob ein Beweismittel nun mit legalen polizeilichen Mitteln erlangt wurde, oder eben auf nicht rechtsstaatlichem Wege, zwar zu beachten, führt jedoch nicht grundsätzlich zum Verwendungsverbot.

    Aus dem deutschen Rechtsgrundsatz, alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich, lässt sich ableiten, dass der deutsch-schweizer Vertrag über das bilaterale Vorgehen gegenüber deutschen Steuerhinterziehern eine klare Rechtsbeugung darstellt - es sei denn, er solle als Aufforderung verstanden werden, die Voraussetzungen für diese Gleichbehandlung durch die Einrichtung von Konten in Steueroasen gezielt zu schaffen.

    Da die belastenden Beweise, wenn es erst einmal gelungen ist, die Beute in der Schweiz zu verstecken, auf legalem Wege nicht mehr erlangt werden können, ist die "Mithilfe der Bevölkerung", wie sie von "XY-ungelöst" seit Jahrzehnten erfolgreich erbeten wird, auch dann ein legales Instrument, wenn die Belohnung für Hinweise zur Aufklärung einer Straftat nicht vorher angekündigt, sondern vom Tippgeber als "Kaufpreis" gefordert wird. Wir kennen ja sogar die Rechtsfigur des "Kronzeugen", innnerhalb derer wir Straffreiheit oder Strafminderung zusichern, wenn ein Mittäter (und das sind die Verkäufer der Kundendaten ja wohl auch, sonst hätten sie keinen Zugang zu diesen Informationen) geheimes Wissen offenbaren und damit eine Strafverfolgung erst möglich machen.

    Dass diese Argumentation schlüssig und richtig ist, zeigt sich letztlich auch darin, dass das Verbot der Verwendung solcher Informationen eine kaum bedachte Folge nach sich ziehen könnte:

    Steuerhinterzieher könnten belastende Informationen ganz gezielt den Ermittlungsbehörden in die Hände spielen und sich damit auf höchst elegante Weise durch eine perfide neue "Form der Selbstanzeige" selbst zur Straffreiheit verhelfen.

    Das bedarf zwar ebenfalls einiger krimineller Energie und sorgfältiger Planung, doch dass diese im Zweifelsfall zum Einsatz kommen, wenn es gilt, die Beute aus einer Straftat durch eine weitere Straftat zu sichern, dürfte kaum in Frage stehen.

     


    12. August 2012

    Das Bild vom Sonntag

    Die Tageskommentare vom 7. März 2011
    bis zum 11. August 2012 finden Sie
    im Archiv

    Dieser Zähler zählt seit etlichen Monaten die Besucher dieser Website.

    am 12.03. 2012 waren es 1.000.000
    um den 15. Mai waren es 1.050.000
    am 8. Juli waren es 1.100.000
    am 25. August 2012 waren es 1.150.000

     

    und schon wieder sind es mehr geworden ...

     

    Vielen Dank für Ihr großes Interesse.

    Es ehrt mich.

    Links zu Seiten, die ich gerne empfehle:

    Nachdenkseiten
    Na klar, wer liest die nicht?
    http://www.nachdenkseiten.de/
    taz
    noch ein MUSS
    http://www.taz.de
    Junge Welt
    Die Tageszeitung im Netz
    http://www.jungewelt.de
    Sozialticker
    Informationen und Kritik zur aktuellen Sozialpolitik
    http://www.sozialticker.com/
    Campact
    dem Bürgerwillen Gehör verschaffen
    http://www.campact.de
    Mag Wompel
    das labournet - die Gewerkschaftslinken
    http://www.labournet.de
    Gert Flegelskamp
    ein geradliniger Querdenker
    http://www.flegel-g.de/
    Dr. Harald Woszniewski
    Meudalismus
    http://www.meudalismus.dr-wo.de/
    Norbert Rost,
    Regionalwährungen und viel mehr
    http://feldpolitik.de
    Theater Macht Staat - ein Theaterprojekt zur Rückeroberung der Macht über unser Leben
    http://www.theater-macht-staat.com/
    Politik-Poker
    aus unterschiedlichen Blickwinkeln...
    http://www.politik-poker.de
    Berlin unzensiert
    Eine Seite für die Bevölkerung
    http://www.berlin-unzensiert.de/
    Forum DL 21
    Die SPD-Linken
    http://www.forum-dl21.de/
    Bürgermeinungen
    hier schreiben Bürger ihre Meinung
    http://www.buergermeinungen.de/
    Cleanstate e.V.
    H.J.Selenz im Kampf gegen Korruption, Betrug und Vetternwirtschaft
    http://www.cleanstate.de/start.html
    Statistisches Bundesamt
    viel Wissenswertes z.T. sogar aktuell
    http://www.destatis.de
     
       

    Die Selbstähnlichkeit der Erscheinungen der Realität ist so groß, dass der winzige Ausschnitt, den der Einzelne davon wahrzunehmen in der Lage ist, vollkommen ausreicht, um sich ein brauchbares Bild des Ganzen zu machen - so man nur will. 

     

      
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    Wer nicht zahlt, erhält keine Mahnung und schon gar nicht eine Zahlungsaufforderung vom Inkassobüro, weder vom seriösen, noch vom unseriösen.

    Wir gehen davon aus, dass es sich der Kunde anders überlegt hat und löschen die Bestellung nach ein paar Wochen einfach.

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       Anker Immo  chiara

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