|
|
- Aufgewacht, Narren,
Aschermittwoch!
-
-
- Europa hat Feuer gefangen.
-
- Ein Feuer, entzündet
auf die älteste Methode der Welt.
-
- Man hat Druck und Reibung
erzeugt.
Reibung erzeugt Wärme.
Große Reibung unter hohem Druck erzeugt viel Wärme.
Viel Wärme auf engem Raum lässt die Temperatur in die
Höhe schnellen.
Der Zündpunkt wird erreicht und überschritten, erste
Flammen züngeln.
-
- Die Brände in Athen
sind wieder erloschen, doch Druck und Reibung sind geblieben,
ja sogar noch einmal verstärkt worden. Bald werden die Flammen
erneut nächtliche Straßen in infernalische Szenerien
verwandeln.
-
- Und wieder werden nicht diejenigen,
die den Druck und die Reibung erzeugt, die Wärmeentwicklung
hervorgerufen haben, als Brandstifter verfolgt und verurteilt
werden, sondern jene Späne mit dem niedrigen Flammpunkt,
die dem Druck und der Hitze am nächsten waren und sich als
erste entzünden ließen.
-
-
-
- Doch wenn ich heute schreibe:
"Aufgewacht, Narren!",
-
- dann meine ich nicht diejenigen,
bei denen Schmerz, Angst und Zorn zu Ausbrüchen geführt
haben, nicht jene, die ein Fanal gesetzt haben, sondern alle
diejenigen, die sich in der Gewissheit sonnen, mit ein bisschen
Widerstand, ein bisschen Demonstrieren, ein bisschen Campact-Aufrufe-mit-Unterzeichnen,
sei es genug.
Dann meine ich diejenigen, die meinen, sie könnten, wenn
es wirklich so weit kommen sollte, schnell Widerstand organisieren,
auf die Straße gehen, sich wehren. Die Staatsmacht würde
dann schon kapitulieren.
-
- So wie die Staatsmacht der DDR
kapitulierte, als die Straßen voll waren von Menschen,
die riefen:
-
- "Wir sind das
Volk!"
Die Situation der DDR war eine andere. Da standen sich noch zwei
Blöcke gegenüber, von denen einer, unter Gorbatschow,
gerade begonnen hatte sich zu öffnen und zu zerfallen.
- Damals hätte schon geschehen
können, was wir im Irak, in Afghanistan, in Libyen erlebten
und derzeit in Ägypten und bald in Syrien werden beobachten
können: Die Unterstützung der Aufständischen durch
Truppen westlicher Staaten.
- Da war es leichter, das Tor
zu öffnen, den eigenen Staat aufzugeben, aus dem Einflussbereich
des einen Machtblocks in den des anderen zu wechseln.
-
- Wer weiß, was hinter den
Kulissen besprochen und verhandelt wurde, was die Historiker
erst in hundert Jahren aus den Archiven ausgraben werden.
Es war eine besondere Situation, ein einmaliges Zeitfenster,
für diesen Massenausbruch von DDR-Bürgern, die ihren
Staat als Gefängnis empfunden hatten.
-
Die Situation ist heute wieder ganz anders.
Der Widerstand richtet sich nicht gegen ein so genanntes östlich-kommunistisches
Unrechtsregime, sondern gegen eine westlich-kapitalistische Demokratie
- und die gilt es mit allen Mitteln zu verteidigen.
-
-
- Aufwachen, Narren! Aschermittwoch!
- Es geht schon längst
gar nichts mehr, wenn es die Staatsmacht nicht will.
- Die Staatsmacht nimmt es sich
heraus, selbst frei gewählte Abgeordnete des Deutschen Bundestages
geheimdienstlich überwachen zu lassen. Und die können
nichts dagegen tun, als hilflos protestieren.
- Wie viel mehr wird sie es sich
wohl herausnehmen, vermeintliche Rädelsführer, Meinungsmacher,
Intellektuelle und überhaupt jegliche unbequeme Elemente
zu überwachen?
Ist nicht schon die ganz offizielle Vorratsdatenspeicherung
-
- - von den demokratisch
nicht legitimierten Organen der gar nicht mehr heimlichen europäischen
Staatsmacht den nationalen Regierungen befohlen -
-
- die totale Kontrolle jeglicher
elektronischen Kommunikation, Überwachung genug?
Reicht es nicht, über die Handyortung zu wissen, wo sich
wer gerade aufhält?
Reicht es nicht, über die Überwachung der Verbindungsdaten
zu wissen, wer mit wem wann und wie lange telefoniert hat?
Reicht es nicht, über die Verfolgung der Internetnutzung
zu wissen, wer wann welche Seiten besucht hat und wie lange er
sich dort aufgehalten hat?
Reicht das alles nicht schon aus, jedem einzelnen Bürger,
der Zugang zu den elektronischen Medien hat, hunderte von Verdachtsaspekten
zuzuweisen?
Ist nicht längst ein Netz über uns geworfen, dass mit
einem Ruck zugezogen werden kann, wenn die Umstände es geboten
erscheinen lassen?
Ist aus der Vorratsdatenspeicherung nicht längst die
Liste derjenigen, die bei Beginn von Unruhen unverzüglich
in Haft zu nehmen sind, mit einer einfachen Datenbankabfrage
zu erhalten?
Die Antwort ist ein klares Ja.
-
- Und wie viele das sein werden,
ist ausschließlich von der Formulierung dieser Abfrage
abhängig. Man muss heute keine Listen mehr führen -
und geheim halten, folglich kann man auch die Existenz solcher
Listen guten Gewissens als vollkommenen Blödsinn weit von
sich weisen. Es genügt, im richtigen Zeitpunkt die richtige
Abfrage zu starten.
-
-
- Wird ein Datenschutzbeauftragter
überhaupt die Chance bekommen, dies zu verhindern?
Die Antwort ist ein klares Nein.
- Er wird es allenfalls im Nachhinein
dokumentieren dürfen - falls er den Mut dazu aufbringt.
-
-
- Wird ein Bundesverfassungsgericht
noch die Möglichkeit haben, solche Aktionen per einstweiliger
Verfügung zu verbieten?
Auch hier ist die Antwort ein klares Nein.
- Erstens wird das Verfassungsgericht selbst erst Kenntnis
von solchen Vorgängen erlangen, wenn sie weitgehend abgeschlossen
sind.
- Zweitens wird das Verfassungsgericht nur tätig
werden, wenn eine entsprechende Klage eingereicht wird - und
die Zahl derjenigen, die klagen könnten, ist aufgrund der
durchgeführten Verhaftungen schlagartig kleiner geworden
- und die Zahl derjenigen, die den Mut dazu noch finden, ebenfalls.
- Drittens müsste es überhaupt eine Möglichkeit
geben, dass die Klage das Gericht überhaupt erreicht, womöglich
stellt man die Richter in ihren Wohnungen unter staatlichen Schutz,
bis die Situation wieder bereinigt ist.
Viertens müsste es Richter geben, die überhaupt
noch wagen, sich gegen die, durch europäisches, so genanntes
"Recht" zumindest scheinbar gedeckten Maßnahmen
zu stellen.
- Fünftens müsste es eine Regierung geben,
die sich an Sprüche des Verfassungsgerichts überhaupt
noch gebunden fühlt. Die haben wir schon heute nicht mehr.
Sprüche des Verfassungsgerichts, die der Regierung nicht
gefallen, werden auf die lange Bank geschoben und in letzter
Minute, gelegentlich auch erst nach Ablauf der gesetzten Frist,
durch Gesetze, die wiederum einer zeitraubenden Prüfung
durch das Verfassungsgericht unterzogen werden müssen, gerade
soweit befolgt, dass nicht von einer groben Missachtung des Gerichts
gesprochen werden kann.
-
-
- Ja, liebe Narren, und dagegen
geht ihr dann auf die Barrikaden?
-
- Wie wollt ihr euch verständigen?
- Wie wollt ihr auch organisieren?
-
- Das Festnetz-Telefon ist abgeschaltet.
Die Schalter sind eingebaut, schon seit Jahrzehnten - für
Krisen- und Notsituationen, zur Verhinderung von Überlast,
nur noch Regierungen, wichtige Behörden, Polizei und Geheimdienste
verfügen über offene Kommunikationskanäle.
Die Mobilfunknetze sind abgeschaltet.
Da steht ihr dann rum, mit euren schönen, teuren Handys,
und nichts geht mehr. Fotos machen vielleicht noch, aber versenden
könnt ihr sie nicht mehr. Keine SMS wird mehr transportiert.
Ihr seid voneinander abgeschnitten - und Rundfunk und Fernsehen
verbreiten beruhigende Botschaften.
-
- Ja, dann verabredet ihr euch
über facebook und twitter?
-
- Ein Witz, oder?
-
- Facebook, twitter und alle anderen
sozialen Netze sind offene Kanäle und damit wichtiger Teil
des Überwachungsapparates; die werden offen bleiben. Aber
überall, wo ihr euch in nennenswerter Zahl verabredet, wird
euch ein Aufgebot der Polizei erwarten, einen, oder mehrere,
als Veranstalter, die versäumt haben, die Versammlung anzumelden,
für ein Weilchen aus dem Verkehr ziehen, die übrigen
fotografieren, die Bilder mit den Datenbanken abgleichen und
herausfinden, wer sich da alles versammeln wollte. Wieder ein
Minuspunkt in der großen Datei der Verdächtigen.
Und wer meint, sich gegen das Fotografieren schützen zu
können, indem er sich einen Schal oder eine Mütze übers
Gesicht zieht, eine Narrenkappe aufsetzt, der hat gegen das Vermummungsverbot
verstoßen und verschwindet ebenfalls für ein Weilchen
in Gewahrsam.
-
-
- Da werdet ihr halt Widerstand
leisten?
- Wie in Stuttgart?
Ein, zwei Wasserwerfer genügen, um euch vom Platz zu wischen.
Einige Hundertschaften bestausgerüsteter, paramilitärischer
Kämpfer der Bundespolizei räumen dann diejenigen auf,
die es geschafft haben, einigermaßen trocken zu bleiben.
- Und wenn ihr mehr seid, wenn
ihr glaubt, die große Zahl würde euch schützen,
dann kommt halt der Mikrowellenstrahler. Der ist übers Versuchsstadium
hinaus, entwickelt sich gerade zum Exportartikel, weil er hunderten
von Menschen gleichzeitig die Haut so schmerzhaft erhitzen kann,
dass sie in Panik fliehen, und wer nicht rechtzeitig die Augen
schließt, der muss damit rechnen, nie wieder richtig sehen
zu können, und wer dem Ding zu nahe kommt, der könnte
versehentlich gegrillt werden wie eine Schweinshaxe.
Selber schuld, hätte ja nur der Aufforderung folgen müssen,
den Platz zu räumen.
-
- Die hohe Strahlungsenergie dringt
0,4 mm in die Haut ein und wirkt dort direkt auf die Nervenzellen.
Die Wassermoleküle in der Haut werden innerhalb von Sekunden
auf 55 Grad Celsius erhitzt. Dies löst bei dem Betroffenen
einen erheblichen Schmerzreiz aus, der ihn zur Flucht veranlassen
soll.
- Neben der Auflösung von
Demonstrationen und dem Einsatz gegen Massenversammlungen schlägt
Raytheon (der Hersteller) eine weitere Strategie vor: So sollen
Menschengruppen mit den Strahlen beschossen werden, um friedliche
Personen von Terroristen zu trennen. Während "harmlose"
Menschen vor der Bestrahlung fliehen, würden Terroristen
ihren Angriff auch unter Schmerzen fortsetzen. Ordnungskräfte
könnten so gezielt Personen töten, die sich während
des Einsatzes der Waffe nicht vom Ort des Geschehens entfernen.
-
-
-
- Drohnen werden über die
Städte fliegen und die Bewegungen Verdächtiger verfolgen,
da wo das Netz der Überwachungskameras noch zu lose geknüpft
ist.
Die Fotoapparate in den Mautbrücken und ihre mobilen kleinen
Brüder und Schwestern, die heute schon zur Nummernschilderfassung
im fließenden Verkehr eingesetzt werden, werden jedes Fahrzeug
erfassen, jeden Fahrer identifizieren - nie wieder wird jemand
der mit dem Auto unterwegs war, behaupten können, er habe
sich zu diesem Zeitpunkt zuhause aufgehalten, der Nachweis ist
leicht erbracht, und schon die Behauptung, den Nachweis führen
zu können, wird Geständnisse erleichtern.
Und auf den Bahnhöfen, auch im Nahverkehr, sind die Kameras
längst fest installiert und liefern ihre Bilder an geheime
Zentralen, wo große Rechnerkapazitäten vorgehalten
werden, um euch zu identifizieren.
-
- Und glaubt nicht, dass nur mit
nichtletalen Waffen gegen euch vorgegangen wird. Der Vertrag
von Lissabon erlaubt in "Aufstandssituationen" auch
den Einsatz scharfer Waffen (und damit im Prinzip auch den Einsatz
des Berufssöldnerheeres Bundeswehr), um den Frieden im Lande
wieder herzustellen.
-
- Das sind nicht mehr eure Söhne
(und Töchter), eure Brüder und Schwestern, die da ihren
Dienst zur Landesverteidigung leisten. Das sind Berufssoldaten
- und die müssen, es gibt diese Überlegungen - auch
nicht unbedingt deutsche Staatsbürger sein. Das jedenfalls
ging vor einem Jahr durch die Nachrichten:
Das könnte auch für Ausländer in Deutschland
interessant werden. In einem 37-seitigen Maßnahmenpaket
aus dem Ministerium von Karl Theodor zu Guttenberg steht: "Bestehende
Regelungen sind so zu erweitern, dass Inländer bei entsprechender
Eignung, Befähigung und Leistung auch ohne deutsche Staatsbürgerschaft
regelmäßig in die Streitkräfte eingestellt werden
können."
- Der verborgene Witz darin ist
die Beschränkung auf "Inländer". Aber das
nur am Rande.
-
-
- Dass das nicht euer Friede
ist, der da wiederhergestellt wird, das schert diejenigen, die
den Schießbefehl erteilen, nicht einen feuchten Kehricht.
-
- Dass noch vor wenigen Jahren
Urteile gegen Mauerschützen gesprochen wurden, denen die
Rechtfertigung mit dem sog. Befehlsnotstand nicht abgenommen
wurde, ist vergessen.
Jetzt ist - jedenfalls vom gedanklichen Ansatz her - dank EU
erlaubt, was nach bundesdeutschem Recht der DDR verboten war.
-
-
- Dann tretet ihr halt in den
Streik?
-
- Streik aus politischen Motiven
ist in Deutschland verboten, ihr habt eure Arbeitsverträge
zu erfüllen. Tut ihr das nicht, seid ihr den Job los, vielleicht
werdet ihr auch zwangsweise an den Arbeitsplatz geführt,
als Fluglotsen, Lokführer und andere für die Wirtschaft
unverzichtbare Spezialisten.
- Und glaubt nicht, dass es
dann Arbeitslosengeld gibt.
- Und glaubt nicht, dass ihr,
die man euch schon aus dem Erwerbsleben verdrängt hat, während
man den anderen die Wochen-, die Jahres- und die Lebensarbeitszeit
verlängert hat, dass ihr noch euer Hartz-IV-Auskommen behaltet,
wenn ihr euch vom Wohnort entfernt, der Arbeitsvermittlung also
nicht mehr zur Verfügung steht, weil ihr irgendwo euch versammeln,
demonstrieren wollt. Ihr werdet schnell auf Null gesetzt sein.
Die Wohnung verlieren, auf der Straße sitzen
- Bis hierher schildert dieser Aufsatz
das, was die schon geschaffene Lage hervorbringt und möglich
macht. Die folgenden Absätze sind dem Weiterdenken entsprungen,
also Vision, Dystopie, Gräuelmärchen - jedenfalls heute
noch.
Da muss gar keine Vorladung von der Arge gekommen sein, man hat
euch ja gesehen, in Düsseldorf, obwohl ihr in Ohlstadt wohnt.
-
- Der große Bruder hat eure
Bilder, eure Handydaten, und dass die Arbeitsverwaltung, die
heute schon Zugriff auf eure Bankdaten hat, in kürzester
Zeit auch ermächtigt werden kann, per Zugriff auf die Überwachungsdaten
eure Leistungen zu kürzen, das ist doch nur ein winzig kleiner
Schritt von einer Realität in die nächste.
-
- Ihr habt euch alles gefallen
lassen, bis heute.
Habt euch berauscht, an allem, was man euch noch gelassen hat,
seid wie die Lemminge in großen Herden in die Überwachungsfallen
gerannt, die man für euch aufgebaut hat.
-
- Jetzt sitzt ihr drin, in
der Falle, ihr Narren.
Und nun ist Aschermittwoch.
-
- Nun legen Prinz und Prinzessin
die Masken ab und zeigen ihr wahres Gesicht.
-
- Da habt ihr grade noch so schön
gefeiert, habt euch trunken getanzt, in euren hübschen Kostümen,
die ihr euch für Menschen hieltet, die in einem freien Land
nach ihrer Façon
selig werden können,
-
- und nun bekommt ihr das Echo
dessen zu hören, was ihr laut, zu laut und zu provokativ
hinausgerufen habt:
"Wir sind das Volk. Wir sind das Volk!"
-
- Staunend erfahrt ihr, dass man
euch Recht gibt.
- Nun hält man euch entgegen:
-
-
- Ja! Ihr seid das
Volk!
-
-
-
-
-
- Und nichts als das
Volk!
Geboren, um zu dienen.
-
-
- Wir geben euch ein
einfaches Gesetz,
das jedermann verstehen kann:
-
- Wer kriecht, darf
leben.
- Wer den Kopf hebt,
ist verdächtig.
- Wer aufsteht, macht
sich selbst zum Ziel.
-
-
-
- Das Motiv des kriechenden Bürgers
habe ich schon 2008 in meinem Buch
"Unsere Freiheit - man kann sich dafür einsetzen"
- thematisiert.
-
- Lesen Sie hier kurze Auszüge
und markante Sätze aus dem ersten Kapitel, und sie werden
feststellen: Es ist seitdem NICHTS besser geworden.
-
-
- Der Bürgerkriech
-
- (
) Die größte,
traditionelle Zurschaustellung bürgerlicher Tugend und Sitte
ist jedoch der in Deutschland ganzjährig zu bestaunende
Bürgerkriech.
- Der Bürgerkriech
ist so etwas ähnliches, wie ein Schneckenrennen, nur dass
hier die Schnecken Beine haben.
-
- Martin Morlock hat
es in seinem Gedicht
-
- "HUGO
- eine deutsche Tragödie"
-
- seinerzeit so in Verse
gegossen:
- "Hierzulande
wird gekrochen,
Emsig ernst, so will's der Brauch.
Wer sich steif hält, wird gebrochen,
Kaltgestellt und ausgestochen.
Die, die ihre Wirbelknochen
Biegen können, wie die Rochen,
Kommen heil durch die Epochen -
Hierzulande wird gekrochen.
Auf den Leim und auf dem Bauch."
-
- Und wie die Schnecken
im Schneckenrennen, sind auch die Bürger im Bürgerkriech
so von der ihnen zugedachten Rolle durchdrungen, dass sie gar
nicht mehr auf die Idee kommen, ihre Situation bewusst zu reflektieren,
ihr Verhalten zu hinterfragen und sich dabei der eigenen Lächerlichkeit
bewusst zu werden.
- Den Schnecken reicht
ein lockend hingehaltenes Salatblatt, um diesem bis zur Ziellinie
- Zentimeter für Zentimeter - blind nachzujagen, während
den Teilnehmern am Bürgerkriech noch nicht einmal eine Belohnung
winkt, wenn sie sich - ohne nachzudenken - im vorauseilenden
Gehorsam kriechend verbiegen, sich den immer neuen Phantasmagorien
unterwerfen, die von der sogenannten, selbsternannten "Mitte"
in übermütig schneller Folge in das geworfen werden,
was immer noch "Die Diskussion" genannt wird.
(
)
-
- Das Prinzip der
Manipulation hingegen
ist die geschickte Lenkung der Aufmerksamkeit.
-
- Sollte die vermeintliche
Häufung krimineller Akte jugendlicher Ausländer, die
vermeintliche Häufung von Fällen vernachlässigter
und misshandelter Kinder nur dadurch zum Thema geworden sein,
dass Politiker und Medien die Aufmerksamkeit des Publikums auf
Tatbestände lenken, die sonst - aus welchen Gründen
auch immer - von Politik und Medien lieber verborgen gehalten
werden, um eine Stimmung zu erzeugen, in der dumpfe Rachegelüste
endlich wieder einmal als legitimes Streben nach Gerechtigkeit
verstanden werden dürfen, dann wird den hysterischen Meldungen
der letzten Woche keine mehr oder minder lange Phase ohne kriminelle
Aktivität und ohne Kindesmisshandlung folgen, sondern, wenn
der Zweck erreicht, die Wahl in Hessen gewonnen ist, wird lediglich
die diesbezügliche Berichterstattung nachlassen und dann
für lange Zeit wieder ganz verschwinden.
-
- Und das Schöne
daran:
Der Bürger darf sich freuen. Die Sicherheit ist mit der
Wahl des Hardliners wiederhergestellt. Mutiges Eingreifen, strengere
Gesetze, härtere Strafen haben gewirkt. Es ist doch wieder
ruhig geworden im Lande.
-
- Als ich in diesem
Zusammenhang erstmals das ungeheuerliche Wort von der "Kultur
des Hinsehens" hörte, fielen mir zuerst die Heerscharen
der Blockwarte und der "IM", der inoffiziellen Mitarbeiter
der Stasi ein.
-
- Braucht unser Staat
(ist es überhaupt noch unser Staat?) neben der annähernd
totalen Kommunikationsüberwachung, die zugleich auch die
Überwachung des Aufenthaltsortes aller elektronisch kommunizierenden
Bürger einschließt, wirklich auch noch den jederzeitigen
Zugang zu allen Wohnungen?
- Verbirgt sich hinter
dem Vorwand, dem Kindeswohl dienen zu wollen, nicht wieder nur
ein Versuch, endlich das störende Grundrecht der Unverletzlichkeit
der Wohnung so weit auszuhöhlen, dass der Bürger dem
Staat nicht weniger nackt und unverhüllt untersteht, wie
der Gefangene im Tag und Nacht beleuchteten, ringsum offenen
Käfig in Guantanamo seinen Wärtern?
-
- Sie meinen, das
sei übertrieben?
-
- Träumen Sie
weiter.
-
- Wenn sich künftig
verdächtig macht, wer sich nicht beeilt, dem Sozialamt die
Wohnungstür aufzuschließen, dann ist auch dieser letzte
Damm gebrochen - und wofür eigentlich?
(
)
Und wenn erst einmal das Sozialamt das Kindeswohl per unangemeldetem
Hausbesuch kontrolliert, folgt dann nicht zwangsläufig der
unangemeldete Kontrollbesuch zum Schutz der Ehefrau vor Übergriffen
des Ehemannes, zum Schutz des potentiell depressiven Suizid-Singles
im Ein-Zimmer-Appartement vor sich selbst?
- Hört ihr Leut'
und lasst euch sagen,
uns're Glock hat zwölf geschlagen...
-
- Versuchen Sie sich
doch einfach daran zu erinnern, wie spät es wirklich schon
ist! Hier eine keineswegs vollständige Sammlung von Beispielen:
-
- Harmlose Sommerzeit
-
- Seit Urzeiten ticken
alle biologischen Uhren in dem Rhythmus, in dem sich unsere Erde
um ihre eigene Achse dreht. Und wenn auch der persönliche
Rhythmus jedes einzelnen Menschen seine eigenen Höhen und
Täler kennt, so sind doch alle in jenes Gleichmaß
eingebunden, das mit dem Höchststand der Sonne die Tagesmitte
markiert.
Doch der Bürgerkriech verlangt, dass wir in sieben von zwölf
Monaten unseren Rhythmus verleugnen, dass wir länger und
öfter bei Dunkelheit aufstehen, dass lieber wir mit dem
Ende der Dämmerung zu Bett gehen, statt laue Sommerabende
im flackernden Schein von Fackeln und Windlichtern zu genießen,
wenn wir nicht als Alternative die physischen und psychischen
Folgen des Schlafmangels auf uns nehmen wollen.
- Die freie Entscheidung
des Einzelnen, seinem Tagesrhythmus entsprechend zu leben, ist
aufgehoben und durch ein kollektives, zwangsweises Fehlverhalten
ersetzt.
-
- Einen stichhaltigen
Grund dafür gibt es nicht. Sommerzeit ist ein Schauplatz
von Bürgerkriech. Nur wer mitkriecht, kann gewinnen. Und
wenn man seinen Rhythmus verloren hat, unter Schlafentzug leidet,
dann kriecht sich's umso leichter.
-
- Aus Liebe zum Legastheniker
- die Rechtschreibreform
-
- Kultusbürokraten
haben Sprachverstümmelung betrieben. Mit grausamen Halbheiten
- Ketschup - zum Beispiel, haben sie nicht nur dem Deutschen
eine ganze Reihe von heimatlosen Wortmonstern verordnet, sondern
darüber hinaus auch noch das fremdsprachliche Original verunglimpft.
Vor allem aber die neuen Regeln über Getrennt- und Zusammenschreibung
haben ganze Wortgruppen ausgelöscht, Sinngehalte getilgt
und Sprachverständnis verwirrt, weil die aus Jux und Tollerei
befohlene Getrenntschreibung - trotz aller Ausnahmeregelungen
- häufig sinnentleerte oder sinnverkehrende Gebilde hervorbringt,
deren geschriebene Form dem gesprochenen Wort Hohn spricht.
(
)
Viele Erwachsene haben durch die Rechtschreibreform eine ihrer
wichtigsten Fähigkeiten, der sie sich intuitiv sicher waren,
verloren oder doch soweit eingebüßt, dass sie sich
ihrer - reformbedingten - Rechtschreibfehler vor Kindern und
Enkeln schämen müssen. Der Widerstand der Schrift stellenden
Zeitgenossen, der Verleger und der Zeitungsredaktionen ist zusammen
gebrochen. Der Bürgerkriech ist mit Spagetti und Portmonee
in eine neue Etappe der Zins tragenden Volksverdummung eingetreten.
Babylon lässt grüßen.
-
- Rettung aus den
Gefahren der Globalisierung - die Arbeitsmarktreformen
-
- Angesichts von (heute)
6 Millionen Arbeitslosengeldempfängern (1 Million ALG I,
5 Millionen ALG II) werden die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung
um rund 7 Milliarden Euro gesenkt.
- Da Arbeitgeberbeiträge
zur Sozialversicherung Lohnbestandteile sind, sinken die Personalkosten
(= steigen die Gewinne) der Unternehmen um 3,5 Milliarden Euro.
Die fehlen fortan nicht nur den Arbeitslosen zur Bestreitung
des Lebensunterhalts sondern ebenso als Kaufkraft im Binnenmarkt.
Angesichts von (heute) 6 Millionen Arbeitslosengeldempfängern
wird, kaum ist die "Rente mit 67" beschlossen, ein
noch späteres Rentenbeginnalter in die Diskussion geworfen.
Weil es die Jobs für die 66 und 67-jährigen aber nicht
gibt - es gibt ja schon für die 60-jährigen keine mehr
- läuft alles auf Rentenkürzungen hinaus. Für
die Arbeitgeber werden damit die Personalkosten gesenkt (= die
Gewinne gesteigert) - doch das Geld fehlt fortan im Binnenmarkt.
Angesichts von (heute) 6 Millionen Arbeitslosengeldempfängern
werden Kommunen, Sozialeinrichtungen, aber auch eigens frisch
gegründete Trägerorganisationen von unserem (?) Staat
ermuntert, ihre Dienste unter Ausbeutung der Leistung von Ein-Euro-Jobbern
anzubieten und damit regulären Unternehmen mit regulär
bezahlten Arbeitnehmern ganz offen - und gegen die Schutz-Vorschriften
des Gesetzes, die offenbar niemand kontrollieren will - Konkurrenz
zu machen.
- Über Kombi-Lohn
und andere "Aufstocker-Modelle" werden weitere Unternehmer
massiv subventioniert. Die Kosten bürdet unser (?) Staat
seinen (!) Steuerzahlern auf.
- Angesichts von (heute)
6 Millionen Arbeitslosengeldempfängern hat unser (?) Staat
daher die Mehrwertsteuer, die ganz überwiegend von den Haushalten
der Arbeitnehmer, der Arbeitslosen und der Rentner aufgebracht
wird, massiv erhöht, während die Besteuerung unserer
(?) Großkonzerne und unserer (?) Global Player unaufhaltsam
weiter nach unten reformiert wird.
-
- (Damit
der Exportweltmeister endlich
wieder international wettbewerbsfähig wird.)
-
- Dies alles und noch
viel mehr gehört zu den herausragenden und von den Zuschauern
begeistert bejubelten Massenveranstaltungen des Bürgerkriechs
von 2002 bis 2007.
-
- Feinstaub - Ökozone
- Holzofen
-
- Bürger mit alten
Autos dürfen nicht mehr in die Innenstädte.
- Als ob die wenigen,
noch übrigen alten Pkws tatsächlich einen nennenswerten
Beitrag zur Feinstaubbelastung leisten könnten. Stattdessen
müssen Millionen Fahrzeuge mit einer Plakette versehen werden.
Die muss man sich holen (mit dem Auto hinfahren) und bezahlen
und den Folienträger in die Mülltonne werfen - das
alles schont die Umwelt!
- Alte und neue Kachelöfen,
auch moderne Pelletsheizungen sollen durch sogenannte "Umwelt-Auflagen"
unwirtschaftlich gemacht werden. Die Verfeuerung des nachwachsenden
Rohstoffes Holz ist zwar - im Gegensatz zur Ölheizung --
CO2-neutral und auch sonst höchst umweltfreundlich, aber
es wird behauptet, die beim Anheizen in der kalten Jahreszeit
in die Umwelt getragenen Aschepartikel seien ein dringend auszurottendes
Übel.
-
- Bei genauem Hinsehen
handelt es sich um ein Nichts, im Vergleich zu dem, was Millionen
von Diesel-Lkw das ganze Jahr in die Luft blasen - aber da kann
man so schnell nichts machen. Da nicht.
Die ganze zur Schau getragene Geschäftigkeit ist letztlich
eine - mit den Sprüchen von Umweltschutz und Klima-Katastrophe
nur unzureichend kaschierte - Voodoo-Ökonomie, die einen
steten Kauf- und Instandhaltungszwang auslösen soll, um
der heiligen Kuh "Wirtschaftswachstum" ihr Opfer zu
bringen - ungeachtet des dadurch erst ausgelösten zusätzlichen
Ressourcenverzehrs.
- Gleichzeitig wurden
allerdings, in schöner Inkonsequenz, rund drei Dutzend Kohlekraftwerksdreckschleudern
auf Vorrat genehmigt, damit die Herren der Energiekonzerne noch
ordentlich Verschmutzungsrechte einsammeln können.
(
)
Entwertung von Eigentum und massive Teuerung werden so - und
das in grobem Widerspruch zwischen Wort und Tat und bei klar
erkennbarer einseitiger Begünstigung der großen Global
Player - von oben herab verordnet.
-
- Die Zuschauer auf
den Rängen, die niemand sieht, weil keiner der Kriecher
wagt, den Kopf so weit zu heben, dass er sie sehen könnte,
ergötzen sich daran, wie die Schnecken sich abmühen,
mit den zusätzlichen Hindernissen des Bürgerkriech-Parcours
fertig zu werden und schließen ihre Wetten ab.
Nur wer es schafft, ständig ganz unten zu bleiben, den Kopf
keinen Augenblick zum Widerspruch zu erheben, der hat als Spitzenkriecher
gute Chancen, aus einem der nächsten nationalen Wettbewerbe
als Sieger hervorzugehen. Er darf sich nur nicht aufrichten,
schon gar nicht auf dem Siegertreppchen - ein solcher Formfehler
führt gnadenlos zur Disqualifikation - denn Kriecher müssen
auch und gerade im Triumph ein Vorbild sein.
-
-
- Erst anmelden,
dann glotzen - die GEZ
-
- Wer ein Rundfunk-
oder Fernsehgerät zum Empfang bereithält...
-
- Die allgemeine, grenzenlose
Rundfunk- und Fernsehsteuer mit ihrer ungeliebten Einzugsorganisation
hat nun, dank obrigkeitlicher Beschlüsse, auch die PC-Besitzer
in die Reihen ihrer Melkkühe integriert und ohne nennenswerten
Widerstand an die große Melkmaschine angeschlossen, die
inzwischen überwiegend als öffentlich rechtliches Versorgungswerk
für Kerner und Gottschalk, für unsäglichen Volksmusikanten-Verschnitt,
für die Vereinskassen der Fußball-Bundesliga und jene
weiblichen und männlichen Heroen des Halb- und Unterwelt-Sports
dient, die sich auch deshalb die Augenbrauen blutig und das Hirn
weich schlagen, weil es ARD und ZDF gefallen hat, solche Brutalo-Veranstaltungen
wieder salonfähig zu machen und sie mit Gebührenzahlergeldern
zu überschütten.
(
)
-
-
|