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- Währungskrieg gegen
die Eurozone
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- Alexander Czerny, dessen scharfsinnige
Analysen ich sehr schätze, hat erneut ein Papier vorgelegt,
das im wahrsten Sinne des Wortes hochbrisanten Sprengstoff enthält.
Weil dieses Papier vom Aufbau her den üblichen Lesegewohnheiten
widerspricht, nämlich auf einer umfangreichen Betrachtung
von Entwicklungen und Entscheidungen der letzten 20 Jahre aufbauend,
erst in einer als "Nachtrag im Februar 2009"
bezeichneten Schlusssequenz die entscheidenden Folgerungen zieht,
habe ich mir erlaubt, dieses Dokument, dessen Original über
diesen Paukenschlag verlinkt ist, so mit einleitenden Worten
zu versehen, dass es die gebührende Aufmerksamkeit auf sich
ziehen wird.
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- Czerny ist schon 2004 zu
der Erkenntnis gelangt:
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- Deutschland
erklärt der Eurozone den Krieg
(Die Arbeit über
diese Erkenntnis, mit dem Titel: "Der Währungskrieg
der Bundesbank", hat sein ehemaliger Professor H.A. Winkler
an der Humboldt Universität Berlin seinerzeit übrigens
mit der Bestnote ausgezeichnet.)
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- Knapp fünf
Jahre später, im Februar 2009,
stellt Czerny die alles entscheidende Frage:
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- Was wäre,
wenn
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- es nach dem
erwarteten Kollaps des US-Dollars und nach dem Bruch der Eurozone
zur
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- Wiedereinführung
der D-Mark käme?
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- und auch die Antwort bleibt
er nicht schuldig:
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- Deutschland
hätte
dann eine Weltleitwährung, deren einziger Konkurrent allenfalls
der japanische Yen wäre.
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- Die Deutsche
Mark
- wäre
die härteste Währung der Welt.
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- Deutschland
würde
die Rolle der USA übernehmen und
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- die Bundesbank
- wäre
die mächtigste Zentralbank der Welt.
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- Deutsche Großkonzerne beherrschen seit langem den Weltmarkt.
- Deutsche
Banken
würden mit dem Zusammenbruch von Dollar und Euro die Finanzierung
der Leistungsbilanzdefizite aller Staaten übernehmen:
- Die Auslandsschulden
aller Staaten lauteten dann auf D-Mark, deutsche Banken entwickelten
sich zum Hauptgläubiger der Welt und Deutschland stiege
zur Supermacht auf.
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- Dies mag
heute noch verschwörerisch klingen.
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- Aber anders
lässt sich der mangelnde Wille von deutscher Seite zur wirtschaftspolitischen
Kehrtwende - und damit zur Rettung des Euro - kaum mehr erklären.
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- Den Link auf
das Original-Czerny-Dokument finden Sie am Ende dieses Paukenschlags.
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- Für alle,
die sich zunächst einen Überblick über die wesentlichen
Inhalte verschaffen wollen, habe ich eine gekürzte Fassung
- Auslassungen sind mit (...) gekennzeichnet -
- für Sie
vorbereitet:
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- Deutschland erklärt
der Eurozone den Krieg
- Zusammenhänge zwischen
der Blockadepolitik der Bundesbank in den 1990er Jahren und der
neoliberalen Reformpolitik in Deutschland nach der WWU.
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- Von Alexander Czerny
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- Einleitung
- Die europäische Währungsunion
war das Resultat der berechtigten Bestrebungen einiger Staaten
der Europäischen Gemeinschaft, insbesondere von Frankreich,
sich von der wirtschaftspolitischen Vorherrschaft der deutschen
Zentralbank zu befreien, wobei die Bundesbank ihrerseits mit
allen Mitteln versuchte, die geplante WWU zu verhindern.
- (...)
- Kennt man die Hintergründe,
erscheinen die neoliberalen Reformen in Deutschland plötzlich
in einem anderen Licht: Deutschland sollte nach der Einführung
des Euro durch intensive Lobbyarbeit der Wirtschaftsführer
nicht nur in einen Billiglohn-Standort reformiert werden, um
den deutschen Grosskonzernen kurzfristig Rekordgewinne zu verschaffen.
Der einseitige deutsche Deflationskurs zielt längerfristig
auch darauf ab, die Eurozone auseinanderbrechen zu lassen.
- (...)
- Der Zusammenbruch des Wechselkurssystems
von Bretton Woods im Jahre 1973 erzwang von allen Regierungen
gravierende Veränderungen in den nationalen wirtschaftspolitischen
Zielstellungen. Konnte bis zu diesem Zeitpunkt aktive, auf den
Binnenmarkt ausgerichtete, Konjunkturpolitik betrieben werden,
so änderten sich die wirtschaftspolitischen Ziele mit dem
Übergang zu frei floatenden Wechselkursen und der Aufhebung
von Kapitalverkehrskontrollen einschneidend.
- (...)
- Zwischen den nationalen Währungen
setzte ein Attraktivitäts-Wettbewerb ein, der vorrangig
über die Schwächung der eigenen Binnennachfrage ausgetragen
wurde, um die Inflationsrate gegenüber den anderen Konkurrenzwährungen
zu senken. Geldpolitisch erfolgte dies mittels Hochzinspolitik,
fiskalpolitisch über eine höhere Besteuerung und Erweiterung
der Bemessungsgrundlagen der unteren Einkommensschichten.
- (...)
- In dieser Situation erdachten
sich 1978 Helmut Schmidt und Valery Giscard D'Estaing, der französische
Staatspräsident, ein neues Festkurs-Währungssystem
innerhalb der EG, um die Währungsbeziehungen der Mitgliedsstaaten
zu stabilisieren. Die Besonderheit am Europäischen Wechselkurssystem
(EWS) war der ECU (European Currency Unit), eine künstliche
Ankerwährung, die jedoch während der gesamten Existenz
des EWS ein unbedeutendes Schattendasein fristete. Denn auch
innerhalb des EWS herrschte wider Erwarten Währungskonkurrenz:
Scharenweise flüchteten Anleger in die inflationsarme D-Mark,
die obendrein lukrative Zinsen versprach.
- So kam es, dass nicht etwa
der ECU, sondern die DM faktische Ankerwährung im EWS wurde.
Von nun an bestimmte die deutsche Zentralbank die geld- und wirtschaftspolitischen
Spielregeln innerhalb der Staaten des EWS, denn diese mussten
nun - womit sie nicht gerechnet hatten - darauf achten, ihre
Zinssätze stets oberhalb der Bundesbank-Zinsen zu halten.
- (...)
- Es war den EWS-Staaten entgegen
ihren Erwartungen nicht vergönnt, zum wirtschaftspolitischen
Kurs der Bretton-Woods-Ära zurückzukehren. Seit etwa
1980 mussten alle EWS-Staaten hohe Arbeitslosenzahlen und einen
starken Verlust ihrer binnenwirtschaftlichen Dynamik in Kauf
nehmen.
- Ab Mitte der 1980er Jahre
wurde der Machtzuwachs der Bundesbank mit zunehmendem Unbehagen
beobachtet. 1985 nahm der französische Präsident der
EG-Kommission, Jacques Delors, die im Werner-Plan formulierte
Idee einer einheitlichen europäischen Währung wieder
auf.
- "Auf längere Sicht
schien es ihm [Delors] unannehmbar, dass die anderen EG-Staaten
in einem System leben sollten, in dem ein Land - die Bundesrepublik
- praktisch die Währungspolitik für den gesamten Kontinent
bestimmte. Konkrete Bemühungen um die Währungsunion
würden nicht nur für den ab 1993 geplanten "Binnenmarkt"
von Vorteil sein, sie würden auch einen enormen politischen
Fortschritt bedeuten. Im Übrigen wäre es ein Weg zu
einer gerechteren Verteilung der wirtschaftlichen Macht, wenn
man die dominierende Position der D-Mark beseitigte."
-
- Auf sein Betreiben hin wurde
1987 das Ziel einer Währungsunion in der Einheitlichen Europäischen
Akte verankert.
- (...)
- In Deutschland gab es auf
politischer Ebene unter Kanzler Kohl keine Bedenken. Die Buba
jedoch, die mit der WWU der Hauptverlierer wäre, meldete
nach Erscheinen des Delors-Berichtes Zweifel an. Ihr blieb zunächst
nichts anderes übrig, als erst einmal still zu halten.
- (...)
- Mit dem Fall des eisernen
Vorhangs überstürzten sich jedoch die Ereignisse. Eine
Expansion der Bundesrepublik im Zuge der deutsch-deutschen Wiedervereinigung
erschien den Nachbarstaaten unter den Machtverhältnissen
im EWS wenig verlockend.
Die europäische Währungsunion musste daher ihrer Meinung
nach schnellstmöglich unter Dach und Fach gebracht werden.
- Während die EG-Staaten
mit Frankreich als treibende Kraft fieberhaft bemüht waren,
die Diktatur der Bundesbank mittels einer europäischen Gemeinschaftswährung
zu beenden, fiel ihnen mit dem Einheitskanzler das Glück
förmlich in den Schoß. Kohl, dem zuvorderst eine politische
Union am Herzen lag, war bestrebt, seinen Nachbarn die Furcht
vor einer Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten zu nehmen
und wollte unter allen Umständen beweisen, dass auch die
Deutschen "gute Europäer" seien. Bei einem Treffen
zwischen Kohl und Mitterand im April 1990 versprach der Kanzler
schließlich dem französischen Präsidenten, die
D-Mark zugunsten einer europäischen Gemeinschaftswährung
zu opfern und erhielt sodann Mitterands Segen zur deutschen Wiedervereinigung.
-
- Die Bundesbank war entsetzt.
Dem damaligen Bundesbankpräsidenten Karl-Otto Pöhl
wurde klar, dass es bei diesem "rein politischen Kuhhandel"
darum ging, die Macht der Bundesbank zu brechen. Sollte eine
Währungsunion tatsächlich zustande kommen, wäre
sie der Hauptverlierer. Anstatt sich quer zu stellen und damit
die politische Wut Europas auf sich zu ziehen, wählte Pöhl
eine viel ausgeklügelte Strategie: Wenn er Delors von Anfang
an auf die Nerven gehen würde, könnte er unmöglich
den Stempel der Buba auf den Maastrichter Vertrag drücken.
Wenn er sich jedoch zumindest interessiert zeigte, dann könnte
er wenigstens die Vertragsbedingungen bestimmen.
- (...)
- Nun wählte die Buba
eine andere Strategie, um die WWU zu verhindern: Wenn sie sie
nicht von außen zu Fall bringen konnte, musste sie versuchen,
das Konstrukt von innen zu unterminieren. Die Bundesbank beschloss,
die europäische Währungsunion nach außen hin
zu unterstützen, sie zugleich aber dadurch zu blockieren,
dass sie Bedingungen stellte, die für die anderen Staaten
unannehmbar sein mussten.
- (...)
- Die Forderungen der Buba,
denen ihrer Meinung nach kaum ein Land nachkommen wollen würde,
waren unter anderem:
-
- die Struktur der geplanten
Europäischen Zentralbank sollte eine originalgetreue Kopie
der Bundesbank werden.
- Die Zentralbanken der EG-Staaten
müssen von ihren Regierungen absolute Unabhängigkeit
erlangen. (Von allen Mitgliedsstaaten der EG besaß nur
Deutschland eine von der Regierung unabhängige Zentralbank).
- Diese nationalen Zentralbanken
und die EZB dürfen keine Kredite mehr an die öffentliche
Hand vergeben.
-
- Damit wäre keine Regierung
mehr in der Lage, bei Haushaltsdefiziten Zentralbankkredite aufzunehmen
- weder von der EZB, noch von ihrer "eigenen" Zentralbank.
Jede Regierung müsste sich dann die nötigen Geldmittel
über Anleihen besorgen oder sich bei den regulären
Banken verschulden. Darüber hinaus forderte die Buba als
Bedingung für die Teilnahme der EWS-Staaten an der dritten
Stufe der WWU die strikte Erfüllung folgender Kriterien:
- maximales jährliches
Haushaltsdefizit im Verhältnis zum BIP: 3%,
- maximale Staatsverschuldung
im Verhältnis zum BIP: 60%,
- eine durchschnittliche Inflationsrate,
die nicht höher als 1,5% über der Inflationsrate
derjenigen Staaten liegt, die das beste Ergebnis auf dem Gebiet
der Preisstabilität erzielt haben,
- einen durchschnittlichen
Nominalzinssatz, der nicht höher als 2% über dem Zinssatz
derjenigen Staaten liegt, die das beste Ergebnis auf dem Gebiet
der Preisstabilität erzielt haben,
- stabile Wechselkurse und
Abwertungsverbot im EWS bis zur dritten Stufe der WWU.
-
- So wurden die berühmt-berüchtigten
Maastrichter Konvergenzkriterien geboren und dienten als Eintrittsbedingungen
für die (am 1.1.1999 gestartete Endstufe der) WWU. Die Bundesbank
war überzeugt davon, dass kaum ein Land diese Kriterien
dauerhaft erfüllen könne.
- (...)
- Die Bank spekulierte darauf,
mit ihren rigorosen Bedingungen den für Dezember 1991 geplanten
Maastrichter EG-Gipfel platzen zu lassen. Womit sie nicht rechnete:
Im Vorfeld von Maastricht verabredeten die EG-Nachbarn, dem Vertragsentwurf
ohne Umwege und Diskussionen zuzustimmen, gewissermaßen
"Ja" und "Amen" zu sagen, denn das eigentliche
Ziel der WWU war nicht unbedingt die Einheitswährung per
se. Diese diente ja vorrangig dazu, um sich von der Diktatur
der D-Mark zu befreien.
- Das Resultat von Maastricht
war wie ein "Faustschlag ins Gesicht" der Buba. Damit
war das Ende der Vorherrschaft der D-Mark in Europa besiegelt.
- (...)
- Der eigentliche Krieg der
Währungen begann nach Maastricht. Die Buba konnte zwar nicht
lautstark gegen das Ergebnis protestieren (was sie später
teilweise aber doch noch tat), versuchte aber mit Gewalt, den
Integrationsprozess in die gewünschte Richtung zu lenken:
Grundlage für die Teilnahme an der dritten Stufe der WWU
war die Teilnahme am EWS - und dieses versuchte die Bundesbank
nun zu sprengen.
- Zehn Tage nach Maastricht
erhöht die Bundesbank den Diskontsatz auf den Rekordwert
von 8 Prozent - ungeachtet des wirtschaftlichen Kollapses in
den neuen Bundesländern! Nun wurde Europa zum Pulverfass.
Obwohl alle EWS-Staaten notgedrungenerweise ihre Zinsen anheben
mussten, konnten sie nicht verhindern, dass die deutschen Zinsen
wie ein Staubsauger wirkten. Massenhaft wurde D-Mark gekauft,
und die restlichen Währungen gerieten unter erheblichem
Abwertungsdruck. Weil alle Staaten, die an der WWU teilnehmen
wollten, auf restriktiven Sparkurs gegangen sind, stieg deren
Verschuldung auch durch das extreme Zinsniveau rapide an. Die
europäische Wirtschaft war wie gelähmt, und die Arbeitslosenquoten
erreichten verbreitet Rekordwerte. Zur gleichen Zeit kamen, angelockt
durch Höchstzinsen, Anleger aus aller Welt und suchten sich
die Währung mit dem jeweils höchsten Zinsniveau. Währungen,
wie z.B. die italienische Lira, versprachen mit Zinsen von über
17% Rekordrenditen. Doch die Sicherheit war trügerisch.
Denn die stabilen Wechselkurse im EWS beruhten auf Fiktion. Politischer
Ehrgeiz und die Aussicht, Finanzgeschäfte später in
einer Weltwährung abwickeln sowie Importe in eigener Währung
bezahlen zu können, lockten auch ausgesprochene Weichwährungsländer
ins EWS. Als letztes Land vor dem großen Krach erklärte
Portugal im April 1992 den Beitritt.
- (...)
- Das NEIN Dänemarks zur
WWU am 2. Juni 1992 schlug ein wie eine Bombe. "Der politische
Unterbau des EWS wurde mit einem Schlag weggefegt. Maastricht
war kein Fakt, und die unantastbare Koppelung der europäischen
Währungen im EWS war keine politisch vollendete Tatsache."
Andere Staaten baten die Buba um ein Zeichen von Verständnis,
denn die Luft zum Atmen wurde immer dünner. Doch die deutsche
Zentralbank reagierte schon seit langem zynisch:
- "Eines sehen unsere
Nachbarn durchaus: Die D-Mark ist nun mal derzeit die Leitwährung
in Europa, und es läge nicht in ihrem Interesse, wenn die
D-Mark eine Inflationswährung wäre."
- Während Europa unter
der Last der Buba-Zinsen stöhnte, erhöhte die Bundesbank
am 17. Juli ein weiteres Mal den Diskontsatz auf einen abermaligen
Rekordwert von 8,75 Prozent. Dies war eine öffentliche Kriegserklärung
an das EWS und die WWU.
- Am 8. September 1992 war
es dann soweit. Das EWS, das offiziell dazu gedacht war, Spekulationen
einzudämmen, wurde für Devisenspekulanten zu einer
Spielbank, in der man fast nur gewinnen konnte. Als erstes Land
musste Finnland seine Markka abkoppeln. Das zweite Ziel der Spekulanten
war die italienische Lira, die schließlich am 13. September
abgewertet werden musste. Einen Tag nach der Lira-Abwertung senkte
die Buba den Diskontsatz um einen halben Prozentpunkt. Als Rache
für dieses Zugeständnis lud einen Tag später der
neue Bundesbankpräsident Schlesinger in einem Interview
im Wallstreet Journal den Berufsspekulanten George Soros indirekt
zu einem Angriff auf das britische Pfund ein. Dieser nahm nun
einen Kredit über 10 Milliarden Pfund auf und tauschte sie
zunächst in DM. Die 10 Mrd. Pfund, die bei dieser Transaktion
schlagartig auf den Devisenmarkt gespült wurden, waren für
Anleger und Spekulanten das Signal, sich auf die britische Währung
zu stürzen. Die Interventionen der Bank Of England zur Verteidigung
des EWS-Kurses sollen innerhalb weniger Stunden mehr gekostet
haben, als der Golfkrieg von 1991. Am 16. September gab Großbritannien
auf und verließ das EWS. Soros tauschte nun seine DM in
Pfund zurück - zu einem neuen Wechselkurs - und hatte mal
eben eine Milliarde Pfund hinzuverdient.
- Nun waren die Devisenspekulanten
nicht mehr zu halten. Italien musste endgültig aussteigen,
die Peseta wertete um 5% ab, und am 19. November verließ
Schweden das EWS. Ende November mussten Spanien und Portugal
erneut abwerten. Norwegen kehrte am 10. Dezember dem EWS den
Rücken. Januar 1993 wurde das irische Pfund um 10% abgewertet.
Doch die Buba fährt weiterhin rigorose Hochzinspolitik,
wenngleich sie den Diskontsatz unerträglich langsam bis
auf 6,75% (Juli ´93) senkt. Das Finale der von der Buba
provozierten EWS-Krise bildete das Gefecht um den französischen
Franc. Verzweifelt versuchte die Banque de France den Wechselkurs
des Franc zu verteidigen, doch die Buba beschloss am 29.7. trotz
aller Bitten Frankreichs um Zinssenkungen, den Diskontsatz unverändert
zu lassen. Anleger und Spekulanten flohen in Massen aus dem Franc.
Um den Wechselkurs zu halten, musste am 30.7. die französische
Zentralbank ihre sauer verdienten Devisenreserven auf den Markt
werfen, um150 Milliarden Franc aufzukaufen.
- Das ursprüngliche EWS
zerbrach am 2. August. Die Schwankungsmargen wurden von 2,25
auf 15 Prozent erweitert. Lediglich die Niederlande und Deutschland
behielten bilateral das alte Wechselkurssystem bei. Dennoch schien
es, als hätte die Bundesbank aufgegeben.
- (...)
- Deutschland, das "Land
mit der roten Laterne", betreibt noch immer orthodoxe radikal-neoliberale
Wirtschaftspolitik, versucht noch immer erfolglos die öffentlichen
Haushalte mittels Ausgabenkürzungen zu konsolidieren und
- erfolgreich - mit "Agenda 2010", "Hartz IV"
und Schuldenhysterie die Kaufkraft im Binnenmarkt zu vernichten.
Gleichzeitig werden, nachdem die Besteuerung von Gewerbekapital
und großen Geldvermögen praktisch eingestellt wurde,
weiterhin die Spitzensteuersätze gesenkt, in der Hoffnung,
damit die Wirtschaft zu beleben. Und während sich Hans Eichel
über immer größere Haushaltslöcher wunderte
und sein Heil darin suchte, öffentliches Eigentum an Konzerne
zu verscheuern (die so genannten "Privatisierungen"),
geraten ganze Bevölkerungsschichten in Armut und finanzielle
Verzweiflung, erreichen die Privat- und Unternehmensinsolvenzen
Rekordwerte, geraten die Kreditinstitute in Not, werden die Gewerkschaften
entmachtet, zeichnet sich eine regelrechte Bildungskatastrophe
ab und erhält der deutsche Rechtsextremismus starken Zulauf.
Und: In keinem Land wird antizyklische Konjunkturpolitik derart
als "gefährlicher Keynesianismus" denunziert,
wie in der Bundesrepublik.
-
- Es sieht so aus, als wäre
der Währungskrieg der Buba innerhalb Europas noch nicht
beendet.
-
- Voraussetzung für ein
längerfristiges Funktionieren der europäischen Währungsunion
sind harmonisierte Inflationsraten der Mitgliedsstaaten der Eurozone.
Doch Deutschland betreibt, mittlerweile völlig isoliert,
weiterhin radikale Sparpolitik, während andere Regierungen
mit einem Mix aus Angebots- und Nachfragepolitik ihren Binnenmarkt
wieder belebten. Das Problem: Die deutsche Deflationspolitik
sorgt hierzulande dafür, dass Löhne und Preise stagnieren
(und sich bis auf Preise fuer Lebensmittel, Energie und Mieten
mittlerweile im Sinkflug befinden), während Löhne und
Preise in den restlichen Staaten der Eurozone dort größere
Wachstumsraten verzeichnen. Die Differenz der Inflationsraten
zwischen der Bundesrepublik und der Rest-EU scheint auf den ersten
Blick mit durchschnittlich 2,5% pro Jahr nicht allzu hoch zu
sein. Aber nach vielen Jahren Stagnation bei Löhnen und
Preisen in der Bundesrepublik haben sich bereits jetzt erstaunliche
Preis- und Lohnniveaudifferenzen zu den restlichen Staaten der
Eurozone entwickelt - bei gemeinsamer Währung!
- Dies führt schon jetzt
zu Verwerfungen und verzerrten Wettbewerbsbedingungen im europäischen
Binnenmarkt und unterzieht mittelfristig die Gemeinschaftswährung
einer Zerreißprobe.
-
- Ganz offensichtlich scheint
der Währungskrieg in eine neue Phase zu treten, denn allzu
deutlich lässt man es auf einen, von deutscher Seite forcierten,
Bruch der Einheitswährung ankommen.
- (...)
- Massive Schützenhilfe
scheinen hierbei die Führungsetagen von ein paar Dutzend
Großunternehmen zu leisten, denen die neoklassisch-neoliberale
Lohnsenkungspolitik zu "Wachstum und Wohlstand" verhilft:
Während die Löhne am "Wirtschaftsstandort Deutschland"
stagnieren bzw. sinken, steigen ja die Preise in den europäischen
Nachbarstaaten weiterhin, womit im Außenhandel erstaunliche
Rekordgewinne erzielt werden, denn über 50 Prozent der gesamten
deutschen Exporte werden innerhalb der Eurozone abgesetzt!
Doch weder zahlen diese Konzerne nennenswerte Steuerbeträge,
noch schaffen sie Arbeitsplätze, sondern drohen permanent
mit Standortverlagerung, wenn der Sparkurs der Regierung nicht
verschärft werde. Man beachte den Zusammenhang!
- (...)
-
- A.C. im November 2004
-
-
- Nachtrag im Februar 2009:
-
- 1.
- Das zunehmende Ungleichgewicht
im innereuropäischen Handel hat sich in den letzten 5 Jahren
durch den einseitigen Deflationskurs Deutschlands weiter verschärft.
- (...)
- Überspitzt ausgedrückt:
Deutschland brüskiert ausländische Exportunternehmen
und verweigert ihnen den Zugang zum deutschen Markt. Neoliberale
Zyniker nennen für die schwindene Wettbewerbsfähigkeit
der Nachbarn folgenden Grund: Mangelnde Disziplin. Deutschland
sei umgeben von lauter undisziplinierten Nachbarn.
-
- Die Wahrheit ist jedoch,
dass Deutschland ihnen den Wirtschaftskrieg erklärt hat.
- Das folgende Diagramm veranschaulicht
die deutsche Übermacht:
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-
- 2.
- Mit den deutschen Billigimporten
importieren diese Länder zudem auch die Arbeitslosigkeit,
da ausländische Unternehmen zunehmend der deutschen Konkurrenz
zum Opfer fallen. Ein weiteres Problem für unsere Nachbarn
sind sogar die deutschen Opfer der neoliberalen Agenda: Heerscharen
von deutschen Billiglohnarbeitern suchen Jobs in den Nachbarstaaten
und konkurrieren dort um Arbeitsplätze.
- (...)
-
- 3.
- Was ich im November 2004
noch nicht erkannte: Nahezu unbemerkt von der Oeffentlichkeit
haben die privaten Grossbanken unter der Fuehrung der Deutschen
Bank ab dem Jahr 2000 eine Deflationsoffensive gestartet und
dem deutschen Binnenmarkt den Geldhahn zugedreht, um die von
den Exportkonzernen geforderte neoliberale Umstrukturierung Deutschlands
im Akkord mit Agenda 2010 und den Hartz-Gesetzen zu unterstuetzen.
- (...)
-
- 4.
- Der politische Wille zur
Rettung des Euro ist - abgesehen von Sonntagsreden - nach wie
vor nicht vorhanden.
-
- Im Gegenteil: In den letzten
5 Jahren hat sich der neoliberale Kurs der Bundesregierung nicht
zuletzt durch die Einführung von Hartz 4 drastisch verschärft.
Die Wiederanhebung der Steuersätze fuer Besserverdiener
und Reiche auf zumindest europäisches Durchschnittsniveau
blieb bis heute aus, so dass dem Staatshaushalt weiterhin die
finanziellen Mittel fehlen, die noetig wären, um den Deflationskurs
von Grossbanken und Grosskonzernen auszubalancieren - und letztendlich
um den Euro zu retten.
- (...)
-
- 5.
- Der einseitige Deflationskurs
der Bundesrepublik ist so offenkundig, dass es sich lohnt, einen
Blick hinter die Kulissen zu werfen, um herauszufinden, welche
Bundesbank-Strategen jetzt in welchen Positionen sitzen.
-
- Tietmeyer und die INSM sind
nur ein Beispiel, das ich 2004 kurz andeutete. Leider habe ich
derartig verschwörerische Zusammenhänge nicht weiter
verfolgt, empfehle aber allen Interessierten, genau an dieser
Stelle weiterzurecherchieren.
-
- Noch einmal:
- Was wäre, wenn ?
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-
- hier nun der versprochene
Link auf das Original-Dokument von Alexander Czerny
-
-
- und der Link auf Czernys
gesammelte Werke auf egon-w-kreutzer.de
-
-
- Sie möchten direkt mit
Alexander Czerny in Kontakt treten?
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an mich und wird ggfs. als Kommentar zu diesem Paukenschlag -
natürlich ohne Namensnennung - veröffentlicht. Wenn
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Der EWK-Verlag plant eine Art "best of"-Auswahl
aus allen Aufsätzen und Paukenschlägen der Jahre 2003
bis 2009 als Hardcover-Ausgabe herauszubringen. Die Auswahl der
besten Aufsätze überlassen wir Ihnen.
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Zeit bis zum 30. April 2009
-
-
"Unter Bankstern"
von Artur P. Schmidt
ist am 3. März im EWK-Verlag erschienen und wird bereits
in vielen Online- und Offline-Publikationen besprochen.
-
- Dieses Buch bringt Licht in
das Dunkel eines wesentlichen weiteren Zweiges der Weltfinanzwirtschaft
und ihrer destruktiven Strategien.
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-
Wer Czerny liest, wird
auch Artur P.Schmidt gerne lesen.
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