Paukenschlag am Donnerstag
No. 8/2009
vom 26. Februar 2009

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

keine
Druckversion
 Kommentare lesen / schreiben

Bankenkrisenprotektion

Impressum
Startseite
EWK-Verlag
Newsletter
Paukenschläge 2007
Paukenschäge 2008
Weitere Kommentare
Leserbriefe
 
Paukenschläge 2009 (ältere)
1 Steinbrück, Peer
2 Die Würde des Menschen ist nicht mehr ertastbar
3 Asymmetrisches Treiben
4 Wenn Banken baden geh'n - Bad Bank
5 Schuldenbremser
6 Die Liquiditätsblase
7 Abwrackprämie für Bänke
 
 
 Antides
 
 Volkszornindex

Der aktuelle Wert
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 
Bankenkrisenprotektion
 
 
Um in Zukunft internationale Bankenkrisen zu verhindern, haben sich die Vertreter der größten Wirtschaftsnationen der EU darauf verständigt,
 
  • Steueroasen auszutrocknen,
  • ein Frühwarnsystem für Finanzkrisen aufzubauen,
  • die Bonuszahlungen an Manager zu begrenzen,
  • Finanzmärkte und Finanzprodukte zu kontrollieren und zu reglementieren, sowie
  • protektionistischen Tendenzen entgegenzuwirken.
 
 
Darauf hat man sich am letzten Wochenende geeinigt.

Das wollen sie auf dem G20 Gipfel im April gemeinsam gegenüber dem Rest der G-20-Welt vertreten.
 
 
 
Das ungute Gefühl, das diese Beschlüsse auslösen, kommt nicht alleine davon, dass die Erarbeitung von Plänen, wie in Zukunft Bankenkrisen verhindert werden sollen, im Augenblick nicht gerade als situationsgerechtes Verhalten bezeichnet werden kann.
 
Wir stecken in der größten Wirtschaftskrise der letzten hundert Jahre.
 
Diese zu verhindern, wäre vor fünf Jahren wahrscheinlich noch möglich gewesen - die nächste Krise dieses Ausmaßes zu verhindern, wird wohl frühestens in fünfzig Jahren wieder auf der Tagesordnung stehen.
 
Bis dahin werden alle heutigen und morgigen Beschlüsse zur Verhinderung neuer Finanzkrisen längst überholt und vergessen sein.
 
Das ungute Gefühl kommt auch davon, dass die beabsichtigten Präventionsmaßnahmen zeigen, dass das eigentliche Problem weiterhin nicht angegangen, ja nicht einmal beim Namen genannt werden soll.
Stattdessen schlachtet man ein paar Gänse, rupft ihnen die Brustfedern heraus und steckt diese als Adlerflaumimitat an die uralten verfilzten Filzhüte. So ausstaffiert, hofft man, wird das Publikum dem alten Ensemble die neue Verstellung für die neue Vorstellung schon abnehmen.
 
Ein Augenblick der Besinnung - und die theatralische Beschwörung gemeinsamen guten Willens entpuppt sich als Farce.
 
Zunächst einmal fallen die aufgeblasenen Überschriften ein Stück weit in sich zusammen.
Was substantiell übrig bleibt, sind drei simple Forderungen:
 
  • Mangergehälter runter
  • Protektionismus ablehnen
  • Aufsicht + Regulierung stärken
 
Forderungen, die einerseits nicht zu erfüllen sind, andererseits, selbst wenn sie sich erfüllen ließen, keinerlei Einfluss auf die Vorbereitung und den Vollzug künftiger, internationaler Finanzkrisen hätten. Es handelt sich also nicht um Forderungen, sondern um lediglich um Beschwichtigungsversuche. Bestenfalls ist das gutgemeinte Psychologie zur Stimmungsaufhellung, schlimmstenfalls handelt es sich um glatte Lügen, die ein ungestörtes "Weiter-so" ermöglichen sollen.
 
Managergehälter runter!
 
Manager als die Buhmänner der Nation zu hinzustellen und alles Übel darauf zurückzuführen, dass diese sich von überhöhten Bonuszahlungen dazu hinreißen lassen, unkontrollierte Risiken einzugehen, ist eine raffinierte Form von Volksverdummung.
 
Manager von Großunternehmen sind Angestellte.
Vorstände und Vorstandsvorsitzende sind Angestellte.
 
Es sind Angestellte, die den Anteilseignern verpflichtet sind. Angestellte, die viel Geld dafür bekommen, die Unternehmen, denen sie vorstehen, so zu führen, dass damit den Interessen der Anteilseigner bestmöglich gedient wird.
 
Die Funktion des Aufsichtsrates ändert daran nichts.
Aufsichtsräte, die von der Eigentümerseite bestellt werden, sind, solange nicht Eigentümer selbst als Aufsichtsrat auftreten, häufig nur Zierrat und Feigenblatt, gelegentlich Briefträger zwischen Eigentümern und Vorständen, manchmal auch über Unternehmensgrenzen hinweg. Aufsichtsräte, die von der Arbeitnehmerseite bestellt werden, sind - solange sie unbestechlich bleiben - ein Ärgernis, und werden auch so behandelt.
 
Den angestellten Vorständen und Managern die Gehälter zu kürzen, ändert nichts an ihrer Abhängigkeit. Wer glaubt, mit abnehmender Vergütung nähme auch die Neigung ab, sich den Interessen der Eigentümer zu beugen, ist ein Träumer.
 
Wer nicht spurt, fliegt.
 
Vorstandsabfindungen sind ein Fall für die Portokasse.
 
Zwischen dem Verlust, der entsteht, wenn ein Vorstand - mit besten Absichten und edelsten Motiven - die Absichten der Eigentümer durchkreuzt,
 
und dem Gewinn, der erwartet wird, wenn er sich mit allen (mit allen!) Mitteln dafür einsetzt, die Interessen der Eigentümer zu wahren,
 
liegen viele Milliarden. Milliarden Dividende, vor allem aber auch Milliarden Börsenwert und Spekulationsgewinn!

An hungrigen Jungmanagern, die auch für weniger Geld alles machen, was man von ihnen verlangt, herrscht zudem kein Mangel.
Der wohltönende Ruf, die Managergehälter zu begrenzen und das Belohnungssystem zu reglementieren, scheitert schon am Grundsatz der Vertragsfreiheit.
Auch jeglicher Versuch, die Haftung der Manager auszuweiten, scheitert daran, dass kleine und mittlere Millionenvermögen, wie sie Manager im Laufe der Karriere üblicherweise aufzuhäufen in der Lage sind, niemals ausreichen, die notwendige Deckung für die von ihnen angerichteten Schäden darzustellen - und für eine Versicherung, die wirklich in angemessenem Umfang in die Haftung einträte, fehlen nicht nur die versicherungsmathematischen Grundlagen, sondern auch das Motiv, eine solche überhaupt zu gründen.
 
Solange nicht die Aktionäre so in die Haftung genommen werden, wie jeder Einzelunternehmer auch, nämlich mit ihrem gesamten Betriebs- und Privatvermögen, solange wird sich am Schadpotential der Aktiengesellschaften nichts ändern.
 
 
Protektionismus ablehnen!
 
Eine lächerliche und gefährliche Forderung.
Lächerlich, weil, wenn es darauf ankommt, jedem das eigene Hemd näher ist als die Hose des anderen - gefährlich, weil, wer sich gutgläubig naiv darauf einlässt, schneller ausgeplündert ist als er "Ich Idiot!" sagen kann.
 
Wir sehen ein Szenario, in dem sich Global Player auch weiterhin weltweit frei bewegen wollen. Die Schäden, die wir zu beobachten haben, sind doch nicht auf zu viel Protektionismus zurückzuführen, sondern auf zu viel Naivität in Bezug auf die segensreichen Wirkungen des international frei strömenden Kapitals.
Investoren, ob inländische oder ausländische, wollen das investierte Kapital schnellstmöglich zurückholen, und eine möglichst hohe Rendite dazu.
Deshalb investieren sie, wenn man sie lässt, ausschließlich da, wo der zu erwartende Gewinn am höchsten ist.
Dass dieses Verhalten - wenn man alle protektionistischen Schranken fallen lässt - letztlich den Untergang der gesamten Weltwirtschaft nach sich ziehen muss, liegt auf der Hand, ist den Investoren aber gleichgültig.
Mit immer geringeren Kosten produzieren heißt, den Lohnanteil am Umsatz immer weiter senken zu müssen. Dies vergrößert die Zahl der Arbeitslosen, mehrt die Armut und führt dazu, dass der Anteil der kaufkräftigen Konsumenten relativ zur Gesamtbevölkerung sinkt.
Mit dem Rückgang kaufkräftiger Nachfrage wachsen Arbeitslosigkeit und Armut.
 
Am Ende der Spirale steht ein absolutistischer Feudalherr und eine Schar Leibeigener, deren Zahl sich dem Bedarf durch die Bemessung der Nahrungsmittelzufuhr bequem anpassen lässt.
 
Protektionismus wirkt dem Eintreten solcher Horrorszenarien entgegen.
Ein Staat, der die eigene Wirtschaft schützt, indem er den Zugang fremden Kapitals erschwert und unerwünschte Importwaren von seinen Märkten fernhält, erhält sich eine funktionierende Wirtschaft, ermöglicht seiner Bevölkerung, den eigenen Bedarf mit eigener Leistung zu decken und selbst in den Genuss dieser Produktion zu kommen, weil Löhne und Gewinne weitgehend im Lande verbleiben.
Wenn in der Diskussion von den Gegnern des Protektionismus das Gespenst des Isolationismus an die Wand gemalt und mit Kuba als Beispiel verbrämt wird, dann handelt es sich dabei um eine böswillige Unterstellung, die man erkennen muss, wenn man nicht darauf hereinfallen will.
 
Es gibt gute Gründe, bestimmte Produkte oder Leistungen zu importieren.
Ebenso gibt es gute Gründe, bestimmte Produkte und Leistungen zu exportieren.
Aber die Maximierung der Gewinne von Importeuren und/oder Exporteuren alleine, kann kein ausreichender Grund dafür sein.
 
Der Grund für Import und Export muss immer im Gebrauchs-Nutzen der zu importierenden Güter für den importierenden Staat liegen, während der exportierende Staat seinen Export in dem Rahmen halten sollte, der eine ausgeglichene Außenhandelsbilanz hervorbringt.
 
Export, der bei näherem Hinsehen typisch kolonialistische Züge trägt, wo eine Volkswirtschaft also stets mehr abgibt, als zurückfließt (wie es für Deutschland leider zutrifft), ist eine Form der Ausbeutung, die eine dem eigenen Volke verpflichtete Regierung unterbinden sollte, statt sich mit der Forderung, den Protektionismus zu bekämpfen, auf das genaue Gegenteil festzulegen.
 
 
Aufsicht und Regulierung stärken
 
Finanzmärkte kontrollieren?
Hedge-Fonds regulieren?
Frühwarnsysteme für Finanzkrisen installieren?
 
Das alles sind Einfälle, wie sie üblicherweise in den ersten drei Minuten eines Brainstormings hervorgebracht werden. Schöne Floskeln ohne jeglichen konkreten Inhalt.
Gut, es hieß, die konkreten Inhalte sollen nun noch erarbeitet werden. Man kann sich aber heute schon fragen, was dabei herauskommen kann.
 
Wenn mehr als nichts herauskommen soll, wird es unvermeidlich dazu kommen müssen, eine internationale Einrichtung zu bestimmen, der die Gesamtaufgabe übertragen werden soll.
 
Indem die einzelnen Staaten ein weiteres Stück ihrer souveränen Entscheidungsfreiheit aufgeben und die Wahrung der Währung(en) sowie die Kontrolle aller Finanztransaktionen an eine ferne, kaum kontrollierbare, kaum beeinflussbare Institution übertragen, die keiner demokratisch legitimierten Macht mehr verantwortlich ist, könnten weltweit einheitliche Regeln aufgestellt werden.
 
Die Frage ist: Wollen wir das wirklich?
 
Dort werden Manager sitzen.
Das werden Angestellte sein.
 
Angestellte, die sich dann vermutlich als Präsidenten und Direktoren betitulieren lassen, statt als Vorstandsvorsitzende und Ressortvorstände.
 
Angestellte, die, befreit von allen nationalstaatlichen Regeln und Vorschriften, ungehindert die Weichen für das internationale Kapital stellen dürfen.
 
Mag sein, dass eine solche Behörde, der alle Finanzplätze dieser Welt unterstehen, die alle Finanzprodukte kontrolliert und alle Marktteilnehmer vor deren Markteintritt überprüft und lizensiert, tatsächlich dazu führt, die Mechanismen der Abzocke so zu organisieren, dass sich künftige Bankenkrisen erübrigen.
 
An der Macht und der Schadwirkung des "aggressiven Eigentums", das unsere Wirtschaftsordnung zwangsläufig hervorbringt, ändert sich nichts.
 
...und wenn ich "aggressives Eigentum" sage, dann nicht, weil ich Eigentum als solches verdamme, sondern weil ich es für wichtig halte, jene Grenzlinie deutlich erkennbar zu machen, an der sich gutes, nützliches und friedliches Eigentum vom aggressiven und nur noch destruktiven Eigentum scheidet.
 
 Band IV
meiner "wahnwitzigen Wirtschaftslehre" handelt davon.


Heben Sie Ihren Lieblingspaukenschlag ins Buch.

Der EWK-Verlag plant eine Art "best of"-Auswahl aus allen Aufsätzen und Paukenschlägen der Jahre 2003 bis 2009 als Hardcover-Ausgabe herauszubringen. Die Auswahl der besten Aufsätze überlassen wir Ihnen.

Wählen Sie Ihre Favoriten - Sie haben Zeit bis zum 30. April 2009
 HIER


     
     
    "Unter Bankstern"
    von Artur P. Schmidt ist das jüngste Buchprojekt des EWK-Verlags. Erscheinungstermin: Anfang März 2009
     

    Bis einschließlich 28. Februar
    zum Subskriptionspreis von 11,95 Euro im Angebot.

    Mehr Infos: Cover
    anklicken


     nach oben  Newsletter bestellen


    Übrigens: Newsletter-Abonnenten erhalten den Link auf den jeweils neuesten Paukenschlag immer, sobald er fertig ist. Manchmal am Montag, häufig am Dienstag, meist am Mittwoch - wenn auch Sie schneller sein wollen, melden Sie sich an


Reaktionen auf diesen Paukenschlag

An dieser Stelle werden Leser-Reaktionen in der Reihenfolge des Eingangs (jüngster Beitrag oben) veröffentlicht.
Ich behalte mir dabei Kürzungen vor und veröffentliche Reaktionen zum Schutz der Absender grundsätzlich anonymisiert.
u
Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits