Paukenschlag am Donnerstag
No. 6/2009
vom 12. Februar 2009

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

keine
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Die Liquiditätsblase

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Paukenschläge 2009 (ältere)
1 Steinbrück, Peer
2 Die Würde des Menschen ist nicht mehr ertastbar
3 Asymmetrisches Treiben
4 Wenn Banken baden geh'n - Bad Bank
5 Schuldenbremser
 
 
 Antides
 
 Volkszornindex

Der aktuelle Wert
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Die Liquiditätsblase
 
In dieser Woche haben wir erfahren, dass die USA nun planen, 2 Billionen Dollar zu bewegen, um die Finanzbranche zu stützen und die US-Wirtschaft anzukurbeln.

Der Plan umfasst drei größere Einzelmaßnahmen, die man sich am besten als Wundertüten unterschiedlichen Volumens vorstellt, denn zwischen den großartigen Bezeichnungen und den tatsächlichen Inhalten gibt es zumindest ebenso große Unterschiede, wie zwischen den vorgeblichen Zielsetzungen und den tatsächlich zu erwartenden Wirkungen.
 

Beginnen wir mit dem buntesten Päckchen:

1. Ankurbelung der Verbraucherkredite

Es existiert bereits ein Programm der Federal Reserve Bank zur Förderung der Kreditvergabe an Verbraucher und kleine Unternehmen. Dieses Programm hat derzeit einen Umfang von 200 Milliarden Dollar. Es soll jetzt auf bis zu eine Billion Dollar ausgeweitet werden.
 
Es ist nun aber nicht so, dass damit auf direktem Wege die Kreditversorgung von Konsumenten und kleinen Unternehmen gefördert werden würde.

Es ist im Gegenteil so, dass die Fed bis zu 1 Billion Dollar dafür einsetzen will, um den Banken jene Sorte sogenannter "Wertpapiere" abzukaufen, die diese dadurch schaffen, dass sie ihre Forderungen aus problematischen und notleidenden Krediten verbriefen und im Paket verkaufen.

Im Ergebnis wird den Banken damit das eingetretene Risiko aus faulen Krediten abgenommen. Zur Finanzierung der Aufstockung dieses Programms wird der Steuerzahlen einen Zuschuss von 100 Milliarden Dollar leisten - der Rest ist ein Tauschgeschäft der Fed.

Die Banken erhalten gute neue Dollars und liefern dafür ihre weitgehend wertlosen Kredite an die Notenbank ab. Damit werden vermutlich einige Institute vor dem Bankrott bewahrt, bei anderen wird sich der Bilanzverlust vermindern, bei wieder anderen wird sogar ein höherer Gewinn ausgewiesen und ausgeschüttet werden können - doch
 
was das mit Ankurbelung der Verbraucherkredite zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht.
 
Dass die Banken von Schrott-Krediten befreit werden, ändert doch an der Bonität der Kreditnehmer nichts!
 
In einer Volkswirtschaft, in der sich die Wirtschaft insgesamt auf einem katastrophalen Kurs befindet und die Arbeitslosigkeit sprunghaft wächst, hilft es doch nichts, die Banken zu stützen und sie damit theoretisch in die Lage zu versetzen, in großem Umfang neue Kredite auszureichen.

Denn tun sie dies, wiederholt sich das Fiasko doch nur.
Die potentiellen Kreditnehmer sind heute weniger als zuvor in der Lage, Zins und Tilung aufzubringen.

1a) Direkthilfe für Hausbesitzer

Außerdem ist vorgesehen, dass die Regierung 50 Milliarden Dollar ausgibt, um Hausbesitzer zu stützen, die mit Zins und Tilgung ihrer Hypotheken in Rückstand sind, um Zwangsversteigerungen zu vermeiden.

 
2. Financial Stability Trust
 
Zur Stabilisierung des Finanzwesens will die US-Regierung eine Treuhandgesellschaft gründen, deren Zweck darin besteht, den Banken frisches Kapital zuzuführen. Allerdings nur solchen, die einen "Stress-Test" bestehen, von denen also angenommen werden kann, dass sie für den weiteren Verlauf der Krise einigermaßen gut gewappnet sind.
 
 

3. Die Bad Bank
Sie soll nicht so heißen.
 
 
Trotzdem wird es eine von der Regierung gegründete Bank geben, die den Kreditinstituten toxische Wertpapiere abkaufen soll.
Der Clou: Private Investoren sind eingeladen, sich an der Bad Bank, die als "öffentlich-privater-Investitionsfonds" firmieren soll, zu beteiligen.

Der Fonds soll zu Beginn auf ein Volumen von 500 Milliarden Dollar ausgelegt werden, und mit einem Startkapital von 100 Milliarden Regierungsdollars ausgestatten werden. Eine spätere Ausweitung auf eine Billion Dollar ist bereits in Aussicht gestellt.



Das alles also soll bewegt werden.
Was es am Ende kosten wird, und wer dafür aufkommen wird, steht in den Sternen.


Klar ist jedoch, wem welche Mittel zufließen werden.
 Maßnahme  fnanziert durch zu Gunsten
der Konsumenten
zu Gunsten
der Banken
 1. Ankurbelung der Verbraucherkredite Fed + Regierung

 0

 1.000 Mrd.

 1.a) Direkthilfe für Hausbesitzer Regierung

 +50 Mrd.
-50 Mrd.

 50 Mrd.
 2. Financial Stability Trust
(niedrig geschätzt)
Regierung

 0

  100 Mrd.
 3. Bad Bank - öffentlich-privater-Investmentfonds Regierung + Privatinvestoren

 0

 1.000 Mrd.

 
In Summe
 


0


2.150 Mrd.

 
Mit diesem Programm - so es denn ausgeschöpft werden wird, was kaum zu bezweifeln ist - fließen den Banken, über die bisher geleisteten Hilfen hinaus, 2,15 Billionen Dollar zu.
 
Ein geringer Teil davon, 50 Milliarden, nimmt auf dem Weg zu den Banken den Umweg über notleidende Immobilienbesitzer und verhindert die drohende Zwangsversteigerung (jedenfalls für den Moment).
 
So wird Stroh zu Gold.


Hier das Rezept zum Nachkochen:
 
Man nehme möglichst viele Millionen Menschen und biete Ihnen möglichst hohe Kredite bei möglichst geringen Sicherheiten an.
 
Diesen Menschen verkaufe man dann große Mengen importierter Waren, so dass das mit den Krediten geschaffene Geld möglichst schnell und möglichst vollständig wieder aus dem Markt ist (ein Teil als Gewinn auf den Konten der Importwirtschaft, der Rest im Ausland), also zur Tilgung praktisch nichts mehr übrig ist.

Damit sind die Kreditforderungen soweit vorgegart, dass man sie in reizvoller Verpackung weltweit zu interessanten Preisen verkaufen kann. Die Rendite für die Käufer ergibt sich daraus, dass man solche Forderungen zunächst zum vollen Nennwert in die Bilanzen einstellen kann, was überirdisch schöne Buchgewinne hervorbringt.

Diese serviere man den Aktionären als Vorspeise.

Dann biete man Wetten darauf an, dass bestimmte Kredite in absehbarer Zeit platzen werden. Solche Wetten kann man nicht nur eingehen, man kann auch Handel damit treiben, und wer genügend Insiderkenntnisse hat, um zu wissen, welcher Kredit schnell platzen wird, kann damit gute Geschäfte machen - aber auch alle anderen können ein gutes Geschäft damit machen, wenn sie die von ihnen gekauften Wetten nur hoch genug bewerten und in die Bilanz einstellen. Auch so kann man überirdisch schöne Buchgewinne hervorbringen, die man flugs an die Aktionäre ausschüttet.
 
Weil Banken, wenn sie viele Buchgewinne an Aktionäre ausschütten, ohne diese Gewinne jedoch jemals tatsächlich zu realisieren, sehr schnell sehr arm werden - so arm, dass nicht nur die Aktionäre um die nächste Dividende, sondern auch die Einleger auch um ihre Einlagen fürchten müssen, ist es irgendwann an der Zeit, den Braten aus dem Rohr zu holen.

Wenn alles richtig gelaufen ist, kommt dabei ein vollkommen schwarzes, verbranntes, stinkendes und bis zur Unkenntlichkeit zusammengeschmortes Etwas zum Vorschein.

Wer jetzt nicht verzagt, sondern geistesgegenwärtig fordert:
 
"Ich brauche sofort einen neuen Herd, einen neuen Bratentopf und vor allem einen schönen saftigen neuen Braten, sonst kann ich für nichts garantieren",

der wird bekommen was er verlangt, und noch einen dicken Bonus obendrauf. Weil er so schnell und umsichtig reagiert hat.
 
Bleibt zu erwähnen, warum dieser Paukenschlag den Titel "Die Liquiditätsblase" trägt:

Was in den USA geschieht, geschieht derzeit rund um den Globus auch in vielen anderen Ländern.

Überall werden vor dem Zusammenbruch stehende Banken von den Regierungen und den Zentralbanken mit frischem Geld geradezu überschüttet.

Wenn schon niemand danach fragt, wohin die Liquidität verschwunden ist, die jetzt ersetzt werden muss,
 
sollte man doch zumindest fragen, was die ungeheuerlichen Fluten der aktuell freigesetzten und noch freizusetzenden Liquidität bewirken werden.
 
Ist wirklich nicht vorhersagbar, was geschehen wird?

Die Aussage, die man auch hierzulande so oft gehört hat:

"Niemand weiß, ..."
 
ist schlicht unglaubwürdig.

Niemand, der auch nur einigermaßen bei Verstand ist, würde hunderte Milliarden von Euros, bzw. Billionen von Dollars in die Hand nehmen, auf die vage Hoffnung hin: "Irgendwie wird's vielleicht helfen."

Es wird derzeit Geld in allen wichtigen Währungen immer schneller in immer größeren Mengen in die Finanzmärkte geworfen. Die Realwirtschaft erreicht davon fast nichts .
 
Was also soll das Ganze?

Dass den zusätzlichen Milliarden zusätzliche Waren und Leistungen gegenüberstehen,
ist bei weltweit stagnierender Wirtschaft weder zu erkennen noch zu vermuten.
 
Dass die Inflation trotzdem nicht in Schwung kommt, dass die Realwirtschaft weiterhin unter Geldmangel leidet, zeugt doch nur davon, dass sich unter der scheinbar ruhigen Oberfläche eine neue gigantische Blase entwickelt:
 
Die Liquiditätsblase.
 
Wie in der Magmakammer unter einem Vulkan erhöht sich der Druck von Tag zu Tag und mit jeder Milliarde, die dem Bankensystem und seinen Nutznießern zusätzlich zur Verfügung gestellt wird.
 
Der Wert (also die Kaufkraft) der gesamten angesammelten Liquidität erhöht sich dabei nicht mehr, weil dem wachsenden Nachfragepotential kein im gleichen Maße mitwachsendes Angebot gegenübersteht.

Weil längst genug Geldvermögen angesammelt ist, um die Welt ein paarmal aufzukaufen, ist es nun nur noch relevant, wer im entscheidenden Augenblick welche Anteile an der Liquidität in welcher Währung hält.
 
Der Zeitpunkt, an dem das internationale Währungsgefüge von den wachsenden Spannungen zerrissen werden wird, ist spätestens dann erreicht, wenn es einem Währungsraum gelingen sollte, die Bereitstellung zusätzlicher Liquidität überproportional so weit zu steigern, dass mindestens ein wichtiger Konkurrent die Nerven verliert, weil er befürchten muss, massiv ins Hintertreffen zu geraten.
 
 
Peng.

weiterführende frage:
warum haben die usa wohl aufgehört, die geldmengenentwicklung zu veröffentlichen?


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