Paukenschlag am Donnerstag
No. 5/2009
vom 5. Februar 2009

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

keine
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Schuldenbremser

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Paukenschläge 2009 (ältere)
1 Steinbrück, Peer
2 Die Würde des Menschen ist nicht mehr ertastbar
3 Asymmetrisches Treiben
4 Wenn Banken baden geh'n - Bad Bank
 
 
 Antides
 
 Volkszornindex

Der aktuelle Wert
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Schuldenbremser
 
Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Himmelreich.
 
 
Sie überschlagen sich. Alle.

Eine Schuldenbremse muss her!
Ins Grundgesetz muss sie hinein.
Damit nie wieder jemand das tun können soll,
was sie gerade in größtmöglichem Maße tun.
Als ob der Kapitalismus ein gnädiger Gott wäre, der einem Sünder schon während des Sündigens vergibt, weil der inbrünstig Sündigende verspricht:

Nur noch dieses eine Mal - und dann nie wieder, bis in alle Ewigkeit.
 
 
Was hat man denen bloß in den Kaffee getan?
 
Ihr lieben deutschen Politiker,
weibliche eingeschlossen, wie denken Sie sich das?

Denken Sie sich überhaupt etwas dabei, oder hat ein renommiertes Fachblatt, die Financial Times Deutschland vielleicht, oder der Focus, oder die BILD, den Wettbewerb um den Titel des Oberschuldenbremsers des heiligen römischen Wirtschaftsraumes deutscher Nation ausgeschrieben?

Was halten Sie davon, einfach einmal für einen Augenblick die Luft anzuhalten und den Versuch zu unternehmen, ganz langsam bis drei zu zählen. Sie können das. Garantiert!
 
 

 1
 Weil zu wenig Geld da ist - müssen wir jetzt Schulden machen.

 2
 Wenn wieder mehr Geld da ist - zahlen wir es zurück.

 Gut, so weit kommen Sie von alleine, aber jetzt:

 3

Wenn wir das Geld zurückgezahlt haben,
wird es wieder fehlen!
 
 
Oh, Sie halten das für abwegig,
 
weil Sie ja mit dem Wiederanspringen der Konjunktur, mit neuem Wachstum und zwangsläufig mit steigenden Steuereinnahmen rechnen.
Versuchen wir also noch einmal gemeinsam bis drei zu zählen:
 

 1
Wenn wir ein Konjunkturprogramm auf Pump finanzieren,
verbessern wir die Geldversorgung so weit,
dass die Wirtschaft wieder rund läuft.

 2
Dann nehmen wir ganz automatisch mehr Steuern ein und können die Schulden, die wir jetzt aufnehmen, wieder tilgen

 Gut, so weit. Aber jetzt?

 3
Wenn die Schulden getilgt sind,
ist alles wieder wie vorher.
 
 
Oh, Sie wissen es besser?

Wenn die Wirtschaft nach einem Konjunkturprogramm erst einmal angesprungen ist, dann läuft sie ganz von alleine rund, aufs Geld kommt es dabei, meinen Sie, nicht an.
 
Dann hätte es aber auch schon vor dem Konjunkturprogramm nicht darauf ankommen dürfen, dann wäre ein Konjunkturprogramm - wie Sie es ja bis vor ein paar Wochen auch selbst immer behauptet haben - völliger Blödsinn, nicht wahr?
 
Wenn es aber auf das Geld ankommt, das Sie jetzt mit vollen Händen in die Wirtschaft pumpen, dann sollten Sie sich klarmachen, dass es wieder weg sein wird, wenn Sie getilgt haben. Spätestens dann. Vermutlich ist es aber schon viel früher weg.
Um zu diesem Ergebnis zu gelangen sind wieder nur drei kurze Schritte erforderlich:
 

 1
Sie zahlen - alleine für den Bund - 40 Milliarden Euro Zinsen pro Jahr
(vermutlich bald viel mehr) 

 2
Sie besteuern die Kapitalerträge mit 25 %. Bekommen also mit etwas
Glück 10 Milliarden zurück.

Und wo bleibt der Rest?

 3

30 Milliarden sind weg,
bevor Sie überhaupt anfangen zu tilgen.
 
 
Ihr lieben deutschen Politiker,
weibliche eingeschlossen, haben Sie eigentlich schon einmal bemerkt,
dass wir im Kapitalismus leben?
 
Und haben Sie vielleicht auch schon bemerkt, dass Kapitalismus weder mit Demokratie, noch mit Freiheit irgendetwas zu tun hat, sondern nur mit dem Irrglauben, Geld könne sich ganz von alleine vermehren? Wir müssen jetzt gar nicht auf die Frage der Geldschöpfung eingehen, das würde Sie möglicherweise nur noch mehr verwirren.
 
Nehmen wir einfach an, es gäbe nur richtiges, schönes, echtes Geld, das man sehen, anfassen und in den Safe legen kann.
 
(1) Solches Geld borgen Sie sich gerade jetzt in bisher unerreichten Größenordnungen zusammen.
 
Es handelt sich, das werden Sie zugeben, um Geld, das von seinen Besitzern nicht gebraucht wird. Würden diese es nämlich brauchen und ausgeben, bräuchten Sie jetzt kein Konjunkturprogramm zu veranstalten. Das verstehen Sie noch, oder?
 
(2) Dann geben Sie das Geld aus, für allerlei nützliche Dinge. Schulen sanieren, Straßen bauen, Altautos abwracken, usw.

Da floriert die Wirtschaft und das eingesetzte Kapital (ja - wir leben im Kapitalismus) rentiert sich und wirft folglich eine Rendite ab - und wo landet die?
Bei den Arbeiterinnen und Arbeitern?
Bei den Angestelltinnen und Angestellten?
Bei den Rentnerinnen und Rentnern?
Bei den Krankinnen und Kranken?
Bei den Arbeitslosinnen und Arbeitslosen?
Nee - da landen Löhne und Gehälter, Renten, Krankengeld, Arbeitslosengeld I und Arbeitslosengeld II -
 
(3) aber die Rendite, der Kern und das Ziel des kapitalistischen Wirtschaftens, die landet bei den Kapitalistinnen und Kapitalisten.
 
Und während Löhne und Gehälter, Renten, Krankengeld und Arbeitslosengeld fast vollständig wieder ausgeben werden, landet der allergrößte Teil der Rendite aus der angekurbelten Wirtschaft auf dem großen Haufen, auf den der Teufel seit jeher am liebsten ...
Das ist übrigens der gleiche großen Haufen, auf dem zudem auch noch die Zinsen landen, die Sie für das Borgen des Geldes zu zahlen haben, mit dem Sie die Konjunktur angekurbelt haben.
(Das könnte man eine kluge Doppelstrategie nennen - hätte man nicht das Pech, auf der anderen Seite der Frontlinie geboren zu sein.)
 
Von der ganzen Rendite holen Sie sich 25 % + Solidaritätszuschlag zurück.
(So jedenfalls die Absicht. Stiftung, Trust und Co. lassen aus Liechtenstein und anderen Paradiesen herzlich grüßen.)
 
Der Rest (75%) der Rendite fehlt schon nach kurzer Zeit wieder, da haben Sie noch nicht einmal einen Euro getilgt - und wenn Sie dann tilgen, dann fehlt die Tilgung noch extra, und bevor Sie bis drei gezählt haben, ist die Lage bescheidener als vorher - und um das zu vermeiden, schreien Sie lauthals nach einer Schuldenbremse.
 
Schreien Sie immer noch - oder dämmert doch allmählich etwas bei Ihnen?
 
Die Verschuldung zu bremsen
ist kontraproduktiv,
wenn nicht gleichzeitig
die
Geldversorgung verbessert wird.
 
 
Wo es am Geld fehlt, muss man Schulden machen.
Ohne neue Schulden kommt kein neues Geld in den Markt.

So jedenfalls haben Sie und Ihre Vorgänger
die Republik und ihr Wirtschafts-System gestaltet.

Das ließe sich ändern. Es ist kein Naturgesetz, aber geltendes Recht.
 
Oder was meinen Sie, wo das Geld herkommt?
  • Hat man Ihnen erzählt, um an Geld zu kommen, bräuchte man ausländische Investoren?
    Aber dass auch ausländische Investoren am Ende mit mehr Geld nach Hause gehen wollen, als sie mitgebracht haben, das hat man Ihnen offenbar verschwiegen.
  • Hat man Ihnen erzählt, wenn es nötig ist, "macht" die Bundesbank oder die EZB, dass genug Geld da ist? Einmal pusten und "Heile, heile Segen" singen, stellen Sie sich das so vor, oder so ähnlich?
    Haben Sie noch nie bemerkt, dass auch die Zentralbanken Geld immer nur verborgen, nie einfach verschenken - obwohl das, richtig angefangen, eine hervorragende Sache wäre?
  • Hat man Ihnen erzählt, man müsse sein Geld nur richtig anlegen, dann vermehrt es sich ganz von alleine?
    Und hat man Ihnen verschwiegen, dass Geld nachweislich vollkommen steril, weder zeugungs- noch empfängnisfähig ist? Hat man Ihnen verschwiegen, dass sich Geld zwar anhäufen lässt, dass das aber nichts mit Vermehrung sondern nur mit Umverteilung zu tun hat?
 
Sind Sie nie auf die Idee gekommen, dass das viele Geld, auf das Sie nach vielen Steuerreformen zu Gunsten der Unternehmen und der Begüterten verzichtet haben, irgendwann auf dem großen Haufen liegen wird, statt sich in Umlauf zu befinden, und dass irgendjemand sich verschulden müssen wird, um das stillliegende Geld wieder benutzen zu können?
Und wenn es nicht der Staat ist, nicht der Bund, nicht die Länder, nicht die Kommunen, dann müssen sich die Unternehmer verschulden und die privaten Haushalte.
 
Schuldenbremse heißt Geldmangel.
Und das gilt, so lange der Kapitalismus so funktioniert,
wie Sie ihn bis heute gestaltet haben.
 
Dazu hat mich Gert Flegelskamp auf den folgenden, interessanten Gedanken aufmerksam gemacht:
 
Hallo Herr Kreutzer,
Ihre letzten beiden Paukeschläge habe ich mit Vergnügen gelesen und stimme Ihnen voll zu. Was aber die so genannte Schuldenbremse angeht (die nun auch Hessen in die Verfassung aufnehmen will), unterschätzen Sie vielleicht die Perfidität unserer Politiker.
Bereits unter der Regierung von Schröder wurde das ÖPP-Beschleunigungsgesetz erlassen. Schulsanierungen erfolgen in mehreren Landkreisen inzwischen auf der Basis von ÖPP- bzw. PPP-Modellen (Beispiel Offenbach-Land mit einem Gesamtvolumen von 790 Millionen).
PPP bzw. ÖPP ist eine neue Art der Verschuldung, weil sie nicht als Verschuldung, sondern als laufende Zahlungsverpflichtung ausgewiesen wird. Gerade bei den angedachten Infrastrukturmaßnahmen, insbesondere beim Straßenbau steht zu erwarten, dass die Aufträge nicht mehr in der bisher üblichen Art vergeben, sondern gleich als ÖPP-Auftrag ausgeschrieben werden. Die lange Laufzeit dieser Verträge und die damit einhergehende Unmöglichkeit, die sich kumulierenden Zahlungsverpflichtungen zu begleichen, führt zur weiteren sukzessiven Privatisierung, still und von der Masse unbemerkt. Zur Kasse gebeten wird dabei natürlich wieder Otto-Normalverbraucher, während sich die Politiker gleichzeitig darin sonnen, die Nettoneuverschuldung minimiert zu haben.
Mit freundlichen Grüßen
Gert Flegelskamp
gert@flegel-g.de
 
Zur Website von Gert Flegelskamp:
 http:///www.flegel-g.de
 
 
 
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    Nachtrag - in eigener Sache
     
    In allerjüngster Zeit hat sich die Diskussion um Krise und Schuld, Schulden und Geld, auf einen Nebenschauplatz ausgedehnt.

    Dr. Joachim Jahnke,
    der während seiner aktiven Berufslaufbahn zuletzt sechs Jahre lang als Vorstand und Vizepräsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London tätig war, folglich das Bankwesen und das Finanzsystem in- und auswendig kennt, und nun auf einer vielbeachteten Seite im Internet mit einer großen Zahl von Diagrammen allerlei interessante Zusammenhänge und Korrelationen aufzeigt, greift seit einiger Zeit die "Seite mit den Paukenschlägen" an.
     
    Seine herausragende Begründung für die von ihm geführten Seitenhiebe lautet, auf einen kurzen Nenner gebracht:
     

     Ich, Joachim Jahnke, habe erkannt und erklärt,

      daß die - seit der neoliberalen Phase der Globalisierung - stark verschärfte Ungleichheit in der Einkommensentwicklung in der Welt und gerade auch in Deutschland die Ersparnis freigemacht hat, die dann eine der Hauptursachen für die Flutung der Finanzmärkte und das Platzen der Kreditblase war.
       
      Wenn jemand anderer Meinung ist und das auch noch öffentlich sagt,
      mache ich von meinem Recht auf Selbstverteidigung Gebrauch.
     
    Über andere kritische Websiten - und damit meint er unter anderem auch
    egon-w-kreutzer.de äußert er sich ohne jedes Zartgefühl so:

    Gedanken zur Zeit 1181 02-02-09: Meinungsinzucht, Faktenarmut und Illusionen einiger kritischer Webseiten

    Kritische Webseiten erreichen ganz überwiegend Menschen, die schon katholisch sind und nicht bekehrt sondern in ihren kritischen Auffassungen bestätigt werden wollen. Ihre Wirkung auf das deutsche Meinungsbild ist daher viel begrenzter, als die Besucherzahlen solcher Webseiten vermuten lassen. Ohnehin konzentriert sich der Besuch sehr stark auf Menschen mit Breitbandanschluß, wenn möglich kostenlos, weshalb viel Besuch von Universitäten, gemeinnützigen Einrichtungen und selbst Arbeitsplätzen in Unternehmen erfolgt. Ich weiß, wovon ich da rede.

    Wenn man das böse Wort gebrauchen will, ist es also größtenteils ein Inzuchtbetrieb für ohnehin sehr ähnliche Meinungen.
    Da forderte mich heute ein Besucher zu stärkerer Kooperation unter kritischen Webseiten auf und fügte hinzu: "Denn schon bald beginnt ein verdammt turbulenter Zeitabschnitt. Die Neoliberalen werden einen schweren Imageschaden erleiden, und es wäre schade, wenn Sie die sich daraus ergebenen Chancen entgehen lassen." Ich habe ihm geantwortet: "Wir sind schon mitten drin in diesem Zeitabschnitt. Die von Ihnen erhoffte Chance auf Änderungen wird es nur geben, wenn die Analysen der Kritiker korrekt sind und verständlich gemacht werden können. Doch leider scheint mir die deutsche Linke bisher die Hausaufgaben noch nicht ausreichend gemacht zu haben. Deswegen schwimmt das bürgerlich-konservative Lager in Deutschland trotz der eigentlich augenöffnenden Krise bisher oben und sind - anders als z.B. in Frankreich - keine größeren öffentlichen Widerstände zu erkennen."
    Hier kommt das zweite Problem kritischer Webseiten. Viele von ihnen wollen Meinungen verbreiten und nicht eigentlich über die Fakten aufklären.

    Je gröber die Argumente in dieser Meinungsinzucht, umso begeisterter die ohnehin schon Katholischen und umso abgeschreckter diejenigen, die sich anhand von Fakten selbst noch eine Meinung bilden wollen. Deshalb werden kritische Webseiten, die nicht nur mit Meinungen kommen, sondern in verständlicher und nachvollziehbarer Weise Fakten liefern, leichter aus dem Dunstkreis der ohnehin schon Katholischen ausbrechen können.

    (...)

     
    Ich will nun gar nicht auf Dr. Jahnkes Würdigung meiner Texte eingehen. Es ist seine Meinung, mag er sie behalten.
     
     
    Doch mit seiner Aussage von der Einkommensentwicklung, welche die Ersparnisse freigemacht hat, die dann zur Hauptursache für die Flutung der Finanzmärkte und das Platzen der Kreditblase wurden, verlässt er selbst die Welt der Fakten, begibt sich in die Niederungen der Meinungsmache und behauptet allen Ernstes:

     Im Klartext:  Im Dr. Jahnke Original-Sprech
    Dadurch, dass weltweit und gerade auch in Deutschland die Reichen immer reicher wurden, ...daß die stark verschärfte Ungleichheit in der Einkommensentwicklung in der Welt und gerade auch in Deutschland
    waren sie in der Lage, ihre Ersparnisse aufzulösen, die Ersparnis freigemacht hat,
    damit die Kurse an den Finanzmärkten in die Höhe zu treiben die dann eine der Hauptursachen für die Flutung der Finanzmärkte
    und die Kreditblase zum Platzen zu bringen.  und das Platzen der Kreditblase war.
       

    Ich stimme mit Herrn Dr. Jahnke zwar darin überein, dass eine massive Umverteilung von unten nach oben stattgefunden hat und immer noch stattfindet.
    Es wird von mir auch nicht bestritten (wie käme ich denn dazu?), dass die Einkommen der Bestverdiener stark gestiegen sind, während die Einkommen der Niedrigverdiener und Hilfeempfänger stagnierten oder gesunken sind -
     
    doch Herr Dr. Jahnke versäumt zu erklären, wie er das meint, was er da meint.
     
    Er erweckt mit seiner Formulierung zunächst den Eindruck das Gesamteinkommen sei unverändert geblieben, es habe lediglich innerhalb dieses Gesamteinkommens eine Verschiebung gegeben.
     
    Dr. Jahnke wird dies weit von sich weisen. Jeder, der seine Diagramme lesen kann, wüsste doch, dass jede Steigerung des BIP auch auf eine Steigerung des Gesamteinkommens hinweist - und dass damit alleine in Deutschland jährliche Mehreinkünfte in zweistelliger Milliardenhöhe generiert wurden.
     
     
     
    Nehmen wir also einfach an,
    nur um mit Zahlen zu hantieren,
     
    dass das Mehreinkommen der deutschen Bestverdiener sich - vom Beginn der Erholung nach dem Platzen der dot.com-Blase bis heute - auf etwa 400 bis 500 Milliarden Euro summiert hat. Kaum weniger, aber sicher auch nicht sehr viel mehr -
     
    und suchen dann nach einer Vergleichsgröße,
    dann finden wir sehr schnell heraus, dass
     
    alleine die Bilanzsumme der Deutschen Bank von Ende 2003 bis Ende 2007 um mehr als das Doppelte dieses Mehreinkommens - nämlich um 1.200 Milliarden - von 800 auf 2.000 Milliarden angewachsen ist.
     
     
    Sieht es bei diesem Vergleich nicht so aus,
    als sei die Ersparnis der reicher Gewordenen nicht einmal ausreichend, um die Veränderung von Aktiva und Passiva in der Bilanz der Deutschen Bank hinlänglich zu erklären?
     
    Dabei ist die Deutsche Bank nicht die einzige Bank in Deutschland - und wenn die ganze Welt ihre Ersparnisse bevorzugt bei deutschen Banken hinterlegt hätte, warum hat die Krise, das Platzen der Kreditblase, dann in den USA ihren Ausgang genommen?
     
    Herr Dr. Jahnke, der Ex-Banker, macht es sich einfach. Zu einfach.

    Da wird eine Krise,
    • die nachweislich und unbestritten zu einem beträchtlichen Teil darauf zurückzuführen ist, dass mit nachgerade verbrecherischen Methoden, von Anfang an uneinbringliche Kredite, in unglaublichem Umfang in die Welt gesetzt wurden,
    • schlicht zu einer ganz anderen Krise umdefiniert, die ihren Anfang darin genommen haben soll, dass zu viele Ersparnisse gebildet wurden.
     
    Ohne die leichtfertige Kreditvergabe auf den Immobilienmärkten (nicht nur) in den USA, ohne die leichtfertige Kreditvergabe für die Finanzierung immer undurchsichtigerer Spekulationsprodukte, ohne die geradezu verbrecherische Arbeit der Ratingagenturen -
     
    vor allem aber ohne die Aktivierung des ganzen Finanzschrotts
    in den Bilanzen der Banken, der großen Versicherungsgesellschaften- und der Fonds,
    hätte das Geld, das Herr Dr. Jahnke in bankerischer Zurückhaltung als "Ersparnis" bezeichnet, niemals in die Welt gesetzt werden können.
     
     
    Wenn ein Henne-Ei-Problem auflösbar ist, dann dieses.
     
    Die neoliberale Globalisierungspolitik, als deren Gegner sich der Ex-Banker, Dr. Joachim Jahnke, sieht, wäre ohne die enge Zusammenarbeit mit den Banken und den dienstbeflissenen Bankstern nicht möglich gewesen.
     
    Nicht (langsam aufgebaute) Ersparnisse fluteten die Finanzmärkte,
     
    sondern explodierende Finanzmärkte,
    angefeuert mit immer neuen Krediten,
    machten den immer schnelleren Zuwachs der hohen und höchsten Einkommen
    und das schwindelerregende Wachstum der großen und größten Vermögen
    erst möglich.
     
     
    Die Aktionäre der Banken und anderer Finanzinstitute, denen in wenigen Jahren horrende Gewinne aus der maßlosen Überbewertung wertloser Aktiva zugeflossen sind, haben ihre Schäfchen jetzt im Trockenen.
     
    Nun sind die Banken ausgeplündert.
    Nicht aber deren Aktionäre.
    (Von jenen Letzten, die man braucht, um sie medienwirksam von den Hunden beißen zu lassen,
    einmal abgesehen.)
    Nun müssen die Banken vom Staat gerettet werden.
    Nicht etwa von ihren Aktionären.
     
    Herr Dr. Jahnke hält mir vor, mit meiner "Meinungsmache" sei ich ebenso gefährlich wie die BILD - nur anders (?) herum.

    Herr Dr. Jahnke, der sich gerne den Anschein gibt, er überlasse es jedem Besucher seiner Seiten, sich selbst eine Meinung zu bilden, er biete nur die Fakten an, täte gut daran, es wirklich dabei zu belassen.
     
    Obwohl Herr Dr. Jahnke selbst streng darauf bedacht ist, die von ihm angegriffenen Seiten nicht zu nennen, weil er schließlich keine "Schleichwerbung" machen will,
     
    gehört seine Seite immer noch zu den wenigen Seiten,
    auf die ich gerne verlinke. Wegen der Fakten.

     
    Weil es nämlich nicht um einen Wettbewerb der Verunglimpfer gehen darf, sonst müsste man der "Meinungsinzucht" mit der "Faktenonanie" begegnen, sondern ausschließlich darum, die Notwendigkeit und die Möglichkeiten einer Veränderung zum Besseren aufzuzeigen.

     Dr. Joachim Jahnke


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Reaktionen auf diesen Paukenschlag

An dieser Stelle werden Leser-Reaktionen in der Reihenfolge des Eingangs (jüngster Beitrag oben) veröffentlicht.
Ich behalte mir dabei Kürzungen vor und veröffentliche Reaktionen zum Schutz der Absender grundsätzlich anonymisiert.
Lieber Herr Kreutzer,

bitte verzeihen Sie die vertrauliche Anrede aber nach diesem (Paukenschlag 5) fällt mir keine bessere ein.

Zu Herrn Dr. Jahnke möchte ich bemerken, dass seine Seite von den Fakten her brilliant, von den Wertungen her nicht immer zutreffend ist.

Weil: Dr. Jahnke glaubt, dass der Kapitalismus reformierbar bzw. zu zähmen ist. (das wäre die soziale Marktwirtschaft)

Wie? Mit Hilfe eines Staates der nur dem Gemeinwohl (der allgemeinen Wohlfahrt) verpflichtet ist. Das wäre ein Staat mit einem Wohlfartsausschuss. (Hatte man von 1792 bis 1794 in Frankreich.) J. M. Keynes glaubte das auch. Unser Staat gehört jedoch Parteien, die aber sind ihrer Klientel verpflichtet und nicht dem allgemeinen Wohl.
Ist damit der Kapitalismus z. B. durch eine Bankenaufsicht reformierbar ?

Herr Dr. Jahnke glaubt auch, dass die Menschen auf Dauer die Freiheit in Ungleichheit der Gleichheit in Unfreiheit vorziehen, er vergisst dabei, dass Eigentum und Wohlfahrt Voraussetzungen für Freiheit sind.

Sie, mein lieber Herr Kreutzer, sind in Ihrer Betrachtungsweise der Reformierbarkeit des Kapitalismus m. E. weiter als Dr. Jahnke.

Mit den besten Grüssen und grosser Hochachtung


Hallo Herr Kreutzer,

der liebe Herr Jahnke war Banker. Und diese Spezies ist weder lern- noch therapiefähig (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel). Realitätsverlust und/oder Realitätsverweigerung hat oberste Priorität bei Bankern und Ökonomen (wundert nicht wenn man nur MBA-Denke gelernt hat). Das System baut seine letzte Blase auf, die des Steuerzahlers, anschließend kommt das große Finale. Wer etwas anderes erwartet ist systemgläubig und soll im Papieruniversum untergehen. Dies ist eine Finanz- und Systemkrise. Ich glaube, das haben viele noch nicht verinnerlicht. Informationen gibt es im Netz genug. Eine Seite möchte ich aber noch erwähnen, weil diese Seite Fakten und Analysen zur Verfügung stellt die beeindruckend sind: Querschüsse.

Schönen Tag


Lieber Herr Kreutzer,

lassen Sie es sich bitte nicht verdrießen, Ihre originellen und nachvollziehbaren Donnerschläge etwa zu unterlassen. Der Laie, der sich bemüht zu verstehen, braucht Ihre Lektion jeden Donnerstag.

Beherrschung durch Überschuldung ist eine alte Menschheitsgeißel, schon die Antike hatte da ein gravierendes Problem. Aus der sozio-ökonomischen Solidargemeinschaft gegen den Zensus und das Kurzschwert (die Weihnachtslegende erzählt) entwickelte sich etwas, dassen Nachhall heute fast zur Unkenntlichkeit verbogen noch im Christentum (nicht im Kirchentum) zu finden ist.

Schuldknechtschaft drückte die Menschen, und da ihnen gesagt wurde, diese sei von Gott auferlegt so wie die Herrschaft von Gott gegeben sei, beteten sie - damals auf Lateinisch: "et demitte nobis nostra debita, sicut et nos demittimus nostris debitoribus" - zu deutsch: "und erlasse uns unsere Schulden, so wie auch wir sie erlassen unseren Schuldnern." Zur Irreführung heute wird der Text etwas anders gesprochen - damit die Frommen nichts merken.

Die Schuldenbremse ist also gerade im Christlichen der CDU und im Sozialen der SPD genotypisch verankert, als Sehnsucht - und publikumswirksam zu verkaufen. Nur: Wenn alle Schulden getilgt sind, dann ist unser heutiges Geld vollends futsch. Dann muss Neues her, wenn das Alte ausgebremst ist. Wann wird das sein?

Herzlichen Dank, Ihr


Wirklich brillant, Herr Kreutzer!
Die Art, meine ich, wie Sie der Politik den Spiegel vorhalten!

Zur Auseinandersetzung mit Herrn Dr. Jahnke bin ich nicht Ihrer Meinung. Schlimm ist vor allem, daß Sie mit ihm praktisch ein und dieselbe Sprache sprechen, es aber an Schritten aufeinander zu missen lassen. Es ist doch augenfällig: Gerade das, was Sie, Herr Kreutzer, aufgreifen, wird von den Fakten, die Herr Dr. Jahnke offenbart, noch untermauert. Ist es den wirklich so schwer, den jeweils anderen in seinem Denken zu akzeptieren und gemeinsam eine Strategie auszuarbeiten, die zum Wohl für Land und Leute wäre?

Sie ziehen eigentlich, so habe ich den Eindruck, an derselben Strippe, nur jeder für sich. Das ist zum Schaden für die Sache an sich. Es erinnert mich sehr an eine der Krylowschen Fabeln, wo ein Bauer in seinem Suff seinen Karren in einen See gesetzt hat. Es war zu Zeiten, da haben die Tiere und die Menschen noch miteinander geredet, und so beschlossen der Krebs, die Schwäne, die Fische und der Fuchs, dem armen Bauern und seinem Gaul zu helfen, den Karren wieder flott zu machen. Ein jeder zog an dem im Uferschlamm festsitzenden Karren, nur - jeder auf seine Weise: Die Schwäne zogen nach Oben, Fuchs und Pferd Richtung Ufer, der Krebs und die Fische Richtung Wasser... Und der Karren steht heute noch so da.

Schade.


Lieber Herr Kreutzer,

Ihr Paukenschlag Nr. 5 ist erste Sahne. Ich habe ihn genossen!

Ich schätze Herrn Jahnke ebenfalls; er gibt sich unendliche Mühe mit den präsentierten Fakten. Und deshalb ist er, was die Ursachen anbetrifft, auf die falsche Fährte geraten.

Vielen Dank an Sie und beste Grüße aus München


Hallo Herr Kreuzer,

von der Wucht und fast Unversöhnlichkeit des Kommentars von Herrn Dr. Jahnke, dessen Seite auch weiterhin mein täglicher Lesebefehl ist, gegenüber dem vorletzten Paukenschlag war ich ebenfalls sehr überrascht.
Allerdings lese ich da mehr Verzweiflung und Ohnmacht gegenüber dem unverfrohrenen "Weiter so!" des Establishments heraus und den Wunsch, linke bzw. fortschrittliche Blogs sollten realitätsnah und v.a.
massenkompatibel in eine Kerbe hauen und Veränderungen bewirken, anstatt (das unterstelle ich jetzt nicht jedem Paukenschlag) die kuschelwütige Wählerschaft zu verschrecken und zurück in die Arme der Neoliberalinskis
zu treiben. Zumal ich den Wiederspruch nicht wirklich sehe, denn im
Prinzip schreiben sie beide Gleiches.

Aus...

* die nachweislich und unbestritten zu einem beträchtlichen Teil
darauf zurückzuführen ist, dass mit nachgerade verbrecherischen
Methoden, von Anfang an uneinbringliche Kredite, in unglaublichem
Umfang in die Welt gesetzt wurden,
* schlicht zu einer ganz anderen Krise umdefiniert, die ihren Anfang
darin genommen haben soll, dass zu viele Ersparnisse gebildet wurden.

... wird mMn ...

* *Erst die ungleiche Einkommensverteilung ermöglichte das Angebot
an uneinbringlichen Krediten, um das Kettenbriefsystem
auf-Teufel-komm-raus am Leben zu erhalten und die Wahrnehmung
dieser zweifelhaften Angebote, weil die Unter- bzw. abrutschende
Mittelschicht, ebenfalls auf-Teufel-komm-raus, ihre Teilhabe an
der Gesellschaft (Traum vom Auto, Haus etc.) auf Kreditbasis
verwirklichen will.
Gäbe es den großen Überhang an angelegtseinwollendem Vermögen der
Top-10% de Bevölkerung nicht, wäre einerseits der Druck auf den
Kapitalmarkt nicht so groß (Jagd nach irrationaler Rendite) und
auch nicht der verzweifelte Kreditbedarf der unteren 2/3 - 9/10
der Verbaucher, da sie ihren Konsum über ein vernünftiges
Einkommen decken könnten.
Ebenfalls wird in den Blogs generell leider viel zu sehr auf den
US-Immobilienmarkt abgehoben und die weitere Vorgehensweise, als
die Ursachen und die individuelle (!) Schuld der Politikerkaste
auch und gerade in Deutschland zu klären. Aber das nur allgemein.***

Ich wünsche mir noch viele Paukenschläge, auch wenn ich das
gelegentliche Beharken (keine Schuldzuweiseung!) von Ihnen, Herrn Dr.
Jahnke und Herrn Albrecht Müller sehr bedauere.

Mit freundlichen Grüßen


Lieber Herr Kreutzer,
sehr guter Paukenschlag. Politik greift aber Ihre guten Argumente und Vorschläge leider nicht auf.
Das wäre dann mal ganz was Neues. ;o)

Herzlichst

DIE
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