Paukenschlag am Donnerstag
No. 37 /2009
vom 17. September 2009

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Pandora, die mit der Büchse

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Leserbriefe
 
Paukenschläge 2009 (ältere)
1 Steinbrück, Peer
2 Die Würde des Menschen ist nicht mehr ertastbar
3 Asymmetrisches Treiben
4 Wenn Banken baden geh'n - Bad Bank
5 Schuldenbremser
6 Die Liquiditätsblase
7 Abwrackprämie für Bänke
8 Bankenkrisenprotektion
9 Währungskrieg gegen die Eurozone
10 Opel, zum Beispiel
11 Billionen- und Konsonantenverdoppelung
12 Im falschen Film -
Die Krisen-Illusion
13 Wie aber soll eine neue Welt entstehen?
14 Schokohasen - Opium fürs Volk
15 Zwischenhirnwesen
16 System-Relevanz-
Syndrom
17 Komm, lieber Mai, und mache
18 Rentner und Milliardäre
19 Die gestärkten Rechte des EU-Parlaments
20 Gute Banken, schlechte Banken 
21 Eine Zensur findet nicht statt
22 Staatsbank
23 Deutschland geht unter
24 Gesunde Unternehmen retten
25 Oasen Peer
26 Geld in der Krise Kreislauf des Irrsinns
27 Bundestagswahl
28 Rentenpolitische Paradoxien
29 Der ungerechte Lohn
30 Der gerechte Lohn

31 ist ausgefallen
32 Vom Unterschied zwischen der Schweine-
grippe und Karl Theodor zu Guttenberg
33 Auf dem Rummel
34 Allegorisches zum Gewähle
35 Deutschland darf OPEL nicht retten
35a Resonanz - Räsonanz
36 Banker und Boni
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Pandora, die mit der Büchse

 

    Prometheus, früher Vertreter der Aufklärung,
     
    brachte den Menschen das Feuer (vom Baum der Erkenntnis).
     
     
    Gottvater Zeus, der zürnende Konservative,
     
    schickte daraufhin sein Mädel Pandora als erste Frau ins Rennen und gab ihr als Mitgift ein Fass voller Dummheit, Bosheit, Krankheit und Verderbnis auf den Weg, verbunden mit der Mahnung, dieses Fass ("Büchse" ist ein Übersetzungsfehler) unter keinen Umständen zu öffnen (und schon gar nicht davon zu essen).
     
     
    Pandora, die Törichte,
     
    ging eine Verbindung mit Epimetheus ein. Gemeinsam öffneten sie das Fass, und ließen damit alles Schlechte in die Welt (die vorher ein Paradies gewesen sein soll).
    Zeus jedoch hatte Mitleid mit den Menschen gehabt und ihnen zu allen Übeln auch einen Trost mit in das Fass gepackt, nämlich die Hoffnung (auf den, der da kommen wird).
     
     
    Pandora, die Törichte,
     
    als sie sah, was ihre unbedarfte Neugier angerichtet hatte, verschloss das Fass eiligst wieder und sperrte die Hoffnung darin ein.*)
 
 
 
Die neoliberalkonservativkapitalistischen Kräfte,
angeführt von Milton Friedman,
haben das Fass des Übels der Neuzeit
mit ihren egoistisch-menschenverachtenden Ideen gefüllt.
 
Kohl, Schröder und Merkel haben es geöffnet und die innewohnenden Kräfte der Zerstörung freigesetzt.
 
Noch ist der Deckel offen.
Noch ist Hoffnung am Grund des Fasses, Licht am Ende des Tunnels zu erkennen.
 
Hoffnung gibt Kraft, Mut und Entschlossenheit, den Widrigkeiten den Kampf anzusagen, Probleme zu überwinden, Schäden zu beseitigen, Neues zu errichten, wo Altes zerstört wurde. Erst Hoffnungslosigkeit und Resignation führen in den Untergang.
 
 
Der 27. September 2009 ist der Tag, an dem die Büchse der Pandora wieder geschlossen, die Hoffnung für alle Zeiten weggesperrt werden soll.
 
Es wird ein Leichtes.
Es sei denn, wir stemmen uns vereint dagegen.
 
Der Wahlkampf der gähnenden Langeweile soll uns einschläfern,
glauben machen, es sei schon alles entschieden,
es bliebe alles wie es ist,
zu ändern sei durch Wahlen nichts,
 
also könnten wir getrost zu Hause bleiben.
 
 
Das ist Absicht!
 
Das ganze große Brimborium der Ankündigung von Duellen und Dreikämpfen,
von Kanzlercheck und Wahlwatching -
alles dient nur dazu, die grundlos aufgestachelte Erwartung nur umso massiver zu enttäuschen, die verbliebene Hoffnung in einem klebrigen Brei von Worthülsen und Propagandamärchen zu ersticken und jeden Einzelnen, der von den Übeln geplagten Menschen zu Hause zu halten, damit sie ja nicht sehen, wie viele sie sind, damit sie ja nicht erkennen, dass sie immer noch kraftvoll rufen könnten: "Wir sind das Volk".
 
Stattdessen sollen sie am Wahltag um 18 Uhr schon durch die erste Prognose darin bestätigt werden, dass es nicht schlimm war, nicht Wählen zu gehen, weil ihre Stimme sowieso nichts geändert hätte.
 
Und dann kommt die zweite Amtszeit Merkel ...
 

 
 
Es juckt mich in den Fingern, Prognosen abzugeben.
 
 
Ich möchte zu gerne sagen, wie hoch der Mehrwertsteuersatz 2012 sein wird, wie viele Arbeitslose es schon 2010 geben wird und wie viele es bis 2012 noch werden, gezählte und ungezählte.
 
Ich möchte zu gerne darüber spekulieren, auf welchen Betrag die Praxisgebühr angehoben wird und ab wann die gesetzlichen Krankenkassen Medikamente und Hilfsmittel nur noch über Zusatztarife versichern werden.
Es reizt mich, Aussagen über die Entwicklung der Renten und über das Schicksal der Pflegeversicherung an die Wand zu malen.
 
Gerne würde ich mich darüber auslassen, auf welchen Gebieten die nächste große Privatisierungswelle ausgelöst werden wird. Ob es das Schul- und Bildungswesen trifft, das gegen einen symbolischen Kaufpreis an ein Medienunternehmen abgegeben wird, oder ob doch zuerst die Verkehrs- und Kriminalpolizei in die Hände von privaten Sicherheitsunternehmen gelegt wird.
 
Ich würde nur zu gerne auch eine Prognose abgeben, wo es 2012 überall Soldaten der Bundeswehr im mehr oder minder robusten Auslandseinsatz geben wird, und wie es um den Einsatz der Bundeswehr im Inneren bestellt sein wird.
 
Es würde mir Freude machen, darzulegen, welche Anstrengungen unternommen werden, um immer noch mehr ausländische Investoren zu gewinnen - und wie weit man Steuerhinterziehern und Kapitalflüchtlingen entgegenkommen wird, damit sie, sozial wie sie sind, nicht aufhören, in Deutschland Arbeit zu schaffen.
 
 
Aber warum soll ich da Angst und Unruhe verbreiten,
wo Spitzenpolitiker und Regierungsverantwortliche
voll Zuversicht sind.
 
 
Die Zuversichtlichen, die davon ausgehen, dass sie nach der Wahl weiterregieren und jene Zuversichtlichen, die davon ausgehen, dass sie nach der Wahl mitregieren, machen sich solche Gedanken nicht.
 
Die Zuversichtlichen sind voller Zuversicht, dass das Wachstum, das ihnen verschreckt davongelaufen ist, zurückkommt.
 
Man muss es nur anlocken, das wissen sie.
Mit Steuervergünstigungen.
Dann kommt es, das Wachstum.
 
Und wo Wachstum ist, ist dann auch Arbeit.
Wo Arbeit ist, ist Lohn.
Wo Lohn ist, ist Konsum.
Wo Konsum ist, ist Gewinn.
Wo Gewinn ist, ist Investition.
Wo Investition ist, ist Wachstum.
 
und wo Wachstum ist, ist Arbeit.
 
Und:
 
Wo Lohn ist, fließen Lohnsteuer und Sozialabgaben.
Wo Konsum ist, fließen Mehrwertsteuer und andere Konsumsteuern.
Wo Gewinn ist, fließen Einkommen- und Körperschaftssteuern.
 
Und wo Steuern und Sozialabgaben fließen,
steht der ausgeglichene Haushalt vor der Tür.
 
So einfach ist das.
Man muss nur die Steuern senken.
Dann kommt es zurück, das Wachstum.
 
Jedes Mal.
 
 
Was also soll mich hindern, mich den Zuversichtlichen anzuschließen,
wo es doch so einfach und bequem ist, der Versicherung zu glauben:
"Es gibt keine Alternative".
 
 
Dass es in Wahrheit Lemminge sein könnten, und dass die ausgerechnet jetzt auf dem Weg zu den Klippen sein könnten, das kann man vielleicht insgeheim vermuten, aber behaupten darf man das doch nicht. Lemmingen muss man folgen, wenn man sicher sein will, dass sie über die Klippen gehen. Aber selbst das lohnt sich nicht.
 
Was da eventuell zu beobachten wäre, ist weißgott nichts Spektakuläres.
 
Ein paar Minuten Gezappel -
und der Lemming ist mit den Seinen im Paradies vereint.
 
 
So ist das mit allem.
 
Man kann doch nicht einfach prognostizieren, dass die Arbeitslosigkeit nach dem Wahltag wachsen wird. Da muss man beobachten, ob die Kurzarbeit nicht doch noch einmal verlängert wird - und ob den Verantwortlichen nicht doch noch die geniale Lösung einfällt. Der Weg zur Null-Arbeitslosigkeit ist schließlich längst glasklar vorgezeichnet.
 
Schon heute wird nicht als arbeitslos gezählt, wer von der staatlichen Arbeitsverwaltung einen Gutschein für die Dienste eines privaten Arbeitsvermittlers bekommen hat.
Man muss nur die ARGEn und die JobCenter auflösen, bis auf jenen kleinen Kern, der die Gutscheine für private Vermittler verteilt - und die Arbeitslosigkeit ist besiegt.
 
Zuversicht!
 
 
Man kann doch nicht einfach prognostizieren, dass die Mehrwertsteuer um mindestens fünf Prozentpunkte erhöht werden wird, weil das das Mindeste ist, was getan werden müsste, um den drohenden Staatsbankrott abzuwenden.
Schon immer ist es gelungen, Schulden in "Sondervermögen" auszulagern und so aus dem Haushalt zu entfernen. Ein "Sondervermögen Banken" zu gründen, und dort die Bankenbeteiligungen des Bundes, samt den Bankenrettungsschulden zu parken, entspricht doch im Grunde voll dem BadBank-Konzept des Finanzministers.
 
Und hat der Wirtschaftsminister nicht oft genug beteuert:
"Eine Insolvenz ist nichts Schlimmes und in der Insolvenz liegt eine Chance."?
 
Warum sollten die Zuversichtlichen nicht auf die Idee kommen, diese Chance gleich nach der Wahl zu nutzen?
 
Zuversicht!
 
 
Man kann doch nicht einfach prognostizieren, dass das Wachstum noch lange auf sich warten lassen wird, weil erst einmal die Kosten der Krise bezahlt werden müssen, bevor Konsum und Investitionen wieder anziehen.
Wir, als Exportweltmeister, brauchen doch keinen Binnenmarkt für das Wachstum!
Im Gegenteil - steigender Binnenkonsum erfordert höhere Löhne, höhere Löhne aber verschlechtern die Exportchancen.
 
Unser Wachstum stammt aus sinkenden Löhnen!
Das begreifen inzwischen auch die Gewerkschaften.
 
Zuversicht!
 
 
Man darf nicht einfach drauflosprognostizieren.
So sehr es auch in den Fingern juckt.
 
Man hat brav abzuwarten, bis die Katastrophe da ist.
 
Dann darf man klug daherreden.
Nicht, dass man es vorher gewusst hätte. Das wäre Rechthaberei.
 
Aber dass man jetzt Zelte und Decken und Eiserne Rationen und Milchpulver aus Flugzeugen auf die Überlebenden werfen muss, das zu sagen ist situationsgerechtes Verhalten. Wer das beherrscht, kann hohe Ämter und Würden erringen.
 
Schließlich ist es billiger (und von daher ohne Alternative), die klapprige alte Herkules-Maschine zu beladen und eingelagerte Bestände noch rechtzeitig vor dem Verfallsdatum auf Bedürftige abzuwerfen, als vor dem Hintergrund der Klimaänderung die Niederschlagsmenge der kommenden Regenzeiten und die dann auftretenden Pegelstände zu prognostizieren.
 
Da müsste man am Ende ja vielleicht sogar einen Damm bauen - und dass dafür kein Geld da ist, weiß doch heutzutage selbst der dümmste Wähler.
 
Zuversicht!
 
 
Zuversicht bringt blühende Landschaften hervor.
Nachdenken verdirbt nur die Laune.
 
 

PS
 
und wenn ich auch nichts prognostizieren will,
die Mehrwertsteuer wird doch erhöht werden!
 
Es ist einfach zu reizvoll.
 
 
Denn die Mehrwertsteuer hat eine dreifach-positive Wirkung:
 
1. Steuermehreinnahmen
 
Pro Prozentpunkt MwSt. fließen ungefähr 10 Mrd. Steuern ins Staatssäckel, mit 29 statt 19% MwSt. ließe sich jedes Jahr eine HRE retten.
 
2. Wirtschaftswachstum
 
Die Statistiker haben es so beschlossen: Mehrwertsteuer = Wirtschaftsleistung.
für 1% Wachstum braucht es nicht mehr, als die MwSt. von 19 auf 21,5% zu erhöhen - und schon kann ein neuer Aufschwung bejubelt werden.

 siehe auch PaD 12 /2007
 
3. Steuergerechtigkeit
 
Wenn man die Fakten richtig hindreht, ist die Mehrwertsteuererhöhung Ausfluss der puren Steuergerechtigkeit. So ungefähr:
 
Da jeder nur in dem Maße Mehrwertsteuer zahlt, in dem er konsumiert, wirkt sich die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Hartz-IV-Empfänger praktisch nicht aus. Ein Prozentpunkt MwSt. belastet diese Hilfeempfänger mit weniger als 10 Cent pro Tag - alle zwei Tage eine Zigarette weniger rauchen - und die Sache ist ausgestanden!
 
Aber Vorsicht!
Diese Art von Gerechtigkeit hat auch eine Kehrseite.
 
 
Damit die Leistungträger, die ja durch die Mehrwertsteuer ganz besonders belastet werden, von der Erhöhung nicht stärker getroffen werden, als der vorher angeführte Hartz-IV-Empfänger, und sich Leistung tatsächlich wieder lohnt, wird eine kluge Regierung versuchen, die Erhöhung der Mehrwertsteuer durch weitreichende Entlastungen im Bereich der Einkommensteuer, der Körperschaftssteuer, der Kapitalertragssteuer, der Gewerbesteuer und der Erbschaftssteuer wenigstens teilweise wieder auszugleichen.
 
(O.k., o.k., ich hör ja schon wieder auf, mit den unhaltbaren Prognosen.)

 

 

 

 

Helfen Sie bitte am 27. September mit, der Hoffnung eine Chance zu geben.

Wählen Sie links. Ganz links! Die LINKE.

 Die Begründung habe ich schon früher geliefert



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Reaktionen auf diesen Paukenschlag
So kurz vor der Wahl

sind wohl alle Deutschen nicht mehr davon zu überzeugen, CDU oder FDP zu wählen. Das wäre grandios wenn alle Deutschen sich noch kurzfristig für die CDU/FDP oder sonstigen Sozialverbrecher entscheiden könnten. Aber wenn, dann alle.

Und wissen Sie auch warum dies grandios wäre? Nun, schneller würden sich revolutionäre Verhältnisse nicht herbeiführen lassen. Und da dies nicht mehr möglich ist, wird mir nichts anderes übrig bleiben, als die LINKE zu wählen. Die Linke wird 19% am 27.ten einsacken bei einer Wahlbeteiligung von 78%. Warten Sie's ab, ich prognostiziere dies leider zu 100 %. Besser wären 25% bei 50% Wahlbeteiligung. Noch besser wären 50% bei 100% Wahlbeteiligung. Ach, ich finde es einfach schrecklich, diese Prognosen und Wahlumfragen. Sie verwirren ja das ganze Volk, vorausgesetzt, es will sich verwirren lassen.


Lieber Herr Kreutzer,

vielen Dank, für die "Öffnung des Pandora-Fasses", dessen Inhalt "egoistisch + menschenverachtend" ist.
Jeder müsste es lesen, denn des Bürgers Freiheit, bleibt sein höchstes Hab und Gut!

Leider werden die gleichen Dummen, wieder die gleichen Kreuze machen und sich später heulend in ihr selbstgeschaffenes Schicksal ergeben - eben - wie die genannten Lemminge.

Wenn Menschen zwar Hoffnung haben, aber nicht mehr selbständig denken, dann kann wieder nur Enttäuschung daraus folgen! Deshalb sei gesagt:

Wer nach der 27.9.09-Wahl

keine Mehrwertsteuererhöhung, Massenarbeitslosigkeit und Wachstumsstillstand erleben möchte, sollte schleunigst mit "Denken" beginnen und Spooocht mal Sport sein lassen!

Übrigens: Das Buch "Ahnen", war sehr inspirierend!

Lieben Gruss

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