Paukenschlag am Donnerstag
No. 26/2009
vom 2. Juli 2009

Kommentare zum Zeitgeschehen
von Egon W. Kreutzer

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Geld in der Krise - Kreislauf des Irrsinns

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Leserbriefe
 
Paukenschläge 2009 (ältere)
1 Steinbrück, Peer
2 Die Würde des Menschen ist nicht mehr ertastbar
3 Asymmetrisches Treiben
4 Wenn Banken baden geh'n - Bad Bank
5 Schuldenbremser
6 Die Liquiditätsblase
7 Abwrackprämie für Bänke
8 Bankenkrisenprotektion
9 Währungskrieg gegen die Eurozone
10 Opel, zum Beispiel
11 Billionen- und Konsonantenverdoppelung
12 Im falschen Film -
Die Krisen-Illusion
13 Wie aber soll eine neue Welt entstehen?
14 Schokohasen - Opium fürs Volk
15 Zwischenhirnwesen
16 System-Relevanz-
Syndrom
17 Komm, lieber Mai, und mache
18 Rentner und Milliardäre
19 Die gestärkten Rechte des EU-Parlaments
20 Gute Banken, schlechte Banken 
21 Eine Zensur findet nicht statt
22 Staatsbank
23 Deutschland geht unter
24 Gesunde Unternehmen retten
25 Oasen Peer
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

Geld in der Krise
Kreislauf des Irrsinns
 
 
Wenn man die Argumentation der Krisenexperten verfolgt, gelangt man regelmäßig an den Punkt, an dem als letzte verständliche Weisheit erklärt wird, die Wurzel allen Übels sei die Tatsache, dass sich die Banken gegenseitig mißtrauen und sich deshalb untereinander kein Geld mehr leihen.
 
Die meisten Politiker auf dieser Welt haben auf diese Erklärung wunschgemäß reagiert.
 
"Wo die Banken sich kein Geld mehr leihen,
muss eben der Staat einspringen."
 
 
Nun springen sie - ein.
Und werfen das Geld aus den Fenstern.
 
Das letzte Mal sprangen die Banker
noch selbst aus den Fenstern.
 
Daran erkennt man, dass man seine Lehren gezogen hat und die Fehler von 1929 nicht wiederholt. Wobei man uns erklärt, der Fehler 1929 hätte nicht darin bestanden, dass die Banker aus den Fenstern sprangen, sondern darin, dass die Volkswirtschaften in Protektionismus verfallen seien.
 
Nimmt man diesen Standpunkt ein, gelangt man zu der Erkenntnis, dass der Protektionismus schuld daran gewesen sein muss, dass die Banker keine andere Chance mehr sahen, als aus den Fenstern zu springen.
 
Heute, ohne Protektionismus, besteht für die Banker und Spekulanten kein Grund zum Suizid. Die Gehälter und Boni fließen weiter, und falls der eine oder andere seinen Platz hinter dem saalgroßen Edelholzschreibtisch doch verlassen muss, weil dem Pöbel, der nach Blut schreit, ein Opfer präsentiert werden muss - so wie der Kasperl das Krokodil töten muss, damit den Kinder der Glaube an den Sieg des Guten vermittelt werden kann - dann kann er hinterher immer noch seine Abfindung einklagen - und wird selbstverständlich nicht nur Recht, sondern bald auch wieder eine angemessene, noch besser bezahlte Anstellung bekommen.
 
Da fragt man sich schon, ob es wirklich von Übel ist, sich vor Gefahren zu schützen.
Schutz wird dadurch ja nicht in sein Gegenteil verkehrt, dass man ihn als "Protektion" oder, bei systematischer Anwendung, als "Protektionismus" bezeichnet.
 
Radfahrer und Rollerskater sind an allen sichtbaren Gelenken mit Protektoren übersät.
Der Papst ist gegen, das Gesundheitsministerium für den Einsatz von Protektoren beim Geschlechtsverkehr. Banken bauen sich Protektoren aus meterdickem Beton und Stahl.
Die von der Bundeswehr benutzten Protektoren heißen Fuchs, Marder und Leopard.
 
Nur gegen die Zerstörungskraft des Kapitals sollen sich Volkswirtschaften nicht schützen, weil sonst die Banker und Spekulanten aus den Fenstern springen müssen?
 
 
 
 
Das Handelsblatt kam am 23. Juni mit der Meldung heraus,
 zum Artikel
 
dass die "Krise" in den Haushalten der EU-Staaten - nach Einschätzung der EU-Kommission - ein Loch in der Größe von 1,8 Billionen Euro reißen könnte.
 
Das entspricht einem Sechstel der jährlichen Wirtschaftsleistung der EU.
Dabei ist die Kommission aber offenbar nicht vom schlimmsten denkbaren Szenario ausgegangen, glaubt also nicht, dass die bisher als Schutzschirme aufgespannten Garantien und Bürgschaften in voller Höhe in Anspruch genommen werden. Denn die haben inzwischen ein weit größeres Volumen, nämlich rund 4,75 Billionen Euro erreicht, wovon 1,4 Billionen bereits abgerufen sind.
 
 
Nur zur Erinnerung:
 
 
1 Billion
=
1 Million Millionen
=
20.000 Jahre lang jede Woche 1 Million im Lotto gewinnen
 
Wenn es stimmt, dass die Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten inzwischen für die unglaubliche Summe von 4,75 Billionen Euro mit Krediten und Bürgschaften garantieren, nur weil die Banken untereinander nicht gewillt sind, sich Geld zu leihen, dann bildet sich zunächst die Erkenntnis heraus, dass es da offenbar eine Reihe von Banken geben muss, die fürchten, jene 4,75 Billionen nicht zu haben, wenn sie gebraucht werden, während einige andere Banken auf diesem Geld sitzen, es aber nicht verleihen.
 
Dem folgt die Erkenntnis, dass die staatlichen Kredite und Garantien in dieser wahrhaft galaktischen Größenordnung ein weiteres Problem sichtbar machen, wenn nicht gar zum Teil erst auslösen, dass nämlich noch nicht einmal die Zentralbankguthaben ausreichen, um wenigstens den Saldenausgleich für die mit den Staatskrediten und Bürgschaften möglich gemachten Geldspritzen und Transfers abzudecken.
 
Warum hat wohl die EZB in der letzten Woche 442 Milliarden Euro aus dem Hut gezaubert und für ein volles Jahr zum Niedrigzins von 1% in die Bankenlandschaft geworfen, wo über 1.000 Institute begierig zugegriffen haben?
 
Doch nicht, weil sie fürchtet, die Inflation im Euro-Raum könnte sonst unter der Zielmarke von 2% p.a. bleiben. Wirklich nicht.
 
 
 
Eine sonderbare Situation.
Eine extrem sonderbare Situation.
Eine irrsinnig sonderbare Situation.

Denn, Krise hin, Krise her:
 
Diejenigen Banken, die derzeit an akutem Liquiditätsmangel leiden, hätten doch auch in ganz normalen Zeiten keine Chance, die ihnen fehlende Liquidität jahraus, jahrein mit immer neuen Krediten von anderen Banken oder Zentralbankkrediten zu überbrücken.
 
Oder?
Oder wie?
 
Folglich müsste doch das Geschäft der Schuldnerbanken (immer wieder) folglich auch irgendwann in absehbarer Zukunft ganz von alleine ins Positive drehen, so dass sie ihre Konten ausgleichen können.
 
Müsste es?
Es müsste.
 
 
So lange es die berechtigte Hoffnung auf den zwangsläufig zu erwartenden Ausgleich gab, war der Interbankenhandel mit kurzfristigem Geld auch nicht gestört. Solange bestand hinreichendes Vertrauen unter den Banken. Solange half man sich wechselseitig im Bemühen, die Zentralbankkonten sauber zu halten.
 
Dass es jetzt anders ist, ist doch nicht die Ursache.
Das hat eine Ursache.
 
Die Änderung im Verhalten der Banker ist darauf zurückzuführen, dass diejenigen, die auf den Billionen sitzen, ganz genau wissen, dass die meisten anderen aus ihrem laufenden Geschäft heraus nie wieder flüssig sein werden.
 
Können die das überhaupt wissen?
Doch, das können sie wissen.
 
Ein guter Kartenspieler weiß genau, welche Karten er in der Hand hat, welche schon ausgespielt wurden und welche noch bei seinen Mitspielern (und, je nach Spiel, ggfs. im Stapel) liegen. Ein guter Kartenspieler wird sogar, lange bevor der letzte Stich getan ist, mit großer Sicherheit sagen können, welcher seiner Mitspieler welche Karten in der Hand hält, weil sich aus dem Spielverhalten auf die "Kartenressourcen" schließen lässt.
Unsere geliebten globalen Spieler sind nicht weniger clever. Sie wissen, wieviel Geld da ist, sie wissen wo es ist - und sie wissen, wer es wann braucht.
 
Was braucht es mehr?
Es braucht mehr Geld.
 
Es braucht mehr Geld?
Natürlich. Was denn sonst?
 
Banker und ihre Hintermänner säen und ernten Geld. Sie säen möglichst wenig und ernten möglichst viel. Sie verhalten sich wie Spielsüchtige beim Monopoly. Kaum haben sie alle Straßen gekauft und alle Spielgeldscheine auf dem eigenen Haufen liegen, verlangen Sie ein weiteres Spielfeld, weitere Straßen- und Ereigniskarten, weitere Häuschen und Hotels und neues Geld.
 
Ohne neues Geld sehen sie im Weiterspielen nämlich überhaupt keinen Sinn.
Denn das, was sie schon haben, wollen sie keinesfalls hergeben.
(Siehe z.B. nur Schäffler oder Schickedanz)
Sie haben am Spiel und an dessen Fortgang kein Interesse.
Das Spiel ist nur Mittel zum Zweck
Und der Zweck ist Geld.
Mehr Geld.
Alles.
 
 
Der Kreislauf des Irrsinns, erste Runde
Kredit vergeben
 
 
Die großen Spieler lassen sich dazu heute die EU nach Osten, morgen nach Süden erweitern, vielleicht auch noch nach Norden und Westen, einige schaffen sich im postkolonialen Afrika neuen Wirtschaftsraum und andere wetteifern um die Vorherschaft im 2.000 km Radius um das Zentralmassiv des Hindukusch.
 
Ein kluger Mensch hat diese Politik einmal als die Schaffung neuer "Aufschuldungsgebiete" bezeichnet. Auf mäßig oder gering mit Schulden belastete Menschen und deren Land incl. aller Ressourcen säen die globalen Spieler ihr Kreditgeld.
 
 
Der Kreislauf des Irrsinns, zweite Runde
Guthaben einsammeln
 
 
Dann unternehmen sie alles, um sich das Kreditgeld zurückzuholen, durch den Verkauf von Genmaissaatgut und Mobiltelefonen, von Coca Cola und Weichholzmöbeln, von mehr oder minder fahrtüchtigen Gebrauchtwagen, Benzin und Öl, sowie durch den Verkauf von Pistolen, Gewehren, Gewehrgranaten, Personen- und Panzerminen, Panzerfäusten, leichten Flugabwehrraketen sowie vormontierten Anlagen der Chlorchemie und Zentrifugen zur Anreicherung von Uran.
 
 
Der Kreislauf des Irrsinns, dritte Runde
Neuverschuldung
 
Dann allerdings, wenn das Geld weitgehend zurückgeflossen ist, fordern sie Zins und Tilgung für die gewährten Kredite - und weil nichts mehr da ist, werden neue Kredite aufgenommen. So lange, bis das gerade beackerte Aufschuldungsgebiet von den Ratingagenturen als nicht mehr kreditwürdig eingestuft wird. Dann kommt das nächste.
Dann noch eines.
 
Leider wächst die Welt nicht mit.
 
Es dauerte eine Weile, bis die globalen Spieler bemerkten, dass ihr plötzliches Unvermögen, forsch-fröhlich mit dem Schwanz zu wedeln, seine Ursache darin hatte, dass sie sich, am Ende der Welt angekommen, vor lauter Gier erst einmal in den eigenen Schwanz gebissen haben.
 
Da sind wir jetzt.
 
 
Der Kreislauf des Irrsinns, vierte Runde
Drohung mit dem Untergang
 
Sind die Böden, auf denen das Geld gewachsen ist, bis auf den unfruchtbaren Grund ausgebeutet, droht die Schar der Spielsüchtigen, sich in eine Schar von Tobsüchtigen zu verwandeln. Sie drohen, alles kurz und klein zu schlagen, sie drohen, die Volkswirtschaften dieser Welt mit Mann und Maus untergehen zu lassen, Sie drohen, die Zahlungssysteme zu torpedieren und Handel und Wandel zu ersticken. Sie drohen, die Versorgung solange zu stören, bis marodierende Banden durch die Lande ziehen und raubend und mordend die Anarchie verbreiten.
Es sei denn, man brächte frisches Geld ins Spiel, das sie in gewohnter Weise und gewohnter Menge an sich bringen könnten, um ihre Ansprüche an die Welt vollends ins Unermessliche steigern zu können.
 
Geld ist Anspruch.
Viel Geld ist viel Anspruch.
Alles Geld ist Anspruch auf alles.
Mehr geht nicht.

Mehr geht nicht?
Natürlich geht mehr!
 
 
Der Kreislauf des Irrsinns, fünfte Runde
Inflationäre Blasen erzeugen
 
Wenn zwei Menschen je einen Taler haben und es gibt zwölf Sack Kartoffeln zu kaufen, dann hat jeder mit seinem Taler "Anspruch" auf sechs Sack Kartoffeln.
Hätten die beiden Menschen je zwei Taler, dann hätte trotzdem jeder unverändert "Anspruch" auf sechs Sack Kartoffeln. Sogar wenn beide Menschen je 1000 Taler besäßen, änderte sich an ihrer persönlichen Kaufkraft, bezogen auf das verfügbare Angebot nichts.
 
So wirkt sich eine Inflation aus, wenn sie aus einer allgemeinen Steigerung der Löhne und Gehälter erwächst, der kein entsprechendes Wachstum der Produktivität gegenübersteht.
 
Mehr Geld kauft dann die gleiche Warenmenge.
 
Wenn sich jedoch in einer Inflation die Geldverteilung verschiebt, wenn unter Zweien das Geld nicht mehr 1 : 1 aufgeteilt ist, sondern sich einer einfach einen zusätzlichen Taler verschafft, dann kaufen zwar drei Taler weiterhin die zwölf Sack Kartoffeln, denn auch mehr Geld kann nie mehr als die angebotene Warenmenge kaufen, aber derjenige, der glaubte, mit seinem einen Taler sechs Sack Kartoffeln kaufen zu können, wird erleben, dass er nur noch vier Sack bekommt - und dass er fortan nicht mehr so recht satt werden wird.
 
So wirkt sich Inflation aus, wenn sie aus der von einigen wenigen Profiteuren inszenierten Wucherung von Spekulationsblasen entsteht und auf die Realwirtschaft überspringt.
 
Mehr Geld kauft dann mehr von der Warenmenge. Unabhängig davon ob es sich um Kartoffeln, um Kommunale Wohnungsgesellschaften oder VW/Porsche-Aktien handelt.
 
 
Der Kreislauf des Irrsinns, sechste Runde
Blasen platzen und sanieren lassen
 
Noch erleben wir die Phase des Geldeinsammelns. Noch will keiner das große Wettbieten um den letzten Sachwert eröffnen.
Solange von Regierungen und Zentralbanken in der ebenso verzweifelten wie unbegründeten Hoffnung, den Geldumlauf wieder in Schwung zu bringen, immer neue, immer aberwitzigere Summen zusätzlichen Geldes in die Welt gesetzt werden, so lange sieht der abgebrühte Zocker noch eine Chance, seine Ausgangsposition zu verbessern um am Ende mit Hilfe der vom Staat bereitgestellten Hypergeldmenge 10, 11 oder gar alle 12 Sack Kartoffeln einkaufen zu können.
 
Dass der dumme Bauer am Ende verzweifelt auf seinem Acker stehen wird, mit nichts als einem Kontoauszug im Cinemascope-Format in der Hand, muss man dabei als Kollateralschaden in Kauf nehmen.
 
Dass die Banken, die jetzt mit Billionen gerettet werden, am Ende alle in einem geordneten Insolvenzverfahren entschuldet werden, ist abzusehen, aber auch das muss man als Kollateralschaden in Kauf nehmen.
 
Selbst dass die Bürger am Ende die Schulden ihres Staates zu tragen haben, die dadurch entstanden sind, dass der Staat bei einer Bank des relevanten Systems Geld geliehen hat, um die andere Bank des relevanten Systems damit bis zur unvermeidlichen Insolvenz über Wasser zu halten, dürfen Politiker zur eigenen Entschuldigung und zum Erhalt ihrer Reputation so hinstellen, als hätte es dazu keine Alternative gegeben. Das sagen Generäle auch, wenn sie Krokodistränen weinen, um zu bemänteln, dass sie jederzeit bewusst und mit voller Absicht bereit sind, unschuldige Zivilisten mit ihren Bomben und Raketen in blutige Fetzen zu reißen, wenn sie sich davon einen taktischen Vorteil versprechen.
 
Nach einer Weile schickt man dann da, wo der Krieg mit Waffen ausgetragen wurde, Minenräumkommandos los und sorgt für eine zügige Wiederbewaffnung der Unterlegenen, weil man sie beim nächsten Ernstfall als Verbündete an die Front schicken will.
 
Da, wo der Krieg mit Geld ausgetragen wurde, macht man nach einer Weile eine Währungsreform und sorgt dafür, dass mit der neuen Währung zügig neues Wachstum entsteht, womit - trotz der Endlichkeit des Planeten - ein neues "Aufschuldungsgebiet" entwickelt werden kann.
 
Das ist so ähnlich wie mit der Dreifelderwirtschaft.
 
Ist der Acker ausgelaugt, bricht man ihn um und lässt ihn als Brache liegen. Im Jahr darauf darf er Gras und Heu für die Rinder und Schafe liefern, womit er im dritten Jahr wieder reif für eine reiche Ernte ist.
 
Dann beginnt das Spiel von vorne.
 
 
Der Kreislauf des Irrsinns, erste Runde
Schuldner finden
 
Sichern Sie sich schon heute einen guten Startplatz.
Lassen Sie sich im nächsten Leben von einer erfolgreichen Global Playerin gebären.
Das hat Vorteile.
 
Das alles klingt sehr deprimierend.
Das alles erscheint vollkommen auswegslos.
 
Dabei liegt der Ausweg greifbar nahe direkt vor unserer Nase.
 
Als Friedrich A. von Hajek 1976 mit seiner Schrift "Denationalisation of Money" auf deutsch 1976 unter dem Titel "Entnationalisierung des Geldes" erschienen, einen in meinem Augen hirnrissigen Vorschlag für einen Wettbewerb von Privatwährungen ohne staatliche Einflussnahme auf das Geldwesen in die Welt setzte, hat er damit die auch vor 33 Jahren schon real existierende Geldschöpfung in der Hand der privaten Banken doch nur mit einigen unrealistischen Arabesken ausgeschmückt und damit das Geldschöpfungsprivileg der Privatbanken abgesegnet.
 
Die Staaten - nicht nur in der Euro-Zone - müssen alles unternehmen, um die Herrschaft über die eigene Währung, über die Geldschöpfung, die Geldmenge, über Zinsen und Kreditvergabekriterien zurückzugewinnen.
 
Eine Volkswirtschaft ohne eigene Währung kann weder im Binnenmarkt noch im Außenhandel die eigenen Interessen wirksam und nachhaltig verfolgen. Sie ist der Willkür privater Geldmanipulateure hilflos ausgeliefert.
 
Dabei müsste der Staat durchweg nicht das komplette Bankwesen übernehmen, es genügte, wenn er dafür sorgte, dass die Realwirtschaft jederzeit ausreichend mit dem Zahlungsmittel versorgt ist.
Das schließt die Erhöhung der umlaufenden Geldmenge bei Geldmangel (Deflation) ebenso ein, wie die Reduzierung der umlaufenden Geldmenge bei Geldüberschuss (Inflation). Das eine kann der Staat durch die Bereitstellung von selbst geschöpftem und daher nicht tilgungspflichtigem Geld mit geringstem Aufwand bewerkstelligen, das andere kann er durch die Besteuerung von Vermögen und Transaktionen, ebensfalls mit geringstem Aufwand erreichen.
 
Fragen Sie Ihren Lieblingspolitiker, warum der Staat auf die Herrschaft über das eigene Geld zu Gunsten der Banker verzichtet und selbst in der schlimmsten Krise nicht auf die Idee kommt, dieses Privileg zurückzunehmen.
 
Wie das funktionieren könnte, habe ich in Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre (speziell in Band III - über das Geld) hinreichend genau beschrieben.
 
Warum das, was wir jetzt erleben, nicht im Versagen der Banker, sondern im Kalkül von Bankstern begründet ist, hat Artur P. Schmidt in seinem Buch "Unter Bankstern" beschrieben.
 
Beides finden Sie im EWK-Verlag unter Sachbuch Wirtschaft.
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Reaktionen auf diesen Paukenschlag
Hallo Herr Kreutzer

Der Irrsinn dieser Welt besteht darin, dass das Maß des Fortschritts in Geld gemessen wird. Dieses System ist an seine Grenzen gestoßen, wie sie es so schön beschrieben haben:

Es dauerte eine Weile, bis die globalen Spieler bemerkten, dass sie sich am Ende der Welt angekommen, vor lauter Gier erst einmal in den eigenen Schwanz gebissen haben.

Dieser Satz ist genial. Aber ich fürchte sie werden dadurch nicht klüger, oder gar bescheidener. Das Spielgeld für die nächste Runde wird gerade gedruckt. Je mehr fiktives Geld in diesem Spiel vorhanden ist, um so leichter wird es andere in den Ruin zu treiben. Die Heuschreckenplage wird schrecklich sein.

Aber noch schrecklicher wird es wenn sie erkennen, dass dieses Spielgeld eigentlich überhaupt nichts wert ist.Wenn sie Reichtum nicht mehr befriedigt, was dann? Macht?

PS: Ich habe noch einen kleine Beitrag über die neuen Götter beigefügt.


Hallo Herr Kreutzer, hier mal ein paar Gedanken von mir dazu.:

Wenn mann sich mit den wahren Ursachen der Krise befasst, ist es unbedingt notwendig, sich mit den Funktionsmechanismen aller komplexen Systeme zu beschäftigen, da das Ganze IMMER mehr als die Summe seiner Teile ist. Ich nehme mal das Leben des Menschen, den Kreislauf der Natur und den Wirtschaftskreislauf als Beispiele. Was haben alle diese “Systeme” gemeinsam?

Sie sind alle abhängig vom ungehinderten Fluss des “Schmiermittels”. Beim Menschen ist das der Energie und/oder Blutkreislauf, in der Natur der Wasserkreislauf und in der Wirtschaft der Geldkreislauf. Immer wenn
dieser Kreislauf gestört ist, kommt es zum Versagen des Ganzen oder zum “Absterben” kleiner oder großer Teile des “Systems”. Die heutigen Wissenschaften haben leider die komplexen Zusammenhänge noch nicht
erkannt oder sie werden gesteuert von einer kleinen Gruppe neoliberaler Ideologen und Bankern, die genau daran profitieren.

Im Wirtschaftskreislauf sorgt der Zins automatisch für eine Blockade des Geldkreislaufes, da er auf der einen Seite Vermögen immer weiter anwachsen lässt, während auf der anderen Seite immer weniger Geld zur
Verfügung steht. Das bedeutet, die Wirtschaft wird nicht mehr genug mit “Blut” versorgt und muss um zu Überleben immer weiter schrumpfen.
Heutzutage nennt man das Effizienzsteigerung. Dies ist gesamtgesellschaftlich betrachtet einfach nur noch Wahnsinn. Während für soziale Aufgaben wie Bildung, Gesundheit, Pflege und vieles andere kein
Geld mehr da ist und die Verschuldung immer groteskere Züge annimmt, sucht das vorhandene Vermögen nach nicht vorhandenen, ständig sinkenden gewinnbringenden Anlagemöglichkeiten. Die private Insolvenz ist nur eine der zwangsläufigen Begleiterscheinungen. Leider sind neoliberale Ideologen nicht in der Lage zu erkennen, dass Ihre gesamte Theorie gar nicht funktionieren kann. Sie leben in einer Art Traumwelt, in der sie den Markt zum Gott erhoben haben und obwohl sie mit eigenen Augen sehen, wie ihre sämtlichen Theorien scheitern, können sie sich nicht davon lösen, da ihnen der Blick für das Ganze abhanden gekommen ist.
Allerdings ist das immer offensichtlicher werdende Versagen dieser Heilsbringer in Politik, Medien und Wirtschaft auch eine große Chance, dass eine ständig wachsende Zahl von Menschen diesen Unfug erkennt und
den “Eliten” den Gehorsam verweigert.

Will man nun die wachsende Verschuldung eindämmen, muss man den Zins sofort abschaffen und das Anhäufen des “Flussmittels” Geld mit Wertverlust “bestrafen”, da es dann “freiwillig” dem Kreislauf wieder
zur Verfügung gestellt wird, ohne leistungslos davon zu profitieren. Gleiches gilt für nicht selbst genutztes Privateigentum, da dieses ansonsten an die Stelle von Geld treten würde. Die Blockade des
“Flusses” von Geld wäre gelöst, die Wirtschaft könnte wieder “atmen”, die Arbeitslosigkeit würde zurück gehen und eine Verschuldung würde nicht mehr stattfinden.

Damit bin ich wieder beim Anfang. Es geht um den “Fluss”. Dabei spielt es keine Rolle in welchem System. Immer wenn der “Fluss” gestört ist, kommt es zur Krise. Dies erkannten schon lange vor mir Sylvio Gesell,
Viktor Schauberger und Wilhelm Reich. Entgegen neoliberaler Behauptungen ist der Markt keine Erfindung der Natur oder von Gott gegeben, sondern eine Erfindung der Menschen!!!

Also hat der Markt den Menschen zu dienen und nicht die Menschen dem Markt. Wir haben es in der Hand den Markt wieder dem natürlichen Kreislauf anzupassen um dadurch Armut und Verschuldung für immer zu besiegen. Dazu müssen wir nur den neoliberalen Blödsinn in Frage stellen.

Wer macht mit?


Guten Morgen Herr Kreutzer,

den Wahnsinn des Irrsinns oder ist es der Irrsinn des Wahnsinns, der hier von Ihnen wieder trefflich skizziert und beschrieben wurde. Mir kam dazu ein Zitat eines der Vorgänger Barak Obamas in den Sinn:

Der dritte Präsident der USA, Thomas Jefferson (1743-1826), und keiner wird diesen Mann als Klassenfeind bezeichnen wollen, sagte folgendes:


„Falls das amerikanische Volk die Kontrolle und die Herausgabe seiner Währung jemals Banken übertragen sollte, werden diese ( und die Firmen, die sich herum bilden werden ) dem Volk zuerst mittels Inflation und dann über Deflation solange dessen Eigentum wegnehmen, bis die Kinder auf dem Kontinent, den ihre Väter in Besitz genommen haben, obdachlos aufwachen.
Die Berechtigung zur Herausgabe von Geld soll den Banken weggenommen und auf den Kongreß und das Volk übertragen werden.
Ich glaube ernsthaft, dass Banken mit dem Recht, Geld herauszugeben, gefährlicher für die Freiheit sind als stehende Armeen.“

 

Beste Grüße


Guten Morgen Herr Kreutzer,

als Fußball-Fan stelle ich momentan fest, dass die Spekulationsblasen mittlerweile sogar den Menschenhandel bei den professionellen Balltretern erreicht hat. Es gab zwar auch in der Vergangenheit ein paar schillernde Transaktionen zwischen den Vereinen, was aber augenblicklich an sogenannten "Ablösesummen" verlangt und gezahlt wird, ist eigentlich nur als Irrsinn zu bezeichnen. Da werden für Fußballspieler Beträge aufgerufen, mit denen sich kleine Volkswirtschaften eine ganze Zeit lang über Wasser halten könnten. Real Madrid überweist für den portugiesischen Bengel Christiano Ronaldo 94 Millionen Euro, für den kleinen Flitzer Káka über 60 Millionen Euro und für den Franzosen Benzema 35 Millionen. Insgesamt möchte der Verein rund 300 Millionen Euro für neue Spieler ausgeben - 300 Millionen Euro!!! Geld wohlgemerkt, dass der Verein gar nicht besitzt. Wohl aber dessen Präsident, Multi-Millionär von Beruf. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Auf Ihr Beispiel von den Kartoffeln bezogen bedeutet dies, dass die Preise auf dem begrenzten Markt wechselwilliger Spieler in nie gekannte Höhen schießen. Wo man vor kurzer Zeit für 10 Millionen Euro noch einen absoluten Topspieler verpflichten konnte, bekommt man jetzt nur noch mäßig talentierte Problemfälle oder in die Jahre gekommene Diven von einst. Und genau so, wie derjenige mit den wenigen Talern immer weniger von den Kartoffeln kaufen kann und irgendwann verhungern muss, können die kleinen Vereine ohne Mäzene und Kreditwürdigkeit ihr Spieler-Arsenal nicht mehr so auffüllen, wie es nötig wäre, um mit Clubs wie Real Madrid noch auf Augenhöhe Fußball spielen zu können.

Ich bin leider noch nicht dahintergekommen, was sich die Finanziers dieser Geschäfte erhoffen. Glauben die wirklich, die verliehenen Millionen mit entsprechendem Gewinn irgendwann, in irgendeiner Form wiederzubekommen?

Beste Grüße
Hallo Herr Kreutzer,
das sind ja schöne Einsichten, die einem jegliche Aussicht auf Besserung unter den Füssen wegzieht.
Wenn es so schlimm ist, wieso findet sich dann keine Partei, kein Politiker, der das ausnützt, sich total für die Wandlung einsetzt und damit mit Sicherheit in kürzester Zeit mit seiner neuen Partei zur neuen Volkspartei aufsteigen und er (sie) selber zum Kanzler würde ?????
Wenn die alle so machtgeil sind, wie man das vermutet oder täglich vorgeführt bekommt, warum findet sich keiner, keine Partei, die sich das auf die Fahnen schreibt? Einer wie Götz W. Werner hat Null
Interesse, selber Politiker zu sein. Einer wie Joschka Fischer oder Trittin, die mal so gut angefangen haben... sie scheinen wie umgedreht in den Mühlen der Macht und einer mit so viel Kraft und Begabung für
Paukenschläge wie Sie...???
Ich rede mir den Mund fusselig, um ein wenig Ihrer Aufklärung in meine kleine Welt zu tragen.
Dieser Paukenschlag trifft genau ins Gesicht unserer Kapitalgesellschaft!
Was ist zu tun?
____________________________________
Anmerkung von Egon W. Kreutzer

Zu den Schwierigkeiten, den Wandel zu organisieren, ist insbesondere die Tatsache zu rechnen, dass die Ablenkung über Brot und Spiele immer noch perfekt funktioniert - und zwar völlig unabhängig vom Bildungsniveau. Wo die einen fernsehend die Hinterwaldler Volksdudler verkonsumieren, hängen die anderen an den Lippen von J.B. Kerner oder Maybrit Illner. Entscheider lesen Manager Magazine und hängen an den Lippen der Sinns und Straubhaars (mir sträuben sich die Haare bei dem Unsinn).

Die Welt ist ein einziges mediales Potemkinsches Dorf. Von der breiten Straße, vom reißenden Strom der Reizüberflutung aus betrachtet, sieht es aus wie echt. Näher kommt man gar nicht heran. Zwischen Datenautobahn und Dorfkulisse liegen undurchdringliche Dornenhecken, Sümpfe und Wälder voller Räuber.

Und das Schlimmste ist: Wer es geschafft hat, sich bis dahin durchzuschlagen und dann noch die Kraft findet, sich wieder an die Hauptstraße zurückzuschleppen, der wird von den Vorbeirasenden nur für winzige Augenblicke wahrgenommen, und dann heißt es: Der Spinner soll aufpassen, dass er nicht unter die Räder kommt.

Was ist zu tun?

Weitermachen.

Zäh. Tropfen für Tropfen am Stein arbeiten.

Der Damm bricht nicht, weil eine wilde Woge über ihn herfällt. Er bricht, weil das ewige kleine Drücken und Ziehen der Wellen das scheinbar monolithische Bauwerk in seiner Substanz verändert, Hohlräume und Kanälchen schafft, bis er endlich, eines nicht vorhersehbaren Tages - unterspült und aufgeweicht - nachgibt.

Erfolg, habe ich einmal gehört, sei das Produkt aus Leistung und Akzeptanz. Nimmt man für Leistung und Akzeptanz Werte zwischen 0 und 10 an, So wird die größte Leistung (10) aus wildem Protest und zerstörerischer Wut, multipliziert mit 0 Akzeptanz auch nur 0 Erfolg hervorbringen. Die schönste Akzeptanz des angepassten Wohlverhaltens (10), verbunden mit 0 Leistung zur Veränderung, bringt ebenfalls 0 Erfolg. Wenn es aber gelingt, mit großem Einsatz (10) die Notwendigkeiten und Möglichkeiten der Veränderung so darzustellen, dass diese Vorstellungen auch nur bei 2 von 10 Akzeptanz finden, dann liegt der Erfolg bei 20, während das Optimum vermutlich irgendwo bei 50 oder 60 liegen dürfte.


Hallo Herr Kreutzer,

wer sich noch nicht von seinen Illusionen über das herrschende System getrennt hat, dem müsste es beim Lesen Ihres Paukenschlags eiskalt den Rücken hinunter laufen. Sie haben wieder einen Volltreffer gelandet: Danke!

Beste Grüße



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