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- Schokohasen - Opium
fürs Volk?
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- Ostern, das Fest
der Christenheit schlechthin, hat unter sehr vielen Menschen
des christlich-abendländischen Kulturkreises seinen christlich-abendländischen
Sinn verloren. Die Tünche der Religion ist allenthalben
vollständig abgeplatzt, und darunter kommt die ursprüngliche
Freude über das Ende des Winters in allerlei ostereierbunten
Bräuchen und Ritualen zum Vorschein.
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- Die nachstehende, mit scharfer
Ironie und mildem Zynismus angereicherte Festerklärung wendet
sich nicht gegen den Gedanken der Nächstenliebe, die es
unter den "Heiden" als Teil ihrer Menschlichkeit schon
gegeben hat, bevor sie zu Christen konvertierten.
Es gibt auch keinen Grund, die Tröstungen der Religion zu
schmähen.
Menschen, die herbe Verluste hinnehmen mussten, Menschen, die
dem eigenen Tod begegnen, sind für Trost und Beistand dankbar,
wobei es keinen Unterschied macht, ob Trost und Beistand von
nahen Angehörigen, vom in Tierfelle gehüllten Schamanen
oder vom in seine Amtstracht gewandteten Seelsorger gebracht
werden - solange der Trostbedürftige dementsprechend sozialisiert
ist.
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- Vieles, was menschliches Leben
und Zusammenleben erträglich macht, wird von den Religionen
als Verpflichtung angesehen und gelebt. Viele Religionsgemeinschaften
überleben jedoch auch nur, weil sie ihre Mitglieder mit
dem Kitt aus Trost, Beistand und Nächstenliebe an sich binden
und zusammenhalten.
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- Menschlichkeit ist jedoch
älter, als die christliche Religion.
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- Christen, die dem widersprechen
wollen, müssen sich Überheblichkeit und Arroganz vorhalten
lassen.
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- Menschlichkeit ist auch in
der Christenheit, trotz des Gebots der Nächstenliebe, nicht
weiter verbreitet, als außerhalb der Christenheit.
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- Christen, die dem widersprechen
wollen, sollten sich mit der Geschichte der Mutter Kirche auseinandersetzen
und auch die Gegenwart und die jüngste Geschichte nicht
auslassen. Guantanamo wurde von einem der mächtigsten Christen
dieser Welt errichtet - und Christen sträuben sich dagegen,
den dort gequälten Opfern jener Folterknechte, die man heutzutage
verharmlosend Verhörspezialisten nennt, in ihren Heimatländern
Asyl zu gewähren.
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- Zu Ostern feiert die Christenheit
nicht ihre Erlösung,
sondern die Verschiebung ihrer Erlösung
auf unbestimmte Zeit.
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- Und das geht, weil wir nun mal
Rituale brauchen, so:
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- Donnerstag:
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- Menetekel am nullten Tag
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- Allüberall legen wildgewordene
Hasen Eier, auch lebendgeborene Hasennachbildungen, überwiegend
aus Schokolade mäßiger Qualität zu unmäßigen
Preisen, werden in sogenannte "Nester" gelegt. Kinder
ab 2 Jahren - auf der nach oben offenen Kindisch-Skala - stopfen
daraufhin schnellstmöglich alles Schokoladig-Zuckrige in
sich hinein, dessen sie habhaft werden können.
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- Die Menschen kratzen sich verwundert
am Kopf, noch ist ja nichts passiert.
Gegen Abend verschwinden die Hasen so unvermittelt, wie sie erschienen
sind.
- Kein Wunder. Die drei Tage,
um die es geht, haben ja noch gar nicht begonnen.
Das Hasenspektakel ist nicht biblischen Ursprungs.
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- Freitag:
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- Fischeslust beim Gedenken
an den ersten Tag
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- Allüberall wird einer Hinrichtung
gedacht, die vor etwa 1979 Jahren auf einem Hügel nahe Jerusalem
stattgefunden hat. Wo die Folterungsszene von frommen Christenmenschen
nicht nachgespielt oder wenigstens nachgestellt wird, ergötzt
man sich an bildlichen Darstellungen davon und erbaut sich an
den Reden, die von den Erinnerungspredigern zur Erinnerung an
das bittere Leiden gehalten werden.
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- Aus unerfindlichen Gründen
ist der Genuss des Fleisches von Säugetieren und Vögeln
verpönt, stattdessen wurden schon Wochen vorher, in Vorbereitung
auf das Gedenken an die Hinrichtung, die Meere, Seen und Bäche
leergefischt, da das Fleisch der Fische aus unerklärlichen
Gründen verzehrt werden darf.
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- Zur gleichen Religion gehört
aber auch das Erinnern an den allerersten ersten Tag. Von den
Geschehnissen am ersten ersten Tag berichtet ein ungenannt bleiben
wollender Augenzeuge: "Gott sah, daß das Licht
gut war und schied das Licht von der Finsternis."
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- Samstag:
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- Intermezzo am zweiten Tag
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- Säugetier- und Vogelfleisch,
auch Fischfleisch, sowie die restlichen Schokoladeneier stehen
auf dem Speiseplan. Die Kruzifixe hängen wieder unbeachtet
da, wo sie immer hängen.
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- Am ersten zweiten Tage, daran
sei hier kurz erinnert, machte Gott, nach den Worten des
anonymen Chronisten, die Feste und schied das Wasser unter
der Feste von dem Wasser über der Feste.
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- Am zweiten Tag, dem Tag nach
der Kreuzigung, ging in Jerusalem alles seinen gewohnten Gang.
Die Pharisäer pharisäten, die Römer römerten
und die Jünger trauerten.
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- Das Gedenken an den zweiten
zweiten Tag bleibt daher auch in unserer Zeit eher diffus bis
indifferent. Es werden kaum diesbezügliche Reden geredet.
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- Die Menschen kratzen sich weiterhin
verwundert am Kopf.
Es ist immer noch nichts Außergewöhnliches geschehen.
Wiewohl der dritte Tag unmittelbar bevorsteht.
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- Sonntag:
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- Der dritte Tag
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- Auf! Aufer! Am Aufsten!
Aufstehen! Auferstehen!
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- Der dritte Tag ist im christlich-abendländischen
Kulturkreis der Tag der Lämmer. Mit Kräutern der Provence
kommen sie auf den Tisch. Fleisch, das am Freitag, dem Tag des
Gedenkens an die Hinrichtung, verpönt war, ist am dritten
Tag die Krönung der Festtafel.
Die Auferstehung der Lämmer ist nicht geplant. Womöglich
ist die Erinnerung daran aber auch nur verlorengegangen, in den
letzten 2.000 Jahren.
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- Am ersten dritten Tag, auch
daran erinnert der bereits erwähnte Chronist, befahl Gott
dem Wasser, sich an besondere Örter zu sammeln, dass
man das Trockene sehe.
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- Montag:
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- Resteessen und Regeneration
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- Die drei stressigen Tage mit
Fisch und Folter, Fleisch und Auferstehung sind vorbei. Bei schönem
Wetter darf nun nach Kräften ausgeflogen werden. Dafür
wurde vorher vom geschäftstüchtigen Einzelhandel eingeflogen,
was auf dem Seewege verdorben wäre.
Erdbeeren aus Israel, zum Beispiel, direkt neben der Via Dolorosa
gepflanzt, gedüngt, bewässert und geerntet, österlicher
gehts nicht mehr - sind als Dessert in jedem besseren Restaurant
im Angebot.
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- Am vierten Tage gebot Gott
der Erde, so der Chronist, Gras und Kräuter und fruchtbare
Bäume hervorzubringen.
- Vom ersten bis zum vierten Tag
eine (wenn auch verkürzte) Reihenfolge, wie aus dem Lehrbuch
der Evolutionsgeschichte. Ein Gedanke, für den man vor ein
paar hundert Jahren auch schon mal als Ketzer verbrannt werden
konnte, wenn die Kirche glaubte, mit einem Fanal ihre Allmacht
beweisen zu müssen.
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- Menschen mit Weitblick beginnen
am vierten Tag die Planung der Speisefolge des Pfingstfestes.
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- Dienstag:
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- Tag eins nach Ostern
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- Der Abwrackprämienbeantragungsserver
ist weiterhin überlastet.
Frau von der Leyen übt sich erneut in der wundersamen Vermehrung
der Deutschen.
Zu Guttenberg sagt ein paar mehr oder minder bereits bekannte
Sätze.
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- Wieder einmal alles gutgegangen.
Der Supergau ist ausgeblieben.
Normalität kehrt ein.
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- Stellen Sie sich vor, was hätte
geschehen können!
Stellen Sie sich vor, christlicher Glaube hätte sich in
Realität verwandelt!
Stellen Sie sich vor, das Jüngste Gericht träte zusammen
und erhöbe Anklage gegen Sie!
Stellen Sie sich vor, Sie hätten versäumt, sich rechtzeitig
Ihre Sünden vergeben zu lassen!
Stellen Sie sich vor, diese kleine Unterlassung würde ab
sofort mit ewiger Verdammnis bestraft!
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- Jesus ist gestorben, heißt
es, damit Sie sich retten lassen können.
Aber Sie hätten es wollen müssen. Vorher!
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- GAME OVER
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- Das Kleingedruckte:
- Berechtigte Kritik am Papst alleine berechtigt
ebensowenig zur Teilnahme an der ewigen Herrlichkeit
wie ein einwandfreies Führungszeugnis.
Wenn Sie wüssten, was Sie da, laut Taufschein und Kirchensteuerbescheid
alles glauben,
würden Sie möglicherweise anfangen, darüber nachzudenken.
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- Jetzt, wo Ostern vorbei ist,
sei zuletzt auch eine verallgemeinernde Betrachtung
über das Sterben von Hoffnungsträgern gestattet.
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- Die meisten großen Hoffnungsträger
starben eines gewaltsamen Todes.
Fragt man sich, warum, fällt es einem wie Schuppen von den
Augen:
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- Während Hoffnungslosigkeit
zu Resignation, Resignation zu Duldsamkeit, Duldsamkeit zu Folgsamkeit
führt, macht Hoffnung die Gedanken frei, zeigt auf, was
alles möglich wäre, schärft den Blick für
die Hindernisse und öffnet dem Entschluss zur Tat die Pforten.
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- Abraham Lincoln, Mahatma Ghandi,
Martin Luther King, John F. Kennedy, Che Guevarra, John Lennon,
Rudi Dutschke und Anwar al Sadat seien hier nur beispielhaft
erwähnt, um mit den Namen der Bekanntesten die Erinnerung
daran zu wecken, dass Jesus nicht die Ausnahme, sondern nur eine
Bestätigung der Regel war.
Wer die Spuren Hunderter weiterer gemeuchelter Hoffnungsträger
finden will, muss etwas tiefer in der Geschichte nachgraben*). Da findet er sie, einen nach dem anderen.
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- Eine allgemeine Hoffnung für
das Volk darf niemals auf die Gegenwart gerichtet sein. Wer solche
Hoffnung schürt, macht sich über kurz oder lang, nach
geschriebenen oder ungeschriebenen Gesetzen strafbar.
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- Hoffnung muss stets auf eine
ferne Zukunft (in Perfektion auf das Jenseits) bezogen sein,
dann macht sie die Hoffnungslosigkeit der Realität erträglich,
dann werden Resignation, Duldsamkeit und Folgsamkeit zu Tugenden
- und jeglicher Versuch einer Auferstehung oder gar eines Aufstands
des individuellen oder gemeinschaftlichen Freiheitswillens gerät
unweigerlich zur Sünde.
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- Hosianna!
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- Haben Sie nicht auch ein bisschen
Angst um Obama?
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- *) Hier, zum Beispiel:
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- Heben Sie Ihren Lieblingspaukenschlag ins
Buch.
Der EWK-Verlag plant eine Art "best of"-Auswahl
aus allen Aufsätzen und Paukenschlägen der Jahre 2003
bis 2009 als Hardcover-Ausgabe herauszubringen. Die Auswahl der
besten Aufsätze überlassen wir Ihnen.
Wählen Sie Ihre Favoriten - Sie haben
Zeit bis zum 30. April 2009
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jeweils neuesten Paukenschlag immer, sobald er fertig ist. Manchmal
am Montag, häufig am Dienstag, meist am Mittwoch - wenn
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Verehrter
Herr Kreutzer,
dieses störrisch-vorbehaltlose Denken, diese eigensinnige
Logik und Ihre sonstigen Unarten in dieser Richtung wird man
Ihnen schon noch abgewöhnen. Keine Sorge, in ein paar Jahren
werden 'die' es geschafft haben.
Frohe Ostern und danke!
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