27. April 2018

09.00 Uhr Der Heilige G. von der Mittelstandsvereinigung

Im Bundestag sollen Vertreter des ganzen Volkes sitzen und miteinander beraten, was denn für dieses ganze Volk das Beste sei.

Weil kein Mensch einen so dicken Schädel hat, dass wirklich die Interessen des ganzen Volkes darin untergebracht werden könnten, brauchen wir inzwischen weit über 600 Abgeordnete, die jeweils ganz spezifische Einzelinteressen ganz spezifischer Gruppen der Bevölkerung vertreten. Eine dieser Gruppen ist der so genannte Mittelstand, doch der ist im Bundestag offenbar unterrepräsentiert, denn der eifrigste Vertreter dieser Gruppe sitzt nicht etwa im Bundestag, sondern im Berliner Abgeordnetenhaus. Sein Name: Christian Graeff.

Betrachtet man die Vita des H. Graeff, wie Sie bei Wikipedia nachzulesen ist, verbindet ihn mit dem Mittelstand eigentlich nichts. Bis zum 17. Lebensjahr ließ er sich beschulen, bis zum 20. Lebensjahr erlernte er den Beruf des Einzelhandelskaufmanns. Danach wurde er Prokurist (Welche Unternehmen mir einfallen, wenn ich mich frage, wer einen frisch ausgelernten Einzelhandelskaufmann zum Prokuristen macht, verschweige ich hier lieber.) und danach Geschäftsführer eines Einzelhandelsunternehmens, und während er so prokurierte und geschäftsführte, leistete er nebenbei seinen Zivildienst ab, engagierte sich als stellvertretender Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Marzahn-Hellersdorf und im Berliner Landesvorstand der CDU. Die Geschäftsführerei beendete er mit 26 Jahren, um bis zum 28. Lebensjahr, neben seinen Parteiverpflichtungen als selbstständiger Kaufmann zu agieren. Vermutlich mit nur mäßigem Erfolg, denn von da galt all sein Leben und Streben nur noch der Partei.

Nun steht er im 40. Lebensjahr und ganz dick in den Zeitungen, denn er ist auf die Idee gekommen, allen Unterfünfzigjährigen die Hartz-IV-Leistungen komplett zu streichen. Nicht nur den Regelsatz, auch die Leistungen für Wohnen und Heizungen sind, wenn ich das richtig interpretiere, seiner Meinung ursächlich dafür, dass die Leute lieber faul zu Hause sitzen, statt sich um eine Arbeit zu bemühen.

Das bringt mich zu der Vermutung, Herr Graeff sei eines der Opfer der Berichterstattung von BILD und RTL. Wer sich ausschließlich aus diesen Quellen informiert oder ausschließlich diesen Quellen vertraut, könnte, vor allem wenn die Zeit nur reicht, die Überschriften zu lesen oder höchstens noch das heute-journal zu sehen, zweifellos glauben, die Headhunter der Großunternehmen und des Mittelstandes und der Kleinunternehmen würden sich tagtäglich (24/7) die Hacken wundlaufen, auf dem leergefegten Arbeitsmarkt, aber nie jemanden antreffen, weil die, die arbeiten könnten, in der vom Staat bereitgestellten Hängematte hängen und nicht daran denken, auch nur einen Handgriff zu vollbringen, mit dem sie selbst für ihren Unterhalt sorgen würden.

Empörung über die Ansagen des H. Graeff ist fehl am Platze.

Herr Graeff verdient unser aller Mitleid.

Schließlich fehlt es an speziellen Integrationskursen für Politiker, mit deren Hilfe sie das Leben in Deutschland wenigstens so weit kennenlernen könnten, dass sie eine Chance hätten, sich als nützliche Glieder der Gesellschaft zu erweisen.

Ein wirklich in der Gesellschaft angekommener Politiker hätte nämlich zumindest eine rudimentäre Vorstellung von den realen Zuständen auf dem Arbeitsmarkt.

Ein wirklich in der Gesellschaft angekommener Politiker wüsste, dass es zwar Personen gibt, die sich in Hartz-IV einrichten und tatsächlich keinen Bock auf Arbeit haben, er wüsste, dass es Personen gibt, denen schlicht auch das kleinste bisschen Qualifikation fehlt, um irgeneinen Job halbwegs ordentlich erledigen zu können, er wüsste aber auch, dass es sich in beiden Fällen um verschwindende Randgruppen handelt, die allerdings von den Medien genüsslich vorgeführt und als typische Exemplare für Faulheit und Dummheit aller Hartzer dargestellt werden, und käme niemals auf die Idee, auf Basis dieser Klischees einen ernsthaften Vorschlag zu entwickeln.

Ein in Deutschland lebender Politiker, der wenigstens gelegentlich noch Bodenhaftung sucht, weiß, dass Arbeitslose und Aufstocker arbeitslos sind oder aufstocken müssen, weil es für sie keine Arbeit gibt. Ein solcher Politiker könnte sich, mit geringem Intelligenzeinsatz auch ausmalen, dass weder ein Bewerbungstraining noch die regelmäßige Vorladung zum Fallmanager Arbeitsplätze schaffen. Ein solcher Politiker könnte mit geringfügig mehr Intelligenzaufwand sogar erkennen, dass auch unbezahlte Praktika, Ehrenämter, Ein-Euro-Jobs, usw. nicht etwa Arbeitsplätze schaffen, sondern tendenziell den Abbau von Stellen begünstigen.

Ein Politiker, der nicht mit den Scheuklappen von BILD und ZDF durchs Leben stolpert, müsste der unkontrollierten und insgeheim immer noch beförderten Zuwanderungspolitik seiner Parteivorsitzenden vehement widersprechen, sollte ihm denn am Wohlergehen seiner Wähler gelegen sein.

Wenn es Herrn Graeff darum ginge, die deutsche Bevölkerung in Arbeit zu bringen, müsste er darauf hinwirken, dass die Zuwanderung gestoppt wird. Er müsste darauf hinwirken, dass die Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU aufgehoben wird. Er müsste darauf hinwirken, dass die Regelarbeitszeiten sinken, statt immer weiter angehoben zu werden.

Doch dann wären die Unternehmen darauf angewiesen, Deutsche zu beschäftigen, was zur Folge hätte, dass sie diese Deutschen so bezahlen müssten, dass die sich das Leben in Deutschland leisten können, was wiederum zur Folge hätte, dass die in der Wirtschaft von den Beschäftigten erbrachte Leistung wieder in größeren Teilen diesen zugute käme. So weit, so gut - das alles hat nur einen Pferdefuß: Es müssten auch die Gewinne der Anteilseigner sinken, wollte man auf diese Weise Vollbeschäftigung erreichen.

Und an diesem Pferdefuß scheitert alles.

Pferdefuß, Schwefelgestank ...

Wer sich für die Interessen der einfachen Leute einsetzt, kommt nicht weit, in dieser Gesellschaft, die das große Geld verehrt, weil es nicht stinkt, obwohl der Teufel immer auf den größten Haufen scheißt.

Also hat sich Herr Graeff entschieden, sich für die Interessen der anderen Leute einzusetzen. Würde der Staat nämlich, wie Herr Graeff es vorschlägt, Hartz-IV für alle Unterfünfzigjährigen streichen, dann hätte er wieder einmal ordentlich Geld übrig, um den Reichen die noch fehlende goldene Schleife an die Steuergeschenke zu binden.

P.S.: In meinen ganz jungen Jahren, als mir die Arbeit und die Verantworung manchmal tatsächlich über den Kopf zu wachsen drohten, fragte ich mich, ob es Menschen mit geistiger Behinderung, die behütet, versorgt und gepflegt werden, ohne eine Vorstellung wirklichen Leben, Pflichten und Verantwortung zu haben, nicht sogar besser ginge als mir.

Ich habe diese Frage letztlich verneint. Doch heute, wenn ich mir Typen wie Herrn Graeff anschaue, und davon gibt es ja nun wahrlich genug, stelle ich mir die gleiche Frage wieder, und diesmal komme ich zu dem Schluss: Ja, diesen Typen geht es tatsächlich besser. Aber tauschen möchte ich auch mit denen auf keinen Fall!

 

 


 

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