25. April 2018

10.00 Uhr ...zefix-Hallelujah!

Große Aufregung über den jüngsten Erlass der bayerischen Staatsregierung, in allen staatlichen Einrichtungen den Eingangsbereich mit einem Bekenntnis zur Identität und zur kulturellen Prägung Bayerns zu schmücken.

Bei der Wahl des identitätsstiftenden Symbols soll es allerdings zu erheblichen CSU-internen Auseinandersetzungen gekommen sein.

Die einen meinten, ein Maßkrug verkörpere Bayern und seine Kultur wie nichts anderes, während andere meinten, ein wohlgefülltes Dirndl sei da viel eher Symbol bayrisch-barocker Lebensart. Wieder andere erinnerten an den Schmied von Kochel und wollten, auch wegen des Schutzes der Grenzen, ein Bündel Speere an die Wände der bayerischen Ämter und Behörden hängen, was allerdings gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen hätte. Den Schweinsbraten mit Knödeln, der von vielen favorisiert wurde, konnte man allerdings auch schlecht wählen, weil zu der Frage, wie der zugehörige und unverzichtbare appetitanregende Duft dauerhaft in den Eingangsbereichen gehalten werden könne, keine preiswerte Lösung gefunden wurde. Vom bayerischen Norden her wurde mit Donnergetöse erklärt, auch Franken gehöre zu - und sei letztlich - Bayern, jedoch sowieso unterrepräsentiert, sähe man von der transienten Zwischenlösung Söder einmal ab, weshalb ein fränkischer Bocksbeutel besser als alles andere nicht nur die Kultur, sondern auch deren Vielfalt im Freistaat zum Ausdruck bringen könnte.

Bevor sich die wackeren Christsozialen im Eifer jedoch die Köpfe einschlagen konnten, was bei dem Vorschlag, doch Laptop und Lederhose irgendwie zum Symbol zu machen, fast geschehen wäre, weil hier wiederum die einen nur für den Laptop, die anderen nur für die Lederhose, aber niemand für beides plädierte, und die ganz hippen Jungchristen das Smartphone statt des Laptops favorisierten und sich nicht überzeugen ließen, dass es nun wirklich nichts gäbe, was weniger typisch bayrisch sei, wo doch jede Flüchtlingin heutzutage typischerweise an Kopftuch und Smartphone zu erkennen sei.

Beim Stichwort "Kopftuch" setzte urplötzlich angestrengtes Nachdenken ein. Da war doch was. Kopftuch. Symbol. Religion. Unterdrückung. Immer noch nicht verboten. Herrschaftszeiten! Zefix-Halleluja!

Ein Bayer, wie er im Bilderbuche steht, aus dem Bayerischen Walde gebürtig und des Um-die-Ecke-Denkens mächtig, also einer, von dem die anderen anerkennend sagen: "A Hund isser scho!", wuchtete sich vom harten Stuhle hoch, brüllte: "Ruhe!!, a Ruah is!" und legte seinen Plan dar. Hier vorsichtshalber in hochdeutscher Übersetzung und indirekter Rede, sowie von Kraftausdrücken befreit, auszugsweise wiedergegeben:

Es habe sich als unmöglich herausgestellt, gegen die Übermacht jener (Kraftausdruck, unübersetzbar) ein vollständiges Verbot islamischer Verhüllungsbekleidung durchzusetzen. Aber - und da nahm er tiefen Zug aus seiner Maß - er sähe einen Weg, wie man dieses Verbot "über die Bande" (vermutlich meinte er Bande im Sinne von krimineller Vereinigung) doch noch verhängen könne. Ausgefuchst müsse man vorgehen. Ein eigenes "Kopftuch" präsentieren. Unübersehbar. Überall. Und alle Assoziationen, die von den Widersachern, den linksgrün-(Kraftausdruck, gestrichen) als Gegenargumente vorgetragen würden, müsse man von vorherein vehement bestreiten.

Nehmen wir das christliche Kreuz, fuhr er fort. Hängen wir Kreuze auf, wo immer es uns möglich ist, und behaupten, säkularisiert, wie Bayern nun einmal ist, das habe mit Religion überhaupt nichts zu tun, es sei ein Zeichen der Zustimmung, der Zugehörigkeit, des Zusammenhalts, ein Symbol für das "Mia san mia!". Und das könne man schlussendlich auch beweisen: Das Kreuz, das immer wieder millionenfach von den Bayern in jenen Kreis gemalt wird, neben dem "CSU" geschrieben steht, dieses Kreuz, mit dem die Bayern immer wieder ihre Einheit und ihre Eigenheit bezeugen, das kommt überall hin, wo es nur möglich ist.

Ein Münchner preußischer Abstammung und von Adel, bis vor kurzem noch der SPD zugehörig, aus Opportunitätsgründen jedoch zur CSU konvertiert, warf ein: "Unmöglich, das nehmen die uns nie ab. Die werden wie die Berserker wüten, bis die Kreuze alle wieder abgehängt sind. Ich kenne meine Pappenheimer, also meine Ex-Genossen und deren Genossen und deren Genossen, bis hin zu den verbündeten Antifanten! Das wird nix! Das ist, wie es hier so schön heißt: a Schmarrn!"

"Bravo!", rief da der Waldler, und führte seinen Plan weiter aus.

Natürlich habe er genau damit gerechnet, und es käme ihm ja auch gar nicht auf die Kreuze an den Wänden an. Es ginge doch immer noch um die Tücher auf den Köpfen. Aber, und dabei reckte er sich zu furchteinflößender (er stammt von den Flößern ab) voller niederbayerisch-oberpfälzischer Größe, mit diesem Aufstand gegen die Kreuze würden die Kopftuchverteidiger in ihrem Eifer genau jene Argumente selbst liefern, die sich dann ebenso und unwiderlegbar auf die Verhüllungskleidung anwenden ließen.

Da ging dem Söder ein Licht auf. Die Franken sind ja bekanntlich nach den Waldlern die schnellsten Denker im Freistaat.

"So werds g'machd. Des macha mer. Brima! Weil erschtens: Wenn dee die Kruzifixn verbiedn, verbiedn mir - zweitens - die Kopftüchla! Und dadagechn könna die - drittens - nachad nix mehr vortrachen."

Und so kam es zu dem Beschluss, in allen öffentlichen Häusern, die dem bayerischen Staate unterstehen, jeweils zwei, im 90-Grad-Winkel zueinander angeordnete und fest verbundene Bretter an die Wand zu hängen. Als ein Symbol bayerischer Hinterfotzigkeit, und keineswegs mit ähnlich gestalteten, überkommenen religiösen Symbolen zu verwechseln.

Ja, Bayern!

Wo die Politik solche Blüten treibt, da muss wahrlich der Vorgarten des Paradieses sein.

 

 

 


 
Lassen Sie uns kurz noch über Tunesien sprechen.
 
In der jüngsten Geschichte wird die Selbstverbrennung des Gemüsehändlers Mohamed Bouazizi im Dezember 2010 als der Startschuss für den so genannten arabischen Frühling angesehen. Die Unruhen entwickelten sich schnell zur Revolution und griffen auf Algerien und Ägypten über.
In diesen unruhigen Zeiten entschlossen sich viele Tunesier, das Land zu verlassen und in Europa Schutz, Sicherheit und eine neue Perspektive zu suchen. Als in Lampedusa innerhalb von vier Tagen 5.000 tunesische Flüchtlinge anlandeten, verhängte Italien den Notstand über die Insel und holte Experten der europäischen Grenzschutzorganisation FRONTEX zu Hilfe.
 
Inzwischen gilt Tunesien wieder als sicheres Herkunftsland und das bedeutet für tunesische Flüchtlinge, die seit Jahren in Deutschland Fuß gefasst haben, die Auseinandersetzung mit der Aufforderung zur Rückkehr in ihre Heimat.
 
Damit ist ein Kreis geschlossen, der mit dem Verlust der Sicherheit in der Heimat begann, und über die Flucht, die Aufnahme und die Integration im Aufnahmeland, bis hin zur Wiederherstellung der Sicherheit in der Heimat und zur Rückkehr führt.
 
Peter Mannsdorff hat diesen Kreis in einem Buch für acht- bis zwölfjährig Kinder so nachgezeichnet, dass alle Aspekte, die in der Diskussion der Erwachsenen oft zu erbitterten Meinungsverschiedenheiten führen, angesprochen und beleuchtet werden, jedoch ohne die verhärteten Fronten zu stärken, sondern mit dem Ansatz, Verständnis für beide Einstellungen zu wecken - und eine Lösung des Problems möglich zu machen.
 
Sira ist ein tunesisches Mädchen, das mit seinen Eltern übers Mittelmeer nach Deutschland geflüchtet ist. Damals war sie acht, jetzt ist sie vier Jahre älter, geht zur Schule, spricht gut deutsch, hat aber noch keinen wirklichen Anschluss an Gleichaltrige gefunden. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass ihre Eltern ihrer Tochter nicht erlauben, sich alleine außerhalb der Wohnung frei zu bewegen und mit "Fremden" Freundschaft zu schließen.
 
Doch Sira hat sich in den Kopf gesetzt, einen Freund zu finden, und geht dabei ganz eigene Wege.
 
Mit Jonas trifft sie jemanden, der sie ernst nimmt. Ihm erzählt sie von ihrer Flucht, von den Verlusten, vom Leben in der alten Heimat und wie sich das Leben ihrer Familie in Deutschland gestaltet.
 
Jonas hat mit dieser Freundin ein Problem, vor allem, weil er weiß, dass seine Mutter doch ziemliche Ressentiments gegenüber den Flüchtlingen hegt.
 
Um dieses Problem aufzulösen, lässt er sich einiges einfallen, bis dann schließlich Sira und ihre Eltern bei Jonas und seiner Mutter zum Kaffee eingeladen sind.
 
Auch wenn die Begegnung nur mühsam in Gang kommt, Jonas erfährt, dass seine Mutter schon länger weiß, wer diese Sira ist und wo sie herkommt, und dass sie letztlich nichts gegen diese Freundschaft hat - und auch Siras Eltern zeigen sich großzügiger und wollen ihr mehr Freiheiten gewähren.
 
Als sich also die Probleme zügig in Friede-Freude-Eierkuchen verwandeln, erschüttert das Eintreffen des Ausreisebescheids die Gemüter. Jonas und sein Bruder legen sich ins Zeug, um die Abschiebung noch zu verhindern, kurbeln eine Art Petition im Internet an, sammeln Unterschriften für Sira und ihre Familie.
Am Ende leider vergeblich. Jonas und Sira werden getrennt - doch sind sie fest entschlossen, in Kontakt zu bleiben und sich, wenn immer es möglich sein sollte, auch zu besuchen. Sind ja nur sechs Stunden Flug - und die gibt es, hin und zurück, schon für 300 Euro.

Ein Buch, das die Möglichkeit des friedlichen und freundschaftlichen Miteinanders trotz kultureller Unterschiede aufzeigt, aber nicht darauf verzichtet, auch die Frage nach der Belastbarkeit eines Aufnahmelandes aufzuwerfen.

Die ersten Lesungen, die Peter Mannsdorff auf dem Programm hat, werden mit Dolmetscher vor Kindern stattfinden, die überwiegend aus dem arabisch-nordafrikanischen Raum stammen. Wir alle sind auf die Resonanz gespannt.

Sira ist in dieser Woche erschienen. Hier geht's zum Online-Buchladen.

 

 


 

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