23. April 2018

10.30 Uhr Tag des ...

Jeder Tag ist ein Tag des "Irgendwas", manche Tage sind sogar mehrfach belegt. Ach, waren das noch übersichtliche Zeiten, als unsere Tage nur von den Heiligen der katholischen Kirche besetzt waren.

Heute also ist "Welttag des Buches".

Ein Gedenktag, der mir keineswegs gefällt, weil "des Buches" alles umfasst, was jemals zwischen zwei Buchdeckeln eingebunden wurde. Dies macht diesen Gedenktag primär zu einem Gedenktag einer Handwerkskunst, die weit, weit vor Guttenberg ihre Anfänge hat, womit klar wird, dass es auch nicht darum geht, die Massenwirkung des Buches herauszustellen, denn das, was jahrundertelang von Mönchen auf Ziegenhäuten handschriftlich festgehalten und kopiert wurde, blieb dem gemeinen Volke ja verschlossen, konnte also gar keine Massenwirkung entfalten.

Mit dem Welttag des Buches wird also allem, was Buchstaben enthält und in einen Umschlag eingebunden ist, in gleichem Maße ehrenvoll gedacht. Immer wieder fällt mir Heinrich Lübke ein, der war (für die Jüngeren) einmal Bundespräsident und fiel zuletzt durch absonderliche Äußerungen auf. Manches hat er tatsächlich gesagt, anderes wurde ihm untergeschoben, und zum Untergeschobenen gehört wohl sein Dank für ein Buchgeschenk: "Oh, ein Buch! Vielen Dank, aber ich hab schon eines".

Zum Glück gibt es eine ganze Reihe von Büchern, die nicht ihres "Buchseins" wegen, sondern wegen ihres Inhaltes geehrt, ja geliebt werden, was wiederum ohne die Menschen, die fähig sind, unterhalb des Gattungsbegriffes "Buch" noch zu differenzieren und hohe Qualität vom schnell hingepfuschten Werk zu unterscheiden, nicht möglich wäre.

Deshalb freue ich mich ganz besonders, dass der schweizer Philosoph Christoph Dejung, der selbst mit einer ganzen Reihe von Büchern in Erscheinung getreten ist, jenes Buch, das ich am liebsten "DAS BUCH" nennen wollte, gelesen und rezensiert hat.


Christoph Dejung

zu

Teer Sandmann

Golo spaziert
Das Land der sicheren Freiheit

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Ein Hilfeschrei in einer entsinnlichten und darum sinnlosen Welt.

Das ist ein Buch, in dem sich die faszinierende Beobachtung als erste einprägt (zwar in Rollenprosa versetzt, aber wer würde dem Autor den Gedanken nicht sofort selbst zuordnen?): Wo immer er kritisch oder auch nur nachdenklich zu fragen beginnt, schallt ihm ein Echo der Zeit entgegen: Verschwörungstheorie! -

Als Genosse dieser Zeit bin ich gefesselt und kann mein Lesen nicht mehr anhalten bis zur letzten Seite. Froh, dass es zu Ende gekommen ist, und bedauernd, dass nicht noch mehr kommt, zugleich. Wie bei vielen guten Büchern lässt sich das nicht trennen: Von der oberflächlichen Heiterkeit hätte man so gern noch viel mehr, aber von der Herausforderung in der Tiefe darf es auch einmal genug sein.

Die durchwegs gelungene Montage wird dem Leser geschickt durchschaubar gemacht: Mit grafischen Signaturen, die an Dürers Autogramm erinnern, 'Golo" (einen Spaziergänger evozierend), 'Gott' (nicht den geglaubten meinend) und 'VHS' (einen Volkshochschullehrer bedeutend), kehren die zusammengehörigen Stränge immer wieder zurück, die übrigens miteinander in Wechselbeziehung stehen; ein Wellenmotiv tritt später dazu für 'Reflexionen unter der Bettdecke'!

Die sprachliche Form wird zum bewussten Hochgenuss in ihrer drastischen Direktheit, wie sie makabre Funde von Gehörtem (zu denen Leser jederzeit analoge eigene Beobachtungen beifügen möchten), geistreiche Reflexionen und aberwitzige Ausblicke auf noch nicht in der so genannten Wirklichkeit Erreichtes ineinanderfließen lässt. Man realisiert, welche Energie und Disziplin erforderlich war, um solche Dichte zu erreichen; und man erkennt, wie viel das kulturkritische Gefühl, das man schon vor der Lektüre besaß, durch diese harte Arbeit gewinnt: Es ist vollkommen angemessen, dass der Autor bekennt, er habe eigentlich ein politisches Werk schreiben wollen. Und wer behauptet, er habe in dieserm Text nie mit dankbarem Nicken etwas gelernt, der ist entweder eine lernunfähige Person - oder er oder sie flunkert...

Natürlich stellt sich beim Gespräch über das Buch die Frage, die niemand abweist, aber jeder Beteiligte ganz anders exemplifizier: Geht der Autor nirgends zu weit? Ich will als Rezensent mein eigenes entsprechendes Exempel nennen: Nach dem aufregenden Höhepunkt des Buches ('Die Anklage. Ein Dialogprotokoll') folgt ein wohltuender Schlussteil, der als Ganzer den Titel 'Abspann' tragen könnte. Er enthält eine Rede Gottes über die Wasseroberfläche des Ohridsees, die für mich zu weit geht, weil sie zwar das Wahre über die Gegenwart sagt, aber einen Mythos des vergangenen Jahrhunderts so rührt, wie man nicht dürfte. Dieser kleine Einwand sei bewusst nicht verschwiegen; nach der Lektüre des Buches versteht man, dass andere ähnliche Einwände haben könnten, mit denen meine Gesprächspartner dem Autor ihren Dank, und nichts als Dank entgegenbringen wollten.

Das Werk schließt anspruchsvoll: Mit einem Übergang in indische und Renaissance-Musik, die sogar für den Autor nicht mehr zu vernehmen ist: Er (und wir) scheinen im Geräuschmüll unterzugehen. Das Schöne ist bestenfalls noch eine entsinnlichte Erinnerung. Aber in seiner Evokation präsentiert es sich dann doch als Ansporn zum Widerstand. Auf diesen Autor kann man hoffen.

Christoph Dejung

Mich, der ich als Verleger vom Autor gebeten wurde, als Taufpate zu fungieren, erfüllt nicht geringe Freude, gepaart mit Stolz, sein Neuerschienenes im Arm halten zu dürfen und aller Welt zu verkünden: Schaut her und lest, was Teer Sandmann und die ihm vertraute Schreibfeder in diese Welt gesetzt haben.

Dejung schreibt abschließend: Auf diesen Autor kann man hoffen.

Ich meine, Teer Sandmann hat mit diesem Werk und mit den Ausdrucksformen der Gegenwart etwas geschaffen, das als Weiterführung dessen verstanden werden kann, was Thomas Mann mit seinem "Doktor Faustus" und Hermann Hesse mit dem "Glasperlenspiel" vorgezeichnet haben: Den verzweifelten Überlebenkampf des frei und spielerisch auftretenden Menschlichen in einer gegen Verstand und Liebe verschworenen, materialistischen Welt.

 

 


 
Lassen Sie uns kurz noch über Tunesien sprechen.
 
In der jüngsten Geschichte wird die Selbstverbrennung des Gemüsehändlers Mohamed Bouazizi im Dezember 2010 als der Startschuss für den so genannten arabischen Frühling angesehen. Die Unruhen entwickelten sich schnell zur Revolution und griffen auf Algerien und Ägypten über.
In diesen unruhigen Zeiten entschlossen sich viele Tunesier, das Land zu verlassen und in Europa Schutz, Sicherheit und eine neue Perspektive zu suchen. Als in Lampedusa innerhalb von vier Tagen 5.000 tunesische Flüchtlinge anlandeten, verhängte Italien den Notstand über die Insel und holte Experten der europäischen Grenzschutzorganisation FRONTEX zu Hilfe.
 
Inzwischen gilt Tunesien wieder als sicheres Herkunftsland und das bedeutet für tunesische Flüchtlinge, die seit Jahren in Deutschland Fuß gefasst haben, die Auseinandersetzung mit der Aufforderung zur Rückkehr in ihre Heimat.
 
Damit ist ein Kreis geschlossen, der mit dem Verlust der Sicherheit in der Heimat begann, und über die Flucht, die Aufnahme und die Integration im Aufnahmeland, bis hin zur Wiederherstellung der Sicherheit in der Heimat und zur Rückkehr führt.
 
Peter Mannsdorff hat diesen Kreis in einem Buch für acht- bis zwölfjährig Kinder so nachgezeichnet, dass alle Aspekte, die in der Diskussion der Erwachsenen oft zu erbitterten Meinungsverschiedenheiten führen, angesprochen und beleuchtet werden, jedoch ohne die verhärteten Fronten zu stärken, sondern mit dem Ansatz, Verständnis für beide Einstellungen zu wecken - und eine Lösung des Problems möglich zu machen.
 
Sira ist ein tunesisches Mädchen, das mit seinen Eltern übers Mittelmeer nach Deutschland geflüchtet ist. Damals war sie acht, jetzt ist sie vier Jahre älter, geht zur Schule, spricht gut deutsch, hat aber noch keinen wirklichen Anschluss an Gleichaltrige gefunden. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass ihre Eltern ihrer Tochter nicht erlauben, sich alleine außerhalb der Wohnung frei zu bewegen und mit "Fremden" Freundschaft zu schließen.
 
Doch Sira hat sich in den Kopf gesetzt, einen Freund zu finden, und geht dabei ganz eigene Wege.
 
Mit Jonas trifft sie jemanden, der sie ernst nimmt. Ihm erzählt sie von ihrer Flucht, von den Verlusten, vom Leben in der alten Heimat und wie sich das Leben ihrer Familie in Deutschland gestaltet.
 
Jonas hat mit dieser Freundin ein Problem, vor allem, weil er weiß, dass seine Mutter doch ziemliche Ressentiments gegenüber den Flüchtlingen hegt.
 
Um dieses Problem aufzulösen, lässt er sich einiges einfallen, bis dann schließlich Sira und ihre Eltern bei Jonas und seiner Mutter zum Kaffee eingeladen sind.
 
Auch wenn die Begegnung nur mühsam in Gang kommt, Jonas erfährt, dass seine Mutter schon länger weiß, wer diese Sira ist und wo sie herkommt, und dass sie letztlich nichts gegen diese Freundschaft hat - und auch Siras Eltern zeigen sich großzügiger und wollen ihr mehr Freiheiten gewähren.
 
Als sich also die Probleme zügig in Friede-Freude-Eierkuchen verwandeln, erschüttert das Eintreffen des Ausreisebescheids die Gemüter. Jonas und sein Bruder legen sich ins Zeug, um die Abschiebung noch zu verhindern, kurbeln eine Art Petition im Internet an, sammeln Unterschriften für Sira und ihre Familie.
Am Ende leider vergeblich. Jonas und Sira werden getrennt - doch sind sie fest entschlossen, in Kontakt zu bleiben und sich, wenn immer es möglich sein sollte, auch zu besuchen. Sind ja nur sechs Stunden Flug - und die gibt es, hin und zurück, schon für 300 Euro.

Ein Buch, das die Möglichkeit des friedlichen und freundschaftlichen Miteinanders trotz kultureller Unterschiede aufzeigt, aber nicht darauf verzichtet, auch die Frage nach der Belastbarkeit eines Aufnahmelandes aufzuwerfen.

Die ersten Lesungen, die Peter Mannsdorff auf dem Programm hat, werden mit Dolmetscher vor Kindern stattfinden, die überwiegend aus dem arabisch-nordafrikanischen Raum stammen. Wir alle sind auf die Resonanz gespannt.

Sira ist in dieser Woche erschienen. Hier geht's zum Online-Buchladen.

 

 


 

Informieren Sie sich umfassend über den Untergang der Demokratie in Europa. Lesen Sie Florian Stumfalls Buch "Das EU-Diktat". Sie werden erkennen:
 
Der Spanien-Katalonien-Konflikt ist kein Zufall, sondern nur ein Anwendungsfall.
 

 

 

 


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Demokratie ist nicht einfach. Dass demokratisch legitimierte Regierungen nicht unbedingt über ausreichend fachkundige Ressortminister verfügen, macht Demokratie nicht einfacher.

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Aus dem Manuskript, das ich an dieser Stelle schon zweimal überschwänglich lobend erwähnte, ist seit gestern ein Buch geworden.

 

Teer Sandmann

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Das Land der sicheren Freiheit

 

 

 

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(Ein wunderschönes Ei zum Ins-Nest-Legen, weil ja bald Ostern ist...)


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Es geht immer nur ums Geld.

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Wer das Geld versteht, versteht die Wirtschaft, den Wachstumszwang und die Entstehung des Wohlstands der Reichen.

 

2005 erschien die Erstausgabe des dritten Bandes meiner wahnwitzigen Wirtschaftslehre mit dem Untertitel

"Über das Geld"

2007 wurde er Teil der überarbeiteten Gesamtausgabe und wird bis heute nachgefragt und gelesen.

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Samirah Kenawi

hat mit "Falschgeld - Die Herrschaft des Nichts über die Wirklichkeit" ein weiteres Standardwerk über das Geld im EWK-Verlag veröffentlicht, das aufgrund des nicht nachlassenden Interesses ebenfalls immer wieder nachgedruckt wird.

 

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 Thomas Koudela

beschäftigt sich in seinem Werk "Entwicklungsprojekt Ökonomie" mit der Frage, wie eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus gestaltet werden könnte und trifft auch dabei wesentliche Aussagen zum Geld und über seine Wirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft.

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Manfred Gotthalmseder

hat sich, wie vorher schon Koudela, der Frage des Geldsystems im Postkapitalismus gewidmet und die Möglichkeiten zu seiner Gestaltung um ein interessantes neues Konzept erweitert.

 

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Es geht auch anders.

Ein Buch, das sich der Frage annimmt, in welcher Welt wir eigentlich leben - und warum.

 

Aus dem Blickwinkel einer Frau, die ihre komfortable österreichische Heimat verlassen hat, um im Norden Kenias auf eigene Faust Entwicklungshilfe zu leisten, wird zumindest klar, dass wir nicht in einer, sondern in zwei Welten leben, was in Nyagas Geschichten bisweilen zu bizarren Überraschungen führt.

 

 

Heide S. Nyaga, Wann denn, wenn nicht jetzt?

 

(Würde ich auch empfehlen, wenn es woanders erschienen wäre.)

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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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