Paukenschlag
am Donnerstag
No. 22 /2018
vom 14. Juni 2018


Kommentare zum Zeitgeschehen von Egon W. Kreutzer

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Druckversion: Sigbert Döring


La Mer
AngeLa Merkel
 
Frankreich 1943. Die Grande Nation ist von der deutschen Wehrmacht besetzt. Die Marsellaise ist verboten. Angehörige der Resistance werden von den Deutschen gnadenlos verfolgt, Kollaborateure vom französischen Widerstand.
 
Charles Trenet erobert mit seiner Liebeserklärung an das Meer die Herzen der Franzosen. Er erzählt von den Veränderungen, die das Meer jeden Augenblick hervorbringt, von den Schaumkronen der Wellen, die sich mit dem Himmelsblau vermischen, vom Schilfrohr und den rostigen Hütten, die das Meer umschmeichelt hat - und von dem Liebeslied, mit dem das Meer das Herz für das ganze Leben beruhigt.
 
Was genau die Ursache dafür war, dass ausgerechnet dieses Lied den Franzosen unter der Besatzung zum Ersatz für ihre Nationalhymne wurde, ein Liebeslied, das keinem Zensor einen Anlass geben konnte, einzuschreiten, wird sich wohl nicht mehr mit Sicherheit feststellen lassen.
 
Das Meer als Ursprung allen Lebens, irgendwie "ewig", und dennoch jeden Tag neu, einmal ruhig, einmal aufgewühlt, einmal von Sturm und Regen gepeitscht, dann wieder warm und einladend - ein Sinnbild für ein Volk, das sich dem Wind der Zeiten beugt und sich in der Sonne des Friedens wiederfindet, irgendwie ebenfalls "ewig" und unvergänglich.
 
 
 
Waren es die gleichen archetypischen Emotionen, die Angela Merkel in den Deutschen auslöste? Die große Mutter, die jeden Augenblick neu, im Kern aber unveränderlich, ihre Schaumkronen hervorbrachte, die sich mit dem Himmelsblau der Weltmächte vermischten, die das Schilfrohr wanken und die rostigen Hütten ächzen ließ, die für lange Zeiten friedlich, urplötzlich jedoch aufgewühlt ihre spontanen Entscheidungen traf - und die Gewissheit, dass sie "ewig" bleiben wird und alles, was von ihr ausgeht, einfach nur gut, wahr und richtig sein kann?
 
Am Anfang, als sie mit rollender Brandung den Unrat von den Stränden räumte, die CDU von Kohl befreite, die SPD in den Abgrund der Agenda 2010 trieb und treiben ließ, um sich endlich als jene Macht zu inszenieren, nach der das neue, wiedervereinigte Deutschland sich gesehnt hatte, wuchs die Zustimmung schnell und wurzelte tief. Bis weit ins Lager der Opposition hinein, hielt man sie für die Beste, die Einzige, die das Land mit ruhiger Hand und festem Willen und spontanen Eingebungen, frei und ungehindert wie eine Göttin führen kann.
 
Später, als sich so mancher klar darüber wurde, dass die Ruhe, die sie ausstrahlte, nur ihr Zögern verbarg, dass ihre Spontaneität nicht von göttlichen Eingebungen sondern vom Starren in die Glaskugel der Demoskopen ausgelöst wurde, dass das Beharren auf unhaltbaren Standpunkten nur ihre Unfähigkeit sich auch mit den unangenehmen Seiten der Realität zu beschäftigen zum Ausdruck brachte, konnte sie immer noch vom Vertrauen zehren, dass ihr die Menschen anfangs geschenkt hatten, und wo sich in den eigenen Reihen Kritiker zeigten, wusste sie Mittel und Wege, um die Gefahr für die eigene Macht zu bannen.
 
Das Volk sah die Schiffe sinken, die, statt die Gewalten des Meeres für sich zu nutzen, versuchten, dagegen anzukreuzen, und fand es gut und richtig. Wer die große Mutter stürzen will, soll ruhig erleben, dass Hochmut stets vor dem Fall kommt.
 
Doch wenn man dem Meer Zeit lässt, und in größeren Abständen einen Blick darauf wirft, stellt man fest, dass es selbst zwar im Kern unveränderlich bleibt, so wie der Stundenzeiger der Turmuhr stillzustehen scheint, dass es jedoch dauerhafte Veränderungen am Land hervorruft.
 
Erst sind die Sandbänke und vorgelagerten Inseln verschwunden und ließen die Kraft der Brandung die Strände erodieren, dann brachten große Stücke aus den Felsen der Steilküste, die Konturen des Landes veränderten sich, wurden abgeschliffen wie Flusskiesel, die Grenze zwischen Land und Meer verschob sich - zu Ungunsten des Landes.
 
Doch die Küstenbewohner, die als erste feststellten, dass sie ihres Landes beraubt wurden, konnten mit der Macht des Gedankens an die Mütterlichkeit des Meeres noch als Ewig-Gestrige verunglimpft werden, und wer sich ihnen anschloss, wurde mit den Mitteln der Political Correctness bekämpft, denn La Mer war das Gute, das Richtige und das Beste.
 
Es entstand ein wahrer Meereskult. Dessen Anhänger konnten gar nicht genug bekommen, vom Meer. Jeder, vor allem jene, die mitten auf dem flachen Lande lebten, wünschten sich, das Meer käme zu ihnen, bescherte ihnen ihren eigenen Küstenstrich, Möven, Brandung, Sturmfluten und romantische Sonnenuntergänge hinter dem unendlichen Horizont.
 
Und selbst als ihre Wünsche in Erfüllung gegangen waren, wünschten sie sich noch mehr davon - und so entstand, von der Küste her, der Wanderungsdruck dem sich endlich die Bayern entgegenstemmten, die nicht einsehen wollten, dass ihr Heimatland vor einer neuen Steilküste, nämlich der Bergketten der Alpen, in jenem Meer versinken sollte, von dem die Anhänger des Meereskultes immer noch nicht genug bekommen konnten.
 
Die fanatischsten unter den Meereskultlern forderten sogar unmissverständlich dazu auf, nicht nur die Deiche am Meer, sondern alle Dämme an den großen Strömen niederzureißen, auf dass das Meer ungehindert einströmen, die Niederungen füllen und das Land, das sie nicht als Gegenpol, sondern als Feind des Meeres verstanden, verschlingen möge.
 
Weil sich die Bayern mit ihren Vorstellungen gegen die Meereskultler argumentativ nicht durchsetzen konnten, beschlossen sie, auf eigene Faust Schutzwälle aufzuschütten und Kanäle zu graben, um die immer näher kommende und höher steigende Flut aufzuhalten und abzuleiten. La Mer, die sich so in die Enge getrieben sah, toste, tobte und schaffte es mehrmals, die halb beschlossenen und halb vollendeten Schutzmaßnahmen wieder einzureißen, doch als selbst den Meereskultlern das Wasser tagein, tagaus bis zu den Hüften reichte, was auf die Dauer doch ausgesprochen unangenehm war, holten sie einen bayerischen Dammbaumeister nach Berlin und baten um Unterstützung. Das Meer sei ja schön, wenn man es trockenen Fußes von der Küste aus bewundern könne, aber der Mensch sei schließlich kein Fisch, und es müsste doch gelingen, die Fluten wieder einzudämmen.
 
So zog der Seehofer, der mit der Schönheit der bayerischen Seen genug hatte und nicht zum Meerhofer werden wollte, also nach Berlin und ließ seinen Zauberlehrling in Bayern alleine wirtschaften.
 
Einen Plan, mit 63 Maßnahmen hat er ausgearbeitet, mit dem Ziel die weitere Erosion des Landes zu stoppen, das Meer schließlich zurückzudrängen und das Land wieder in gewohnter Weise nutzbar zu machen. Viele ehemalige Mitläufer des Meereskultes stimmten ihm zu, sahen sie doch nun tatsächlich auch die eigenen Felle mit den Fischen im Wasser davonschwimmen.
 
Um La Mer war es einsam geworden, doch wie sämtliche großen Feldherren aller Zeiten wollte und konnte sie nicht einsehen, dass ihre Schlacht verloren war.
 
Der Seehofer solle seine Dämme bauen und seine Kanäle graben dürfen, aber vorher müsste er noch eine Aufgabe erfüllen.
 
So sprach La Mer und dachte an Schillers Ballade vom Taucher. Sollte er mit dem güldenen Becher zurückkehren, tatsächlich bilaterale Vereinbarungen mit den europäischen Nachbarn über die Ableitung der Fluten zustande bringen, so würde sie
.
      immer wieder von der Höh,
      der Klippe, die schroff und steil
      hinaushängt in die unendliche See,
      den Becher werfen, in der Charybde Geheul.
       
 
Schillers Edelknappe, der törichte Jüngling, dem der Zufall half, einmal lebend zurückzukehren, sprang zum zweiten Mal und blieb für immer in den Wogen.
 
Seehofer könnte schon beim ersten Tauchgang von La Mer auf ewig verschlungen werden. Er sollte es lassen, und wenn es nicht anders geht, nach Bayern zurückkehren und sich dort beim Damm- und Kanalbau einbringen.
 
 
Übrigens,

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Sehr viel nüchterner, die Ursachen beleuchtend, die Auswirkungen von A bis Z aufzeigend und einen "Hoffnungsschimmer" verbreitend, habe ich die Problematik in meinem jüngsten Buch "Demokratie - Fiktion der Volksherrschaft" behandelt.
 
Peter Haisenko hat gerade eine Rezension dazu veröffentlicht.
 

 
 
So viel Freiheit, wie möglich, so viel Sicherheit, wie nötig - nicht umgekehrt!
 


Florian Stumfall beleuchtet in dem Roman "Tripoli Charlie" das skrupellose Wirken der Hochfinanz in Afrika.
Es wäre naiv, anzunehmen, dass die gleichen Kräfte nicht auch - mit ähnlichen Zielsetzungen, aber angepassten Methoden - in Europa wirken.
 
 
 
 
 
 

 

 
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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

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