Paukenschlag
am Donnerstag
No. 17/2018
vom 3. Mai 2018


Kommentare zum Zeitgeschehen von Egon W. Kreutzer

Druckversion (PDF)
Kommentare lesen schreiben

Druckversion: Sigbert Döring


Nichts Wichtiges - nur
dreieinachtel Prozent

Die Nachrichten geben nichts her, was einen Paukenschlag wert wäre.
 
Ja, Oettinger, der Kommissar und Scholz, der Finanzminister haben ihre Pläne vorgestellt und alles andere als Begeisterung geerntet. Wen wundert das? Überall, wo es ans Bezahlen geht, wird gejammert, und überall, wo gespart wird, ebenfalls.
 
Alles haben, nichts geben, das ist die Idealvorstellung, der allerdings nur wenige nahekommen. Alle anderen müssen mehr zahlen, um weniger dafür zu bekommen.
 
Früher, vor 116 Jahren, als der Kaiser merkte, dass auch Deutschland ohne Marine nicht leben kann, aber die Kasse leer war, wurden jene zur Kasse gebeten, die sich mit Sekt und Champagner durch Tage, Abende und Nächste soffen.
 
1902 hieß es im Reichstag: Wegen der starken Steigerungen der Ausgaben für die Wehrkraft, müssen auch die Schaumweinkonsumenten zur Finanzierung herangezogen werden. Der Steuersatz lag allerdings trotz der Herkulesaufgabe nur bei 20 Prozent - und die Mehrwertsteuer war noch gar nicht erfunden.
 
Heute kommt die immer noch erhobene Schaumweinsteuer erst mal auf den Netto-Preis, und auf alles miteinander holt sich der Finanzminister dann auch noch die Mehrwertsteuer, doch was damals reichte, um eine ganze kaiserliche Flotte aus dem Boden zu stampfen, reicht heute offenbar nicht mehr, um unsere bescheidene kleine Bundeswehr wenigstens einsatzfähig zu halten.
 
Ob das daran liegt, dass die Zahl der Schaumweintrinker stark gesunken ist, oder daran, dass die Champagnerschlürfer in den Rüstungsbetrieben noch weitere kostspielige Hobbys betreiben, die vom Steuerzahler finanziert werden müssen, was die Rüstungsausgaben in die Höhe treibt, ist nicht so leicht zu entscheiden. Sicher geht es im Land, in dem wir gut und gerne leben, längst nicht mehr allen so gut, dass man fürchten müsste, dass den Schaumweinproduzenten der Stoff ausgeht, aber die halbe Milliarde aus der Schaumweinsteuer + MwSt. auf die Schaumweinsteuer nimmt sich doch gegenüber dem Rüstungsetat sehr bescheiden aus.
 
Und obwohl wir im letzten Jahr mit 37 Milliarden Euro ungefähr das fünfundsiebzigfache der Schaumweinsteuererträge nur für Krieg und Kriegsbereitschaft zur Verfügung hatten, reicht das Geld nicht hinten und nicht vorne. Empört hat unsere Kriegsministerin darauf reagiert, dass der Finanzminister den Etat für die Bundeswehr nur ein bisschen erhöht hat und ihm einen schwarze Null lieber ist, als für weitere nicht einsatzfähige Waffensysteme Milliarden auf den Tisch zu blättern.
 
Da kann ich den biederen Olaf durchaus verstehen. Selbst wer sich für 128 Euro 128 Rubbellose kauft, kann damit rechnen, dass er nach der Rubbelei wenigstens 50 Euro in Form von Kleingewinnen zurückerhält.
 
Wenn zum Zwecke der Kriegsführung jedoch 128 Kampfflugzeuge vom Typ Eurofighter angeschafft werden und davon, wenn man nachzählt, nur ganze vier (das sind die dreieinachtel Prozent) einsatzfähig sind, glaubt man eher an Falschspieler, die ein naives Landei beim Besuch im Rotlichtviertel der großen Stadt gnadenlos ausgenommen haben, als an so etwas wie "strategisches Handeln und militärische Disziplin und Ordnung".
 
So ein Kriegsgerät kostet rund 130 Millionen Euro pro Stück! Eine Flugstunde schlägt mit rund 75.000 Euro zu Buche, wobei die Abschreibungen allerdings schon eingerechnet sind.
 
Wenn jedoch nur 4 von 128 einsatzfähig sind, dann hat das einsatzfähige Stück gut 4 Milliarden Euro gekostet und die Flugstunde liegt bei 2,4 Millionen Euro. Wowww!
 
Für so viel Geld sollte man mit so einem Eurofighter ganz schön viel Schaden beim Feind anrichten können, doch das geht offenbar auch nicht, weil die Munition fehlt. Von "Zwei Handvoll" Luftkampfraketen ist die Rede, die für alle 128 Fluggeräte angeschafft wurden, bzw. derzeit noch übrig sind - und die Beschaffungszeiten dafür sind so lang, dass die Eurofighter selbst in einen lange im Voraus angekündigter Krieg mit diesen allerletzten Patronen im Gurt losfliegen müssten.
 
Wie es mit der übrigen Bewaffnung aussieht, wage ich da gar nicht zu fragen und würde wohl auch keine Antwort erhalten, wegen der Geheimhaltung. Es ist alles wieder wie bei Franz Josef Strauß, nur dass von der Leyen diesmal nicht die Redaktionen durchsuchen und die Mitarbeiter verhaften lässt, wenn von der nicht nur bedingten, sondern im Prinzip fehlenden Einsatzbereitschaft vieler Waffensysteme die Rede ist. Aber es gilt heute eben: Ist der Ruf erst mal ruiniert, lebt sich's völlig ungeniert.
 
Es sind ja nicht nur die Eurofighter. Hubschrauber, Panzer, Fregatten, Transportflugzeuge - liegen mehrheitlich unbenutzbar herum oder werden als Ersatzteillager ausgeschlachtet.
 
Und über dem großen Teich fordert Donald Trump die Erhöhung der Rüstungsausgaben auf 2% vom BIP, was rund 60 Milliarden jährlich wären und damit - je nach Dollar/Euro-Kurs - ungefähr so viel, eher noch ein bisschen mehr als das, was der große böse Putin so für Rüstung ausgibt.
 
Vor Russland haben alle so viel Angst! Wegen Russland müssen alle rüsten, rüsten, rüsten!
 
Doch wenn man sich die Bundeswehr betrachtet, kann es da eigentlich nicht um sinnvolles Rüsten gegangen sein, sondern eher um sinnlose Geldverschwendung.
 
Nur mal so ins Blaue gefragt: Wäre die Bundeswehr in der Lage gewesen, den IS aus Syrien zu verdrängen? Würde sie in der Lage sein, wenn sie schon länger 60 Milliarden jährlich zur Verfügung gehabt hätte?
 
Die gesamte Koalition der Willigen hat das nicht geschafft! Doch als Assad Putin um Hilfe bat ist das gelungen.
 
Ich kann nicht umhin. Es stinkt. Es stinkt gewaltig.
 
Ich will keinen Krieg, ganz bestimmt nicht.
 
Die Fähigkeit zur Landesverteidigung halte ich allerdings für erforderlich. Das Geschwätz, die EU sei eine auf ewig angelegte Friedensgemeinschaft und unter den Mitgliedern könne es nie wieder zu einem Krieg kommen, ist von seltener Blauäugigkeit und Kurzsichtigkeit. Zeiten ändern sich, manchmal geht das ganz schnell, und dann kommen Leute an die Macht, mit denen keiner gerechnet hat. Also sollte man eine Verteidigungsarmee unterhalten.
 
Der Umbau der Bundeswehr von einer Verteidigungsarmee in eine Eingreiftruppe, unter weitgehendem Verlust von Fähigkeiten zur Landesverteidigung, war eine Torheit, für die jeder Fußballtrainer, der mit 10 Stürmern, die Hälfte davon permanent im Abseits, und einem Torwart als elftem Feldspieler antritt, fristlos entlassen würde.
 
Doch, um im Vergleich zu bleiben: So wie die Bundeswehr jetzt in den Medien dargestellt wird, das käme einer Fußballmanschaft gleich, die ohne Stollen und Schienbeinschützer, dafür aber im pinkfarbenen Tutu der Ballettmädchen aufläuft.
 
Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob der Zustand der Ausrüstung tatsächlich so katastrophal ist, wie es uns seit der G36-Affäre permanent aufgetischt wird. Ich könnte mir auch vorstellen, dass dieses mediale Trommelfeuer hauptsächlich dazu dient, dem deutschen Michel einen wichtigen Grund zu präsentieren, um ihn noch einmal kräftig zur Kasse zu bitten.
 
Denn: Eine Regierung, die es schafft, nur einen unvermeidbaren Rest an Arbeitslosigkeit in den Statistiken aufscheinen zu lassen, der wird es wohl auch schaffen, nur einen unvermeidbaren Rest an Einsatzfähigkeit zu präsentieren, wenn das opportun erscheint.
 
Unterstelle bitte niemand, im Kriegsministerium sei man weniger geschickt beim Erstellen von Statistiken als im Arbeitsministerium. Und falls doch, könnte man ja GroKo-intern immer noch per Amtshilfeersuchen in die Pötte kommen.

Selbstverständlich, meine sehr verehrten Damen und Herren, darf Ihnen allen schon jetzt recht herzlich gratuliert werden, denn schließlich haben Sie durch Ihre fortgesetzten demokratischen Entscheidungen diese Entwicklung, die jetzt kurz vor dem Ziel steht, ja herbeigeführt - und ich denke, Sie haben sich da durchaus etwas dabei gedacht, sich etwas davon versprochen, was jetzt zum Greifen nahe ist.
 
Sie wollten das alles nicht? Wirklich? Warum kommt es dann jetzt so, wo doch in der Demokratie das Volk - also Sie! - der Souverän ist?
 
Antworten auf diese Frage finden Sie hier:
 
Darin gibt es nicht nur die Zustandsbeschreibung und deren Analyse, sondern auch konstruktive Ansätze, den Karren in letzter Minute noch aus dem Dreck zu ziehen.
 


Florian Stumfall beleuchtet in dem Roman "Tripoli Charlie" das skrupellose Wirken der Hochfinanz in Afrika.
Es wäre naiv, anzunehmen, dass die gleichen Kräfte nicht auch - mit ähnlichen Zielsetzungen, aber angepassten Methoden - in Europa wirken.
 
 
 
 
 
 


 
Teer Sandmann

Golo spaziert
Das Land der sicheren Freiheit

 
 
 
Nichts für Technokraten, Journalisten, Staatsanwälte und Politiker - es sei denn, sie sind Mensch geblieben.


 
Ebenfalls sehr lesenswert:
 
 
Florian Stumfall
DAS LIMBURG SYNDROM
 
 
 
Florian Stumfall
Das EU-Diktat
 
 
 
 

 

Ein Beitrag aus der aktiven Mitte



 

Neuerscheinung!

Neuerscheinung!

 

Jetzt bestellen!

jetzt bestellen



 

Der Weg zum Wohlfühlgewicht
beginnt auf der Waage.

 

Hier
könnten Sie ihn fortsetzen.

Wann denn, wenn nicht jetzt?,
Kurzgeschichten und Essays
mit Scharfblick auf Menschen
der Ersten und Dritten Welt

H. S. Nyaga lebt als Fotografin und
Autorin in Ostafrika.

jetzt bestellen

Autoren - Texte - Manuskript - BoD -
Book on Demand - Verlag - Lektorat - ISBN - Kontakt

Informationen


 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.