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Sind Sie auch schon ein bisschen urlaubsreif?


11. Juli 2017

10.30 Uhr Betreuung verkürzt Arbeitslosigkeit (angewandte Relativitätstheorie)

Es ist Wahlkampf. Martin Schulz dröhnt von Gerechtigkeit. Seehofer schmiedet seinen Bayernplan. Angela Merkel will weiter auf dem schmalen Grat der Alternativlosigkeit den Nutzen des deutschen Volkes mehren - und die LINKE fragt bei der Bundesagentur für Arbeit an, wie es denn um die Länge der Arbeitslosigkeit der Langzeitarbeitslosen bestellt sei.

Die Antwort der Bundesagentur fiel aus, wie erwartet: Aktuell betrage die durchschnittliche Arbeitslosigkeit von Langzeitarbeitslosen 629 Tage, was eine Steigerung um 74 Tage oder 13,3 Prozent gegenüber der Situation im Jahre 2011 bedeute.

SPIEGEL ONLINE hat um diese "Nachricht" herum einen kurzen Artikel gewunden, in welchem selbstverständlich unmissverständlich darauf hingewiesen wird, dass die Zahl der Arbeitslosen auf den tiefsten Stand seit 1991 gesunken sei. Dass bei der BA nur noch 2,473 Millionen Arbeitslose registriert seien, die aber immer schwerer zu vermitteln seien, weil ihnen wichtige Qualifizierungen fehlen.

Natürlich vertraut auch der SPIEGEL darauf, dass diese krasse Fehlinformation geschluckt wird. Die Zahl der heute von der BA als arbeitslos gezählten Menschen mit der von 1991 zu vergleichen, heißt eimerweise Sand in die Augen zu streuen. Wie viele Menschen nach den damaligen Maßstäben heute als arbeitslos zu zählen wären, kann kein Mensch beantworten, weil die dafür erforderlichen Daten schlicht nicht mehr erhoben werden. Addiert man alleine das, was aus dem Bericht der BA an "nicht als arbeitslos gezählten Arbeitslosen" noch hervorgeht, kann man über die plakativ verbreiteten 2,473 Millionen nur noch grimmig lachen.

Wie es um die tatsächlich fehlenden Qualifizierungen bestellt ist, ist noch schwerer herauszufinden. Bekannt ist, dass ein Arbeitsloser, der (wenn ich mich recht erinnere) zwei Jahre nicht in seinem Job gearbeitet hat, von der BA grundsätzlich als "unqualifiziert" geführt wird, was bestimmt nicht in allen Fällen so gerechtfertigt ist.

Allerdings hat der SPIEGEL im Tagesspiegel gelesen, dass Langzeitarbeitslose häufiger (als was?) durch eine bessere Betreuung wieder den Weg in den Arbeitsmarkt finden und nicht durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen.

Entweder der Verfasser des Artikels ist der deutschen Sprach nur bedingt mächtig, oder der Satz ist bewusst irreführend hingeschrieben. Denn Arbeitslose wollen nicht den Weg in den Arbeitsmarkt finden - sie befinden sich nämlich als Nachfrager nach Arbeit genau in diesem Arbeitsmarkt! - sondern sie wollen eine Anstellung, möglichst gegen Bezahlung und möglichst unbefristet.

Zudem ist die hier suggerierte Wirkungslosigkeit arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen völlig aus der Luft gegriffen und sachlich falsch, denn auch die implizit geforderte Aufstockung der Mittel für Leistungen zur Eingliederung in Arbeit, die seit 2010 drastisch gekürzt wurden, ist eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme. Was denn sonst?

Doch selbst wenn man die geforderte bessere und verstärke Betreuung positiv interpretiert und nicht annimmt, damit sei im Grunde nur noch mehr Fordern und noch mehr Sanktionierung gemeint, muss festgehalten werden, dass Betreuung keine Stellen schafft.

Dazu eine kleine Exkursion in den real existierenden Arbeitsmarkt:

Auf dem Arbeitsmarkt stehen sich die Nachfrager nach Arbeit, also die Unternehmen, und die Anbieter von Arbeit, also Menschen, die Arbeit suchen, gegenüber. Wer einen Job hat, tritt auf dem Arbeitsmarkt nur in Erscheinung, wenn er - aus welchem Grund auch immer - nach einem anderen Arbeitgeber sucht.

In Zahlen sieht das so aus:

Bei der BA waren im Juni 2017 731.000 offene Stellen gemeldet.
Diesen standen 2,473 Millionen tatsächlich statistisch erfasste Arbeitslose gegenüber.

Nimmt man beide Zahlen für bare Münze (wovon dringend abzuraten ist!), bleibt nur festzustellen, dass der Arbeitsmarkt in der Börsianersprache einer reiner Bärenmarkt ist.

Das heißt, der "Kurswert" der Arbeit sinkt, weil das Überangebot von den Nachfragern nicht abgenommen wird. So wie an der Börse, hat auch hier das Nachsehen, wer gezwungen ist, billig zu verkaufen. Während diejenigen gewinnen, welche die Gelegenheit nutzen, sich billig einzudecken.

Anders als an der Börse sind Arbeitslose jedoch nicht in der Lage, ihre Arbeit einfach so lange im Depot liegenzulassen, bis die Kurse wieder anziehen. Arbeit ist immer Gegenwart, sie kann nicht gespeichert werden.

Deswegen legen sich auch die Arbeitgeber nicht einfach Arbeitskräfte auf Lager, um sie weiterzuverkaufen, wenn die Kurse wieder steigen, sondern stellen immer nur genau so viele Mitarbeiter ein, wie sie gerade benötigen.

Und die wiederum holen sie sich da, wo die Not am größten ist. Es ist müßig, ein Wort darüber zu verlieren, warum Software für in Deutschland ansässige Unternehmen in Indien geschrieben wird und warum so manches Call-Center, das unter einer vermeintlich deutschen Rufnummer zu erreichen ist, in China, Korea oder Vietnam betrieben wird.

Es ist müßig, ein Wort darüber zu verlieren, warum große Teile der Wertschöpfung der deutschen Industrie per Outsourcing im billigeren Ausland, zum Teil auch näher am Absatzmarkt erbracht werden.

Es ist aber nicht mehr müßig, sich die Frage zu stellen, wie sich die Belegschaften deutscher Handwerksunternehmen zusammensetzen. Ein junger Mann, auf Jobsuche, berichtet von der Probearbeit bei einem Betrieb, der bundesweit von Bayern aus auf Baustellen tätig ist.
Der Chef ist deutsch, die Mitarbeiter sprechen überwiegend arabisch, einige türkisch. Bezahlt wird die Zeit auf der Baustelle - die oft stundenlange Anfahrt ist Privatvergnügen. Ein anderes Unternehmen, ebenfalls am Bau tätig, das gleiche Bild: Chef deutsch, Mitarbeiter allesamt Albaner und Türken.

Wo die Arbeit etwas anspruchsvoller ist (und vom Qualifikationsniveau her vermutlich auch von jedem bei der BA gemeldeten Langzeitarbeitslosen erledigt werden könnte) sind Polen und Tschechen die dominierenden Kräfte.

Voriges Jahr war ich für eine Woche im Krankenhaus. Der Arzt an der Aufnahme, ein Bulgare mit allenfalls befriedigendem deutschem Sprachverständnis. Später stellte sich heraus, dass der überwiegende Teil der Assistenzärzte und der überwiegende Teil der Reinigungs- und Hilfskräfte preiswert im Ausland angeheuert wurden. Nur beim Pflegepersonal waren es die Schwestern, die sich mit ihren Patienten problemlos auf deutsch verständigen konnten.

Wenn man nun auf die Idee kommt, dass diese Verhältnisse aufgrund arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen entstanden, die im Rahmen der Globalisierung von deutschen Parlamentariern beschlossen, zumeist als Kommissionserlasse in deutsches Recht übertragen wurden, kann man der Argumentation, dass arbeitsmarktpolitische Maßnahmen die Langzeitarbeitslosigkeit nicht wirksam bekämpfen können, durchaus folgen. (!)

Dass bessere Betreuung hilfreicher wäre, bleibt jedoch eine Milchmädchenrechnung, solange der Bedarf der Arbeitgeber nicht annähernd an die Nachfrage der Arbeitslosen und Unterbeschäftigten und nicht als arbeitslos gezählten Arbeitssuchenden heranreicht.

Rationalisierung, Automatisierung, Digitalisierung und Outsourcing, die Beschäftigung von Billigarbeitern und ausländischen Subunternehmern sorgen jedoch dafür, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften aus dem Potential der deutschen Langzeitarbeitslosen so niedrig bleibt, wie sie ist.

Dass Donald Trump versucht, die amerikanische Binnenwirtschaft zu beleben und wieder mehr US-Bürger in Arbeit zu bringen, indem er die Globalisierung eindämmen will, ist ein Grund für den erbitterten Widerstand gegen seine Politik. Und dass ihm von medizinischen Laien "Demenz" angedichtet wird, hängt damit zusammen, dass eine Politik, in der auch die Interessen des Volkes noch vorkommen, von weiten Teilen der Eliten für vollkommen verrückt gehalten wird.

Da lobt man lieber Macron. Der passt ins Weltbild.

 

 

 


 

Nebenbei bemerkt:

So lange wir uns mit "Kindereien" wie dem Binnen-I beschäftigen lassen, solange wir von stärker Pigmentierten zu sprechen haben, wenn wir Neger meinen, und uns in kraftraubende Diskussionen darüber verstricken lasen, ob es zwischen "wertkonservativ" und "rechtsradikal" nicht vielleicht doch einen Unterschied gibt, werden wir Schwierigkeiten haben, uns mit den wirklich substantiellen Entwicklungen und Problemen auseinander zu setzen.

Haben Sie auch immer öfter den Eindruck, dass das Irrationale im Kampf gegen die Vernunft den Sieg davonträgt? Fürchten Sie, dass über 200 Lehrstühle für "Genderwissenschaften" an deutschen Universitäten im Grunde nur Schwachsinn produzieren können? Brauchen Sie den Beweis dafür, dass nicht Sie spinnen, sondern die anderen? Hier könnten Sie die Lösung finden.

 


LSBTTIQ*-Community (Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle, Transgender, Intersexuelle und Menschen, die sich als Queer verstehen).

 

Schaukeln, nicht Verschaukeln lassen!

 

Es geht immer nur ums Geld.

Geld ist ein sonderbares Ding.

Wer das Geld versteht, versteht die Wirtschaft, den Wachstumszwang und die Entstehung des Wohlstands der Reichen.

 

2005 erschien die Erstausgabe des dritten Bandes meiner wahnwitzigen Wirtschaftslehre mit dem Untertitel

"Über das Geld"

2007 wurde er Teil der überarbeiteten Gesamtausgabe und wird bis heute nachgefragt und gelesen.

mehr

 

Samirah Kenawi

hat mit "Falschgeld - Die Herrschaft des Nichts über die Wirklichkeit" ein weiteres Standardwerk über das Geld im EWK-Verlag veröffentlicht, das aufgrund des nicht nachlassenden Interesses ebenfalls immer wieder nachgedruckt wird.

 

mehr

 

 Thomas Koudela

beschäftigt sich in seinem Werk "Entwicklungsprojekt Ökonomie" mit der Frage, wie eine Marktwirtschaft ohne Kapitalismus gestaltet werden könnte und trifft auch dabei wesentliche Aussagen zum Geld und über seine Wirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft.

mehr

 

 Stefan Mekiffer

hat im Hansa Verlag seine Überlegungen darüber veröffentlicht, "Warum eigentlich genug Geld für alle da ist".

Wir haben einige Exemplare davon für Sie auf Lager gelegt.

 

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Manfred Gotthalmseder

hat sich, wie vorher schon Koudela, der Frage des Geldsystems im Postkapitalismus gewidmet und die Möglichkeiten zu seiner Gestaltung um ein interessantes neues Konzept erweitert.

 

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Es geht auch anders.

Ein Buch, das sich der Frage annimmt, in welcher Welt wir eigentlich leben - und warum.

 

Aus dem Blickwinkel einer Frau, die ihre komfortable österreichische Heimat verlassen hat, um im Norden Kenias auf eigene Faust Entwicklungshilfe zu leisten, wird zumindest klar, dass wir nicht in einer, sondern in zwei Welten leben, was in Nyagas Geschichten bisweilen zu bizarren Überraschungen führt.

 

 

Heide S. Nyaga, Wann denn, wenn nicht jetzt?

 

(Würde ich auch empfehlen, wenn es woanders erschienen wäre.)

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Der Weg zum Wohlfühlgewicht
beginnt auf der Waage.

 

Hier
könnten Sie ihn fortsetzen.


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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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