hierverbirgtsicheingeheimnis


21. April 2017

11.00 Uhr Wohlmeinende Kommentierung

Gestern habe ich im PaD 15 /2017 die bevorstehende Straßenschlacht in Köln thematisiert. Heute scheint es mir, ich sei damit vollkommen falsch gelegen. Was ich an Artikeln der Qualitätspresse dazu gelesen habe, ist dazu angetan, meinen Alarmismus zu widerlegen.

Der Kölner Stadtanzeiger beschreibt ausführlich, ja beinahe genüsslich, die geplanten Demonstrationen und Marschrouten und fragt am Ende sehr verwundert: "Warum befürchtet die Polizei Ausschreitungen?" Darauf folgt die Frage: "Wie konkret ist die Gefahr?", und die Antwort, "Das lässt sich schwer einschätzen", denn die Antifa versichere, keine Hinweise darauf zu haben, dass Menschen nach Köln kämen, um Gewalt auszuüben.

Hier.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet: "Köln rüstet sich für den Parteitag der AfD"
Es geht (beinahe) neutral los. "Die Polizei rechnet mit hunderten gewaltbereiten Demonstranten", heißt es. Nicht etwa, dass die Polizei mit Gewaltakten hunderter Demonstranten rechnet. Nein. Das nicht. Und dann wird beruhigt: "Der Dom soll offen bleiben." Sehr schön. Außerdem wird nicht gegen etwas demonstriert, sondern für Respekt und Toleranz. Das hört sich gut an. Antifa demonstriert für Toleranz. Das klingt genauso gut, wie "Bomben für den Frieden". Danach folgt eine Aufzählung, von wem alles keine Gewalt ausgehen wird. Wer dann noch weiterliest, wird mit den großen Sorgen des Polizeipräsidenten vertraut gemacht, der jedoch erklärt, 4000 Polizisten würden zum Schutz der vielen friedlichen Menschen entschlossen vorgehen. Hm? Viele friedliche Menschen? Wer soll da nun vor wem geschützt werden? Ist ein Verwirrspiel. Will die AfD die Demonstranten angreifen?

Hier.

Die Frankfurter Rundschau überrascht mit dem Titel "Rassisten gegen Rassisten".
Leider enttäuscht der dann folgende Artikel. Nein. Da hat sich niemand im Ton vergriffen und die Antifa ebenfalls als rassistisch bezeichnet. Die angekündigten Demos kommen gar nicht vor. Es wird von der Spaltung der AfD in Rassisten und Rassisten erzählt, Petry-Rassisten und Gauland-Rassisten, da möge doch bitte niemand zu unterscheiden versuchen. Ein reinrassig antirassistischer Artikel.

Hier.

Die RP online (Rheinische Post) sieht zwar durchaus realistisch auf die Situation und glaubt nicht wirklich, dass es ruhig bleiben wird, dreht daraus aber sofort der AfD einen Strick, denn "die AfD (wird sich) selbstverständlich Proteste, Provokationen und Sachbeschädigungen linksradikaler Gruppierungen zu Nutze machen. Die Rechtspopulisten werden sich als brave Bürger gerieren, die Opfer einer 'versifften links-rot-grünen' Republik sind." Das klingt immer gut. Schließlich haben sie sich ja auch die Übergriffe in der Sylvesternacht 2015 zu Nutze gemacht, nicht wahr? Was wäre denn die AfD ohne Übergriffe? Sage jetzt niemand: Überflüssig.

Hier.

Der Express schießt den Vogel ab. "Wegen AfD-Parteitag: Leute trauen sich nicht ins Hänneschen"
Da ist nun also der AfD-Parteitag schuld am Ausnahmezustand in Köln. Geht's noch? Es sind die militanten, gewaltbereiten und vollkommen demokratiefremden, meinungsdiktatorischen Antifa-Kämpfer, die für den Ausnahmezustand sorgen!

Hier.

Doch ich will heute nicht die ganze Arbeit für Sie erledigen. Googeln Sie selbst ein bisschen weiter in den News. Stichworte Köln, AfD, Antifa - und lesen Sie achtsam. Versuchen Sie, Argumente zu finden, und wenn Sie welche finden, versuchen Sie, diese Argumete zu analysieren. Es bleibt nicht viel übrig, außer einer großen Portion Hass, gegen eine Partei, deren Ziele den eigenen Zielen entgegenstehen.

Demokratie ist das nicht. Auch nicht Basisdemokratie. Was derzeit in Köln für das Wochenende an strafwürdigen Aktivitäten vorbereitet wird, was erwartungsgemäß in den Reden auf den Kundgebungen zu hören sein wird, wäre "Volksverhetzung", würde es sich gegen eine beliebige andere Gruppierung richten.

Dieses Problem ist in meinen Augen ein Problem, das sich zwar an der AfD entzündet, aber weitaus gefährlicher ist, für das friedliche Zusammenleben in unserer Gesellschaft als eben diese AfD. Natürlich ist die AfD eine nationale Partei. Aber wenn ich die Wahl habe, zwischen Linken, die mit dem Kampfruf "Deutschland verrecke" auf die Straße gehen, und einer konservativen Partei, die immer noch einen Rest Patriotismus in sich trägt, dann bin ich doch eher bei der CSU, und wer die AfD und mit der CSU von vor 10 Jahren vergleicht, der kommt zu dem Eindruck, dass die AfD dagegen durchaus noch ein bisschen weniger weit rechts steht.

Natürlich bin ich kein Rechter, sondern ein Linker. Links sein heißt für mich jedoch, einzutreten für soziale Gerechtigkeit, und es heißt auch, gegen staatliche Willkür aufzustehen, wenn demokratische Prinzipien missachtet werden.

Leider habe ich als Linker meine politische Heimat verloren. Links ist heute entweder zu einem undefinierbarer Bestandteil jener Regierungs-Legierung aus Union und SPD verkommen, oder, wie die LINKE, in der Versuchung, in diese Legierung mit einzugehen, oder es findet sich als Etikett auf linksfaschistischen, indoktrinären Vereinigungen, die ihre "gute Sache" mit gewaltsamer Einschüchterung unter Verzicht auf demokratische Spielregeln durchsetzen wollen.

Ich kann nicht erkennen, dass sich die Antifa für soziale Gerechtigkeit einsetzt, und ich kann nicht erkennen, dass die Antifa gegen staatliche Willkür vorgeht, es sieht - im Gegenteil - so aus, als lasse sich die Antifa im Sinne der herrschenden Regierungsmeinung instrumentalisieren.

Was mich an der AfD stört, ist ihre immer noch vorhandene, grundsätzlich neoliberale Haltung in Fragen von Wirtschaft und Sozialsystem, die von ihren Gründervätern hineingetragen wurde, sowie die oft zu kompromisslose Haltung bei der Verteidigung nationaler Interessen.

Es stört mich aber nicht, dass die AfD, wie jede Partei, einmal einen Bundesparteitag abhalten will, zumal es dabei diesmal tatsächlich ans Eingemachte geht.

Es stört mich sehr, dass es ein großes Heer von Menschen gibt, die sich darin gefallen, in einer Machtprobe mit der Polizei diesen Parteitag verhindern zu wollen.

Es stört mich sehr, dass Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, sowie Cem Özdemir von den Grünen sich diesem Aufruhr anschließen und vermutlich auch Reden halten wollen.

Wer sich dem Wahn hingibt, in Köln würde am Wochenende nicht gegen die AfD, sondern "für Respekt und Toleranz" demonstriert, möge bitte auf die respektvollen und toleranten Worte achten, welche für die Delegierten der AfD gefunden werden. Denn damit werden sich jene, die vorgeben, die Demokratie retten zu wollen, indem sie ihr gewaltsam den Boden entziehen, Satz für Satz selbst entlarven.

 

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(Würde ich auch empfehlen, wenn es woanders erschienen wäre.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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