hierverbirgtsicheingeheimnis


19. April 2017

07.00 Uhr Wenn sich die "Goldseiten" um das Sozialsystem sorgen

Die "Goldseiten" bemühen sich, ihren Lesern die Geldanlage in Gold schmackhaft zu machen. Dagegen wäre ja nichts einzuwenden. Der eine legt sich Wein in den Keller, der andere hängt sich Bilder an die Wände und wieder ein anderer erfreut sich am kalten Glanz des Goldes.

Wenn Werbung für Gold aber mit den übelsten Tricks von Drückerkolonnen durch Schüren massiver Ängste gemacht wird, dann habe ich dagegen etwas einzuwenden.

So hat gestern ein Dr. Dietmar Siebholz wortreich auf den "Goldseiten" erklärt, dass in Anbetracht der Form der Bevölkerungspyramide, der gestiegenen durchschnittlichen Lebenserwartung und der kürzer gewordenen Lebensarbeitszeit mit tödlicher Sicherheit zu wissen sei, dass "alle Rechnungen, alle gesetzlichen Änderungsversuche" an den Sozialsystemen zum Scheitern verurteilt seien.

Ich hoffe, Gert Flegelskamp hat diesen Artikel nicht gelesen, weil sein Blutdruck sonst nämlich wahrscheinlich in lebensbedrohliche Höhen ansteigen und die Zornesader auf seiner Stirn markant hervortreten würde.

Es ist richtig, dass länger lebende Rentenbezieher länger Renten beziehen, wodurch die Zahl der Rentenbezieher für eine Weile ansteigt. Es ist allerdings nicht richtig, dass es in dieser Entwicklung keinen Endpunkt geben würde. Sowohl die Biologie als auch die Demografie werden dem in vorhersehbarer Zukunft entgegenwirken.

Es ist richtig, dass kürzere Lebensarbeitszeiten auch kürzere Beitragszeiten bedeuten, wodurch die Zahl der durchschnittlich Beitragszahlenden sinkt, in dem Maße, wie die Zahl der Rentner durch Frühverrentungen steigt, sofern nicht sowieso genügend Arbeitslose vorhandenn sind, die diese ganze Betrachtung irrelevant machen.

Es ist aber schon nicht mehr richtig, dass weniger nachwachsende Junge auch weniger Beitragszahler bedeuten, denn solange nicht Vollbeschäftigung herrscht, ist jedes nicht geborene Kind von heute eine sofortige Entlastung für den Sozialstaat bis in jene ferne Zukunft, in der mit dem Ableben des Kindes gerechnet werden könnte.

Alle drei Faktoren geben jedoch ein vollkommen ungenügendes Bild der Realität, weil der wichtigste Faktor, nämlich das verfügbare Nationaleinkommen, dabei in keiner Weise berücksichtigt wird.

Die Frage der finanziellen Ausgestaltung der Sozialsysteme hängt weder davon ab, ob ein Geburten- oder Wanderungsüberschuss zu verzeichnen ist (Schon gar nicht dann, wenn für einen Teil der arbeitswilligen und arbeitsfähigen Personen gar keine Arbeitsplätze zur Verfügung stehen), noch von der Lebensarbeitszeit, noch von der Dauer des Rentenbezuges, sondern ausschließlich davon, ob die Volkswirtschaft produktiv genug ist, um Kinder und Jugendliche, Schüler und Studenten, berufstätige und nicht berufstätige Erwachsene, sowie die nicht mehr berufstätigen Alten ausreichend zu versorgen.

Ist die Volkswirtschaft produktiv genug, reduziert sich die angebliche Problematik auf die Verteilungsfrage. Da grundsätzlich alle als Säuglinge beginnen und sich über ihre erste Lebensphase nicht selbst unterhalten können, und weil die meisten irgendwann ihren arbeitsfreien Lebensabend gestalten wollen, also letztlich alle ein "Drei-Phasen-Leben" leben, und folglich auch alle während der produktiven Zeit verpflichtet sind, die dann gerade nicht Produktiven mitzuversorgen, weil sonst der Staat unweigerlich zusammenbrechen würde, wird aus dem Popanz "Rentenfrage" die ganz einfache Frage nach dem Wohlstand bzw. Lebensstandard, den sich eine Gesellschaft insgesamt leisten kann.

Ist die Volkswirtschaft nicht produktiv genug, um wenigstens die Versorgung mit den lebensnotwendigen Gütern sicherzustellen, wird sie ein Fall für die Hilfswerke der Vereinten Nationen.

Davon ist Deutschland jedoch weit entfernt.

Dass es dennoch für die Rentner nicht zu reichen scheint, wenn es doch im Grunde für alle reichen würde, zeigt, dass das Problem nicht in der Produktivität liegt, sondern im Verteilungsschlüssel.

Dass der nicht stimmt, ist schon dadurch offenkundig, dass die Zahl der Reichen und deren Reichtum wächst, während die Zahl der Armen ebenfalls ansteigt.

Das wiederum hat damit zu tun, dass die Gewinne aus dem Produktivitätsfortschritt in zunehmendem Maße den wenigen "Investoren" zufließen, während sich eine durch Rationalisierung um den Arbeitsplatz gebrachte, bzw. mit realen Lohnkürzungen kämpfende "Restbevölkerung" mit immer kleineren Anteilen am Gesamtkuchen einrichten muss.

Dass Hr. Dr. Siebholz im zweiten Teil seiner Ausführungen einen abenteuerlichen Ritt von der Schuldenlast der Nationalstaaten über die Niedrigzinspolitik der EZB hin zur drohenden Inflation unternommen hat und mittendrin die Forderung erhebt, die Zuwanderung in die Sozialsysteme sofort zu unterbinden, weil eben alles, alles zur Inflation führt, ist eine unzulässige Vermengung der Problematik eines falsch konstruierten Geldsystems mit der Frage der Generationengerechtigkeit.

Staatsschulden zur Sicherung der Renten waren noch nie erforderlich. Im Gegenteil, der Staat hat sich mit versicherungsfremden Leistungen, die er der gesetzlichen Rentenversicherung aufgebürdet hat, aus der Rentenkasse bedient - und seine Zuschüsse zur GRV erreichen nicht annhähernd die Höhe der Lasten, welche eigentlich steuerfinanziert werden müssten, aber von den GRV-Versicherten aufzubringen sind.

Dass es der privaten Rentenversicherung in Nullzins-Zeiten schlecht geht, gehört zu den Konstruktionsprinzipien der privaten Vorsorge durch Ansparen, die es in der umlagefinanzierten - und daher prinzipiell sichereren - Rente nicht gibt.

Fazit

Sorge um die Rente wäre nur geboten, wenn die Wirtschaftskraft Deutschlands nachlässt und die Umverteilung von unten nach oben weiter zunimmt.

Gold, als Krisenmetall, ist gut geeignet, um Geldvermögen über eine Krise zu retten, weil das Gold nach überstandener Krise wieder in die dann wünschenswerte Liquidität umgewandelt werden kann. Diese Krise wird aber nicht von den Sozialversicherungen ausgelöst werden, sondern von den Finanzmärkten und deren Akteuren.

Gold als Kapitalstock für die Rente erscheint mir hingegen eher ungeeignet, einerseits, weil die Spekulation den Wert sehr schnell auch nach unten verändern kann, vor allem aber dann, wenn eine schwere Wirtschaftskrise den Lebensabend verdüstert. Zum Einkaufen auf dem Schwarzmarkt ist der Krügerrand sicherlich nicht optimal geeignet... Und womöglich ist der Besitz von physischen Gold dann sogar verboten. Hat die Welt alles schon gesehen.

 

 

 

 


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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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