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3. April 2017

12.00 Uhr DER NAZI

Der Nazi von heute ist, seien wir doch mal ehrlich, in den meisten Fällen nur ein schwacher Abklatsch dessen, was früher mal die richtigen Nazis waren.

Die richtigen Nazis, die musste man fürchten, die richtigen Nazis hatten schon früh ein ausgeklügeltes Spitzel- und Denunziatios-System. Die richtigen Nazis schickten ihre Schlägertrupps los und malten Judensterne an die Schaufenster, wenn sie sie nicht gleich einschlugen. Die richtigen Nazis waren durchorganisiert, hatten einen Führer und der Führer hatte ein Nazivolk, das ihm ergeben folgte, von Hitlerjugendbeinen an. Nur wer sich der Volksgemeinschaft verweigerte, unbedingt Kommunist sein wollte, statt Nationalsozialist, der wurde aussortiert, inhaftiert und oft genug auch umgebracht.

Die richtigen Nazis, die von früher, waren echte Nationalisten mit einem ausgeprägten Nationalstolz und dem Glauben an die Überlegenheit ihrer Rasse, was es ihnen erlaubte, jeden Gedankengang, der ihrer Ideologie nicht entsprach, aus der von ihnen beherrschten Welt zu tilgen. Hell loderten die Scheiterhaufen der aus den Bibliotheken angeschleppten Bücher auf, als die richtigen Nazis sich ihre richtige Naziwelt einrichteten und darin nichts duldeten, was was auch nur den Hauch eines Widerspruchs in sich barg.

Die richtigen Nazis waren blond, blauäugig, flink wie die Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl, die richtigen Nazis haben Polen überfallen, und Frankreich und Russland, ja, die richtigen Nazis haben einen Weltkrieg in Gang gesetzt und erst als die USA in diesen Krieg eingriffen, gelang es, diese Nazis zu besiegen, die Überlebenden zu entnazifizieren und Deutschland die Demokratie, den Frieden und das Wirtschaftswunder zu bescheren.

Die richtigen Nazis, die musste man fürchten, nicht nur, wenn man jüdischen Glaubens war, auch als Deutscher, wenn man kein Nazi sein wollte. Und alle, alle, haben sie gefürchtet, haben sich versteckt, weggeduckt, sind ins Ausland gegangen, weil Widerstand im Inland unmöglich war, und jene, die offen Widerstand leisteten, wurden gefangen, weggesteckt, und auch schon mal wegen des Verteilens von Flugblättern hingerichtet.

Die richtigen Nazis waren überall. Wie ein Pilzmyzel durchwucherten sie die Gesellschaft, und brachten die Geheime Staatspolizei und den Volksgerichtshof hervor. Mit der gleichgeschalteten Presse und dem Staatsrundfunk, der mit dem Volksempfänger jedes Wohnzimmer erreichte, verbreiteten sie das, was richtig war, was gedacht werden durfte, auch das, was gesagt werden musste, um Zugehörigkeit zu beweisen.

Die richtigen Nazis, die haben damals das erfunden, was heute political correctness genannt wird, einen Kodex aus Worten und Gedanken, den zu durchbrechen zur Gefahr für Freiheit, Leib und Leben wurde. Die richtigen Nazis, die waren in der erdrückenden Mehrheit und wer sich nicht einreihte, nicht wenigstens im Gleichschritt mitlief, der war verloren.

Der Nazi von heute?

Konrad Kustos ist so ein Nazi von heute. Man hat es ihm an die Wohnungstür geschrieben:

Hier wohnt ein Nazi!

Und was tut dieser lächerliche Abklatsch eines richtigen Nazis? Nun, er lässt sich einschüchtern, gibt auf, zieht sich zurück! Ein richtiger Nazi hätte gekämpft bis zum letzten Atemzug. So einen - so einen hätte Hitler niemals in die NSDAP aufgenommen.

So einen, der sich immer zu fein war, mit Pflastersteinen im Straßenkampf mitzuhelfen, die Macht zu erobern, der immer nur in der stickigen Luft des Studierstübchens sitzt und Pamphlete schreibt, die nicht so recht ins Schema des Erwünschten passen, so einen hätten die echten Nazis kaltgestellt. Berufsverbot. Schreibverbot - wie sie es mit Erich Kästner gemacht haben, um nur einen zu nennen.

Nun ja, ins KZ hätten sie ihn nicht gesteckt.

Im Grunde ist er ja ein Deutscher. Im Grunde tritt er ja auch für deutsche Interessen ein. Im Grunde hat er ja auch eine soziale Ader. Ein Patriot, halt mit dem falschen Parteibuch.

Er hat halt was gegen den Unfehlbarkeitsanspruch der Partei. Er krittelt halt gerne herum. Er hat hier und da ja sogar Recht - aber eben das soll er doch bitte für sich behalten! Damit macht er ja alles kaputt, bevor es vollendet ist. Ein richtiger Nazi wäre gläubig. Sogar gutgläubig, rechtgläubig. Ein richtiger Nazi würde nichts infrage stellen. Nichts. Ein richtiger Nazi ist es gewohnt, blind zu folgen.

Wo kämen wir denn hin, wenn wir jeden kritischen Geist frei seine Meinung sagen ließen? Die Leute wüssten doch gar nicht mehr, was sie denken sollen!

Nun ja. Wir schreiben das Jahr 2017 - und Konrad Kustos ist ein Nazi.

Wir schreiben das Jahr 2017 - und die Naziverfolgung ist in vollem Gange. Da braucht es eigentlich gar keinen konkreten Anlass mehr. Da muss man gar nicht mehr verstehen wollen oder können, was einer so sagt und schreibt und meint. Nazi ist Nazi. Und selbst wenn er keiner wäre: Solange er keiner von uns ist, ist er trotzdem ein Nazi. Es gibt ja nur noch uns - auf der Seite der Guten, und die Nazis, auf der anderen Seite. So einfach ist die Welt, so einfach war sie schon immer. Das Strickmuster ist immer gleich. Mehrheit diskrimiert und verfolgt die Minderheit. Das ist Demokratie. Die Mehrheit, das sind die, die grundsätzlich bereit sind, miteinander zu koalieren. Die Minderheit, das sind die, mit denen man einfach nicht spielen will - weil sie ein anderes Spiel spielen wollen, oder weil sie die Regeln verändern wollen. Wo kämen wir denn da hin!


Leute, seid schlau! Macht mit! Ruft laut eure Zustimmung hinaus. Äußert keine Kritik, am besten stellt das Denken ein. Das hat noch immer geholfen. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen - und bloß nicht anfangen zu denken. Das gibt euch jetzt Sicherheit vor den Naziverfolgern, die wieder, wie ein Pilzmyzel überall sind. Die mithören, mitlesen, ja sogar hin und wieder provozierend mitschreiben - und Bücher nicht mehr verbrennen, sondern einfach löschen lassen.

Und hinterher könnt ihr ja immer sagen, wir wussten ja gar nichts, wir haben halt gemacht, was alle gemacht haben, wir haben halt gedacht, was alle gedacht haben, und einen Nazi haben wir nie verraten. Im Gegenteil: Einmal haben wir sogar einem geholfen, sich zu verstecken, aber dann mussten wir ihn wieder weiterschicken. Die hätten uns ja auch eingesperrt, wenn das herausgekommen wäre.

Dann bekommt ihr den Stempel "Mitläufer" - und könnt gleich von Anfang an wieder weiter- und mitmachen. Denn eines, eines müsst ihr euch merken: Mitläufer brauchen alle. Ohne Mitläufer ist kein Staat zu machen. Deswegen werden Mitläufer stets milde behandelt. Sie werden schon bald wieder gebraucht - und wer schon einmal zuverlässig mitgelaufen ist, der wird es auch immer wieder tun. Darauf ist Verlass!

Hütet euch vor der roten Pille.

Die MATRIX ist nur so lange schön, wie man sie nicht erkennt.


 

Schaukeln, nicht Verschaukeln lassen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 

Es geht auch anders.

Ein Buch, das sich der Frage annimmt, in welcher Welt wir eigentlich leben - und warum.

 

Aus dem Blickwinkel einer Frau, die ihre komfortable österreichische Heimat verlassen hat, um im Norden Kenias auf eigene Faust Entwicklungshilfe zu leisten, wird zumindest klar, dass wir nicht in einer, sondern in zwei Welten leben, was in Nyagas Geschichten bisweilen zu bizarren Überraschungen führt.

 

 

Heide S. Nyaga, Wann denn, wenn nicht jetzt?

 

(Würde ich auch empfehlen, wenn es woanders erschienen wäre.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bücherstube


 

Der Weg zum Wohlfühlgewicht
beginnt auf der Waage.

 

Hier
könnten Sie ihn fortsetzen.


 Priester Messident

Sprachverwirrung
Babel, babbel, brabbel

NEU am 31.01.206

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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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