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29. März 2017

11.00 Uhr Altersweisheit, Altersstarrsinn, Alterspräsident

"Die Koalition wies den Verdacht zurück, dies geschehe mit Blick auf die AfD", so die Tagesschau der ARD.

So ist den bundesdeutschen Parlamentariern also kurz vor dem Ende der Amtszeit des achtzehnten Deutschen Bundestages aufgefallen, dass "Erfahrung" wichtiger sei, als das Lebensalter. Dieser Erkenntnisprozess ist im Laufe von fast sieben Jahrzehnten herangereift.

Sage niemand mehr, der Bundestag beschäftige sich nicht gründlich und ausführlich, ohne jede Hast und sich niemals unter Druck setzen lassend, mit den wichtigsten Themen dieses unseres Landes!

Es sind jedoch grundsätzliche Zweifel angebracht, ob ein Saft, der so lange gärt, am Ende auch noch genießbar ist.

Es werden hier nämlich forsch zwei "Qualitäten" ausfindig gemacht und unterschiedlich bewertet, die in keiner Weise geeignet sind, sie gegeneinander aufzuwiegen, ohne dabei die persönlichen Merkmale und Eigenschaften zu berücksichtigen, die den möglichen Kandidaten für das Amt des Alterspräsidenten des Deutschen Bundestages auszeichnen.

Es ist richtig, so manche(r) Alte ist mit mancherlei Zipperlein geschlagen, die sowohl körperlicher als auch geistiger Natur sein können. Nicht umsonst heißt es: "Wenn du über 40 bist, und am Morgen aufwachst, und es tut dir nichts weh, dann bist du tot."

Man kann aber davon ausgehen, dass jemand, der für seine Partei in seinem Wahlkreis unermüdlich Hände geschüttelt hat, von Haustür zu Haustür gegangen ist, um seine Präsenz zu zeigen, der sich in Wirtshaussälen und auf Festwiesen die Stimmer heiser geredet hat, zumindest bei der ersten Sitzung des neuen Bundestages noch über die notwendige körperliche Fitness verfügt, die ihm erlaubt, an Plenar- und Ausschusssitzungen teilzunehmen, so, wie einst die tapferen Spartaner an den Thermopylen ausharrten, bis zum letzten Mann.

Allerdings kann körperliche Fitness auch nicht über einen massiven Defekt im Oberstübchen hinwegtäuschen. Die Parteien tun sich zwar bekanntermaßen schwer damit, Funktionäre mit beginnenden Aussetzern auch wirksam auszusortieren, wofür es bekanntlich prominente Beispiele gibt.

Doch grundsätzlich sollte angenommen werden dürfen, dass stets sämtliche Mitglieder eines Deutschen Bundestages zumindest über ausreichende mentale Fähigkeiten verfügen, um ernst genommen werden zu können.

Das reine Alter eines Bundestagsabgeordneten kann ihn also für die Funktion des Alterspräsidenten nicht dis-, bzw. abqualifizieren.

Die dem Alter gegenübergestellte Qualität der "Erfahrung" könnte durchaus ein gutes Argument sein, die Erfahrung dem Alter vorzuziehen, jedoch ist hier ja nicht die Lebenserfahrung gemeint, sondern die Parlamentserfahrung. Wer am längsten seinen Sitz im Parlament gedrückt hat, so meint Herr Lammert - und die Regierungsmehrheit glaubt ihm das - ist mit dieser, doch sehr einseitigen, bisweilen bis ins Weltfremde und zum Realitätsverlust reichenden Erfahrung in parlamentarischen Grabenkämpfen, in Mauscheleien, in Fraktionszwangsfrust und -Lust zweifellos der bessere Alterspräsident.

Alleine an dieser Einschätzung zeigt sich doch schon, wie sehr ein langes (Vor-) Sitzen im Parlament zu verfestigten, ja geradezu sklerotischen Geisteshaltungen führt, die neben der Erfahrung die ein gewählter Volksvertreter im engen Dunstkreis des parlamentarischen Lebens gewinnen kann, keine andere, in einem langen, bewegten, engagierten Leben gewonnene Erfahrung gelten lassen will.

Eine so bescheidene Argumentation, nach fast 70 Jahren parlamentarischen Grübelns über Sinn und Zweck und Nutz und Frommen eines Alterspräsidenten ist doch eher peinlich.

Und wie heißt es bei Brecht in "Der gute Mensch von Sezuan"?

"Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen
Den Vorhang zu und alle Fragen offen."

Da die Sitzungen des Deutschen Bundestages jedoch keine Theatervorstellungen sind, der Vorhang also nicht einfach zugezogen werden kann, und das Publikum nicht einfach die Vorstellung verlassen kann, sondern zum "ewigen Zuschauen" verdammt ist, brauchen wir vermutlich keine weiteren 70 Jahre abzuwarten, bis aus parteitaktischen Gründen das Alter wieder den Vorzug vor der im Parlament abgesessenen Zeit erhalten wird - oder so etwas Ähnliches.

 

Schaukeln, nicht Verschaukeln lassen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 

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Aus dem Blickwinkel einer Frau, die ihre komfortable österreichische Heimat verlassen hat, um im Norden Kenias auf eigene Faust Entwicklungshilfe zu leisten, wird zumindest klar, dass wir nicht in einer, sondern in zwei Welten leben, was in Nyagas Geschichten bisweilen zu bizarren Überraschungen führt.

 

 

Heide S. Nyaga, Wann denn, wenn nicht jetzt?

 

(Würde ich auch empfehlen, wenn es woanders erschienen wäre.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bücherstube


 

Der Weg zum Wohlfühlgewicht
beginnt auf der Waage.

 

Hier
könnten Sie ihn fortsetzen.


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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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