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13. März 2017

08.00 Uhr Türkisch für Staatsmänner

In den Niederlanden hat man höchst undiplomatisch die Auftritte zweier Minister per Lande-, bzw. Einreiseverbot verhindert. Die Türkei droht Konsequenzen der schwersten Art und Weise an.

Fragt man sich, welche Konsequenzen zu ziehen der Türkei möglich sind, bleibt nur wenig übrig, was nicht in die Kategorie "harmlose Nadelstiche" passen würde.

Einreiseverbote für Offizielle der EU und der EU-Staaten - das wäre eine klassische Antwort, die jedoch nur tiefer in die Isolation führt.

Beschränkungen im Handel und im Tourismus wären für die Türkei sehr viel schmerzhafter als für die Adressaten derartiger "Straf-"aktionen.

Es bleiben zwei markante Maßnahmen, die Erdogan in der Hand hat und beide sind brandgefährlich. Er könnte die 2,5 Millionen Flüchtlinge, die sich derzeit in der Türkei aufhalten (sollen), auf die Reise schicken und austesten, was Orbans doppelter Zaun aushält - und er könnte die in Europa lebenden Türken aufrufen, mit wütenden Protesten auf die Straße zu gehen und dabei so etwas wie einen Bürgerkrieg anzuzetteln.

Schon gestern Abend habe ich bei SPIEGEL-online diese Information gefunden:

"Die regierungsnahe türkische Zeitung "Yeni Akit" rief indirekt zum Bürgerkrieg auf. Sie schrieb: Die Niederlande haben 48.000 Soldaten. In den Niederlanden leben 400.000 Türken."

Das ist, selbst wenn man von den 400.000 Türken alle nicht wehrfähigen und nicht aufstandsbereiten Personen abzieht - und gewisse qualitative Unterschiede in der Bewaffnung berücktsichtigt, dennoch ein durchaus Besorgnis erregendes Verhältnis.

Für Deutschland sieht es kaum anders aus. Hier leben rund 3 Millionen türkischstämmige Menschen. 1,5 Millionen davon sind in der Türkei wahlberechtigt. 60 Prozent davon haben beim letzten Mal für Erdogan gestimmt. Der Versuch, diese Menschen mit Wahlkampfreden vor Ort zur Annahme der Verfassungsänderung zu motivieren, würde nicht stattfinden, wäre nicht ziemlich sicher, dass deren Zustimmung gewonnen werden kann. Doch das ist nur die eine Hälfte. Es gibt wenig Grund zu der Annahme, dass die nicht wahlberechtigten, türkischstämmigen Bürger Deutschlands, eine vollkommen andere Haltung gegenüber Erdogan einnehmen.

Dies bedeutet, dass die Staatsorgane in Deutschland in ihren Planungen berücksichtigen müssen, dass Erdogan jederzeit in der Lage ist, etwa 1 Million Menschen in Deutschland in Demonstrationen und Protestmärschen auf die Straße zu bringen.

Alleine der Gedanke, dass an einem Tag in zehn deutschen Großstädten zeitgleich türkische Großdemonstrationen gegen die deutsche Regierung stattfinden könnten, die weder beantragt, noch genehmigt werden, sondern "spontan" und unberechenbar plötzlich auftreten, lässt Zweifel daran aufkommen, ob eine solche Lage überhaupt noch zu beherrschen ist. Zumal bei entsprechend emotional aufgeheizter Stimmung von Gewaltbereitschaft und Gewaltausbrüchen aus der Masse heraus ausgegangen werden muss.

Ich fürchte, dass im Moment niemand in den deutschen Stäben über belastbare Informationen verfügt, was Erdogan mit Konsequenzen der schwersten Art und Weise tatsächlich meinen könnte. Erdogan sitzt nicht zuhause auf der Couch und wirft mit Wattebällchen. Erdogan führt einen erbarmungslosen Krieg gegen die eigene Bevölkerung. Kurden werden militärisch mit äußerster Härte bekämpft, und andere Oppositionelle wandern zu Tausenden in die Gefängnisse. Nimmt man seine Aussage wörtlich, handelt es sich dabei um die "schwersten Konsequenzen" mit denen er gewohnheitsmäßig zur Sicherung seiner Stellung arbeitet.

Wer mit solchen Maßnahmen Zustimmung erntet, kann im Grunde nicht mehr dahinter zurückgehen, ohne dass ihm das von seinen Anhängern als Schwäche ausgelegt würde.

Eine Demonstration der Stärke in Europa wäre z.B. die Veranstaltung eines Mega-Flash-Mobs im Zentrum einer Großstadt. Eine Veranstaltung, die von der Polizei nicht aufgelöst werden kann, weil die Polizei ihren Einsatzort nicht einmal erreicht.

Dazu braucht es keine Barrikaden aus brennenen Autoreifen, die von Steinewerfern verteidigt werden. Es genügt vollkommen, sämtliche Straßen, die ins Zentrum führen an den strategisch richtigen Punkten in einen Großparkplatz zu verwandeln. Für die Planung braucht man nichts als Google-Maps, für die Ausführung um die 1.000 Autos - und für die Verbreitung der An- und Abmarschpläne sorgen die in den türkischen Communitys existenten, geheimdienstartigen Strukturen.

Was einem braven deutschen Michel niemals einfallen würde, nämlich schlicht sämtliche Anmarschwege für die Polizei zuzuparken, lähmt die Staatsgewalt für Stunden vollständig.

Wenn diese Stunden genutzt werden, um vor dem Rathaus vor laufenden Fernsehkameras zu demonstrieren, wie machtlos der deutsche Staat ist, wenn sich die hier lebenden Türken einig darin sind, die ihrem Präsidenten und diversen Ministern zugefügte Schmach mit einer machtvollen Maßnahme zu rächen, ist Feuer am Dach.

Vorsorgliche Gegenwehr ist bei einer spontanen Aktion unmöglich, und sollten die Pläne durchsickern, ist sie immer noch ausgesprochen schwierig, es sei denn, man zwingt die Falschparker mit vorgehaltener Maschinenpistole zum Weiterfahren.

Diese Bilder dann im türkischen Fernsehen (und nicht nur da) dienen ebenfalls nicht der Deeskalation.

Wir sollten uns jetzt ernsthaft fragen, wie es zu (Macht-)Verhältnissen kommen konnte, die solche Szenarien in den Bereich des Möglichen, ja seit dem Wochenende sogar in den Bereich des Wahrscheinlichen haben rücken lassen.

Womöglich liegt es ja daran, dass die Deutschen keine Gruppe sind.

 

Es geht auch anders.

Ein Buch, das sich der Frage annimmt, in welcher Welt wir eigentlich leben - und warum.

 

Aus dem Blickwinkel einer Frau, die ihre komfortable österreichische Heimat verlassen hat, um im Norden Kenias auf eigene Faust Entwicklungshilfe zu leisten, wird zumindest klar, dass wir nicht in einer, sondern in zwei Welten leben, was in Nyagas Geschichten bisweilen zu bizarren Überraschungen führt.

 

 

Heide S. Nyaga, Wann denn, wenn nicht jetzt?

 

(Würde ich auch empfehlen, wenn es woanders erschienen wäre.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bücherstube


 

Der Weg zum Wohlfühlgewicht
beginnt auf der Waage.

 

Hier
könnten Sie ihn fortsetzen.


 Priester Messident

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Babel, babbel, brabbel

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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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