hierverbirgtsicheingeheimnis

14. Februar 2017

09.30 Uhr Oche! Oche! Oche! (Aachen, Aachen, Aachen)

Da saßen Sie also, nach Angaben eines Bespaßungsredners ungefähr 1.600 Stück, ausgewählte Exemplare aus dem Bereich der Eliten und Halbeliten und ergötzten sich an plattem Witz und sparsam eingestreuten Tanzmariechenbeinchen.

Erstmals im Leben hielt ich mich für reif genug, mir die Aufzeichnung der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst von Beginn an und am Stück im Fernsehen anzusehen.

Vorab: Der bayerische Starkbieranstich auf dem Nockherberg samt "Derblecken" der anwesenden Poltitprominenz ist eine wahre Wohltat dagegen.

Womit Markus Söders Nichtauftritt angesprochen werden muss. Der Franke, der so gerne ein Bayer wäre und letztes Jahr in Aachen zum Ritter ernannt wurde, hätte (hätte, hätte, Fahrradkette) die Laudatio auf Gregor Gysi halten sollen. Beide, Söder und Gysi waren für mich ausschlaggebend gewesen, überhaupt einzuschalten.

Söder kam aber nicht. Er weilte lieber bei einer fränkischen Fastnachtsveranstaltung und wurde über eine relativ kleine Großbildleinwand mit einer Videobotschaft eingespielt, wodurch er noch ferner wirkte, als er es sowieso schon war. Sein Beitrag war einer Laudatio so ähnlich, wie ein Giftpfeil einem Valentinstagblumenstrauß und wenn man Humor trinken könnte, und sonst nichts, wäre so mancher während dieser Einspielung glatt verdurstet.

Der andere Franke, Ingo Apelt, der als Aufheizer den ersten Beitrag ablieferte, war hingegen so recht nach dem Geschmack der 1.600 Eliten und Halbeliten. Da strömten die Freudentränen aus so manchem Äuglein, wenn zum gefühlten zweihundersten Male die Frisur von Donald Trump als der Gipfel pseudosatirischer intellektueller Größe in den Raum geworfen wurde. Kurz, es handelte sich um eine Lehrstunde in political correctness für jene, derer das Himmelreich ist. Und obwohl im Keller die Bartaufwickelmaschine heißlief, war ihnen die frohe Botschaft mit jeder Wiederholung wieder ganz wie neu, als hätten sie vorher nie davon gehört.

Wenn hin und wieder die Kamera auf den Ritter in spe schwenkte, sah man einen fast verzagt und gleichzeitig geistig abwesend wirkenden Gregor Gysi unruhig auf seinem Stuhl hin und her rutschen. Vermutlich hatte er erkannt, dass seine zuhause vorgefertigte Rede noch weniger kompatibel zum geistigen Niveau der Anwesenden war als die von Elmar Brok, dem dienstältestenden Europa-Parlamentarier, dessen Pointen irgendwo irrlichternd an der Saaldecke verpufften, ohne mehr als am Ende einen mageren Anstandsapplaus hervorzubringen. Gysi dürfte seine Rede also während der Wartezeit auf seinen Auftritt im Geiste umgeschrieben - und, als es soweit war - nur so getan haben, als lese er sogar die beiden Witze über sich selbst vom Blatt ab.

Schade. Ich hätte gerne die Original-Rede gehört, aber ich kann es Gregor Gysi nicht verdenken, dass ihm der Applaus der 1600 Eliten und Halbeliten wichtiger war, als meine Erwartung auf einen echten Gysi.

Drei Highlights der Veranstaltung sollen hervorgehoben werden:

  • Der leibhaftige Christian Lindner, wie eh und je die ausdrucksstärkste Version des DDR-Sandmännchens, sang zur Freude seines südskandinavischen Parteifreundes Kubicki "Hurra, wir leben noch!";
  • der über den Söder gestülpten Laudatorin Gertrud Höhler (u.a. bekannt durch ihr Buch "Die Patin - wie Angela Merkel Deutschland umbaut), blieb es vorbehalten, die einzige gute, kluge von Plattheiten freie, dem diesjährigen Ritter angemessene Rede zu halten, und
  • der Auftritt der Zentis-Preisträger des Jahres 2017. Die mit 3.333,33 Euro ausgezeichnete Kindertanzgruppe "Made to Move" war das einzige karnevalistisch belebende Element der zweistündigen Veranstaltung, die dann auch Punkt 22.15 Uhr, praktisch mitten im Satz, von der Sendeleitung abgewürgt wurde. Vermutlich ging es da dem Schalterumleger ähnlich wie mir: Endlich Schluss!

Warum ich überhaupt darüber schreibe?

Weil ich einfach nicht darüber hinwegkomme, dass sich da 1.600 Menschen aus dem gesellschaftlichen Oberhaus freiwillig eingefunden haben, diesem peinlichen Schwachsinn die notwendige, aufwertende Kulisse zu bieten.

Früher hieß es: "Verarschen kann ich mich selber".

Das scheint vorbei zu sein. Nun müssen wir wohl abwarten, bis jemand die Selbsverarschungs-App für Handys, Tabletts und Smart-Watches zum Download anbietet.

 

Bücherstube


 

Der Weg zum Wohlfühlgewicht
beginnt auf der Waage.

 

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könnten Sie ihn fortsetzen.


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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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