hierverbirgtsicheingeheimnis

10. Februar 2017

11.30 Uhr Justitia als "Fertig-Gericht

Meine tägliche Visiste bei Google-News bringt doch immer wieder auch Ergötzliches zum Vorschein. Da tummeln sich zwei Meldungen unter den Top-Ten, was ihnen gleiche Gewichtigkeit verleiht, in beiden geht es um Gerichtsurteile.

 

Focus, t-online, Germany Daily News und die Deutsche Welle werden mit ihren Meldungen über die Aussetzungen des für 90 Tage per Dekret des Präsidenten verhängten Einreiseverbots für Angehörige von sieben Staaten mit überwiegender muslimischer Bevölkerung zitiert.

 

Gleich darunter hebt Google die FAZ an die zweite Stelle des Nachrichtenüberblicks mit der Entscheidung des Hamburger Landgerichts, mit welcher bestimmte Passagen des Böhmermann'schen Erdogan-Schmähgedichts auf den Index gesetzt wurden.

Ach ja, in diesem Zusammenhang irrelevant, aber dennoch schön: Rang drei belegt Jörg Kachelmann, der bei einem Vortrag von Alice Schwarzer offenbar selbst ein paar Worte ins zufällig anwesende Mikrofon gesagt haben soll.

 

Die Verunkenntlichmachung von weiten Teilen dieses Screenshots soll mich vor Forderungen nach dem Leistungsschutzrecht schützen, außerdem dient das Bild nur dazu, zu zeigen, dass ich mir diese Rangfolge nicht aus den Fingern gesogen habe, dass es sich also nicht um eine Falschmeldung handelt, sondern um die lautere Wahrheit.

Dass ich dabei nicht von russischen Hackern unterstützt wurde, kann ich nur ernsthaft versichern, würde es aber im Zweifelsfall auch beeiden.

Die Auswahl und Positionierung der Nachrichten erfolgt durch Algorithmen. Da greift kein Mensch mehr ein, wenn die Algorithmen erst mal programmiert sind. Doch warum sind die Algorithmen so programmiert, dass Trump mit Böhmermann und Kachelmann dabei auf eine Stufe der Wichtigkeit gestellt wird?

Ist doch wahr. Wer interessiert sich am 10. Februar 2017 schon noch für das Böhmermann-Gedicht. Und kalten Kaffee soll man nicht aufwärmen, das ist mehr als nur eine Geschmackssache. Hat eventuell der türkische Präsident die Finger drin, wenn Google-Algorithmen konstruiert werden?

Aber dann käme der uralte Kachelmann-Käse doch nicht auch noch auf die Tageskarte!
Ist Jörg Kachelmann Großaktionär bei Google?

Auch das erscheint eher unwahrscheinlich, zumal Kachelmann wohl weder Erdogan noch Böhmermann neben sich dulden würde.

Die Erklärung ist vermutlich viel einfacher. Google folgt dem Prinzip, durch Ähnlichkeit Wichtigkeit zu erzeugen. Wir kennen das aus vielen Medien, auch öffentlich-rechtlichen.

Wenn irgendwo auf der Welt eine Unwetter-Katastrophe herrscht, wird Windstärke 7 auf dem Brocken zum Thema der Hauptnachrichten, weil es ja ähnlich ist. Wenn irgendwo auf der Welt ein Vulkan ausbricht, wird die Magma-Kammer unter der Eifel aus der Mottenkiste gekramt, und so wird halt auch, wenn in den USA ein Berufungsgericht dem Präsidenten in die Parade fährt, von einem Zufallsgenerator in der Gerichts-Datei gekramt und nach Urteilen gesucht, mit denen sich auch schon mal öffentliche Erregung erzeugen ließ.

Das kommt dann in die mediale Mikrowelle und wird als schnellerhitztes Fertiggericht neu ins Angebot aufgenommen.

Ist es nicht bewundernswert, dass die KI, die künstliche Intelligenz, uns - ganz ohne redaktionelle Intelligenz - schon für genauso blöd hält, wie die noch menschengemachten Titelseiten?

So entpuppt sich der technische Fortschritt auch hier wieder als ein Vehikel, mit dessen Hilfe es schneller, besser und billiger möglich ist, mit den alten Fehlern fortzufahren.

Das Abholzen ganzer Urwälder, die Totalüberwachung jeglicher Kommunikation und die Verblödung ganzer Völker: Heute nur noch eine Frage von ein paar Mausklicks.

Der alte Einstein soll gesagt haben:

Zwei Dinge sind unendlich. Das Universum und die menschliche Dummheit.
Aber beim Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

 

 

 

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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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