hierverbirgtsicheingeheimnis


30. Januar 2017

09.00 Uhr Ein Geschenk des Himmels

Abgefeuert von dem in Brüssel stationierten Katapult aus dem Hause Mauschel&Deal durchbrach das stromlinienförmige Objekt in geradezu kometenhaftem Abstieg die dünnen Schleierwolken am ansonsten winterlich klaren Himmel über der Hauptstadt.

Wonnetrunken, als wollten sie die vereinigten Fischerchöre im Absingen der Ode an die Freude übertönen, überschütteten die Genießerinnen und Genießer zunächst ihren alten Vorsitzenden und Beinahe-Kanzlerkandidaten mit einer solchen Flut von Lobhudeleien, dass man damit auch den Absturz eines Flugzeuges mit der gesamten Regierungsmannschaft an Bord gut und gerne mit Nachrufen hätte abdecken können. Doch so schnell dieses Creszendo angeschwollen war, so schnell schwoll es auch wieder ab, um einem neuen Lobgesang zu weichen, der - in weltgeschichtlicher Perspektive gesehen - allenfalls von jenem Jubel übertroffen wurde, der einst in Jerusalem den Einzug des auf einem Esel reitenden und einen Palmwedel schwenkenden Jesus von Nazareth begleitet haben soll.

Bevor man jedoch der glatt polierten Schale des Überraschungs-Eis mit dem Löffelchen die ersten Dellen zufügen kann, muss erst jenes Geschäft vollendet werden, dass (unrühmlich) vom Lebensmittelgroß- und Einzelhandel als "Umetikettierung" erfunden wurde. Der gefallene Engel Gabriel wird von der SPD zwar nach wie vor als Vize-Kanzler im Sortiment geführt, doch wird er jetzt nur noch zur äußerlichen Anwendung im Auswärtigen Amt empfohlen, nachdem er vorher in allen Wirtschaften als Sahnehäubchen auf dem Eisbecher angepriesen worden war.

Ein ähnlicher Etikettenwechsel wurde auch dem bisher für äußerliche Anwendungen verantwortlichen Steinmeier zugemutet, dem es forthin - auch mit dem Segen der Führungsmacht der GroKo - obliegen soll, stets als Unterschriftsautomat der Regierung gute Miene zu allen Spielen zu machen und ansonsten der Bevölkerung, insbesondere jenem Teil, der noch nicht so lange hier wohnt, als Identifikationsfigur einen Integrationsanker zu bieten. Da er damit weitgehend allen zersetzenden Umwelteinflüssen entrückt wurde, konnte auch sein Mindeshaltbarkeitsdatum von 2017 auf 2022 hochgesetzt werden.

Und dies alles, weil Martin Schulz, der sich als Parlamentspräsident der gesamten EU nicht mehr halten konnte, nun unbedingt den Fensterplatz im warmen Nest der stärksten Volkswirtschaft dieser EU einnehmen wollte - und ihn prompt bekommen hat, weil sich in der SPD - aus dem sich auch unter absteigenden Ballsport-Mannschaften wohlbekannten Gruppenzwang (bloß nichts sagen, sonst bist du Schuld!) - kein Widerstand artikulieren wollte.

Also jubelt man auch jetzt noch mit, wenn der neue Herr im Willy-Brandt-Haus in unbegründeter Euphorie davon spricht, die SPD werde als stärkste Kraft aus den Wahlen am 24. September hervorgehen, und er werde die EU als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland weiter auf jenem Wege führen und leiten, den er als Hans im Glück in Brüssel so lieben und schätzen gelernt hat. Außerdem sagt er, im Hinblick auf die Wahlchancen, dass er, so wie Trump die amerikanischen Arbeiter im "America-first-Prozess" ins Zentrum seiner Anstrengungen zu setzen versprochen hat, auch die deutschen Arbeiter, als eine Art moderner St. Martin, im Zentrum seiner Nachtgebete berücksichtigen will.

Die SPD wäre nicht die SPD, würde sich diese Euphorie nicht spätestens am Aschermittwoch in einen erbitterten Lagerkampf verwandeln. Utopisten um Martin Schulz, gegen vermeintliche Realisten um Stegner und Oppermann. Sedierend moderiert womöglich von Thorsten Schäfer-Gümbel und stets aufs Neue angefacht von der bei dieser Rochade vollkommen ins Abseits gedrängten Andrea Nahles, die nun in der Bundes-SPD die Rolle der Ilse Aigner in der Bayern-CSU zu spielen haben wird.

 

Die übersteigerte Selbstwahrnehmung eines Mannes, der zwar - wie Willy Brandt - auch schon einmal Bürgermeister war, der zudem einem Parlament vorsaß, dessen Befugnisse allerdings nur ungefähr so weit reichten, wie die der DDR-Volkskammer, der in Deutschland aber nie dem Bundestag angehörte, nie Ministerpräsident eines Bundeslandes oder Ressortminister im Bund war, also nie wirklich weitreichende politische Verantwortung zu tragen hatte, reicht nicht aus, um die marode SPD innerhalb von knapp acht Monaten zu revitalisieren und potentielle Wähler zu mobilisieren. Im Grunde ist der Vorgang noch nicht einmal wichtig genug, um ihn überhaupt zu kommentieren, doch er ist erheiternd genug, um ihn satirisch aufzuspießen.

Viel werden wir in nächster Zeit sowieso nicht mehr zu lachen haben, denn eines ist schon heute klar: Die Union wird auch diese Wahlen gewinnen, den Kanzler stellen, und mit jeder sich anbietenden Partei als Junior-Partner in einer neuen Koalition "weiter-so!" regieren.

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Der Weg zum Wohlfühlgewicht
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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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