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7. Januar 2017

09.00 Uhr Arbeitslosenzahlen des Statistischen Bundesamtes

Wohlbekannt sind in der breiten Öffentlichkeit die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, die nicht nur monatlich verkündet werden, sondern stetig unter der 3-Millionen-Grenze herumsinken.

Weniger Aufhebens wird um die Erkenntnisse des Statistischen Bundesamtes gemacht, was auch daran liegen mag, dass die Statistiker sehr viel langsamer arbeiten, vielleicht auch in der Absicht, die Diskrepanzen nicht allzu deutlich zum Vorschein kommen zu lassen.

Am 28. November 2016 - volle 11 Monate nach dem Stichtag, erschien, von den Medien wirklich nicht begeistert aufgegriffen, die Pressemitteilung Nr. 419 des Deutschen Statistischen Bundesamtes mit dem Titel:

8,0 Millionen Empfängerinnen und Empfänger
von sozialer Mindestsicherung am Jahresende 2015.

Das sind - da haben Sie Recht - nicht die Arbeitslosenzahlen. Nein, das sind sie nicht.

In diesen 8.0 Millionen sind aber - Ende 2015 - gut 5,8 Millionen Menschen enthalten gewesen, die - wie es die Statistiker ausdrücken - Gesamtregelleistungen Arbeitslosengeld II/Sozialgeld nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II, "Grundsicherung für Arbeitssuchende", so genanntes Hartz IV) beziehen.

In diesen 5,8 Millionen sind jedoch jene 834.000 Bezieher von ALG I, also dem, was von der Arbeitslosenversicherung nach Schröder/Hartz übrig geblieben ist, nicht enthalten. Die Summe derjenigen, die Arbeitslosengeld aus der Arbeitslosenversicherung erhalten und derjenigen, die Grundsicherung für Arbeitssuchende beziehen, lag demnach Ende 2015 also zwischen 6,6 und 6,7 Millionen Personen.

Darin immer noch nicht enthalten ist die so genannte Stille Reserve, bestehend aus 476.000 arbeitssuchenden, die aber kurzfristig nicht verfügbar sind und 533.000, die zwar verfügbar sind, aber nicht suchend.

Ebenfalls nicht enthalten sind 1,2 Millionen Nichterwerbspersonen mit Arbeitswunsch.

Von den 2,7 Millionen, die als "unterbeschäftigt" geführt werden, noch ganz zu schweigen.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt sah Ende 2015 also so aus:

 Arbeitslos im ALG I-Bezug 834.000
 Arbeitssuchend im ALGII/Sozialgeldbezug 5.800.000
 Stille Reserve, suchend 476.000
 Nichterwerbspersonen mit Arbeitswunsch 1.196.000
 Arbeitssuchende insgesamt 8.306.000
 nachrichtlich: Unterbeschäftigte 2.700.000

Eine weitere Million Menschen bezog Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Wir wissen, dass die Zahl der Asylanträge 2016 noch einmal kräftig um 658.000 gewachsen ist, und wir wissen, dass trotz aller Aufregungen über die bekannt werdenden Einzelfälle, nur ein Bruchteil der abgelehnten Asylbewerber das Land auch tatsächlich wieder verlässt.

Wir wissen auch, dass die Zahl der anerkannten Asylbewerber, die 2016 einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz fanden, knapp unter 40.000 geblieben sein dürfte - und dass damit von allen registrierten Menschen aus 8 Asylherkunftsländern außerhalb Europas seit (hm, weiß nicht, seit wann gezählt wird) "Beginn der Erfassung?" im Oktober 2016 sage und schreibe 123.000 einen Job hatten.

Bei alleroptimistischster Betrachtung dürfen also - wenn die Zuwanderung aufhört und die Asylverfahren abgeschlossen und die abgelehnten Asylbewerber das Land verlassen haben, aus der Zuwanderungswelle 2015/2016 mindestens 500.000 Personen übrig bleiben, die Arbeit suchen aber keine finden - ganz egal, in welcher Kategorie sie gezählt und ausgewiesen werden.

Was Herr Weise eben wieder verkündet hat, 2016 sei ein gutes Jahr gewesen, mit nur knapp 2,7 Millionen Arbeitslosen hätten wir das beste Arbeitsmarktjahr seit 1991 erlebt, ist kein Erfolg auf dem Weg zur Vollbeschäftigung, sondern ein Erfolg kreativer Statistikführung.

Die BA selbst ist da aber immer noch ein Waisenknabe gegenüber dem, was im internationalen Vergleich ermittelt wird. Da gibt es keine Arbeitslosen mehr, sondern nur noch Erwerbslose.

Der Zahl liegt eine per Telefonumfrage ermittelte Stichprobe zugrunde, die dann auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet wird. Das heißt dann (siehe hier) die absolute Zahl.

1,71 Millionen Erwerbslose 2016, so viele Arbeitslose gab es in Westdeutschland im Jahr 1951 - und von da an wurden es immer weniger, bis herunter auf 147.000 1965.

Nach heutiger BA-Zählung wären diese 147.000 allerdings damals nur 50.000 Arbeitslose gewesen, nach ILO (Erwerbslosen) vermutlich nur 35.000.

 

 


 

 

 

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Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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