Paukenschlag
am Donnerstag
No. 36 /2017
vom 26. Oktober 2017


Kommentare zum Zeitgeschehen von Egon W. Kreutzer

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Druckversion: Sigbert Döring


... ein Teil
von jener Macht

 

Auszüge aus Tripoli Charlie

 

In New York, Manhattan, East 68th Street, Ecke Park Avenue, steht das Harold Pratt Haus. Dort hat der Council on Foreign Relations seinen Sitz, eine halbgeheime Vereinigung der reichsten Männer der USA mit den mächtigsten Politikern und den einflussreichsten Medienleuten. Was der Council beschließt, wird umgehend zur offiziellen US-Politik, ohne ihn gelangt niemand in ein wichtiges Amt, auch nicht ins Weiße Haus.
Er beherrscht die Großindustrie, die Wallstreet und die TV-Gesellschaften und führt die Regierung am langen Band. Er leitet die Ströme der Weltwirtschaft, macht die Politik und erklärt den Menschen, was sie zu denken haben. Sein europäischer Arm sind die Bilderberger und beide zusammen bilden mit dem japanischen Ableger die Trilaterale Commission. Ihr Ziel, so heißt es, ist die Weltherrschaft. Der Council ist der Gegenentwurf zu dem Gedanken der Freiheit, in dem die USA einst gegründet worden sind.

In der Bel Etage des Harold Pratt Hauses hatten sich drei Herren getroffen. Es waren einer der reichsten Männer der USA, ein Politiker, von allen Bühnen der Welt bekannt, und ein Mann, der die Diamantenbrache repräsentierte. In ihrem Gespräch ging es um die kostbaren Steine.

"Natürlich sind die Minen ergiebig", erklärte der Diamanten-Mann leicht genervt auf eine diesbezügliche Frage des Finanz-Mannes. "Das ist nicht das Problem. Sie sind allenfalls zu ergiebig."
Der Plutokrat musste nachfragen. Er hatte das Prinzip des Diamanten-Geschäftes im Augenblick nicht parat. "Wieso zu ergiebig? Seien Sie doch froh!"
"Mein Freund", erwiderte der Diamanten-Mann, indem er sich zur Ruhe zwang. "Das Problem des internationalen Diamantenhandels, das heißt, das Problem von de Beers, ist nicht, wo die Klunker herkommen, sondern darauf zu schauen, dass nicht zu viele auf dem Markt angeboten werden. Sonst geht der Preis in den Keller."
"Ich denke, de Beers hat das Handels-Monopol?"
"De Beers hat derzeit ein Monopol von, sagen wir, 85 Prozent. Bei dieser Quote hört ein Monopol auf, ein Monopol zu sein."
Der Politiker fügte hinzu: "Es ist in Angola ein Problem entstanden. Die UNITA erobert mehr und mehr Diamanten-Felder. De Beers kauft nur einen Teil davon auf, aber Savimbi scheint Wege zu finden, wie er die Ware anderweitig losschlägt."
"Und die USA sind mit Savimbi sozusagen verbündet." Der Geld-Mann war nun wieder auf dem Laufenden. "Daran müsste man also etwas ändern."
Der Politiker wusste auch wie: "Der Schlüssel liegt in Südafrika. Wenn dort der ANC ans Ruder kommt, wofür wir unseren Beitrag leisten, dann hat Washington keinen Grund mehr, den ehemaligen Spießgesellen einer abgehalfterten Apartheids-Regierung zu unterstützen."
"Noch ist die Lage nicht bedenklich", schloss der Diamanten-Mann ab. "Doch wir müssen gegebenenfalls imstande sein, sehr schnell zu handeln."

*

Der Petersberg gehört zum Siebengebirge bei Bonn und liegt im Stadtgebiet von Königswinter. In dem weitläufigen Anwesen dort oben domizilierte bis 1952 die Hohe Kommission der alliierten Siegermächte nach dem Zweiten Weltkrieg. Oben auf der Kuppe der Anhöhe gelegen, ist es leicht abzuschirmen, ganz nach dem Beispiel mittelalterlicher Burgen. Daher veranlasste 1978 Bundeskanzler Helmut Schmidt, dass der Bund den riesigen Kasten kaufte, um daraus das Gästehaus der Regierung zu machen. Im Jahr 1984 hatten die Reparaturen zwar immer noch nicht begonnen, aber das Haus war trotzdem gut in Schuss und teilweise bewirtschaftet, sodass es sich für einen Besuch anbot, von dem niemand etwas wissen sollte.

Zwei Suiten und eine ganze Reihe von Zimmern wurden in aller Eile instand gesetzt, dazu ein Konferenzraum, ein Salon, einer der kleineren Speisesäle und die Bibliothek. Eine Schwadron Putzfrauen hatte eine Woche Zeit, alles auf Hochglanz zu bringen. Daneben wurde die Küche gescheuert, und die Koch-Equipe schrieb lange Listen und rückte aus zu umfangreichen Einkäufen. Ein Sommelier kontrollierte die Bestände und beschaffte an Wein, was ihm nötig schien. Die Herren vom Protokoll im Auswärtigen Amt im nahen Bonn machten Überstunden und schwitzten bei jedem Ohrenkratzen. Einer Polizeieinheit wurde Aufmerksamkeit und Verschwiegenheit befohlen. Beamte vom Verfassungsschutz durchstöberten das ganze Haus. Als sie fertig waren, kamen die vom MAD, dem militärischen Abschirmdienst, und machten genau dasselbe noch einmal, ebenso die Sicherungsgruppe Bonn. Und obwohl er auf heimatlichem Gelände eigentlich nichts zu schaffen hat, stellte auch der Bundesnachrichtendienst drei Beamte ab. Zur Beobachtung.

Und dann war es soweit. Eine Wagenkolonne, die in Bonn und Umgebung weiter nicht auffiel, brachte den ersten Gast. Es war Pieter Willem Botha, der Staatspräsident von Südafrika. Nach einer protokollarisch notwendigen Verspätung, die der Bedeutung seines Landes zuzuschreiben war, erschien mit einer zweiten Kolonne Henry Kissinger, damals Mitglied des Beraterstabes von US-Präsident Ronald Reagan. Die beiden hohen Gäste wurden im Salon des Petersbergs vom Beamteten Staatssekretär des Auswärtigen Amtes begrüßt, eine diplomatische Notlösung, die aus der Zwickmühle zwischen dem hohen Rang eines Staatspräsidenten und der Notwendigkeit bestand, den inoffiziellen Besuch unter der Decke zu halten. Den Gästen war es einerlei, wer sie begrüßte; sie hatten mit den Deutschen ohnehin nichts zu reden.

Nach den unumgänglichen Präliminarien zog man sich zurück.

*

Was die beiden Staatsmänner aus den USA und Südafrika zusammengeführt hatte, lag auf der Hand. Es ging um die anhaltenden Unruhen im südlichen Afrika, vor allem in der Republik, um den Beistand der USA, um Rohstoffe und strategische Wasserstraßen, die Notwendigkeit, den sowjetischen Einfluss in Afrika einzudämmen und die Schwierigkeiten, die die Linke in Westeuropa machte. Diese stand wie ein Mann hinter den afrikanischen Moskowiter Vasallen, und die Medien waren mit ihr.

"Das größte Problem ist natürlich der Vorwurf des Rassismus, Exzellenz", meinte Kissinger. "Nach den Nazi-Gräueln wirkt er wie eine Atombombe."
"Das ist mir klar, Professor", erwiderte Botha, "aber Sie müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass wir nicht unbeweglich sind. Ich habe eine Reform in die Wege geleitet, die im Gegensatz zur derzeitigen Regelung, allen Bevölkerungsgruppen einheitliche Personalausweise geben wird, die Machtbefugnisse der Autonomstaaten werden ausgeweitet, die schwarzen Gemeinschaften werden in die politischen Entscheidungsprozesse eingebunden und es gibt Grundeigentumsrechte für die Schwarzen."
"Nun ja, ich hoffe, die Gegenseite wird sich davon imponieren lassen." Kissinger sprach ein anderes Thema an. "Sprechen wir von Angola. Wir sollten unsere Hilfsmaßnahmen für die UNITA mehr koordinieren. Ich könnte mir vorstellen, dass wir Expeditionskorps einsetzen werden."

Botha hielt dagegen: "Anno 1975 waren wir schon in Angola. Doch wir haben uns auf internationalen Druck zurückziehen müssen. Die Kubaner aber sind natürlich geblieben. Heute sind sie die bestimmende militärische Macht in Angola."
"Ja, das ist eine unglückliche Entwicklung, aber das eben ist mein Anliegen. Ich kann Sie nur dringend ersuchen, die Möglichkeiten eines weiteren militärischen Eingreifens zu erwägen, Exzellenz. Sowie Sie in Angola präsent sind, werden wir nicht nur Waffen liefern, sondern selbst mit Militär nachfolgen. Das wäre der entscheidende Unterschied gegenüber 1975."
"Unter diesen Umständen, Professor, kann ich das meiner Regierung vorschlagen."

So wurde auf dem Petersberg bei Bonn der Einmarsch der Südafrikaner nach Angola beschlossen. Kissinger aber hielt sein Versprechen nicht. Kein amerikanischer GI hat damals angolanischen Boden betreten.

*

Viele tausend Meilen von Südafrika entfernt wurde man auf den neuen Mann in Nordtransvaal aufmerksam. In New York, Manhattan, East 68th Street Ecke Park Avenue, dem Harold-Pratt-Haus, waren in der obersten Etage des vierstöckigen Gebäudes einige Herren zu einem Routine-Gespräch zusammengekommen. Als die Tagesordnung durchgesprochen war, fragte der Älteste, der das Treffen geleitet hatte, ob es sonst noch etwas Berichtenswertes gebe.
"In Transvaal hat die National Party einen neuen Chef, de Klerk."
"Interessant", nickte der Alte. "Haben wir Kontakt zu ihm?"
"Er wurde 1982 anlässlich eines Besuches hier in den USA Freimaurer und gehört in Südafrika dem Broederbond an", war die Antwort.
"Das ist sehr gut, aber allein reicht das nicht. Sehen sie zu, dass er bald nach New York kommt. Wir sollten uns seiner annehmen."

Auf ein Kopfnicken des Chefs verließen alle Gesprächsteilnehmer bis auf zwei Herren Raum.

"In Südafrika stehen große Veränderungen an", sagte der Jüngere, als sich die Türe geschlossen hatte. "Wir müssen zusehen, dass wir dort nicht an Einfluss verlieren, gleichgültig, was geschieht. Das Land ist nicht nur viele tausend Milliarden wert, sondern auch geostrategisch wichtig."
"Wie steht es dort mit unseren politischen Aktivitäten?", fragte der Hausherr.
"Südafrika...", murmelte der andere und beugte sich zu seinem Aktenkoffer, aus dem er ein dünnes Konvolut entnahm. Dann fuhr er fort: "Am 31. Juli vor zwei Jahren haben Sie verfügt, dass die Chase Manhattan Bank Südafrika keine weiteren Kredite mehr gewähren wird. Das hat dort die Geldinstitute so in Aufruhr gebracht, dass die Banker ihre Politiker aufforderten, den Schwarzen das Wahlrecht zu geben. Beim ANC ist man sicher heute noch dankbar dafür. Im September desselben Jahres besuchte der Vorsitzende von Anglo American, Gavin Relly, mit einigen weiteren Industriellen Sambia, um im Hauptquartier des in Südafrika verbotenen ANC in Lusaka Oliver Tambo und die dortige ANC-Spitze zu treffen. Harry Oppenheimer und 90 weitere Geschäftsleute haben in ganz Südafrika seitenweise Anzeigen geschaltet, in denen sie die Regierung zu schnellen Reformen auffordern."
Der Sprecher unterbrach sich einen Augenblick und setzte dann seinen Bericht fort: "Letztes Jahr, 1986, haben die Rockefeller Foundation, David Astor und die Shell Company das South African Advanced Education Projekt gegründet, das die besten ANC-Kader schult. Und Gold Fields finanziert Treffen von südafrikanischen weißen Linksintellektuellen mit dem ANC im Compleat Angler Hotel in Henley, Oxfortshire, England. Die südafrikanische Regierung dürfte zwar von einigen dieser Aktivitäten wissen. Doch wer dahintersteckt, ist ihr mit Sicherheit unbekannt."

"Gut. Auf dieser Linie machen wir weiter", bestätigte David Rockefeller und reichte Henry Kissinger zum Abschied die Hand. Die beiden hatten soeben die Strategie des Council on Foreign Relations gegenüber Südafrika bestätigt. Das war nicht viel weniger als die Leitlinie der offiziellen amerikanischen Außenpolitik. Zudem gibt es einen heißen Draht in die City of London. Wenn über ein weltpolitisches Ziel hüben und drüben des Großen Teiches zwischen diesen beiden Adressen Einvernehmen herrscht, dann kann sich der Rest der Welt vorsehen.
Etliche Wochen darauf unternahm de Klerk eine halboffizielle Reise in die USA. Sie sollte entscheidend für das Schicksal Südafrikas werden. Zur selben Zeit unternahm die Rockefeller Foundation einen weiteren Vorstoß, diesmal in aller Öffentlichkeit. Der Westen, so empfahl der Vorstand, solle sich in Südafrika auf die Seite des ANC schlagen, dem dann umso sicherer früher oder später die Macht am Kap zufallen würde.
Prognose und Empfehlung klangen überaus glaubhaft und seriös, denn sie wurden von zwei Mitgliedern der Foundation mitgetragen, die früher US-Außenminister gewesen waren: Cyrus Vance und Henry Kissinger.


*

Nach einem Schlaganfall trat Südafrikas Präsident Pieter Willem Botha im Jahr 1989 nicht mehr als Spitzenkandidat seiner Partei an. Er schied aus der Politik, verbittert und ungeliebt. Die Welt hatte nicht sehen wollen, dass er in seinem Land grundlegende Veränderungen eingeleitet hatte. Anerkennung für seine Bemühungen um das Land bekam er von niemandem. Kritik kam vor allen aus Übersee, das heißt, von Leuten, die die Probleme Südafrikas kaum kannten oder zum Teil bewusst falsch darstellten. Nachfolger Bothas als Chef der Nationalen Partei und als Ministerpräsident wurde Frederik de Klerk. Mit seiner Erfahrung und seinem untrüglichen Instinkt hatte Kissinger auf den richtigen Mann gesetzt. Das heißt: Natürlich war de Klerk nicht der einzige auf der Rockefeller-Pay-Roll, entscheidend für den Council war immer, dass nicht nur der Mann, der sich endgültig durchsetzen sollte, in enger Verbindung mit dem Pratt-Haus stand, sondern möglichst viele aus der politischen Elite, so wie in den USA und Großbritannien, so auch in Südafrika. In der Folgezeit erwies sich der Afrikaaner Broederbond, eine geheime Organisation, die eigentlich gegründet worden war, um die burische Welt gegen die Engländer zu schützen, als ein ideales Instrument des Wandels.

*

"Mister Mandela, guten Morgen!" Der Wärter im Victor-Vester-Gefängnis in Paarl öffnete die Tür von Nelson Mandela, der seit einigen Jahren über Südafrika hinaus bekannt geworden war. "Sie bekommen heute Besuch."

Mandela erhob sich und folgte dem Beamten in den Besucherraum. Dort erwartete ihn ein Weißer, den er noch nie gesehen hatte. Erstaunlicherweise zogen sich die Beamten zurück, kein einziger blieb, um über das Gespräch zu wachen.

"Guten Morgen, Mister Mandela", begrüßte der Gast den Gefangenen. "Ich bin Roelf Meyer, der Generalsekretär der Nationalen Partei.."
"Welche Überraschung!"
"Ich komme zu Ihnen im Auftrag des Staatspräsidenten de Klerk, der Ihnen die baldige Freilassung anbietet."

Mandela war entgegen seiner Begrüßungs-Floskel keineswegs überrascht. Auch Präsident Botha hatte ihm wiederholt die Freiheit angetragen, doch mit der Auflage, dass er auf jegliche Gewalt verzichten solle. Darauf wollte sich Mandela nie einlassen. Deshalb fragte er: "Unter welchen Bedingungen?"
"Es gibt keine Bedingungen", antwortete Meyer. "Sobald wir die Regularien abgeschlossen haben, sind die ein freier Mann."
"Und was geschieht mit dem ANC?"
"Das Verbot wird aufgehoben."
"Ebenfalls ohne Auflagen?"
"Ohne Auflagen." Meyer ergänzte: "Sie werden verstehen, dass unter diesen Umständen einige Absprachen getroffen werden müssen. Der Präsident bittet sie daher, sich nach ihrer Freilassung für zwei, drei Wochen in einem Gästehaus der Regierung aufzuhalten, wo wir miteinander verhandeln können."

Mandela zögerte kurz. Dann stimmte er zu.

*

Damals wurde eine kleine Gruppe von BSB-Leuten unter der Führung von Adriaan Vorster ins Westkap abgeordnet. Sie hatte die Aufgabe, unerkannt hinter starken Einheiten der Polizei für die Sicherheit Madiba Rolihlahla Dalibhunga Mandelas in dem Gästehaus der Regierung zu sorgen, in das er gezogen war, nachdem er das Gefängnis in Paarl als freier Mann verlassen hatte. Das Haus, die ehemalige Jagd-Lodge eines britischen Lords, lag südlich des Tafelbergs mit Blick auf die Felder und Weingärten der Kap Halbinsel. Die Touristenströme liefen etliche Kilometer an dem Anwesen vorbei, und auch sonst musste man nicht ernsthaft mit einer Störung rechnen. Allerdings hatte Mandela nach seiner Freilassung nicht nur politische Termine. Seine Gönner in Manhattan sorgten für eine großzügig Ausstattung des Mannes, der nach 27 Jahren Haft keine wirtschaftliche Basis hatte. Er bekam im In- und Ausland siebenstellige Dollar-Konten eingerichtet, und um seinen sofortigen Bedarf bemühten sich Herrenausstatter, Ärzte, Vermögensberater und Immobilienmakler.

So konnten die Verhandlungen über Südafrika ihren Lauf nehmen, ohne dass Mandela wirtschaftliche Sorgen geplagt hätten. Von Seiten der Regierungspartei NP führte Roelf Meyer die Gespräche, für den ANC war Ramaphosa dazugekommen.
Im Wesentlichen ging es um die wirtschaftliche Ordnung, die das Land im Rahmen einer neuen Verfassung, die auch den Schwarzen das uneingeschränkte Wahlrecht gäbe, bekommen sollte. Südafrika galt unter seiner weißen Regierung als afrikanischer Außenposten von Kapitalismus und westlicher Lebensform.
In Opposition dazu stand der African National Congress - ANC - , der stark kommunistisch unterwandert war, aber trotzdem im Westen viele Sympathien hatte. Da in Südafrika mit seinen unendlichen Bodenschätzen seit langem viel ausländisches Geld steckt, machten sich die Investoren Gedanken, wie es nach einer sozialistischen Revolution weitergehen sollte. Denn eine solche Revolution hatte der ANC angekündigt.

Hier trug Meyer die Bedenken der Regierung vor. "Meine Herren, Sie müssen verstehen, dass wir nicht zusehen wollen, wie die ganze Wirtschaft in Schutt und Asche gelegt wird. Wir sollten uns auf eine Lösung verstehen, die beiden Seiten gerecht wird. Das Grundproblem ist, wieweit ANC und South African Communist Party darauf bestehen, ihr sozialistisches Programm zu verwirklichen."

Mandela erwiderte etwas schemenhaft, die Einheit der Arbeiterklasse sei ein hohes Gut, das man sich nicht würde abkaufen lassen. Die Rechte des Volkes müssten gewahrt bleiben, die Befreiung der Unterdrückten dulde weiter keinen Aufschub.

Damit war Meyers Problem nicht aus der Welt. Der ANC stand in einer Verbindung mit der South African Communist Party, die so eng war, dass sie gegenseitige Mitgliedschaften zuließ. Davon wurde prominent Gebrauch gemacht. So war Moses Mabhida Erster Politischer Kommissar des ANC und gleichzeitig Generalsekretär der SACP. Reginald September war Mitglied des Führungsausschusses des ANC und der SACP, Joe Slovo, der Gründer der SACP, war stellvertretender Erster Kommissar des ANC, dessen Generalsekretär damals noch Alfred Nzo war, ebenfalls SACP-Mitglied. Stephen Dlhamini war Mitglied des Führungsausschusses in beiden Parteien und Dan Thloome kümmerte sich für beide als Schatzmeister um die Finanzen. Damals war Erzbischof Desmond Tutu, der Friedensnobelpreisträger gefragt worden, ob es zwischen dem ANC und der SACP Verbindungen gebe. Seine Antwort war: "Unsinn. Damit will man nur unsere gerechte Sache in Misskredit bringen."

Kein Wunder, dass Meyer ein hartes Stück Arbeit vor sich sah, zumal ihm einige Zitate Mandelas vorlagen, die zur Revolution aufriefen. Der NP-General wandte sich persönlich an Mandela: "Sie sind die Symbolfigur nicht nur des ANC, sondern der schwarzen Bewegung über Südafrika hinaus. Von Ihnen hängt sehr viel ab. Ich habe Zitate aus Ihrer Schrift: "Wie werde ich ein guter Kommunist?" Darin heißt es unter anderem:

"In unserem eigenen Land werden die Kämpfe der unterdrückten Bevölkerung von der Südafrikanischen Kommunistischen Partei geleitet und von ihrer Politik inspiriert."

Sie werden verstehen, Mister Mandela, dass ich wissen muss, inwieweit das noch Ihre Strategie ist. Oder ein anderes Zitat:

"Die Absicht, die marxistische Philosophie zu studieren, soll uns in die Lage versetzen, revolutionäre Massenkämpfe wirksam zu leiten. Um es kurz zu sagen: Der Marxismus ist der Führer zur Aktion."

Mit dem Marxismus gewinnen Sie keinen Blumentopf mehr. Er hat eine historische Pleite hingelegt. Sie können nicht jetzt das System als Lösung für Südafrika empfehlen. Das gilt auch für folgendes:

"Das südafrikanische Volk, geführt von der Kommunistischen Partei, wird die kapitalistische Gesellschaft vernichten und an deren Stelle den Sozialismus errichten."

Ich kann Ihnen nur nahelegen, sich von diesen Schriften zu distanzieren, oder zumindest nicht mehr darauf zurückzukommen. Oder wenn Sie schreiben:

"Wir Mitglieder der KP sind die am meisten vorgerücten Revolutionäre in der modernen Geschichte und stellen die zeitgenössische Kampf- und Triebkraft in der sich verändernden Gesellschaft und der Welt dar."

Herr Mandela, wir müssen wissen, ob Sie an dieser Linie festhalten. Wollen Sie in Südafrika den Sozialismus einführen, der in Europa gerade zusammengebrochen ist, ohne dass Sie als Unterstützung, wie bisher, eine Weltmacht an Ihrer Seite haben?"

Nun hatte sich die Welt in der Tat geändert, und während Mandela und mit ihm der ganze ANC um Kapitalismus und Sozialismus stritten, begann die Sowjetunion, das Referenz-Projekt für jeden Marxisten, auseinanderzufallen. Das erleichterte es Meyer, mit dem Vorschlag der Regierung auf Gehör zu stoßen. Denn aus Moskau würde es immer weniger Unterstützung für den ANC geben. Dort hatte man andere Sorgen, seit man sich mit der Wirklichkeit konfrontiert sah, und nicht mehr die Ideologie allein der Maßstab der Politik war. Das Geld für den ANC und überhaupt für Afrika floss nun spärlicher.

Hier meldete sich der ANC-Generalssekretär zu Wort: "Wir wissen, wie wichtig für die Weißen Ideologien und Lehrmeinungen sind. Wir dagegen fragen nach dem Menschen. Wir wollen den Afrikanern ihre Würde zurückgeben. Sie wünschen sich, von schwarzen Männern regiert zu werden. Sie sind es leid, Opfer von Ausbeutung und Verachtung zu sein. Die Menschen würden es nie hinnehmen, wenn ihre Führer das Gesicht verlören. Darauf müssen Sie immer Rücksicht nehmen."

Roelf Meyer sah eine Lücke: "Selbstverständlich übernimmt der ANC alle entscheidenden staatlichen Stellen. Sie werden mit allem ausgestattet, was die Ämter an materiellen und ideellen Voraussetzungen benötigen. Sie werden über eine Verfassung entscheiden. Alles das steht nicht in Frage. Was wir erreichen wollen, ist, dass abseits der herkömmlichen politischen Entscheidungswege Fachleute, die von der Regierung weitgehend unabhängig sind, die Leitlinien der Wirtschaftspolitik bestimmen."
Meyer war froh, seinerseits mit einem Beispiel aufzuwarten, das zeigte, wie gut ein derartiges System arbeiten kann: Der Diamanten-Riese Oppenheimer lenkt auf diese Weise die wirtschaftlichen Geschicke im benachbarten Botswana seit langer Zeit und zur allgemeinen Zufriedenheit. Dort herrscht sozusagen ein diskreter, aufgeklärter Kolonialismus, der es den schwarzen Politikern erlaubt, ihr Gesicht zu wahren, und den weißen Investoren, einträgliche Geschäfte zu machen, von denen auch das Land profitiert.

Ramaphosa entgegnete, es werde ein hartes Stück Arbeit kosten, für eine Ordnung dieser Art eine Mehrheit zu finden und das Programm von SACP und ANC so auszulegen, dass man sich über diesen Vorschlag einigen könnte.

Um Ramaphosas Bedenken zu zerstreuen, entwickelte Meyer ein Projekt, das die Regierung mit dem Geld der Anglo American ins Leben gerufen hatte. Es handelte sich um die New Africa Investment Limited (NAIL), eine Gesellschaft, die unter anderem Bergbauanteile verwalten oder sich mit Versicherungen beschäftigen sollte. Gleichzeitig bot sie die Möglichkeit, in erheblichem Umfang verdiente ANC-Genossen mit höchst lukrativen Posten auszustatten.

"NAIL ist nur ein Projekt dieser Art", versicherte Meyer, "wenn auch vorerst das größte. Es wird also genug Kapazitäten geben, um ausreichend gut dotierte Positionen für Ihre Leute anbieten zu können."

Die Gegenleistung des ANC sollte sein, dafür auf Revolution und Enteignung der großen Firmen zu verzichten. Diese Schutzklausel, ergänzte Meyer, müsse hingegen nicht für die mittelständischen Unternehmen und auch nicht für die Farmen gelten. Darüber solle eine kommende ANC-Regierung nach Belieben befinden. Meyer setzte hinzu: "Sie müssen aber ihre Leute davon abhalten, weiterhin Gewalt zu üben. Es muss aufhören, dass ein Gegner des ANC damit rechnen muss, dass ihm ein Autoreifen mit Benzin um den Hals gehängt und angezündet wird. Wir brauchen Ruhe, nicht nur fürs Geschäft, sondern auch um alle zu widerlegen, die den ANC verunglimpfen. Wie stehen wir denn da, wenn immer wieder die Necklace-Bilder mit den brennenden Autoreifen um die Welt gehen?"

"Bis jetzt hat sich kaum jemand daran gestört."
"Trotzdem sollen wir es uns nicht schwerer machen als es ohnehin ist."

Der ANC-General kam noch einmal auf sein ursprüngliches Anliegen zurück: "Und was sollen wir unseren Leuten sagen, denen wir jahrelang versprochen haben, die Kapitalisten zu enteignen? Die Leute wollen einen Job, ein Haus und ein Auto. Und das verlangen sie von uns, dem ANC. Das Leben von Kollaborateuren interessiert sie nicht. Sie wollen, dass wir die Kapitalisten schlachten."
"Versprecht ihnen, sie selbst zu Kapitalisten zu machen", erwiderte Meyer. "Es gibt für die gesamte Führungsriege des ANC genug zu verteilen. Am Geld jedenfalls wird dieser Plan nicht scheitern."
"Von welchen Summen ist hier die Rede?", wollte Ramaphosa wissen.
"Die Gruppe, die hinter uns steht, gibt für humanitäre Projekte in aller Welt mehr Geld aus als die Vereinten Nationen. Reicht Ihnen das?"

Ramaphosa schwieg.

"Wozu müssen sie Gewalt anwenden, wenn Sie alles, was Sie wollen, serviert bekommen?", setzte Meyer hinzu. "Zeigen sie Souveränität und Großzügigkeit, dann wird man sie in aller Welt bewundern. Und für Sie persönlich ist das einträglicher und ungefährlicher als jede andere Lösung."

Hier mischte sich Mandela noch einmal ein, eindringlicher und sehr viel präziser als zuvor. Es war, als hätte er gewartet, bis der NP-General seine Karten auf den Tisch gelegt hatte: "Mister Meyer, Sie fragen mich, wie ich es mit dem Sozialismus halte. Ich will Ihnen eine Antwort geben. Ihre europäischen Gedankengebäude sind für Afrika ohnehin nur von zweifelhaftem Nutzen. Sie lassen sich nur unvollständig auf die afrikanische Wirklichkeit übertragen. Wenn ich und andere afrikanische Führer den Sozialismus als einen gangbaren Weg angesehen haben, so nur in einem afrikanischen Sinn. Er sollte uns dazu dienen, unsere eigene Kultur wiederzuentdecken. Der Sozialismus hat sich immer als antikolonialistisch gegeben, auch wenn das nur vorgeschützt war. Deshalb hat er viel Anklang gefunden. Die Länder Osteuropas und Russland oder auch China haben in Afrika nicht den Ruch des Kolonialismus. Gleichzeitig haben wir eine Möglichkeit gesucht, unsere Länder zu entwickeln. Aber auch das stellt sich heute anders dar."
"Mister Mandela", erwiderte Meyer, "Wenn es um den wirtschaftlichen Aufbau Südafrikas geht, dann stimmen Sie unserem Vorschlag zu. Ohne Sie wird es nicht möglich sein, das Land in Frieden zu entwickeln. Sie treffen jetzt eine geschichtliche Entscheidung. Tun Sie das im Sinne Südafrikas."

Die Gesprächspartner kamen zu einer Einigung. Das Schicksal Südafrikas hatte damit eine neue Richtung genommen.

*

Nur selten stießen die Mordkommandos des ANC auf entschiedenen Widerstand. Wenn es allerdings geschah, dann hatten sie mit harten Reaktionen zu rechnen, denn die Stimmung war längst am Siedepunkt. So war es im Hochveld bei Bronkhorstspruit, wo der ANC eine der wenigen noch intakten Farmschulen überfiel. Das Gebäude wurde in Brand gesetzt, die Schüler - alle schwarze Kinder - an Autoreifen gefesselt, um sie zu verbrennen. Doch eine Hausangestellte hatte sich unbemerkt davonschleichen können und rannte zur Farm. Von dort rief die Farmerin über die Notfrequenz, die zu den Lebensadern der verstreut lebenden Weißen gehört, um Hilfe.
Von allen Seiten rasten die Nachbarn mit ihren Autos herbei, aus deren Fenster die Gewehrläufe ragten. Das Kommando des ANC verkörperte die so häufige Mischung aus Brutalität und Feigheit und ergab sich.
Einer der Helfer, Hennie Handtke, rief die Polizei, die alsbald eintraf: ein weißer Leutnant, ein weißer Konstabler und ein schwarzer Unteroffizier. Die drei Gruppen bildeten eine Kokarde: In der Mitte lagen die ANC-Männer reglos am Boden, um sie herum standen die Polizisten und in einem weiteren Kreis die Buren. Die Luft zwischen ihnen knisterte vor Spannung.

"Warum haben Sie diese Leute getötet?", fragte der Leutnant. Handtke antwortete: "Warum glaubt der Herr Leutnant, wir hätten sie getötet?"
"Sie liegen da, bluten und rühren sich nicht."
"Hat der Herr Leutnant nie gehört, dass Leute nach einer Schlägerei manchmal Ruhe brauchen?", entgegnete der Bure, der zusammen mit den anderen Nachbarn die ANC-Männer niedergeschlagen hatte.
"Ich verstehe", meinte der Leutnant und der Unteroffizier fügte hinzu: "Die Männer werden wiederkommen und Rache nehmen."

"Der Herr Feldwebel meint, sie werden wiederkommen?", fragte Handtke. "Gut! Dann können sie ihr Eigentum bei der Gelegenheit abholen. Wir berauben niemanden." Sprach's, schnitt jedem der Terroristen ein Ohr ab und sammelte sie in seinem Hut. "Die Herren sind Zeugen", wandte er sich wieder an die Polizisten. "Die Gäste können sich ihr Eigentum bei mir zurückholen, wenn sie sich erholt haben."
Keiner der Anwesenden gab einen Laut von sich. So sahen sie einander scheinbar endlose Augenblicke an, dann ließ der Leutnant die Verletzten aufladen und davonschaffen. Die Schule wurde nie wieder überfallen...

 


Wie sich das Faustrecht der Konzerne und des internationalen Kapitals auf dem Schwarzen Kontinent durchsetzt, hat Florian Stumfall in seinem Tatsachenroman "Tripoli Charlie" schonungslos offenbart.

Verpackt in eine spannende Romanhandlung liefert Florian Stumfall geheime Informationen über die Intrigen der Hochfinanz bei ihrem Beutezug in Afrika.

Wer hat Nelson Mandela zum Präsidenten Südafrikas gemacht?

Wer hat am Bürgerkrieg in Angola verdient?

Welchen Interessen stand Gaddafi in Libyen im Wege?

 

Florian Stumfall hat vieles selbst aus der Nähe erlebt und konnte auf Quellen zugreifen, deren Erkenntnisse nicht in den Mainstream-Medien auftauchten.

Als ich das Manuskript zum ersten Mal gelesen hatte, war ich wild entschlossen, dieses Buch zu machen, doch die Ungeheurlichkeit der in diesem Roman verpackten Enthüllungen ließ mich zweifeln, ob das wirklich eine gute Idee sei.

Nicht nur, weil sich immer noch einige Leute auf die Füße getreten fühlen könnten, sondern auch, weil manche Fakten einfach so stark von der offiziellen Version abweichen, dass sie so manches liebgewordene Weltbild ins Wanken bringen können.

 

 

Das Buch erscheint am 7. November und kann von Vorbestellern zum Subskriptionspreis von 22,00 Euro schon jetzt geordert werden. Später liegt der geb. Ladenpreis bei 27,00 Euro.

Mehr Informationen finden Sie hier.

 

 

 


Literaturempfehlungen rund um Geld und Wirtschaft:

Samirah Kenawi:

"Falschgeld - Die Macht des Nichts über die Wirklichkeit"

Manfred Gotthalmseder:

"Postkapitalismus.org"


Egon W. Kreutzer:

"Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre, Bd. III"
Restexemplare Print-Ausgabe

oder Bd. III als E-Book

nur als E-book:
Das Euro-Schlachtfest - die Logik der Krise

Thomas Koudela:

"Entwicklungsprojekt Ökonomie"

Stefan Mekiffer:

"Warum eigentlich Geld für alle da ist"

Fabian Dittrich:

"Betriebswirtschaftslehre für alle, die es noch einmal wissen wollen"

 

 

 

Kommentare zu diesem Paukenschlag

 

 


 

 

Natürlich kann man einfach nur abwarten, ob sich "das" nicht irgendwann von alleine erledigt. Die meisten Menschen verhalten sich so - und viele davon fahren sogar gut damit. Engagement ist nicht immer nur ein Zuckerschlecken, man stößt auf Widerstände, wird immer wieder frustriert, das kann man sich, zurückgezogen ins Schneckenhaus, durchaus ersparen.

Wo aber wäre die Welt, wenn es nicht auch jene gäbe, die den Kampf aufnehmen? Man muss dazu nicht brennende Barrikaden besteigen. Oft genügt es, einfach nur im richtigen Augenblick das Richtige zu tun. Lassen Sie sich von Heide S. Nyagas Buch inspirieren:

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Kommentare zu diesem Paukenschlag:

Hallo Herr Kreutzer, sehr schöner Paukenschlag!

Zum Kommentar von Herrn Z.:

"Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens." (Karl Marx, MEW, 23-788)

Ich habe nur sehr wenig von Kalle gelesen (weil man es weiland in der Zone eben musste), hierin ist m.E. das Wesentliche des Systems auf den Punkt gebracht.

Zur psychischen Seite des Ganzen (man könnte auch Kriegsführung sagen):
"divide et impera" - funktioniert seit über 2000 Jahren. Ansonsten findet sich eine gute archetypische Beschreibung von Herrn Weit wohl hier.

Insgesamt gilt einfach "Munter bleiben!"

Für jene, die den Schuß noch nicht gehört haben: "Munter werden!"

„Das Volk versteht das meiste falsch, aber es fühlt das meiste richtig.“ Kurt Tucholsky

Ihnen alles Gute, viele Grüße
Jan-Sören R.


Sehr geehrter Herr Kreutzer,

Sie schreiben:

»Hat sich unter dem Mantel der zelebrierten Demokratie vielleicht schon längst die Anarchie, das Faustrecht, wieder etabliert - und falls ja, wem nützt das?«

Und da sind sie auf der richtigen Spur. Das Grundübel liegt darin, dass im Zuge der neoliberalen Gehirnwäsche - mitsamt Deregulierung, Flexibilisierung, Konkurrenzprinzip, usw.usw. - wesentliche Grundlagen der demokratischen Ideale außer Kraft gesetzt wurde. Die betriebswirtschaftliche Rationalität der Ökonomie wird ohne Rücksicht auf Verluste allen sozialen Beziehungen übergestülpt. Und: Die Menschen sehen zwar die negativen Auswirkungen, dringen jedoch nicht zum Kern der eigentlichen Ursache durch.

Das heißt im Klartext: Erst wenn verstanden wird, dass die eigentliche Ursache der weltweiten gesellschaftlichen Verwerfungen die Grundstruktur der derzeitigen ökonomischen Ordnung ist, erst dann werden sich die Widersprüche zwischen "Eng" und "Weit" auflösen können. Und die Grundstruktur der derzeitigen ökonomischen Ordnung hat kein anderer als Karl Marx im "Kapital - Kritik der politischen Ökonomie" herausgearbeitet. Leider sind die meisten Leser_innen und Interpret_innen - auch viele Marxisten - nicht über die Lektüre des ersten Bandes hinausgekommen. Und haben deshalb den Kern der Marxschen Analyse nicht verstanden.

Der Kern der Marxschen Analyse besteht darin, dass Marx zwischen "abstraktem Reichtum", der in Geld gemessen wird, und "konkretem Reichtum", der in der Fülle von Dingen wie Hosen, Hemden, Pizza, Bier, Panzern oder auch Vorlesungen besteht, unterscheidet. Und nach seiner Analyse ist das wichtigste Ziel dieser Wirtschaftsordnung die Vermehrung des "abstrakten Reichtums". Die Befriedigung der Bedürfnisse von Menschen ist eben nicht das wichtigste Ziel der Produktion. Wobei die Vermehrung des "abstrakten Reichtums" kein durch den Willen der Produzenten selbst gewähltes Ziel ist, sondern im Wesen einer warenförmigen Produktion bereits angelegt ist. Und so lange die Produktion und Reproduktion der menschlichen Lebenswelt warenförmig organisiert ist, so lange wird sich am Elend dieser Welt nicht viel ändern. Fürchte ich.

mit respektvollen Grüßen
Hajo Z.

 

 

 


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Der Weg zum Wohlfühlgewicht
beginnt auf der Waage.

 

Hier
könnten Sie ihn fortsetzen.

 

 

Wann denn, wenn nicht jetzt?,
Kurzgeschichten und Essays
mit Scharfblick auf Menschen
der Ersten und Dritten Welt


H. S. Nyaga lebt als Fotografin und
Autorin in Ostafrika.

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Book on Demand - Verlag - Lektorat - ISBN - Kontakt

Informationen


 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.