Paukenschlag
am Donnerstag
No. 32 /2017
vom 28. September 2017


Kommentare zum Zeitgeschehen von Egon W. Kreutzer

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Druckversion: Sigbert Döring


Deutschland 9/24

OP gelungen?

Die Vorstellung, Deutschland sei ein Patient, der sich am 24. September einer 10-stündigen Operation unterzogen hat, um danach "wie neu" sein Leben weiterzuleben, stand bei der Geburt dieses Paukenschlags Pate.

Ich habe nämlich meine Leser gebeten, sich auszumalen, wegen welcher Diagnosen der Patient zur Wahl eingeliefert worden war und was die Chirurgen unternommen haben, um ihm wieder auf die Beine zu helfen.

Die Zahl der Zuschriften blieb deutlich unter meinen Erwartungen, die Bandbreite der Meinungen allerdings nicht.

Zu den extremsten Meinungen gehören sicherlich die ersten beiden, weil sie es ablehnen, mitzuspielen. Die Begründungen fallen zwar unterschiedlich aus, doch sagen letztlich beide das Gleiche: Ich kümmere mich um mich selbst und um mein persönliches Umfeld - darüber hinausgehendes politisches Engagement ist zwecklos.

Aus Deutschland:

Lieber Herr Kreutzer,

ich werde mich nicht beteiligen. Nicht dass ich nicht mag oder kann, sondern weil es keinerlei Sinn mehr ergibt.

Das Problem oder die Ursache ist nicht die Politik, sind nicht die Politiker, sind nicht die Parteien, ist nicht die Demokratie, Parteiendiktatur oder wie man das nennen will.

Das Problem oder die Ursache ist einzig beim Souverän zu verorten.
Solange der Souverän - und glauben Sie mir bitte, ich kenne einige davon - nach erbrachtem Tagesgeschäft die Tagesschau, Heute-Journal, Anne Will und Konsorten schaut, vielleicht noch eine Zeitung aus Papier oder alternativ die Mainstream-Onlinemedien liest, und dann der Meinung ist, er/sie wäre umfassend informiert...nun ja, das Ergebnis ist dann halt so.

Ich bin heute der Ansicht, dass der Souverän nicht abstrakt denken kann.

Beispiele:
A wohnt in einer Union-Gegend. Ländlich. Brav. Schön. Alle haben Arbeit. Keine Immigranten. Meinen Sie, da könnte einer der Bewohner dort auf die Idee kommen, den Rechner in die Hand zu nehmen und mal eine Million Immigranten mit allen Kosten zu berechnen?

B, ein Rentner aus der Chemieindustrie - meinen Sie, der würde über Armutsrente nachdenken?

C, seine Tochter in der Pupertät wird chauffiert, kennt keine dunklen Wege, nie alleine, nie im Dunkeln, nie in der Großstadt. Meinen Sie, der denkt über rapide ansteigende Fälle von Vergewaltigung nach?

Ich halte mich aufrecht mit dem Gedanken, dass das Universum keinen Fehler begeht, dass das Leben lebensgefährlich ist und grundsätzlich mit dem Tode endet und dass ich nur Hier und Jetzt genau in diesem Moment lebe.

Ich gebe mein Bestes für Alle, die ich erreiche und für Alles, was ich bewerkstelligen kann.

Alles andere würde mich nur noch in den Wahnsinn ob der Dummheit der Menschen führen.

Lieben Gruß

Aus Italien:

Werter Herr Kreutzer,

die Patienten mit ihren Pflegern im Aufwachraum sowie die nächste Therapie interessieren mich leider nicht. Man muß ja ned adabeisein.
Jetzt vor dem Mittagessen ein Gin und Tonic, darauf freue ich mich. Ein Gewitter ist im Anflug – Regen würde uns auch sehr freuen.


Werter Herr Kreutzer,

gerade habe ich zur Sicherheit die Gegenhörprobe gemacht, ich will mich ja nicht verrennen mit meiner Ignoranz. Nach hübscher E-Musik vorhin also die „Nachrichten“ um 6 p.m. auf BR2: In München wird irgendein Machtkampf in der CSU auf nächsten November verlegt, wohl vorher in die Hinterzimmer und dann in den Saal. Freunde geben anderswo Heiner Geissler das letzte Geleit…, der hatte es nicht einmal mehr bis in den Aufwachraum geschafft. –

Zapp, jetzt läuft Swiss Classic.

Es hat geregnet! Bis jetzt 12,6 l/m², das ist schon mehr als in drei Monaten vorher zusammen, grazie dio! So interessiert sich jeder für was anderes.

Beste Grüße

Die erste Stellungnahme, die auf die Fragestellung so reagierte, wie ich mir das vorgestellt hatte, kam dann von

Heinz Raschein aus der Schweiz:

 Lieber Wolfgang

Deiner charmant vorgebrachten Aufforderung kann ich nicht widerstehen. Ich werde mich dabei der Zurückhaltung befleissigen, die einem Nachbarn aus der Schweiz ansteht. Ebenfalls bitte ich um Berücksichtigung des Umstandes, dass ich den „deutschen Politikbetrieb“ von ganz nahe nur bei den BTW von 2013 beobachtet und dieses Jahr jetzt nur noch von den äusseren Vorgängen Kenntnis genommen habe.

Der Grund dafür liegt in meinem Befund zu den Vorgängen von 2013; verkürzt zusammengefasst lautet er (da es sich nicht um Medizin, sondern um Politik handelt, ist es in Wahrheit eher ein subjektiver Eindruck), dass vor dem Wahltag alle Beteiligten sechs Monate lang im wesentlichen damit beschäftigt waren, die eigentlichen Schicksalsfragen (EU, Euro, Kriegsbündnisse, Verfassung statt GG, Gültigkeit des Wahlrechts uvm.) krampfhaft aus den Debatten herauszuhalten.

Danach wurde wiederum ein gefühltes halbes Jahr lang um einen Koalitionsvertrag gefeilscht, für den dieselbe Geisteshaltung galt. Dadurch erlosch mein Interesse für 2017. Zudem glaube ich nicht an die Richtigkeit des Wahlergebnisses von 2013 für die AfD.

Ich habe weder Angst davor, ungenannt zu bleiben, noch davor, mit Namen zu meinen Äusserungen zu stehen.

Bei den BTW handelt es sich um periodisch durchgeführte Operationen, welche ohne spezifische Diagnosen und ungeachtet des jeweiligen Zustandes des Patienten einfach an ihm vorgenommen werden. Hiezu bringe ich als Beobachter die Behauptung vor, dass sie ihm offensichtlich mehr schaden, als nützen. Diese Behauptung bin ich gegen Zweifel sehr gern zu verteidigen bereit; eine solche Beweisführung sprengt m.E. aber im Moment den Rahmen Deiner Frage an Deine Leserschaft. Gehen wir für das Folgende deshalb einmal davon aus, dass sie zutrifft.

Damit stellt sich die Frage: soll man sie unterlassen oder ändern? und wer kann eine Entscheidung von solcher Tragweite treffen? - Doch wohl nur der Patient, sofern sein derzeitiger Gesundheitszustand ihm dies noch ermöglicht. Und ich glaube daran, dass dies der Fall ist. Um den Patienten bestimmen zu können, müssen wir die Metapher natürlich kurzzeitig verlassen; Du nennst ihn „Deutschland, bzw. den deutschen Politikbetrieb“, wogegen ich glaube, dass er anders benannt werden muss. Schon dieses „bzw.“ verrät eine m.E. fatale Ratlosigkeit.

Der Patient ist das Stimmvolk. Um sein Schicksal geht es. Mit „Schicksal" meine ich nicht ein unabwendbares, zugeteiltes Los, sondern die freie Wahl eines eigenen Weges. Man mag in der Terminologie einen Widerspruch sehen, aber ich verwende sie jetzt für das Folgende so, dass ein selbstbestimmtes Schicksal anzustreben ist; mit dieser Wortwahl bin ich nicht der einzige. Schicksal ist damit einfach, wie es einem in Zukunft ergeht, die man zumindest mitbestimmt hat. La vie est une succession de choix, sagen die Franzosen. - Ceci dit, wer ist das Stimmvolk, und bei wem liegen die Festlegungskompetenzen?

Wenn Angela Merkel „von denen, die schon länger hier leben“ spricht, unterstelle ich ihr diesbezüglich Verschleierungsabsichten. Auch sonst scheint niemand gern darüber zu reden. In der Schweiz haben wir damit weniger Probleme, denn die Bundesverfassung ernennt alle Schweizer Bürger zu Stimmbürgern und insgesamt damit zum Stimmvolk; wer von einem Schweizer abstammt, erhält einen Heimatschein und später eine ihn als Schweizer Bürger ausweisende Identitätskarte. Man verzeihe mir, wenn ich Diskussionen im deutschen Bundestag über die „Verleihung einer zweiten Staatsbürgerschaft“ mehr als anmassend empfinde, denn nach meiner Auffassung kann dieser Bundestag nicht einmal eine einzige Staatsbürgerschaft „verleihen“; er vergibt einfach Reise-Erlaubnisse.

Das Bundesverfassungsgericht hat das derzeitige Wahlgesetz für ungültig erklärt, das weiss fast jeder kritische Zeitgeist, aber ich kann auf Wunsch auch das noch nachschlagen, Du kannst es aber auch selbst tun. Das Grundgesetz, welches ausdrücklich keine Verfassung ist (Art. 146), wurde von der (jetzt noch übriggebliebenen) Besatzungsmacht oktroyiert und gibt keine Antwort auf die Frage nach dem Stimmvolk. Es führt also kein Weg daran vorbei, dass der alle vier Jahre misshandelte Patient seine naturgegebenen Rechte zur Selbstbestimmung aktiv zurückerobert, nötigenfalls mit Gewalt, wofür er sich sogar auf das ihm oktroyierte Grundgesetz berufen kann (Art. 20 Abs.4). Vernünftigerweise wird er sich nach gewaltfreien Vorgehensmöglichkeiten umsehen und sich auf Ziele beschränken, die er prioritär erreichen will, wie die Anerkennung als Stimmvolk. Hierfür schlage ich einen Generalboykott aller Inhaber des Personalausweises vor. Das ist kein leichter Weg, da die Medien auf der Gegenseite sind. Aber es scheint, dass wir zur Welt gekommen sind, um dicke Bretter zu bohren.

Liebe Grüsse

Die nächste, deutlich fantasievoll auf die "Operation" eingehend und dabei die GöttInnen in Weiß auf die Schippe nehmend, sandte mir

Hanna, aus Wien:

 

Lieber Herr Kreutzer,

meiner Ansicht nach ist die Situation eine eindeutige:

Die Göttinnen und Götter in Weiß hörten zunächst gar nicht richtig zu, als die Beschwerden vom bescheidenen, heimischen Patienten geklagt und genau und im Detail beschrieben wurden, man hatte gar kein Interesse daran, an die Wehwehchen eines so kleinen Mannes überhaupt viel Zeit zu verschwenden, man verfügte traditionsgemäß "Na, schauen wir halt einmal rein", welches getan wurde. Aufgemacht, reingeschaut, Schultern gezuckt, ein bisschen herumgestochert und wieder zugemacht.

Aber: Der Stocher, der einzige, der im Hospital verfügbar war, wurde im Heimischen vergessen, und zumindest soviel war unwidersprechbar, dass nämlich das Verschwundensein des Stochers in Zukunft sicher schwere Probleme verursachen würde, im Hospital und auch im Patienten, sollte besagtes Instrument nicht dort entfernt werden, wo es nicht hingehört und dort zur Verfügung stehen, wo es fehlt.

Der Patient im Aufwachraum fühlt sich dementsprechend unwohl und benommen, was sich noch (beides) verstärkt, weil die GöttInnen bei der Visite auf seine stumme Frage nach dem Verlauf und Ergebnis der Operation einfach die Schultern zucken und fragen "Was soll schon gewesen sein? Nichts Besonderes." Und weil ebendiese GöttInnen und ihre HandlangerInnen fieberhaft nach dem verlustig gegangenen Stocher zu suchen beginnen, während der nächste Patient, ein Heimlicher mit schwerem Pickel am Kinn bereits sediert ist und auf die Operation wartet und den Heimischen beim Durchsuchen der Bettwäsche nach dem Stocher irrtümlich aus dem Bett schmeißen.

Worauf der stechende Schmerz, der den Patienten seit dem Aufwachen plagt, nur gar unerträglich sticht, worauf der Patient
schreit und sich windet, worauf der Heimliche "Hudu!" brüllt, was auf Syrisch "Ruhe!" bedeutet, worauf die GöttInnen und HandlangerInnen feststellen, dass sie in den Heimischen wohl noch einmal reinschauen müssen, besonders da sich bei näherem Hinschauen auf den nackerten fahlen Leib unter der Haut der gesuchte Stocher abzeichnet.

"Auf ein Neues also", rufen die GöttInnen, und die HandlangerInnen sind sogleich zu Diensten ... bis auf jene, die den Heimlichen nun mit Geschenken beruhigen, wegen der unzumutbaren Wartzeit und der Heimische schreit "Welches Neue, und was wollt ihr von mir?" ... ehe er wieder in die Narkose versinkt.

Und die Moral von der Geschicht': Nix Genaues weiß man nicht.

Hochachtungsvoll
Hanna aus Wien

Mit deutlichem Bezug auf das "Aufwachen" im Aufwachraum und auf die nicht gestellten Diagnosen schreibt

Heinz Mauelshagen aus Deutschland:

Sehr geehrter Herr Kreutzer,

vorab erst einmal herzlichen Dank für Ihre wertvollen, geteilten Einsichten. Nun einige Gedanken zum Subjekt...

Die Kanzlerin befindet sich schauspielernd nicht im Aufwachraum und verhindert somit weiterhin Selbstkritik und - reflektion, welche seit langem zur Erneuerung ihrer Partei erforderlich sind.

Der Oppositionymacher lanciert Frau "die Flüchtlinge zahlen unsere Renten" Nahles in die Rolle der Fraktionsvorsitzenden. Damit ist u.a. gewährleistet, daß dem Rententhema weiterhin nicht die längst geborene Aufmerksamkeit wiederfährt und die SPD bedeutungsloser wird.

Die Bajuvaren lammentieren "die rechte Flanke schließen zu wollen", versäumen aber dabei dem erstaunten Wahlvolk zu erläutern, was immer das konkret bedeuten mag (Rechtsruck durch Vertreten von Themen X, Y,... / argumentatives Demontieren s.g. rechter Themen; wenn ja, welche?).

Die zu recht zuvor abgestrafte FDP erfreut sich gemeinsam mit der AfD am ungebremsten Verfall der s.g. Volksparteien.

Die Linke verbleibt in ihrer Nische, gewählt von Leidtragenden der Sozialpolitik der anderen "Sozialen".

Ich erwarte zwar während des Aufwaches noch nicht das Angehen stark vernachlässigter, in multiplen Dimensionen bereits schädlich wirkender Politikfehler in z.B. den Bereichen des Finanzsystems:
- weit mehr als 200 Milliarden Euro Band^hkenrettung und die weitere, absehbare Umleitung öffentlicher Mittel in dieses "Fass ohne Boden"
- veränderte Finanzpolitik zur Abstellung der Ursachen des rein im Interesse der relativ wenigen Profiteure liegenden Giralgeldboosters (z.B. ermöglicht durch Derivate)
- seriöse Rentenpolitik ohne Ignoranz länglich bekannter Einflüsse
- Minderung der Exzesse des Mindestlohnsektors damit wieder mehr Menschen von ihrer Arbeit leben können und nicht mittels Hartz-Zusatzalimentierung existieren müssen
- illegale Migranten endlich tatsächlich zügig ausweisen
- Grundrechte schützen und wiederherstellen, welche unter dem Deckmantel der Sicherheitspolitik systematisch minimiert wurden (USA irgendjemand?)
- u.a. "Food Inc."-Einflüsse ala USA abstellen bzw. verhindern indem s.g. Freihandelsabkommen wie CETA und TTIP tatsächlich transparent verhandelt und notwendige Korrekturen vorgenommen werden
- Kontrollbehörden wieder wirksam gestalten, damit Z.B. der Schwund an seriösen Pharmaprodukten sowie die Zunahme von giftigen, chemischen Stoffen (Glyphosat,...) endlich gestoppt und minimiert werden
- Bekämpfung der Ursachen für Migration/Flucht wie z.B. Stellvertreterkiege oder Auswüchse der Grand Area Doktrin

Nicht das ich das Angehen dieser unvollständigen Liste seitens der Kartellparteien nach dem Aufwachen erwarten würde! Ich bezweifle, daß die bunten Mehrheitsbeschaffer hierzu wirksame Beiträge leisten werden.
Die AfD wird sich in diesen Feldern erst erst einmal beraten lassen müssen. Wir werden sehen...
Die Linke besetzt die meisten meiner erwähnten Themen auch bisher nicht.
Von der FDP ist das auch angesichts ihrer Wählerbasis nicht zu erwarten.

In der Hoffnung diesbezüglich widerlegt zu werden,
mit freundlichen Grüßen,

Heinz Mauelshagen

Wieder stärker medizinisch angehaucht, der Beitrag von

Stefan Freichel aus Deutschland:

Hallo Herr Kreutzer,
den Spass lass ich mir nicht entgehen :-)

Die Ärzte sind ratlos, nachdem der Patient mit starken Kopfschmerzen eingeliefert wurde hat die Computertomographie des Gehirns Anomalien aufgezeigt, die so in der Medizin noch nicht bekannt waren.

Große Teile des für die Bewältigung von Zukunftsaufgaben notwendigen Frontallappens sind nicht mehr vorhanden. Dass der Patient dennoch zur Kommunikation mit seiner Umwelt in der Lage ist, scheint nur durch Über-Kompensation mit Hilfe der „Phrasen-Speicher-Region“ des Stammhirns erklärbar zu sein.

Die Ärzte rätseln noch, ob diese Hirnschädigung durch Infusion von Gelb/Grün-Stammzellen zu beheben wäre. Da sie sich dabei aber im Bereich der Experimental-Medizin bewegen, lehnen sie jede Verantwortung für einen derartigen Eingriff ab und warnen vor heftigen Abstoßungs-Reaktionen des Organismus.

Dass die Symptome des Patienten jahrelang nicht erkannt und ernst genommen wurden, läßt den Verdacht auf eine ansteckende Viruserkrankung nicht ausschliessen. Sollte das wenig erprobte medizinische Experiment scheitern, bliebe als einziger Ausweg lediglich die erste Voll-Kopftransplatation der Medizingeschichte. Ob hierfür auch ein geeigneter Spender-Kopf gefunden werden kann bleibt abzuwarten.

mit freundlichen Grüßen

Stefan Freichel

Und der wahrhaft realistisch-fachliche Beitrag kommt, wie könnte es anders sein, direkt vom echten Ärztlichen Leiter einer real existierenden Notaufnahme, der noch dazu eine Analogie zum Geldsystem herstellt.

Dr. Philipp Kapp aus Deutschland:

Lieber Herr Kreutzer,

dieser Aufforderung komme ich sehr gern nach, da mir die Analogie ausgesprochen gut gefällt.

Der Patient „Michel D.“, geboren ca. 1871, seit langem drogensüchtig und HIV-krank, 1945 arm- und beinamputiert, liegt nach kürzlich erfolgter Transplantation von Lunge, Nieren und Leber im Wachkoma.

Seit 2002 terminale Niereninsuffizienz, Abstoßung der Spendernieren, mehrfache Dialyse pro Woche bei Nephrologe Herrn Dr. Ezett B. Eesem. Blutbildung und Elektrolytstabilität sind dennoch nicht wiederhergestellt.

Die Leitende Oberärztin Dr. A. Markl ist immer noch im Dienst und völlig übermüdet, da der Chefarzt Dr. Dr. h.c. Ben Dollarsohn (meist nicht im Haus, immerzu Auswärtstermine und internationale Kongresse) noch eine Rechnung mit ihr offen hat und dies stets an ihr auslässt. Die Kollegen haben sich über die anstehende Knochenmarkstransplantation mit ihr zerstritten, der Pat. ist bereits stark immunsupprimiert und bereit für den heroischen Eingriff.

Allerdings wurden auf Wunsch der Angehörigen nun die kardiologische Fachärztin Fr. Dr. Goldmann-Weigel und der Alt-Assistenzarzt Schnulz eingebunden. Diese plädieren allerdings ganz unterschiedlich. Von „Einschlafen lassen“ bis hin zu „nochmal alles versuchen“ ist jede Behandlungsmöglichkeit dabei.

Die Angehörigen sind unschlüssig, da sie ihren Vater nach all der Behandlung kaum wiedererkennen. Sie hatten lange keinen Kontakt mit ihm und jede Verantwortung für seinen Lebenswandel stets abgegeben und gern zwei Kreuze gemacht, wenn er nach den aufreibenden Besuchen alle 4 Jahre wieder aus dem Hause war.

Geld haben sie immer gern gegeben, auch jetzt überlassen sie die Therapie den teuren Ärzten, die gerne Profit aus der verfahrenen Situation ziehen. Je mehr nötig und möglich ist, umso besser! Neue Organe wurden bereits bestellt, für die nächste Woche ist ein nochmaliger Versuch einer Nieren-Transplantation (zunächst nur eine Niere) und weitere Dialyse geplant.
Die Knochenmarkstransplantation wurde zunächst aufgeschoben.

Als Fr. Dr. Goldmann-Weigel dann die Herztransplantation als ultima ratio vorschlägt, werden die Angehörigen unruhig. Sie möchten nicht, dass der Patient das mechanische Kunstherz Berlin Heart® eingesetzt bekommt, er sei immer gegen leidensverlängernde Eingriffe gewesen, die Aussicht auf Heilung sei doch nun nicht mehr vorhanden. Die Angehörigen nehmen also Abstand. Sie lehnen den Eingriff ab und nehmen den Vater zur Finalpflege mit nach Hause.

In den letzten Tagen werden noch der Onkel aus Frankreich und der verarmte Neffe aus Amerika ans Sterbebett herbeigerufen, auch sie haben ihre Väter schon verloren.
Bewegt von all dem Erlebten nehmen sie Abschied und beschließen dann, sich gemeinsam ihrer steinalten Urgroßmutter anzunehmen, die zwar erkrankt aber rüstig die Unterstützung dankbar annimmt.


Schnitt!

Die gesunde Entwicklung eines sozialen Organismus hängt entscheidend davon ab, dass ein geistiges Streben und eine Weiterentwicklung der Menschen stattfinden. Jedoch ist es beim lebendigen Organismus so, dass er begrenzt wird durch Geburt und Tod. Er entwickelt sich im Rahmen eines gewissen biographischen Lebenszyklus und grenzt sich nach innen in die Organe ab, nach außen schafft er eine Abgrenzung zum Umfeld.

Der „soziale Organismus“ ist nie ein Organismus, welcher nach einem solchen festgelegten Zyklus „leben“ würde und sich abgrenzen könnte.

Selbst wenn er aus einer verbindenden geistigen Einheit geformt wird, sind es doch immer nur Wandlungsprozesse. Eine verbindende geistige Einheit gibt es zudem nur in Ausnahmefällen, sei es denn etwa, es gälten strenge Maßgaben in einem totalitären Regime.
Auch ein Geldsystem dient als verbindende Einheit. Der „soziale Organismus im Gelde“ ist also eine Chimäre, ein widersprüchliches, unlogisches Gebilde, weil sich seine Teile (die Menschen) darunter stark individualisieren können und dennoch über das Geldsystem miteinander funktionieren.

Daraus ergibt sich die Erkenntnis: Ein arbeitsteiliger gesellschaftlicher Zusammenhang benötigt ein verbindendes Glied, dieses ist das Geld. Das Geld wird zur geistigen Grundlage des sozialen Organismus. Die Geldgesetze bestimmen aus ihrem geistigen Prinzip heraus die gesellschaftliche Struktur. Die Gesellschaft formt sich nach dem Gesetz des Geldes.
Die krankhafte Gestaltung des aktuellen Geldsystems verhindert, dass ein gesellschaftlicher Organismus dauerhaft funktionieren könnte.
Das Geldsystem des Kapitalismus trennt von Anbeginn das soziale Gefüge in gegeneinander arbeitende Kräfte, die Schuldner und Gläubiger genannt werden.

Herzliche Grüße

Philipp Kapp

Ich danke allen Einsendern und wünsche mir, dass die Leser dieser Gedankengänge davon zu eigenen Assoziationen inspiriert werden.

 

Kommentare zu diesem Paukenschlag

 

 


 

 

Natürlich kann man einfach nur abwarten, ob sich "das" nicht irgendwann von alleine erledigt. Die meisten Menschen verhalten sich so - und viele davon fahren sogar gut damit. Engagement ist nicht immer nur ein Zuckerschlecken, man stößt auf Widerstände, wird immer wieder frustriert, das kann man sich, zurückgezogen ins Schneckenhaus, durchaus ersparen.

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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.