Paukenschlag
am Donnerstag
No. 13 /2017
vom 6. April 2017


Kommentare zum Zeitgeschehen von Egon W. Kreutzer

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Druckversion: Sigbert Döring


Ich will nicht auch noch über die Anstalt schreiben

Als der Priol die Anstalt noch gemacht hat, war es eine Irrenanstalt, oder, wie man heute sagen würde, eine Psychiatrische Klinik. Der Chefarzt hatte, wie es sich für einen Psychiater gebührt, eine ebenso heftige Macke wie die Insassen, doch hin und wieder auch die lichteren Momente.

So eine Priol-Anstalt war eine Parodie, eine maßlose Überzeichnung und ein nicht enden wollendes, beglückendes und befreiendes Merkel-Bashing.

Nur der Schramm, der war einer von den total Verrückten, weil er so klar und so vernünftig wirkte. Man durfte sich seine Sequenzen nur nicht wirklich bis zu Ende anhören, sonst kam man sich entweder selbst verarscht vor oder brach in Mitleid aus, über diesen armen Irren in seinen unterschiedlichen Kostümen, der versuchte, das Leid der ganzen Welt zum Ausdruck zu bringen und zugleich dafür tosenden Applaus einzuheimsen.

Früher gab es ja auch noch den Pispers, der jetzt nur noch in allen möglichen youtube Kanälen sein Unwesen treibt. Ein Mittelding aus Schramm und Polt, wobei es den Polt ja auch nicht mehr gibt, was beinahe zwangsläufig - wie mir beim Schreiben gerade einfällt - dazu führen musste dass auch Pispers nicht mehr sein kann. Polt weg, Schramm weg - da bleibt von Pispers nichts mehr übrig.

Nun haben wir eine neue Anstalt, über die ich eigentlich gar nicht schreiben will, die sich weit vom ehemaligen Irrenhaus entfernt hat und - siehe Dienstagabend - sich immer noch davon entfernt.

Es ist so eine Art "Sendung mit der Maus" für Erwachsene geworden, mit Erklär-Videos und sogar gutem Rat zur Aufbesserung der gesetzlichen Rente, durch einen Trick, der bisher nur von 1.000 Rentenanspruchsberechtigten genutzt wird und - da ahne ich Regierungshandeln voraus - nun bald dichtgemacht wird. Nicht wie Steuerschlupflöcher, nein, viel dichter. Absolut undurchlässig.

Die Anstalt ist keine Sendung mehr, in welcher die "Großkopferten", wie man in Bayern sagt, durch den Kakao gezogen werden, keine Veranstaltung, wie der Nockherberg, wo es um das Derblecken geht, vor allem zu Lasten aller Parteien, die nicht CSU heißen. Die Anstalt hat das politische Kabarett an eine völlig neue Form und Struktur herangeführt.

Als Dieter Hildebrandt noch aktiv war, war er diesem Stil manchmal sehr nahe, doch nie genügte es ihm, einfach nur Tatsachen darzustellen. Immer war dabei die Pointe zum Totlachen auf Kosten der kabarettistisch Angegriffenen oder Bloßgestellten.

Von Wagner und Uthoff verzichten auch noch darauf. "Lustig" sind sie nur noch selbst, bzw. Kostüm und Maske. Gelacht wird über kleine Gags, technische Tricks, manchmal auch über die schönen Dialoge, aber kein bisschen über diejenigen, die eigentlich Ziel des Spotts sein sollten.

Das ist das Neue.

Oder ist es doch nur die Auferstehung des Uralten, des Hofnarren, der mit Schellen an der mehrzipfeligen Mütze als einziger das Privileg hatte, sich über den Herren und die Hofschranzen lustig zu machen, ohne dafür hochnotpeinlich bestraft zu werden.

Der Hofnarr durfte sogar die Wahrheit sagen - vorausgesetzt, sie war nicht streng geheim - weil die Wahrheit aus dem Mund des Narren eben zur Narrheit, wenn nicht gar zur Lüge wurde. Was der Hofnarr vortrug, dieses sonst nie Gehörte, darüber konnte man lauthals lachen, denn der Herr und die Hofschranzen würden doch niemals wirklich so denken und handeln. Niemals.

Wenn also im Kabarett vorgeführt wird, was wirklich gedacht und getan wird, und die Leute im Aufnahmestudio und zuhause an den Flachbildschirmen amüsieren sich darüber, statt mit dem Zorn des Gerechten aus dem Sessel aufzuspringen, sich zusammenzurotten und gemeinsam nach Berlin zu ziehen, zur größten Demo, die die Hauptstadt je gesehen hat, dann stimmt doch etwas nicht.

Entweder, die vielen begeisterten Anstalt-Konsumenten gehen davon aus, dass hier zwei geniale Kabarettisten sich etwas ausgedacht haben, wie es vielleicht sein könnte, obwohl es gar nicht so ist, aber so, wie sie es darstellen, finden sie, dass es eben viel lustiger sei als im richtigen Leben,

oder, die vielen begeisterten Anstalt-Konsumenten gehen davon aus, dass der Wagner und der Uthoff nun endlich mal die Wahrheit gesagt haben, und dass das vollkommen reicht, um alles zum Besten zu verändern, schließlich gäbe es ja neben den paar schwarzen Schafen in der Politik noch die übergroße Mehrheit jener, die rechtschaffen zum Wohle des Volkes arbeiten,

oder, die vielen begeisterten Anstalt-Konsumenten freuen sich darüber, dass sie sich nicht alleine verarscht vorkommen, fühlen sich in ihren Ansichten und Auffassungen bestätigt, und erleben daher eine übergroße Ausschüttung von Glückshormonen, die alles andere vergessen lässt.

Kabarett - die blaue Pille gegen die wirkliche Wahrnehmung der Realität?

Es scheint so.

 

2.170.000 Menschen sollen am Dienstagabend die Anstalt gesehen haben, 470.000 davon zwischen 14 und 49 Jahren alt. Jüngere dürften die Anstalt kaum gesehen haben, bleiben also als Hauptmasse der Zuschauer die 50 bis 99-Jährigen, die Frührentner und Rentner. Wenn ich bei Alexa nachsehe, wer sich auf meinen Internetseiten bewegt, ist das Verhältnis ziemlich ähnlich.

Wir haben also ein massives Defizit bei der Erreichbarkeit der Unter-50-Jährigen für Kritik und konstruktive Vorschläge zu konstatieren. Natürlich wissen die das beim ZDF auch. Von daher wendet sich die Anstalt auch an diejenigen, die noch Interesse haben und spiegelt denen mit diesem Sendeformat vor, ihre Sorgen seien bekannt. Suggerieren, dass nun die alte Regel greifen würde: "Problem erkannt - Problem gebannt". Nur damit die ruhig bleiben, nur damit die doch wieder bei der nächsten Stimmabgabe jene wählen, an die sie sich schon gewöhnt haben, deren Tricksereien nicht mehr überraschen. Priol hätte gesagt: "Die kenne mer. Die behalt'mer!", und alle hätten widerborstig gelacht und sich gedacht: "Nun grade nicht!"

Im neuen Format ist es die Aufgabe des Zuschauers, sich - ganz ohne sich der Komik bewusst zu werden - für das Vertraute zu entscheiden. Also die CDU zu wählen, und die SPD, auch wenn die SPD, wie immer und überall, ein bisschen schlechter wegkommen muss, z.B. alleine dadurch, dass sie namentlich genannt oder sonst wie thematisiert wird, was der CDU am Dienstag gänzlich erspart geblieben ist.

Nein, ich will überhaupt nicht über die Anstalt schreiben.

Ich will über die politische Lethargie im Lande schreiben.

Eine kluge Frau, die mich immer wieder an ihren Gedanken teilhaben lässt, hat dazu vor einigen Tagen dieses geschrieben:

Fakt ist, dass der Schreibende, sprachlich gut geschult, seine Ideen vorbringt.

Diese werden aber bei den Lesenden nur insofern registriert und dann verstanden, soweit die Ideen mit den eigenen Vorstellungen kompatibel sind. Man versteht nur das, was man verstehen kann. Selten gibt es später einen Aha-Effekt.
Hinzu kommt noch ein anderes Phänomen. Der Schreibende ist meistens der Beobachter, selten selbst der Agierende. Die Ideen des Schreibenden bedürfen einer Projektionsfläche. Damit meine ich, dass eine " Lichtgestalt" die Ideen eines Schreibenden aufnimmt, sie in die Gesellschaft trägt. Nur dann wird sie verstanden.

"Mündige Bürger" bleiben wie Kinder. Schüler lernen niemals nur für das Leben, sie lernen, weil der unterrichtende Lehrer in seiner ganzen Person als Vorbild fungiert. Man will auch so sein oder werden. Die abstrakten Gedanken, die vom Lehrer vermittelt werden, bekommen so inneres Leben, werden in Geschichten eingebunden und sodann verinnerlicht.
Ob die Lichtgestalt nun für die Menschheit wirklich eine Lichtgestalt sein kann, wird sich historisch entwickeln. Angela Merkel war viele Jahre so eine Lichtgestalt, in die die Wähler und gute Deutsche alle ihre Projektionen nach der Schröder-Enttäuschung gelenkt haben. Bodenständig, verantwortungsbewusst, evangelisch, sehr klug. Nicht umsonst haftete ihr die "Mutti" an.
Martin Schulz wurde sogleich liebevoll als Sankt Martin eingeführt, 100 % Wahlergebnis zeigen genau in die Richtung. Er ist eine Lichtgestalt, in die alles Gute hineinprojiziert wird. Wenn die Propaganda der Medien bis zur Wahl anhält, wird er der neue Heilsbringer.
So, und damit wird die ganze Aufregung, der ganze Frust, den die Blogger über die anderen, die Gutmenschen, die Nazis, die Hirnlosen, die Herrscher empfinden, in eine andere Dimension verschoben.

Die Menschen können wirklich nicht verstehen,
weil sie in einer anderen Welt leben.

Die Wirklichkeit mit dem Intellekt anzuprangern, wird niemals eine Gesellschaft verändern. Damals, die 68-er, sie hatten eine starke Partei im Hintergrund, der junge Günther Grass, der junge streitbare Herbert Wehner, die junge Elite mit Filmemachern in Köln und Bonn, die Lichtgestalt Willi Brandt. Es veränderte sich etwas, aber das "scheue Reh" der weltweiten Hochfinanz hat dem schnell ein Ende bereitet. Helmut Schmidt hat dann verwaltet, wurde später, nach seiner aktiven Zeit, verklärt.

Wir schaffen es also nicht, die Welt von außen mit Intellekt zu verändern. Es funktioniert nur über die "Innere Subjektive Wirklichkeit".
Bilder und noch einmal Bilder, mit denen sich Mann und Frau identifizieren können, gehören in die Feder. Populistisch? Wir sehen doch, wie es funktioniert: Die armen Flüchtlingskinderlein.

Jetzt bist Du gefragt. Du weißt, wie man intelligente, zum Lesen ausdauernde Menschen mitreißen kann. Priester Messident gehört dazu. Aber ihr prangert die Wirklichkeit an, wollt verändern. Das will die Couchpotato nicht hören. Sie will das Positive hören.
Am Positiven kann man sich orientieren. "Willkommenskultur" war so etwas, wo man sich einbringen konnte und dann auch wollte. Etwas zum Besseren zu verändern - mit guten positiven Gefühlen. Deine kleine auferstehende Sonntags-Erdbeerpflanze ist so etwas Lichtes. Mach eine Zukunft für uns alle daraus. Die passende menschliche Lichtgestalt kommt dann dazu, weil ihre Zeit gekommen ist.

 

Natürlich ist es nicht leicht, diesen Gedanken so zu akzeptieren.

Hat nicht Kritik immer geholfen?

Schon diese einfache Frage, ernsthaft gestellt und ernsthaft beantwortet, zeigt, dass das Gegenteil wahr ist. Kritik hat kaum einmal geholfen. Es sei denn, …

Die Hoffnung, dass ein kritisches, aufklärendendes Wirken mit der Zeit in immer mehr Köpfen zu einem Bewusstseinswandel führen wird, hat sich auf dieser Welt auch schon oft genug zerschlagen. Es sei denn …

Es sei denn, dass sich eine Person gefunden hat, auf die sich alle Hoffnung aller Betroffenen richten konnte.

Es gab keinen großen Wandel zum Guten und zum Besseren auf dieser Welt, der nicht von großen Figuren vorangetrieben wurde, die ihrerseits von der Masse getragen wurden.
Der Wandel zum Schlechten und Schlechteren verläuft einfacher, auch da können Führungsfiguren am meisten bewegen, doch findet auch so etwas wie eine stete Erosion statt, die unaufhaltsam fortschreitet, wenn sich dem nicht jemand mit all seiner charismatischen Kraft entgegenstellt.

Bedauerlicherweise sind nicht alle charismatischen Persönlichkeiten von gutem Willen beseelt, so dass so manche Lichtgestalt als Wolf im Schafspelz auf die Bühne tritt und schnell Mehrheiten für sich und seine vorgeblichen Absichten zu erringen vermag.

Gustave Le Bon schrieb in seinem Klassiker "Psychologie der Massen"
(1. Buch, 2. Kapitel, §3):

Die Einseitigkeit und Überschwänglichkeit der Gefühle der Massen bewahren sie vor Zweifel und Ungewissheit. (…)
Wenn die Massen geschickt beeinflusst werden, können sie heldenhaft und opferwillig sein. (…)

(1. Buch, 2. Kapitel, §4):
Die Massen kennen nur einfache und übertriebene Gefühle. Meinungen, Ideen, Glaubenssätze, die man ihnen einflößt, werden daher nur in Bausch und Bogen von ihnen angenommen oder verworfen und als unbedingte Wahrheiten oder ebenso unbedingte Irrtümer betrachtet. So geht es stets mit Überzeugungen, die auf dem Wege der Beeinflussung, nicht durch Nachdenken erworben wurden.

Es geht mir hier vor allem um den letzten Satz, um Überzeugungen, die auf dem Wege der Beeinflussung erworben werden.

Als Le Bon diese Gedanken im Jahre 1895 niedergeschrieben hat, war die Masse ein physisch vorhandene Ansammlung vieler Menschen, die nur durch einen geschickten Redner - und nur so weit seine Stimme reichte - beeinflusst werden konnten. Die allererste Rundfunksendung - aus einer Privatwohnung in Den Haag - fand erst 24 Jahre später statt.

Ich hege die Vermutung, dass Le Bons "Massenseele" heute auch ohne die physische Nähe entfesselt werden kann und entfesselt wird. Wie sonst hätte es zu dem "Schulz-Hype" kommen können, der die halbe Republik in eine wahre Euphorie getrieben hat, ohne dass Schulz selbst dazu schon etwas Wesentliches beigetragen hätte?

Sigmar Gabriel, selbst alles andere als eine Lichtgestalt, hat ganz alleine mit der Nennung des Namens "Martin Schulz" diese selbstlaufende Euphorie ausgelöst.


Hat er nicht.


Die Euphorie wurde von den Medien inszeniert. Die Art und Weise wie diese Entscheidung verbreitet und vor allem kommentiert wurde, hat einzig und allein diesen "Mister 100%" hervorgebracht.

Ein vergleichbares Beispiel wurde uns vor Jahren mit dem vornamensreichen Karl-Theodor zu Guttenberg bereits gegeben. Ein fränkischer Baron aus der CSU wurde praktisch über Nacht zur Lichtgestalt, weil die Medien ihn in den Himmel geschrieben haben, kaum dass sein Name gefallen war.

Man hat das über Jahrzehnte geübt, mit der Entdeckung von Stars der Musikszene. Die wurden von den Medien, hauptsächlich vom Rundfunk, aber auch von den Jugendpostillen hochgejubelt und die Zutaten für die Massenbeeinflussung, die Sympathiewerbung für eine handgeschnitzte Jugendikone wird jetzt 1 : 1 im Wahlkampf eingesetzt, um vollends unbekannte Politiker ohne echten Befähigungsnachweis mit großen Erfolgsaussichten ins Rennen zu schicken.

In Zeiten, in denen die Massenbeeinflussung kein Stadion mehr braucht, kein Parteitagsgelände, sondern nur noch Bild, BamS und Glotze, wie es der unvergessene Gerhard, Genosse der Bosse, hinausposaunte, werden Lichtgestalten von den Medien erschaffen.
Doch so, wie es der dunklen Seite der Macht gelingt, ihre Lichtgestalten nach Belieben in die Welt zu setzen, so gelingt ihr selbstverständlich und mit noch größerer Sicherheit das Gegenteil.

Wo sich - aus der Masse heraus - Lichtgestalten zu entwickeln drohen, die eine Konkurrenz für den eigenen Popanz darstellen könnten, werden sie medial entweder totgeschwiegen, oder, wenn das nicht genügt, durch Diffamierung subtiler und weniger subtiler Art, gezielt vernichtet, was Le Bon als "mit Bausch und Bogen verworfen" beschrieben hat.

Mit dieser Erkenntnis eröffnet sich der Blick auf das wahre Dilemma aller, die sich nicht der Massenseele und ihren manipulierten Gefühlseruptionen anschließen, sondern selbstdenkend mitgestalten wollen.

Kritik trägt nicht über die engen Echokammern ähnlich Denkender hinaus, Kritik alleine ändert auch nichts.

Charismatisch vorgetragene Kritik wird nicht vorgelassen, ans Mikrofon, und wenn, dann mit aller medialen Macht bekämpft, und alle Anhänger gleich mit.

So sind wir in einer massenhypnotischen Welt angelangt, deren ganze Glückseligkeit aus überschwänglicher Zustimmung zu allem erwächst, was als "bejubelnswert" vorgegeben wird - und selbstverständlich auch aus abgrundtiefer Abwehr gegen alles, was die Medien als unbedingten Irrtum vorgeben.

Die 68er hatten davon wohl schon eine Ahnung, als sie die Losung ausgaben, sich auf den Marsch durch die Institutionen zu machen. Das hieß ja nichts anderes, als die eigene Vorstellung solange hinter einer opportunistischen Fassade zu verbergen, bis man selbst an den Schalthebeln der Macht angelangt ist.

Die Alt-68er sind heute alte 70er - und keiner, der sich aufmachte, ist je unverbogen dort angekommen, wo er hinwollte. Die einen wurden zu früh enttarnt und ausgeschaltet, die anderen hatten sich so an ihr zur Tarnung übergestülptes Wesen gewöhnt und sich in "Schuld" verstrickt, dass sie es nicht mehr ablegen konnten.

 

Der Wunsch, etwas Gutes, Positives in die Welt zu setzen, woran sich die Menschen orientieren und aufrichten können, ist nicht so einfach zu verwirklichen.

Alles, was die Menschen interessiert, ist von den angestellten Lichtgestaltendarstellern längst mit Spruchblasen besetzt.

Wie soll jemand glaubhaft noch "Gerechtigkeit" versprechen, wenn die ganze GroKo und die FDP dazu einen wahren Gerechtigkeitstaumel entfesselt haben?

Wie soll man jemand noch Wohlstand und Teilhabe als erstrebenswertes Ziel an eine imaginäre Wand projizieren, wenn genau das seit Gründung der Republik von allen immerfort verheißen wird?

Entweder man glaubt weiter jenen, denen man schon immer geglaubt hat, oder man glaubt eben beiden nicht.

Mir fällt nichts Positives ein, was nicht schon längst besetzt ist.

Daher werde ich weiter kritisch beobachten und kommentieren. Ich werde mich nicht an die Massen wenden, sondern an jene, die noch bereit sind, selbst zu denken und zu diskutieren. Was die Wirkung dieser Kritik betrifft, mache ich mir keine übertriebenen Hoffnungen.

Wenn ein Wandel kommt, dann kommt er nicht von den Lichtgestalten, sondern von jemandem, der den Mut, die Kraft, die Ausdauer und die Gelassenheit hat, allen Anfeindungen solange zu widerstehen, bis die ersten erbitterten Gegner beginnen, ihr Fähnchen nach dem Wind zu hängen.

Donald Trump ist noch nicht so weit. Es ist auch noch nicht entschieden, ob er durchhalten wird.

Putin hat es wohl geschafft. Der hatte allerdings auch etwas bessere Startvoraussetzungen.

 

 

… und nun habe ich doch über die Anstalt geschrieben. Denn obwohl alles, was wir vorfinden, ganz normal ist - und wohl auch schon immer so war - total irre ist es trotzdem.

Sehr lesenswerte Kommentare


Hallo Herr Kreutzer,

1986 hatte die Landeszentrale für politische Bildung NRW ein Script mit dem Titel "Das Fernsehen ersetzt die Zensur" herausgegeben. Als Geschichtslehrer hatte ich es auch erhalten. Verfasser war der Verleger und Historiker Ernst Reinhard Piper, das Script selbst ein Auszug aus dem 1985 erschienen Band
"Industrialisierung des Bewusstseins". Vieles von dem, was darin analysiert wird, ist bis heute aktuell, ja eigentlich aktueller als damals - trotz aller damals noch nicht absehbaren technischen Fortschritte.

In diesem Script mit dem Untertitel "Die neuen Medien und unsere Kultur" wird die Steuerung des Menschen durch Bilder (daher der Titel), wird die kulturelle Verwüstung unter der Maske grinsender Betulichkeit, werden die Folgen der durch die modernen Medien hervorgerufene Änderungen der Wahrnehmung und Kommunikation beschrieben, bis hin zum dadurch hervorgerufenen Zerfall der bürgerlichen Gesellschaft, wobei es dazu u.a. heißt:

"Der Zerfall der bürgerlichen Gesellschaft äußert sich nicht nur in konkurrierenden Wertvorstellungen und einer fortschreitenden Fragmentierung der Öffentlichkeit, sondern vor allem auch in zunehmender Gewalttätigkeit, deren Form wir alle kennen: Jugend- und Bandenkriminalität, Vandalismus, weltweit steigende Verbrechensraten, Überfälle in öffentlichen Verkehrsmitteln, Krawalle bei Sportereignissen, militanter Ausländerhass, Brandanschläge auf Pflegeheime für geistig Behinderte, Attentate und anderes mehr."

Das kommt dem heutigen Menschen in der BRD weit mehr bekannt vor als noch in den 80er Jahren. Doch auch dabei bleibt das Script nicht stehen und analysiert eine im Entstehen begriffene Welt, die bis hin zur industriellen Menschenzüchtung gehen kann.

Das erinnerte mich an das 1978 erschienene Buch "Freiheit, die sie meinen"*). Prof. Dr. Friedrich Hacker äußerte darin eine große Angst:

"Zwang und Manipulation können den Menschen nicht nur bestimmte Verhaltensweisen, sondern auch das echte Gefühl der Freiwilligkeit massenproduzieren. Mittels leicht zugänglicher und leicht erlernbarer Methoden ist es möglich, die scheinbar im unantastbaren innersten Persönlichkeitskern entstandene Willensentscheidung derart zu steuern und wenn nötig sogar zu
erzeugen, daß das Produkt von Zwang und Manipulation als völlig spontane, freie Willensentscheidung empfunden und ausgedrückt wird. Nicht hinter unserem Rücken oder über unsere Köpfe hinweg, sondern mitten in unserem Herzen und unter unserer gesteuert-freiwilligen Mithilfe könnte derart raffiniert-einfache
Beeinflussung durchaus unsere Zukunft gestalten. ... Das Fehlen sichtbarer Gewalt erlaubt der Manipulation, sich als jene Freiheit auszugeben, die sie entzieht. ... Mit Hilfe wahrer, realer Elemente erzeugt Manipulation eine falsche Realität – nämlich jene, die die Realität der Manipulation leugnet und verschweigt."

*)Seltsamerweise wird Hackers Buch nur in der DNB erwähnt, nicht bei Wikipedia.

Und als ich mir das Ganze noch mal zu Gemüte führte, musste ich an die Entdeckung von Hannah Arendt denken: Die Banalität des Bösen. Das "Böse" selbst mag u. U. zwar monströs sein - Die "Bösen" selbst sind es oft gar nicht, oft unscheinbar, normal, banal eben. Ein Phänomen, das der Psychotherapeut Manfred Lütz in seinem Buch "Irre - Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen" anschaulich geschildert hat ("Hitler und Stalin waren nicht psychisch krank, sondern normal"). Auch Merkel, Steinmeier und Gabriel sind völlig normale Leute ... Schulz auch.

"Wenn ein Wandel kommt, dann kommt er nicht von den Lichtgestalten" haben Sie geschrieben, Richtig, weil jede Lichtgestalt entweder korrumpiert oder ausgelöscht wird. Was also kann geschehen? Ich denke mal, das eigentliche, tiefe Problem ist unser weltweites Geldsystem mit seinen Hintermännern und -frauen. Und ich denke, es wird über kurz oder lang sich selbst zerstören. Zerstören müssen, durch was auch immer.

Herzliche Grüße

Peter B.


Herr Kreutzer, grandios!
Auch Ihre Zu-Schreiberin ;)

Merken Sie was? Wir sind nicht ganz allein.

** Wenn wir wissen, nichts zu wissen, dann haben wir die Freiheit, alles zu glauben – wenn wir nur den Willen haben, glauben zu wollen. Das ist der Kern des Dritten Äons. **

** Was ist Wahrheit? Eine Illusion, an welche die Menschheit glauben muss, um zu sein. Eine Illusion, die der Existenz selbst immanent sein muss, um zu existieren. Der Glaube an irgendetwas ist der Ursprung des menschlichen Daseins. **

Nietzsche, Friedrich:

"Wahnsinn bei Individuen ist selten, aber in Gruppen, Nationen und Epochen die Regel."

Schönen Tag und hören Sie bitte nicht auf.

Viele Grüße

Jan-Sören R.


Hallo Herr Kreutzer, vielen Dank für diesen Newsletter.

Auch mich stört, dass die Lacher in der Anstalt durch oft recht dürftige Witzchen entstehen und nicht mehr mit denen zu tun haben, die, objektiv betrachtet, lächerlich sind.
Allerdings ist die momentane Befindlichkeit der Anstalt (sie wird wohl bald in VHS umbenannt) auch dem rapide sinkenden Bildungsniveau in unserem Lande geschuldet. Hierzu möchte ich meine Gedanken niederlegen.

Nach 1968 hatte man gelernt, dass intelligent und gut ausgebildete Menschen sich nur schwer und zu einem unnötig hohen Preis steuern lassen. Seitdem wird auf die Zucht von Fachidioten in allen Teilen unseres dreifaltigen Schulsystems hingearbeitet. Nirgendwo dürfen größere Zusammenhänge im 'Leer'plan auftauchen.
Man könnte von diesen auf Analogien im realen Leben schließen. Wissenschaft verkommt großenteils zu Anhängseln einer absolut nicht leistungsfähigen Industrie, die ihrem Namen, Industria = Fleiß nur noch in einem Aspekt gerecht wird. Dieser ist Rendite um jeden Preis. Dafür ist ihnen jedes Mittel recht.
Noch vor wenigen Jahrzehnten war das die Beschreibung für die Mafia, die Triaden etc. Und so ist der Kampf gegen Drogen z.B. nur noch ein Kampf gegen die unliebsame illegale Konkurrenz der Pharmakonzerne. Normen und Vorschriften dienen dazu neue Entwicklungen zu bremsen und den alten Marktführern den Platz an der Sonne zu zementieren
Ähnliche Beispiele sind aus allen Bereichen der Industrie bekannt. Die Finanz"industrie" ist schon gar keine, Sie produziert nichts verdient aber am besten.

Und doch sind diese Wolkenkuckucksheimer systemrelevant. Hier stimme ich durchaus dem zornigen Herrn Schramm zu. Und auch Herr Pispers ist mir sehr ans Herz gewachsen. Immerhin haben beide solange gemacht, bis sie davon überzeugt waren, dass Kabarett nichts ändert.
Auch die Anfänge eines selbst denkenden Volkes begannen recht oberlehrerhaft (z.B. Johann Gottlieb Seume in seinem "Spaziergang nach Syrakus").
Und so enden sie heute. Es ist kein Versehen, dass das Bildungsmonopol in Händen des Staates, bzw. der Länder liegt.
Im Konditionierungsmonopol liegt der Schlüssel zur Herrschaft.

Was das Volk angeht. es hat die Zeter und Mordio schreienden Propheten dicke. Und rennt deshalb jedem Armleuchter hinterher der Besserung verspricht.
Was nötig ist ist eben nicht der einfache Weg, von oben herab alles für eine bessere Welt zu regeln, sondern der gezielt und langwierige Aufbau einer gesellschaftlichen Alternative. Ähnlich wie sich das Bürgertum gegen den Willen des Adels etablierte (und dabei leider hinreichend korrumpiert wurde) ist auch heute ein solche Graswurzelrevolution nötig.
Ich rede nicht von irgendwelchen Parteien. Auch neue Parteien reden rostiges Blech.
Aus Not entstand das Bürgertum. Sein Motor war der Handel und die vorindustrielle Produktion. Sein Manko war, dass es zunächst keinen Grundbesitz hatte.
Diese Not ist heute für einen großen Teil der Bevölkerung Deutschlands wieder real. Es gibt eine herrschende Klasse, die einen großen Teil der Menschen für überflüssig hält und mit allen Mitteln deren Lebensgrundlagen austrocknet.
Seien es hierzulande die sogenannten Sozialgesetze, die einzig eine Art virtuelles Arbeitslager für all diejenigen schaffen, die durch chinesische , indische Sklavenarbeiter oder Maschinen ersetzt wurden, oder die Millionen die in den sogenannten Entwicklungsländern durch die Umweltzerstörung der mafiösen Großkonzerne ihre Lebensgrundlagen verlieren.

Eine politische Lösung kann keine Lösung sein, da die Politk korrumpiert und wirtschaftshörig ist. Eine Lösung der Wirtschaft wiederholt die Greueltaten der im 3. Reich tonangebenden Industrie. Sie wendet industrielle Methoden bei der Menschenvernichtung an.

Die Großstädte sind Zentren einer Gesellschaft, die sich nicht anders vernetzen konnte, als durch räumliche Nähe. Sämtliche Nachteile einer solchen Gesellschaft, die Naturferne, die Notwendigkeit von Lohnarbeit, Import von Nahrungsmitteln aus der Umgebung und der Bedarf an riesigen Mengen hoch konzentrierter Energie schaden in den heute üblichen Ausmaßen unseren Lebensgrundlagen.
Die Industrie jagt den letzten dieser Grundlagen nach und je seltener sie werden um so besser ist das Geschäft, das damit zu machen ist. Egal ab man die sagenhaft Wirkung des Horns der Rhinozerösser oder das Elfenbein afrikanischer Elefanten,
die Knochen von Tigern oder andere seltene Rohstoffe, wie die sogenannten seltenen Erden hernimmt. Überall erfolgt ein Krieg bis zum letzten Krümel.

Wieso sollte das bei den essentielleren Reserven wie urbares Land, sauberes Wasser und frische Luft anders sein?
Konzerne erschleichen sich über streuende Genmanipulationen den exklusiven Privatbesitz an den gängigen Nahrungspflanzen, Herr Gabriel schlug bereits vor, das Sonnenlicht zu besteuern, deutsche Dreckschleudern erhalten von einer Behörde, die nicht in der Lage ist, frische Luft herzustellen, Verschmutzungszertifikate und die davon profitierende Industrie konterkariert diesen Akt der Gnade mit groß angelegtem bewusstem Umweltbeschiss.
Ich frage mich, wie ein Konzern wie die BP nach dem Desaster im Golf von Mexico überhaupt weiterbestehen durfte. Als kleiner Bürger wäre diese Gesellschaft in den USA wahrscheinlich zum Tode verurteilt worden.


Ohne eine Eingreifen werden diese Gesellschaften den einzigen Planeten den wir haben unbewohnbar für Menschen und alle ihm genetisch nahestehenden Wesen machen. Und das nicht in tausend Jahren sondern in den nächsten drei bis fünf Generationen.
Es ist also an der Zeit etwas zu ändern.

Nur gibt es keine überzeugenden Vorschläge und wie die Dame aus ihrem Paukenschlag richtig sagt, kaum Menschen die das Ungedachte denken können.Trotzdem müssen wir etwas tun, denn besser wird die Situation nicht.

Welche Lösung soll denn fruchten und woher soll sie kommen?
Nun, mein Teil der Lösung ist nach wie vor das Projekt 10.000 € Haus, das, viel mehr als der bloße Entwurf eines kostengünstigen Ökohauses, durch die Ansiedlungen in nahezu autarken Quartieren den Weg zu einer dezentralisierten Gesellschaft weist. Diese wird keine hoch konzentrierten Energiemengen mehr brauchen und die erneuerbaren Energien geben uns schon seit Jahrzehnten die Möglichkeit, eine menschen- und umweltfreundlichere Kultur in der Fläche zu entwickeln.
Tun wirs doch endlich.


Egon H.


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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 Anker Julie