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28. Dezember 2016

11.00 Uhr Die Bank, die noch mehr Geld braucht

Der Gong zur letzten Runde im Crash auf Raten ertönt in Siena.

Monte dei Paschi di Siena, klangvoller kann der Name einer Bank kaum sein, und wenn es sich nach allgemeiner Überzeugung dabei auch noch um die älteste Bank der Welt handelt, dann darf man schon einen Augenblick innehalten und sich fragen, wie es kommt, dass ausgerechnet diese Bank nun so viel Geld braucht.

Von 8,8 Milliarden Euro ist nun die Rede, vor ein paar Wochen waren es nur fünf. Ob es sich dabei tatsächlich um Anleger handelt, die ihre Konten bei der Monte aufgelöst haben, um ihre sauer gewonnenen Millionen in Sicherheit zu bringen, ob ein Buchprüfer noch mehr faule Kredite aufgespürt hat, als vorher zugegeben wurden, oder ob man, angesichts der begründeten Hoffnung auf die Rettung durch den unbekannten Steuerzahler die Lücke einfach größer gemacht hat, um dann wirklich auf der sicheren Seite zu sein, kann weder von Elsendorf, noch von Berlin, Frankfurt oder Brüssel aus, wirklich sicher beurteilt werden.

Einigermaßen klar scheint zu sein, dass sich bei der Monte, dem ältesten Kreditinstitut der Welt so viele faule Kredite angesammelt haben, dass das Eigenkapital aufgezehrt ist und den Einlagen der Anleger keine ausreichenden Vermögensgegenstände der Bank mehr gegenüberstehen. Das heißt, die Bank hat das Kapital ihrer Anteilseigner und ihrer Anleger verspielt. Verluste wurden auf raffinierte Weise vertuscht, so z.B., wie im Herbst bekannt wurde, durch die Umwandlung von Krediten, die nicht in den offiziellen Büchern verzeichnet waren, in Derivate, wobei die Deutsche Bank 2013 im Umfang von 10,5 Milliarden Euro Hilfestellung geleistet hat, wie bei einer Anhörung durch die BaFin ans Licht kam.

Dass es allerdings ganz normal ist, dass Banken pleite gehen müssen, ja dass es sich um einen systemimmanenten Vorgang handelt, der im Grunde nur durch Lug und Betrug hinausgezögert werden kann, liegt daran, dass Banken eben nicht als Kreditvermittler tätig werden und sich mit einer Provision zufrieden geben würden, wie ein Makler, der Geld und Geldnachfrage zusammenbringt, sondern als eigenständiges Kredit-Gewerbe "auf eigene Rechnung" arbeiten und Anlagen annehmen und Kredite vergeben.

Hier treffen Mechanismen aufeinander, die wirken, wie Kontinentalplatten, die aufeinander zu triften.

Mechanismus 1:

Ein Kredit ist nicht nur ein Kredit, sondern in aller Regel die Voraussetzung für die Bezahlung einer Rechnung. Das dem Kreditnehmer eingeräumte Guthaben fließt also nach der Kreditgewährung sehr schnell auf das Konto eines Vertragspartners, der als Verkäufer oder Dienstleister in Erscheinung getreten ist.

Der Kreditnehmer muss nun seinerseits Leistungen erbringen, um Geld einzunehmen, das er benötigt, um den Kredit tilgen zu können.

Mechanismus 2:

Ein aus Arbeit, Handel, Erbschaft oder Spekulation entstandenes Guthaben kann selbstverständlich ebenfalls verwendet werden, um Rechnungen zu bezahlen, es kann aber auch einfach bei der Bank liegen bleiben, bis Verwendung dafür besteht.

 

Die Plattenverschiebung bei der Bank:

Teile der von den Banken an Schuldner ausgereichten Kredite werden - aufgrund der Gewinne von Unternehmen - zu Guthaben anderer Bankkunden. Dabei handelt es sich um Geld, das nicht im Umlauf ist, weil es von den Anlegern nicht ausgegeben und damit als Liquidität in den Wirtschaftskreislauf zurückgegeben wird.

Lebten wir in einem Finanzsystem mit fixer Geldmenge, würde exakt dieses Ersparte dazu führen, dass die aufgenommenen Kredite nicht vollständig getilgt werden können.

Je größer also die Ersparnisse der Anleger werden, desto geringer die Chance auf die vollständige Tilgung aller Kredite.

Da wir in einem Finanzsystem mit variabler Geldmenge leben, in welchem durch neue Kreditvergabe immer wieder neue Liquidität ins Spiel kommt, fällt es lange nicht auf, dass die wachsenden Guthaben einem ebenso wachsenden Schuldenberg gegenüberstehen, der jedoch in sich immer maroder wird, weil sich das zur Tilgung notwendige Geld zu einem immer größeren Teil bereits auf den Konten der Sparer befindet.

Wenn nun die Banken bei der Kreditvergabe vorsichtiger werden, wenn zudem der Staat als einer der größten Liquiditätsverteiler beginnt zu sparen, d.h. Ausgaben reduziert und eventuell sogar selbst keine neuen Kredite mehr aufnimmt, müssen zwangsläufig Teile der alten Kredite notleidend werden.

Das bedeutet, dass den Einlagen der Anleger einer Bank irgendwann Forderungen der Bank an ihre Kreditnehmer gegenüberstehen, von denen angenommen werden muss, dass sie nicht vollständig zurückgezahlt werden können.

Die nachstehende Tabelle geht von "idealen" Voraussetzungen aus.

Aus einem einmaligen Erstkredit entsteht die anfängliche Liquidität von 100.000 Einheiten.
Allerdings werden bereits im 1. Jahr 10% Tilgung fällig, so dass im zweiten Jahr eine Neuverschuldung von 10.000 Einheiten eingegangen werden muss. Außerdem werden jährlich 3.000 Einheiten in die Ersparnisse überführt, so dass zum Ausgleich dieser Liquiditätsverluste weitere 3000, insgesamt also 13.000 Einheiten neuer Schulden aufgenommen werden müssen. Die anfängliche Kreditsumme steigt damit auf 103.000 Einheiten, was eine Tilgung von 10.300 Einheiten (10%) erforderlich macht.

Obwohl in diesem Beispiel weder Schuld- noch Guthabenzinsen berücksichtigt werden, und die Kreditsumme dank hoher Tilgung nur geringfügig steigt, ist schon am Ende des zehnten Jahres (erste gelbe Markierung) zu erkennen, dass sich eine Katastrophe anbahnt.

Denn es muss klar sein, dass die Liquidität von 76.540 Einheiten nicht mehr ausreicht, um die Kreditsumme von 106.540 Einheiten zu tilgen. Das ist Tiefschlag Nr. 1.

Doch es gibt einen Tiefschlag Nr. 2, den sich kaum jemand vorzustellen vermag: Sollte die Restliquidität tatsächlich zur Tilgung verwendet werden, womit die realisierbaren Forderungen der Bank realisiert wären, steht die Bank gegenüber ihren Gläubigern, den Einlegern, vollkommen nackt da.

Die Liquidität ist weg.

Es gibt nur noch uneinbringliche Forderungen der Bank gegen die Schuldner
und uneinbringliche Forderungen der Anleger gegenüber der Bank.

Dieses Prinzip wirkt im Kreditgeldumfeld besonders erschreckend, es würde aber in einem Vollgeld- oder Warengeldsystem ebenso wirken.

Auch wenn die Kredite nicht aus dem Nichts geschöpft würden, sondern reale "Wertträger" verliehen würden, muss die Ersparnisbildung zwangsläufig dazu führen, dass sich die Werte der obigen Tabelle ganz ähnlich wiederholen.

Um das Grauen in seiner vollen Schönheit zu erkennen, ist der Weg, den Niedergang von Jahr zu Jahr oder in 10-Jahres-Sprüngen zu verfolgen, eine großartige Gelegenheit.

Selbstverständlich hält sich die Realität nicht an die Werte der vorgestellten Tabelle. In der Realität wird der Liquiditätsverlust durch progressiv ansteigende Neuverschuldung ausgeglichen und zumeist sogar überkompensiert. Der Versuch, so die im Markt vorhandene Liquidität einigermaßen konstant zu halten, führt aber zwangsläufig dazu, dass sich das Kreditvolumen aufbläht, womit die Tilgungsverpflichtungen wachsen, was wiederum - bei nur gleichbleibender Ersparnisbildung dazu führt, dass den Einlagen der Sparer relativ früh keine ausreichenden Vermögenswerte mehr gegenüberstehen.

Lässt man die Neuverschuldung jährlich nur um 2% wachsen (dieser Wert erinnert nicht zufällig an das Inflationsziel der EZB), dann erhöht sich die Kreditsumme nach 10 Jahren bereits auf 113.616 Einheiten (statt 106.540), mit dem Effekt, dass die Liquidität nur auf 83.616 Einheiten (statt 76.540) zurückgeht.

Selbst unter der Voraussetzung einer nominal gleichbleibenden Ersparnisbildung ist zum Erhalt der Liquidität ein relativ steiler Anstieg der Gesamtverschuldung erforderlich.

Die Lücke zwischen den maximal zur Tilgung verfügbaren Mitteln (Liquidität) und der Kreditsumme bleibt jedoch gleich. Sie entspricht exakt der Höhe der Ersparnisse.

Das bedeutet, dass die Ausweitung der Kreditvergabe nur einen einzigen Zweck verfolgt, nämlich auf Basis der für Handel und Wandel erforderlichen Liquidität die Ersparnisbildung über einen längeren Zeitraum fortsetzen zu können, also den Systemzusammenbruch zu Gunsten der Ersparnisbildung hinauszuschieben.

Es sind die Banken, bei denen die Lücke zwischen Liquidität und Kreditsumme als Verlust in den Büchern aufscheint, jedoch erst, wenn die faulen Kredite nicht mehr zum Nominalwert in die Bilanz eingestellt, sondern realitätsnah abgeschrieben werden.

Würde jeder Sparer seine Ersparnisse direkt an Schuldner verleihen, ließe sich die Kreditgewährung nicht (beliebig) ausweiten, sondern würde durch die Höhe der jeweils vorhandenen Ersparnisse begrenzt - und, Verluste aus uneinbringlichen Forderungen würden direkt bei den einzelnen Gläubigern eintreten.

Im Kreditgeldsystem sind es die Banken, welche das Geld schaffen, das die Ausweitung der Ersparnisse zu Lasten der Liquidität ermöglicht - und es sind ebenfalls die Banken, in deren Bilanzen sich zwangsläufig die Ersparnisbildung als Verlust abzeichnen muss.

Innerhalb des weltweit verbundenen Bankensystems ist es relativ einfach, wenn es auch einer gehörigen Portion krimineller Energie bedarf, die (leichte) Schieflage des Gesamtsystems in die (massive) Schieflage eines einzelnen Instituts, oder einer Gruppe von Instituten, bzw. allen Instituten einer Volkswirtschaft zu verwandeln.

Wir können davon ausgehen, dass die Aktivitäten des weltweiten Bankensystems von einer sehr kleinen Gruppe von Menschen sehr bewusst vorgegeben werden, weil sie, obwohl die einzelnen Institute unabhängige Rechtspersönlichkeiten mit eigenem Vorstand sind, als Eigentümer in den entscheidenden Gremien vertreten sind und ihre Strategie in (geheimen) Zirkeln, gänzlich außerhalb der gesetzlichen Bestimmungen des Unternehmens-, Handels- und Bankenrechts - fernab aller Bestimmungen des Strafrechts, unerreichbar und unantastbar für die Strafverfolgung - verabreden.

Trotz aller unheiligen Eide, die man sich in Brüssel und im Frankfurter EZB-Turm geschworen hat, wird nun wieder ein Institut - und in der Folge wohl das halbe italienische Bankwesen gerettet werden. Eine Rettung, die ausschließlich auf Basis von Neuverschuldung anderer möglich wird und die, solange der Zusammenbruch des maroden Weltfinanzwesens noch durch immer weitere Kredite hinausgezögert wird, den Steuerzahlern aufgebürdet wird.

Das zwingt dazu, diesem Kommentar noch einen Absatz anzufügen.

Es geht um die Begriffe "Sparer" und "Steuerzahler".

Steuerzahler ist, wer Steuern zahlt, gleich welcher Art. Es hat sich eingebürgert, Sprüche loszulassen - und diesen Sprüchen auch noch zu glauben - die behaupten, Geringverdiener und Empfänger von Transferleistungen zahlten überhaupt keine Steuern, während die Bezieher hoher und höchster Einkommen die Hauptlast der Steuern zu tragen hätten. Wer auch nur für 5 Cent Verstand im Hirn hat, weiß, dass auch die Hartz-IV-Empfänger zum Steueraufkommen beitragen, auch wenn bei ihnen weder Lohn-, noch Einkommensteuer fällig werden.

Doch wenn rund 6 Millionen Hilfeempfänger mit monatlichen direkten Unterstützungsleistungen von durchschnittlich 400 Euro davon ihren lebensnotwendigen Bedarf decken, dann fallen für ungefähr 300 Euro 7% und für ungefähr 100 Euro 19% MwSt. an, also 40 Euro pro Monat, 480 Euro pro Jahr - und für alle zusammen 2,9 Milliarden Euro. Eine Steuerlast von 10% ist also das Mindeste, was der Staat jedem abknöpft, der es wagt, zu existieren. Steuerfrei ist nur, wer in einer Haftanstalt einsitzt und, außer der ihm dort zustehenden Verpflegung, keinerlei Konsum pflegt.

Der Steuerzahler, das ist ganz überwiegend der so genannte "kleine Mann", nicht zuletzt auch der "kleine Angestellte" oder der "kleine Unternehmer". Legale Steuerschlupflöcher werden von allerhöchster Stelle geöffnet und angeboten, es kann sich schließlich jeder, der genug verdient, steuerlich da behandeln lassen, wo es am wenigsten wehtut. Nur wer Steuern hinterzieht, also Einkommen vor den Finanzämtern vollkommen verbirgt, folglich Schwarzgeld ansammelt, muss gelegentlich mit einem Verfahren rechnen.

Selbst bei vollständiger Steuerehrlichkeit tragen die Reichsten, im Verhältnis zum Einkommen, nur wenig zum Steueraufkommen bei, während die Mittelschicht über Lohn- und Mehrwertsteuer, sowie weitere Verbrauchssteuern leicht über 50% des Einkommens an den Fiskus abführt.

Sparer ist, wer am Weltspartag von der Sparkasse ein rosiges Sparschwein geschenkt bekommt, um im nächsten Jahr die eingeworfenen Münzen aus dem Taschengeld zählen und aufs Sparbuch schreiben zu lassen. Sparer ist, wer etwas zurücklegt, um sich einen größeren Wunsch erfüllen zu können. Sparer ist, wer fürs Alter spart, wer für den Hausbau spart - doch wenn Banken gerettet werden und die Sparer dafür zur Kasse gebeten werden sollen, dann sind auch George Soros und Warren Buffet, die Aldis und die Quandts nur einfache Sparer, deren Ersparnisse geschützt werden müssen.

Nicht umsonst heißt es nun bei Monte dei Paschi di Siena, die Regierung würde einen Aufstand provozieren, würde sie nicht die Kleinsparer retten, die ihre Ersparnisse in Papieren der Monte angelegt hätten.

Für Kleinsparer, meine ich, würde der Einlagensicherungsfonds vollkommen ausreichen. Und die Rettung dieser Ersparnisse würde auch Sinn machen, weil die nämlich in absehbarer Zeit wieder als Liquidität in die Wirtschaft fließen würden.

Wer als "Großsparer" von der unerbittlichen Mechanik des Bankwesens getroffen wird, erfährt nichts anderes als den Ausgleich für Vorteile, die er bisher davon hatte und unentgeltlich für alle Zeiten zu haben glaubte. Außerdem kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass er das Opfer einer Verschwörung seiner Mitsparer geworden ist. Opfer müssen eben gebracht werden.

Dass in diesen Tagen ausgerechnet die älteste Bank der Welt ausgewählt wurde, um eine neue Runde des Finanzcrashs einzuläuten, könnte darauf hindeuten, dass es diesmal die finale Runde - wenigstens für den Euro - werden soll.

Griechenland erschien beherrschbar.

Italien ist nicht zu stemmen.

 

 

 

 

 


 

 

 

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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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