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10. Dezember 2016

09.30 Uhr Was tut Draghi da eigentlich?


Der Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen soll also weitergehen. Die vorläufige Zielmarke steht jetzt bei 2,28 Billionen Euro.

(2.280.000.000.000 €)

Davon könnte man zum Beispiel 4,5 Millionen Eigenheime für je eine halbe Million Euro bauen, oder 9.000 Boeing 747 Verkehrsflugzeuge kaufen, oder 2.500 Elbphilharmonien hinstellen, oder 350 Hauptstadtflughäfen. Man könnte die Summe auch auf alle 500 Millionen EU-Bürger verteilen, und jeder bekäme rund 4.500 Euro Euro zur freien Verfügung aufs Konto.

Das alles geschieht jedoch mit diesem Geld nicht. Auch nichts Vergleichbares.

Doch zunächst zum Handwerklichen. Was Draghi da tut, ist im Grunde ganz einfach:

Draghi kauft Schuldscheine.

Er bezahlt dafür mit einer Ausweitung der Liquidität.

Er betreibt "Währungsverdünnung".

Die Staatsfinanzierung durch die Vergabe von Pfandbriefen oder Anleihen war einst ein Geschäft, bei dem durch "Sparer" stillgelegtes Kapital reaktiviert wurde. Auch damit wurde Liquidität in den Markt gebracht - allerdings mit dem Unterschied, dass diese Liquidität vorher durch Sparer in nicht liquides Geldvermögen umgewandelt wurde. Es wurde also nur zurückgeführt, was vorher schon vorhanden war.

Die Liquiditätsversorgung von Banken durch die EZB wurde auch früher schon durch die Beleihung von Schuldscheinen realisiert. Allerdings handelte es sich da nicht um den Ankauf, sondern die Schuldsscheine wurden als Sicherheit für Zentralbankkredite hinterlegt.
Die Banken waren daher auch daran interessiert, ihre Kredite wieder zu tilgen - und zumeist geschah das innerhalb sehr kurzer Zeiträume, ohne nachhaltige Auswirkung auf die Liquidität im Markt, weil eben einfach nur ein vorübergehender Liquiditätsengpass zu überbrücken war, der jedoch keine Gefahr für die Existenz einer Bank darstellte.

Nun, da die EZB die Schuldschein nicht als Sicherheiten annimmt, sondern sie ankauft, wird die Liquidität nachhaltig in die Höhe getrieben. Würde die EZB dafür bei ihr angesammelte "Sparguthaben" verwenden, wäre immer noch alles in Ordnung. Doch solche angesammelten Sparguthaben gibt es bei der EZB nicht. Die EZB bezahlt mit Geld, dass sie nicht hat. Sie macht es einfach.

Weil diesem zusätzlichen Geld aber keine zusätzlichen Werte gegenüberstehen, bleibt die gesamte Kaufkraft der erweiterten Liquidität gegenüber der gesamten Kaufkraft der vorher vorhandenen Liquidität unverändert - zumindest theoretisch und zumindest da, wo das Geld ankommt.

Das ist ganz deutlich an den Börsen zu erkennen. Unabhängig von den sonstigen Erwartungen und spekulativen Bewegungen der Kurse, hat die Ankündigung der Erweiterung des Ankaufprogramms die Preise der Aktien in die Höhe getrieben - und den Kurs des Euro nach unten gedrückt. Das ist eine zwangsläufige Reaktion der Finanzmärkte auf die Ausweitung der Geldmenge, mit der die Relationen zwischen dem Euro und den übrigen Währungen in Bezug auf die Finanzanlagen letztlich stabil gehalten werden.

Wenn ein amerikanischer Anleger bisher 106 Dollar ausgeben musste, um eine Aktie für 100 Euro zu kaufen, die Aktie nun aber wegen der Geldentwertung 110 Euro kostet, dann wird der amerikanische Anleger weiterhin nur 106 Dollar ausgeben müssen, wenn sich der Wert der Aktie nach Auffassung der Märkte nicht aus anderen Gründen verändert hat. Das heißt, dass sich der Euro/Dollar Kurs aufgrund einer technischen Reaktion von 1 Euro = 1,06 $ auf 1 Euro = 1,0377 $ verändern muss.

Im Inland steigen aber nicht nur die Preise für Aktien, sondern zum Beispiel auch die Preise für Immobilien. In deren Folge steigen die Preise für die Mieten, was bedeutet, dass die Anleger und Investoren, trotz der Währungsverschlechterung ihre Kaufkraft behalten, während die Konsumenten an Kaufkraft verlieren, so lange sich ihre Netto-Einkommen nicht im gleichen Maße erhöhen. Dies aber geschieht erkennbar nicht.

So werden die abhängig Beschäftigten nicht nur als "Sparer" vom Kaufkraftverlust der Währung betroffen, der im Null-Zins-Umfeld auch nicht durch Zinserträge kompensiert wird, sie werden zugleich als Lohn- und Gehaltsempfänger, als Rentner und Arbeitslose um Teile der ihnen monatlich zufließenden Kaufkraft gebracht.

Weil die Inflation sich jedoch überwiegend in den Kursfeuerwerken an den Börsen zeigt und im Bereich der Konsumartikel und Gebrauchsgüter nicht im gleichen Umfang angekommen ist, was zum Teil auch dem (noch) niedrigen Ölpreis zu verdanken ist, wird der "kleine Mann" diesen Effekt erst merken, wenn er versucht erspartes Geld selbst in werthaltige Güter (z.B. Haus und Grund) umzuwandeln.

Hier wird sichtbar, dass die Staatsschulden, welche die EZB in großem Maßstab aufkauft, obwohl die Chance auf die vollständige Rückzahlung ausgesprochen gering ist, über die Währungsverschlechterung primär dem "kleinen Mann" aufgebürdet werden, indem seine Arbeitsleistung per Kaufkraftverlust des Lohnes entwertet wird, während die Wertanlagen der "Investoren" aufgrund der Preissteigerungen an den Anlagemärkten ihre Kaufkraft, also ihren eigentlichen Wert behalten. Der Steuerzahler, und hier ist wiederum ganz überwiegend der kleine Mann gemeint, wird zusätzlich herangezogen, wenn zusätzliche Rettungsmaßnahmen aus der Staatskasse zu finanzieren sind. Entweder durch Leistungseinschränkung oder durch Steuererhöhungen, oder durch Privatisierungen, die wiederum die volkswirtschaftlichen Kosten der Nutzung der Infrastruktur in die Höhe treiben.

So lässt sich unschwer der Schluss ziehen: Das Anleihen-Ankauf-Programm der EZB ist Diebstahl durch Geldentwertung - und dies in einem ungleich höheren Maße als es die offizell ermittelte Inflationsrate zu erkennen gibt, weil Börsenkurssteigerung eben nicht als Inflation erfasst, sondern allenthalben als Stärke der Wirtschaft bejubelt werden, obwohl diesen nominellen Mehrwert am Ende der kleine Mann durch realen Minderwert auszugleichen hat.

Und gleichzeitig veranstaltet der Bayerische Rundfunk eine Spendengala mit dem Namen "Sternstunden" um ein paar Millionen Euro für arme Kinder einzusammeln. Das ist an sich eine gute Sache - vor dem Hintergrund der Billionengeschenke der EZB an die so genannten Investoren, die den weniger Begüterten per Inflation aus der Tasche gezogen werden, handelt es sich jedoch um eine Farce sondersgleichen! Was der BR bis gestern Abend eingesammelt hat (knapp 6 Millionen) haut Draghi per Anleihen-Ankauf 380.000 Mal aus dem Fenster!


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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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