i


30. November 2016

11.00 Uhr Es ist ja nur Angst, was die Rechten stark macht.

Ich nenne es eine hinterhältige Formulierung, was SPIEGEL online da über eine Studie der üblicherweise verdächtigen Bertelsmannstiftung zusammenschreibt, die ebenfalls bei ihrer Suche in 28 Ländern nur die "Angst" gefunden hat, und das vor allem auf dem flachen Land und bei den weniger Gebildeten, was zudem impliziert, dass es die Dummen sind, die aus ihrer unbegründeten Angst von den Fahnen gehen.

Zudem hat die Studie, was ebenfalls nur als hinterhältig bezeichnet werden kann, noch den Versuch unternommen, die statistisch veredelten Rohdaten zur "Angst" vor der Globalisierung den ebenfalls statistisch veredelten Daten zu den "Werten" gegenüberzustellen.

Herausgekommen ist der von den Medien aufgegriffene und suggestiv verwurstelte Zweiklang: Die ungebildeten Dummen haben Angst vor der Globalisierung, während ihnen der Wertewandel vollkommen egal ist.

Diese Studie mutet an wie eine surrealistische Szene an einem kleinen Bahnhof tief in der Nacht. Ein Zug naht heran. Drei Reisende stehen am Bahnsteig und freuen sich auf ihre Abreise - und unten, auf den Gleisen, bemüht sich ein Retter um eine ins Gleis gestürzte Person. Wenn die nun befragt werden, sind sicherlich diejenigen, die oben in Sicherheit stehen und das Drama unten am Gleis gar nicht wahrnehmen, sehr dafür, dass der Zug nicht aufgehalten wird, während die beiden anderen nichts sehnlicher wünschen.

Dies nun in einer Studie der Bertelsmannstiftung verarbeitet, würde ungefähr so lauten:

Bei einer repräsentativen Befragung von zufällig anwesenden Personen an einem durchschnittlich frequentierten, oberirdischen Hauptbahnhof, wollten wir herausfinden, warum sich 181 Jahre nach der Eröffnung der ersten Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Fürth, wieder vermehrt Menschen von der Eisenbahn als Verkehrsmittel abwenden. Wir fragten danach, ob das Herannahen eines Zuges bei ihnen archaische Ängste auslöst, oder ob sie aus Gründen konservativ-ökologischer Wertvorstellungen andere Verkehrsmittel (Fahrrad - E-Autos) bevorzugen würden.

Das Ergebnis:

60 Prozent der Befragten sahen im Herannahen des Zuges eher Chancen, 40 Prozent hatten erkennbar Angst davor.

Interessant ist, dass Städter und Gebildete, die wir auf der oberen Ebene des Bahnhofs antrafen, dabei mehr Chancen sehen und weniger Angst haben, als Befragte, die sich bevorzugt auf der unteren Ebene aufhielten und bisher nur selten oder noch nie in direkten Kontakt mit Zügen gekommen waren.

Bezeichnend dabei auch, dass den Menschen auf der unteren Ebene des Bahnhofs vollkommen egal war, ob der herannahende Zug von einer Diesel- oder ein E-Lok gezogen wird, während sich auf der höheren Ebene ein Großteil eindeutig für den vermehrten Einsatz von elektrischen Lokomotiven aussprach.

 

Globalisierungskritik ist heute so wichtig, wie einst die Kritik am Feudalismus in Frankreich oder Russland, bevor es zu den Revolutionen kam. Die negativen Folgen der Globalisierung für den Großteil der Menschheit sind so offenkundig, dass es nicht verwundern darf, wenn sich nun auch in jenen Ländern, deren Bürger sich lange Zeit - im Vergleich mit anderen - als Gewinner ansehen durften, ein immer stärkerer Widerstand dagegen organisiert.

Die realen Ziele und die offenkundigen Folgen der Globalisierung vollständig auszublenden und denjenigen, die sie erkennen und/oder am eigenen Leibe verspüren, als dumme, naive Angsthasen vom Lande hinzustellen, wo sich Fuchs und Hase "Gute Nacht" sagen, ist eine Infamie sondersgleichen.

Wenn die großen Volksparteien, die der Globalisierung die Türe aufgestoßen haben, das nicht begreifen wollen, dann dürfen sie sich nicht wundern, wenn ihnen die Wähler abhanden kommen. Und wenn sie solche Studien in Auftrag geben oder auch nur wohlwollend betrachten, und sich davon in ihren Irrtümern bestätigen und bestärken lassen, dann haben sie es auch nicht anders verdient.

 

 

 

 

 

 

 

 

Bücherstube


 

Der Weg zum Wohlfühlgewicht
beginnt auf der Waage.

 

Hier
könnten Sie ihn fortsetzen.


 Priester Messident

Sprachverwirrung
Babel, babbel, brabbel

NEU am 31.01.206

- Hier -

,


 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

-Suchmaschinenoptimierung mit Ranking-Hits -