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19. November 2016

17.00 Uhr Opi, Opi, liest Du mir noch eine Geschichte vor?

Als es noch kein Fernsehen gab und keine Videospiele und Kinder abends ins Bett gebracht wurden, lange bevor die Erwachsenen auch Schlafen gingen, war diese unwiderstehliche Bitte oft zu hören. Statt Opi, konnte es natürlich auch Mami, oder Papa oder Omi heißen, doch die Sehnsucht, von einem vertrauten Menschen auf dem Weg in ein Fantasieland begleitet zu werden und dort seine Abenteuer zu erleben, ein bisschen Angst zu haben, vor Gespenstern, laut zu lachen, über den Narren, stolz zu sein, ein Ungeheuer besiegt zu haben, die war bei allen Kindern immer groß.

Nostalgie? Alles vorbei?

Die "Stiftung Lesen" hat gerade in diesen Tagen das Ergebnis einer Umfrage veröffentlicht, das ganz klar aussagt:

Fast alle Kinder lieben es, wenn man ihnen vorliest.

Und, was für mich persönlich die noch viel wichtigere Aussage ist:

Am Vorlesen schätzen die Kinder übrigens besonders,
dass sie dabei die volle Aufmerksamkeit der Eltern bekommen.

Wo Vorlesen nicht zu den gewohnheitsmäßigen Ritualen gehört, vielleicht überhaupt nicht gepflegt wird, kann es schon sein, dass Eltern oder Großeltern zuerst einmal zu hören bekommen: "Oooch nee, ich will lieber noch ..."

Das wird aber kaum zu hören sein, wenn die Ankündigung: "Ich lese euch jetzt eine Geschichte vor", dann kommt, wenn die Kinder bereits die volle Aufmerksamkeit haben, wenn man sich eine Weile ganz auf sie eingelassen hat, mit ihnen zusammen etwas gespielt oder auch nur zusammen zu Abend gegessen hat. Vielleicht sogar, wenn es Zeit ist, ins Bett zu gehen und die gute alte "Gute-Nacht-Geschichte" das Ende des Tages noch ein bisschen hinauszögern kann.

Ich weiß, es gehört ein bisschen Überwindung dazu, den Versuch zu unternehmen, gegen die grellen Zeichentrickfilme und die hektischen Videospiele anzutreten. Doch wenn Sie es versuchen, werden Sie schnell bemerken, dass ein Mensch, der eine Geschichte erzählt oder vorliest und dabei auf die Zuhörer wirklich eingehen kann, weil er eben keine Konserve ist, sondern ein lebendiges, einfühlsames Wesen, für die meisten Kinder zwischen drei und zwölf sehr viel attraktiver ist als ein kalter Bildschirm, auf dem noch so tolle Spezialeffekte in rascher Folge ihr Pulver verschießen.

Uwe Brosch, ein Geschichtenerzähler und Liedermacher, ist an den Grundchulen seiner Heimat - und weit darüber hinaus - ein beliebter Gast, der ganze Schulklassen mit seinen Geschichten verzaubert und sie die Abenteuer seines Buddelschiffkobolds Bodo miterleben lässt.

Das fängt dann ungefähr so an:

"Jetzt seht euch diesen Faulpelz an! Liegt morgens um 11 Uhr noch in seiner Koje und schnarcht, als wollte er ganze Wälder zersägen! Von den Brettern könnte der glatt ein neues Schiff bauen!"
Giftgrün umkreiste der kleine Wecker Bodos Bett. Der Wuschelkopf des Kobolds zitterte bei jedem Schnarcher mit. "Na, dir werde ich helfen, du Buddelschiffpenner!"

"Trriiiiing!!
Trriiiing!"

Mit einem Satz sprang Bodo aus dem Bett.
"Wie? Wer? Wo? Was? An die Kanonen! Überfall! Ich komme!"
Doch dann entdeckte er den Übeltäter, der vor Schadenfreude noch giftgrüner leuchtete als sonst. Ärgerlich zupfte sich Bodo seinen gouda-gelben Schlafrock zurecht.
"Wie oft habe ich dir gesagt, dass du etwas leiser klingeln sollst! Willst du mich zu Tode erschrecken?"
"Papperlapapp, leiser klingeln!", lautete die prompte Antwort.
"Ich bin ein Wecker und deswegen..."
"...musst du mir trotzdem nicht auf den Wecker gehen!", fiel Bodo dem Störenfried ins Wort und machte Anstalten, wieder in seine Koje zu steigen.
"Trriiiing!! Aufgeblieben! Oder soll ich noch deutlicher werden, du Schlafschaf?"
"Nun reichts!", schnaufte der Kobold wütend.
"Was spielst du dich so auf? Ich mach dich mal ´ne Nummer kleiner! Also:

Grüner Wecker, wird jetzt klein,
spar dir deine Nervereien!"

Im nächsten Augenblick hielt Bodo den Wecker, der nur noch so groß wie eine Taschenuhr war, in seiner Hand. Während er ihn grinsend unter das Kopfkissen schob, hörte er noch wie aus weiter Ferne seine trotzige Stimme: "Morgen schmeiß ich dich wieder aus den Federn! Darauf kannst du einen..."
"Na, lass mal!", lachte Bodo und strich sein Kopfkissen glatt.
"Habe ich einen Hunger!


Pfanne, schwing dich auf den Herd.
Frühstück wär jetzt nicht verkehrt.
Seemannsmäßig, Ei mit Speck,
putz ich ratzfatz einfach weg!"


Schon rutschte eine große gusseiserne Pfanne von ihrem Haken auf den Herd, öffnete sich der Kühlschrank und ein Stück Butter, drei Eier und zwei Scheiben Speck machten sich auf den Weg. Bald brutzelte und duftete das Frühstück vor sich hin. Aber nicht lange. Denn wenig später wackelte Bodo satt und zufrieden mit seinen großen Segelohren.

Das Nächste war, auf Deck nach dem Rechten zu sehen. Waren die Segel ordentlich festgezurrt? Musste mal wieder das Deck geschrubbt werden? Hatten die schiffseigenen Hühner noch genug Futter?

Doch während auf dem Oberdeck alles tiptop aussah, herrschte in Bodos Kajüte dagegen ein mindestens mittleres Chaos. Zimmer aufräumen war nicht gerade seine Stärke. Na, ihr kennt das ja vielleicht, wenn ihr zum Beispiel das Wohnzimmer eurer Eltern mit dem Oberdeck und das eigene Zimmer mit Bodos Kajüte vergleicht.

"Wo habe ich nur wieder mein Schnitzmesser hingelegt", murrte Bodo und knallte den Kühlschrank, in dem er nur einen roten Socken gefunden hatte, zu. Doch weder im Brotkasten, noch im Backofen konnte er es finden.
"So bekomme ich meinen Bumerang nie fertig geschnitzt, beim Klabautermann noch mal!"
Bodo verdrehte missmutig die Augen Richtung Kajütendecke.
"Da steckst du!", rief er überrascht, kletterte auf einen Stuhl und zog es aus dem Holz. Stimmt, gestern hatte er Messerwerfen von unten nach oben geübt. Die nächsten zwei Stunden war nun Bumerangschnitzen angesagt.
"Sieht gut aus", murmelte Bodo schließlich zufrieden. Das flache Krummholz lag leicht in der Hand.
"Mal sehen, ob es auch funktioniert."
Auf dem Oberdeck stellte er sich an die Reling. Im nächsten Moment sirrte der Bumerang halb schräg hinaus auf das Meer.
"Ich muss mich loben", dachte Bodo, "das habe ich wieder richtig toll hingekriegt."
Viel weiter dachte Bodo allerdings nicht, denn das Wurfholz war inzwischen auf dem Rückweg. In einem Affenzahn kreiselte es direkt auf Bodo zu. Seine Augen wurden in dem Maße größer, wie der Bumerang näher kam.
"Ab morgen kann ich nur noch Suppe schlürfen", schoss es ihm noch durch den Kopf, "denn an dieses Ding werde ich gleich alle meine Zähne auf einmal los."
Doch als der Bumerang ihn fast erreicht hatte, gelang es ihm gerade noch, den Kopf einzuziehen. So landete das Holz nur in dem Gatter mit den Hühnern, die aufgeregt gackernd auseinander stoben.
"Da habe ich noch einiges zu üben."
Kleinlaut pustete Bodo eine Feder von dem Wurfgeschoss. Dann setzte er sich mit einem Käsebrot auf den Balkon über dem Bug und erholte sich für den Rest des Tages von seinem Schrecken. Er hatte ja alle Zeit der Buddelschiffwelt!

 

Zwei Bücher über Bodo, den Buddelschiffpiraten hat Uwe Brosch geschrieben, und Ines Rarisch hat sie mit ihren treffenden Zeichnungen illustriert. Es sind kleine, preiswerte Taschenbücher geworden, leicht zu transportieren und damit genau das Richtige, für den, der vorliest.

Bisher kostete ein Einzelband 9,90 Euro (geb. Ladenpreis).

Für Ihre vorweihnachtlichen Leseabende biete ich ab sofort und bis zum 31.12.2016 beide Bände gemeinsam für glatte 10 Euro an.

Da sollten Sie zugreifen.

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 Egon W. Kreutzer

Egon W. Kreutzer, PortraitAutor und Verleger - mit einem außergewöhnlichen Hang zur Nachhaltigkeit, meint:

Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.

Wirksame Kritik muss in aller Klarheit und mit der gebotenen Schärfe auf allgemeine Anstrengungen zur Veränderung von Sachverhalten und Umständen abzielen.

Verhaltensänderungen kritisierter Personen sind dafür nicht Bedingung, sondern bestenfalls erfreuliche Folge.


 
 

 

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